Neues von SAP - Bericht von der TechEd 2025 Die neue Offenheit der SAP

Von Dr. Dietmar Müller 6 min Lesedauer

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Open Source, Open AI, Open Ecosystem … Die SAP ruft auf ihrer Veranstaltung „TechEd“ in Berlin das Zeitalter der neuen Offenheit aus, sowohl was Software, als auch Partnerschaften und Daten betrifft. Das hat Auswirkungen auf Rechenzentren und die Entwicklung von humanoiden Robotern.

Außen alt, innen Zukunft: Der Rundbau der Messe Berlin  wurde am 26. September 1936 eröffnet und war das damalige Herzstück der „Großen Deutschen Funk-Ausstellung“. 2025 haben sich rund 2.800 SAP-Kunden und -Partner auf nach Berlin zur SAPVeranstaltung „TechEd“ gemacht. (Bild:  Dietmar Müller)
Außen alt, innen Zukunft: Der Rundbau der Messe Berlin wurde am 26. September 1936 eröffnet und war das damalige Herzstück der „Großen Deutschen Funk-Ausstellung“. 2025 haben sich rund 2.800 SAP-Kunden und -Partner auf nach Berlin zur SAPVeranstaltung „TechEd“ gemacht.
(Bild: Dietmar Müller)

SAP hat die Entwicklerkonferenz TechEd erstmals in Berlin abgehalten; zuletzt hatte man die Zielgruppe virtuell versammelt. Da aber nichts über direkte menschliche Kontakte geht, wie Vorstandsmitglied Muhammad Alam während der Eröffnung der Veranstaltung erklärte, wollte man sich nun ganz bewusst in der deutschen Hauptstadt zusammenfinden. 2.800 Kunden und Partner nahmen teil, insgesamt sahen 20.000 Menschen virtuell die Keynotes oder andere Fachveranstaltungen.

Vorstandsmitglied Muhammad Alam steht Rede und Antwort. (Bild:  SAP)
Vorstandsmitglied Muhammad Alam steht Rede und Antwort.
(Bild: SAP)

Gemeinsam läutete man (wieder einmal) eine neue Ära 'der SAP' ein – nein nicht der Künstlichen Intelligenz (KI), das wäre zu platt gewesen, sondern der neuen Offenheit. Sowohl bei Software als auch der Künstlichen Intelligenz will Alam diese Strategie verfolgen: „Ab sofort liegt Offenheit in unserer DNS“, so der Vorstand des SAP Product Engineerings.

Open Source Software als Basis für die KI

In den folgenden Stunden wurden gleich mehrere Anwendungen als Open Source Software (OSS) freigegeben, allen voran das neu vorgestellte „RPD-1“. Mit der neuen Kategorie von KI-Modellen können Anwender unter Einsatz von In-Context-Learning Datensätze bereitstellen, um Vorhersagen ohne Modelltraining zu generieren. RPT steht dabei für Relational Pretrained Transformer und ist auf relationalen Datenstrukturen für Unternehmen aufgebaut.

Chief Technology Officer Philipp Herzig äußert gegenüber der Journaille: „Große Sprachmodelle haben Schwierigkeiten mit einem allgemeinen Verständnis von Tabellenstrukturen und der damit verbundenen Semantik. Das erfordert, dass wir das gute alte Maschinelle Lernen für Aufgaben wie Klassifizierung, Regression und mehr verwenden. Klassisches Maschinelles Lernen erfordert jedoch, ein Modell pro Aufgabe zu trainieren, was leicht zu Hunderten von separaten Modellen führen kann.“

Um den drohenden Wildwuchs bereits vorab einzudämmen, dafür ist „RPT-1“ gedacht. Das Tool „fasst sie alle in einem einzigen, vorab trainierten Modell zusammen, das relationale Geschäftsdaten versteht, Geschäftsergebnisse vorhersagt und den Aufwand von Wochen auf Tage reduziert. Wir arbeiten daran, ihn auf nur wenige Minuten zu minimieren.“ SAP RPT-1 wird in drei Versionen veröffentlicht: Small, Large und Open Source. Letzteres ließ ein Raunen durch das Publikum gehen.

