MHP befragt Unternehmen zur Post-Quantum-KryptographieDie Zeit rennt - manche sind bereits zu spät mit der Umstellung auf quantensichere Schlüssel dran
Quelle: Pressemitteilung
MHP Management- und IT-Beratung GmbH
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Unternehmen stehen vor einem strategischen Dilemma: Quantencomputer werden bald in der Lage sein, heutige Verschlüsselung zu knacken, Doch viele Organisationen benötigen Jahre, um auf neue Sicherheitsstandards umzusteigen. Das Zeitfenster schrumpft schnell, auch für deutsche Unternehmen.
Die repräsentative Umfrage von MHP Management- und IT-Beratung hat ergeben, dass man sich in den meisten Unternehmen bewußt ist, dass Quantecomputer in absehbarer Zeit herkömmliche Verschlüsselungen knacken können.
(Bild: Shutterstock)
Die wichtigsten Erkenntnisse vorab:
Neun von zehn der befragten Unternehmen in Deutschland und den USA treiben Post-Quantum-Kryptographie (PQC) bereits aktiv voran – vom Pilotprojekt bis zur Migration.
Die Mehrheit erwartet Durchbruch leistungsfähiger Quantencomputer („Q-Day“) innerhalb der nächsten fünf oder zehn Jahre.
Der Wettlauf gegen die Quantencomputing-Erfolge wird knapp; denn die Migration auf neue Verschlüsselung dauert meist zwei bis fünf Jahre. Dabei bremsen komplexe Altsysteme die Umstellung zusätzlich.
Deutschland und USA liegen mit mit strukturellen Unterschieden im Detail beim PQC-Fortschritt weitgehend gleichauf.
Diese Lage-Einschätzung beruht auf einer aktuellen repräsentative Befragung unter 1.060 IT-Expertinnen und -Experten in Deutschland und den USA, initiiert von der Management- und IT-Beratung MHP.
Das Gemeine ist, dass keiner sagen kann, wann der „Q-Day“ kommt und selbst wenn bisherige Codes entschlüsselt werden können, es am Anfang kaum einer merken würde, weil die Barrieren entfallen.
(Bild: MHP)
Berater sprechen gerne vom „Q-Day“. Gemeint ist der Moment, ab dem Quantencomputer bestehende Verschlüsselung brechen können. Abwarten können Unternehmen das auf keinen Fall; denn es besteht die Gefahr „Store now, decrypt later“: Daten werden abgefangen und gespeichert, um sie später zu entschlüsseln.
Verhindern kann das lediglich die Post‑Quantum‑Kryptographie (engl. PQC) oder für sehr kritische Infrastrukturen auch eine Quantum Key Distribution (QKD). Unternehmen und Organisationen müssen sich also zeitnahdamit befassen und ihre Produkte sowie Systeme quantensicher gestalten.
Das Quantenrisiko wird konkret: USA bei Automatisierung vorn
PQC erhält in Unternehmen deutlich mehr Aufmerksamkeit, als es die öffentliche Debatte vermuten lässt. Rund 86,6 Prozent der Organisationen in Deutschland treiben das Thema Post-Quantum-Kryptografie voran – von der strategischen Planung über Pilotprojekte bis hin zur aktiven Migration. 14,3 Prozent geben sogar an, ihre kritischen Systeme bereits auf Quantum-resistente Verschlüsselung migriert zu haben.
Jan Wehinger, Partner bei MHP, kommentiert: „Der Fortgang dieser Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Umso wichtiger wird es, das Thema PQC noch stärker in den Fokus zu rücken. Der Einfluss von Quantencomputern auf die Cyber-Sicherheit ist real und kein fernes Zukunftsszenario.“
Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA: Dort beschäftigen sich 87,3 Prozent der Unternehmen mit PQC, 15,4 Prozent davon haben bereits entsprechende Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Unternehmen ohne jegliche Aktivitäten sind klar in der Minderheit: 9,8 Prozent in Deutschland und 8,9 Prozent in den USA -zumindest ab einer Größenordnung von mindestens 500 Mitarbeitern:innen.
Über die Umfrage
Die Befragung erfolgte vom 5. bis 16. Februar 2026 online. Befragt wurden 1.060 IT‑Expertinnen und Experten aus Unternehmen mit einer Größe von mindestens 500 Mitarbeitenden in Deutschland und den USA. Die Ergebnisse sind repräsentativ, wurden mittels Quotierung ausgewertet und berücksichtigen einen statistischen Fehler von 4,3 Prozentpunkten.
Deutliche Unterschiede zeigen sich jedoch bei der operativen Umsetzung. Während viele deutsche Unternehmen noch auf manuelle Inventarisierung setzen (41,7 Prozent), dominieren in den USA bereits automatisierte Ansätze (50,8 Prozent). Das ist ein nicht zu vernächlässigender Faktor. Denn genau hier dürfte sich entscheiden, wie schnell und skalierbar die Umstellung auf neue Kryptostandards tatsächlich gelingt.
In Deutschland erwarten 45,3 Prozent den Q-Day innerhalb der nächsten fünf Jahre bis 2031, in den USA sogar 55,2 Prozent. Weitere 39 Prozent in Deutschland und 33,5 Prozent in den USA in den nächsten zehn Jahren bis 2036.
Gleichzeitig geben fast alle befragten Unternehmen an, dass sie über große Mengen sensibler Daten verfügen, die für zehn oder mehr Jahre gesichert werden müssen. Kommt der Q-Day also, wie von den meisten Befragten angenommen im Rahmen der nächsten fünf Jahre, sind Teile dieser Daten schon kompromittiert.
Besonders kritisch ist hierbei der geschätzte Zeitaufwand, um die technische Migration zu PQC abzuschließen. Deutsche Unternehmen rechnen zum Großteil zu 53,4 Prozent mit 2-5 Jahren, 27,5 Prozent sogar mit fünf bis zehn Jahren. Ein nahezu ähnliches Bild in den USA mit 51,8 Prozent in 2-5 Jahren sowie 21,8 Prozent in 5-10 Jahren. Wer noch nichts getan hat oder sich gerade erst in der Planungsphase befindet, könnte zukünftig hinterherhängen.
Komplexe Altsysteme als Hauptfaktor für langsame Umsetzung
Mehrere Faktoren verlangsamen oder verhindern in Unternehmen die Umstellung auf PQC. Ganz vorne stehen dabei komplexe Altsysteme mit 33,8 Prozent in Deutschland und 35 Prozent in den USA. Sie bremsen die Unternehmen an vielerlei Stellen aus und sind schwer überwindbar. Hier gibt es auch in den befragten Branchen kaum einen signifikanten Unterschied.
Stand: 08.12.2025
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An zweiter Stelle steht in Deutschland fehlendes Budget oder fehlende Ressourcen mit 19,6 Prozent, während in den USA mit 21,5 Prozent vor allem ein Mangel an interner Kryptographie-Expertise vorliegt. Mangelnde Wahrnehmung der Dringlichkeit fällt in Deutschland mit 13,8 Prozent und in den USA mit 11,3 Prozent auf den vorletzten Platz.
„Wer seine Altsysteme unter Kontrolle bringt, schafft auch den zeitnahen Umstieg auf PQC – weitere Zeit verlieren sollte man jedoch nicht“, erklärt Christian Zgardea, Partner bei MHP. „Zu verlieren gibt es nichts. Auch abseits von PQC lohnt es sich, seine eigenen Systeme stetig unter Kontrolle zu haben und Wildwuchs einzugrenzen.“