SAP-CTO Chief Philipp Herzig auf der „TechEd“-Bühne mit einem Roboter von Unitree Robotics. (Bild:  SAP)
SAP-CTO Chief Philipp Herzig auf der „TechEd“-Bühne mit einem Roboter von Unitree Robotics.
(Bild: SAP)

Warum aber all diese neue Offenheit bei der Software? Offenkundig vor allem, um leichter an Daten heranzukommen, die die KI für den Kontext ihrer Antworten benötigt: „Die KI muss direkt auf der Anwendung sitzen, nur so kann sie auf die für sie relevanten Daten ohne Verzögerung zugreifen“, beteuerte Alam in der Eröffnung-Keynote. Für ein vernünftigen Return of Investment (ROI) müsse zudem die Nutzung einfacher werden. Dafür empfahl er jedem Mitarbeiter einen persönlichen KI-Assistenten.

Offene Partnerschaften Teil 1

Die neue Offenheit bezieht sich auch auf Kooperationen. So soll eine frisch eingegangene Partnerschaft mit Snowflake für reichlich Daten-Input sorgen. Der Experte für Cloud und AI verbandelt seine „AI Data Cloud“ eng mit der „SAP Business Data Cloud“ (BDC). Das so neu entstandene Angebot, als „SAP Snowflake“ bezeichnet, soll Anwender beide Clouds mit semantisch umfangreichen Daten nahtlos nutzen lassen. Die Plattform von Snowflake fungiert damit quasi eine Erweiterung der BDC-Lösung.

Christian Kleinerman, EVP of Product, Snowflake, kommentiert: „Mit Snowflake und SAP BDC können Unternehmen Innovationen nun schneller realisieren und Daten nahtlos zwischen den Plattformen austauschen.“ SAP-CTO Herzig fügte hinzu, dass bestehende Anwender von Snowflake SAP BDC Connect nutzen können, um nahtlosen Echtzeitzugriff auf SAP- und Nicht-SAP-Daten zu erhalten, und zwar ohne dass diese Daten wie bisher kopiert werden müssten!

SAP Snowflake soll zum 1. Quartal 2026 und SAP BDC Connect für Snowflake im 1. Halbjahr 2026 allgemein verfügbar sein.

Offene Partnerschaft Teil 2

Damit gab sich Herzig aber nicht zufrieden: „Wir bei SAP glauben, dass Innovation nur in offenen Ökosystemen gedeiht“, so der Cheftechnologe, der aus diesem Grund eine neue Partnerschaft mit dem Spezialisten für KI-Agenten-Orchestrierung n8n ankündigte. Durch diese Zusammenarbeit wolle SAP die agentischen Fähigkeiten des im Sommer erstmals präsentierten SAP KI-Copiloten „Joule“ sowie des zugehörige „Joule Studios“ auf der „SAP Business Technology Platform“ (BTP) erweitern. Zum Einsatz kommen dabei die KI-Orchestrierungs- und Automatisierungsfunktionen von n8n.

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„Viele von Ihnen kennen n8n bereits – es handelt sich um eines der 40 beliebtesten „Github“- Projekte aller Zeiten mit über 1,6 Millionen monatlichen Nutzern. Dieses Open-Source-Kraftpaket verändert die Art und Weise, wie Entwickler Workflows automatisieren und Agenten erstellen“, so Herzig.

Er fährt fort: „Unser Ziel ist es, diese Technologien zusammenzuführen, damit Teams gesteuerte, beobachtbare KI-Agenten erstellen können, die sich nahtlos in Unternehmenssysteme und -daten integrieren lassen. Noch stehen wir am Anfang, aber das Potenzial ist riesig: mehr Offenheit, mehr Flexibilität und mehr Kreativität bei allen Tools.“

Offene Partnerschaft Teil 3

Der CTO gab noch eine weitere neue Partnerschaft bekannt, in diesem Fall mit der Telekom: „Viele haben in Deutschland einen vollständig souveränen Stack für KI gefordert. Heute freuen wir uns, unser bestehendes Angebot aus dem SAP-Rechenzentrum in Walldorf im Rahmen des Industrial AI Cloud-Projekts auf Deutsche Telekom zu erweitern. Damit entsteht eine weitere Option für eine sichere und performante digitale Infrastruktur und die Bereitstellung von KI-Innovationen für öffentliche Einrichtungen, Verteidigung und Gesellschaft.“

Als Teil dieses Stacks wollen die Walldorfer ihre „Cloud Infrastructure“, die Business Technology Platform (BTP) sowie Anwendungen wie die „AI Foundation“, also das KI-Betriebssystem, das den Kern von SAP Business AI bildet, auf der physischen Infrastruktur der Telekom in einem Münchner Rechenzentrum bereitstellen.

Roboter-Anwendungen gab es im „Experience Center“ der „TechEd 2025“ zu sehen. (Bild:  SAP)
Roboter-Anwendungen gab es im „Experience Center“ der „TechEd 2025“ zu sehen.
(Bild: SAP)

Damit aber nicht genug: SAP startete zur TechEd das Projekt „Industrial AI Cloud“ – eine Art industrielle „KI-Cloud Made in Europe“, für die der Konzern neben der Telekom mit weiteren Playern wie Nvidia, Siemens, Deutsche Bank, Perplexity, PhysicsX oder auch Agile Robots kooperiert. Zum Auftakt hätten Telekom und Nvidia gleich Mal eine Milliarde Dollar in das Projekt gesteckt, mit der bis zum ersten Quartal 2026 besagtes Rechenzentrum der Deutschen Telekom in München mit Nvidia-GPUs aufgerüstet werden soll (siehe: KI-Expansion in Bayern; Telekom und Nvidia planen milliardenschweres Rechenzentrum in München). Weitere finanzielle Unterstützung kommt vom Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung.

Digitale Souveränität ist in Europa in den vergangenen neun Monaten zu einem zentralen Thema geworden, nicht zuletzt aufgrund geopolitischer Entwicklungen, Zöllen und Fragen des grenzüberschreitenden Datenzugriffs“, nennt Uma Rani T M, President and Chief Product Officer Private Cloud ERP, im Gespräch mit DataCenter-Insider als Grund für das neue Angebot.

Erweiterung des Ökosystems für Robotik

Die SAP zeigte sich auf der TechEd zudem offen für gänzlich Neues und gab die Erweiterung ihrer im Sommer erstmals offenbarten „Embodied-AI“-Partnerschaften mit Neua Robotics GmbH und Nvidia im Bereich „physische KI“ bekannt, die Robotern das Denken beibringen will. Sie sollen sich beispielsweise Seite an Seite mit Menschen in einer modernen Lagerumgebung zurechtfinden. In einer Machbarkeitsstudie wurde dafür bereits der humanoide Roboter „4NE1“ trainiert, der sich auf „SAP S/4 HANA“ und das „SAP Extended Warehouse Management“ (SAP EWM) stützt.

Der humanoide Roboter „4NE1“ von Neura Robotics ist ebenfalls bei der „TechEd“ zu bewundern gewesen. (Bild:  SAP)
Der humanoide Roboter „4NE1“ von Neura Robotics ist ebenfalls bei der „TechEd“ zu bewundern gewesen.
(Bild: SAP)

Neu zum Roboter-Ökosystem hinzugekommen sind die Experten Bitzer, Sartorius, Martur Fompak, Humanoid, Agibot, Anybotics, Booster Robotics, Galbot und Unitree Robotics. Es gibt zudem neue „Partner für die Robotik-Unterstützung“, als da wären Capgemini, Cyberwave, HCLTech, Kinexon, Lighthouse und Sinoswisshub.

Urs Gehrig, Geschäftsführer Business Development beim Partner Lighthouse, zeigt auf, wo jetzt schon der Einsatz von physischer KI Bedeutung hat: „Physische KI hat ein enormes Potenzial für Anwendungsfälle, darunter Anlagen- und Standortinspektion, Gesundheit und Sicherheit sowie Qualitätsprüfung, um widerstandsfähigere und flexiblere Abläufe zu ermöglichen.“

„Wir sehen heute große Kundenbedürfnisse, wie in Gefahrenbereichen auf Offshore-Plattformen in der Öl- und Gasindustrie, bei Versorgungsunternehmen und im Transportwesen“, setzt Gehrig fort.

*Der Autor
Dr. Dietmar Müller schreibt als freier Autor unter anderem für DataCenter-Insider. Sein Fazit lautet: Die neue Offenheit der SAP hat also handfeste Gründe und könnte die IT in Regionen führen, die zuvor nie ein Roboter betreten hat. Oder so.

Bildquelle: Müller/Linkedin

Die „SAP TechEd 2026“ findet am 27. bis 29. Oktober statt.

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