Nur erneuerbare Energie im Datacenter

Apple baut im großen Stil

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Bekannte Nachbarn

In der Nähe der Apple-Datacenter haben sich weitere namhafte Unternehmen angesiedelt, gegen die das Rechenzentrum von Apple fast bescheiden wirkt. Der bekannteste Nachbar ist die Tesla Motors Gigafactory. Sie soll 5 Milliarden Dollar kosten und danach 6.500 Mitarbeiter beschäftigen.

Tesla baut quasi nebenan eine Fabrik für Autobatterien.
Tesla baut quasi nebenan eine Fabrik für Autobatterien.
(Bild: Tesla)

Die Anlage ist damit die wohl größte Ansiedlung der Region. Es ist geplant, dort jährlich 500.000 Batterien für die Elektrofahrzeuge des Unternehmens zu produzieren, vielleicht auch die Batterien der Reihe Tesla Energy für Privatkunden und Unternehmen.

Für 4 Milliarden Dollar entsteht im gleichen Gewerbegebiet der neue Campus von Switch „Supernap“. Im Betrieb ist der Supernap ein Teil des Superloop Systems von Switch für Kunden in Reno, San Francisco, Las Vegas und Los Angeles, darunter eBay, Xerox oder Dreamworks, und eines der größten Rechenzentren der Welt.

Auch Cloud-Dienstleister Rackspace soll sich mit einer Investition von 422 Millionen Dollar für ein Rechenzentrum im Reno Technology Park ansiedeln und von dort Kunden an der Westküste beliefern.

Alles auf Nachhaltigkeit

Im Gegensatz zu anderen RZ-Betreibern setzt Apple in der Wüste von Nevada ausschließlich auf erneuerbare Energien, darunter Windkraft, hydroelektrische und Solarenergie und Biogas. Schon 2013 hatte Apple bekannt gegeben, dass Solarkollektoren dort 43,5 Millionen Kilowattstunden liefern sollten.

Im März 2013 hatte das Unternehmen die vollständige Kohlenstoffneutralität in allen produzierenden Rechenzentren des Unternehmen in Kalifornien und Texas verkündet. Nicht erwähnt wurden jedoch das US-Rechenzentrum in Maiden, North Carolina.

Auch in Irland und Dänemark betreibt Apple seine Rechenzentren zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien. Im Februar 2015 gab das Unternehmen den Plan bekannt, 1,7 Milliarden Euro für zwei Rechenzentren in der irischen Grafschaft Galway und der Region Mitteljütland in Dänemark zu investieren.

Wie andere Rechenzentren von Apple werden auch diese Anlagen vom ersten Tag an vollständig durch saubere, erneuerbare Energiequellen betrieben. Die beiden europäischen Rechenzentren mit je 166.000 Quadratmeter werden den Betrieb voraussichtlich in 2017 aufnehmen.

Mitarbeiter gesucht

Auch wenn Rechenzentren nicht gerade eine hohe Belegschaft benötigen, profitiert die Wirtschaft von Reno. Durch die Neubauten erholt sich das nördliche Nevada von einer ziemlich harten Rezession der vergangenen Jahre. Und Apple sucht immer wieder neue Mitarbeiter.

Eine Stellenanzeige für einen „Data Center Site Services Technician“ zum Betrieb und Wartung der Server „in einer dynamischen Umgebung mit schnell wechselnden Prioritäten“ setzt mindestens vier Jahre Berufserfahrung in großen Rechenzentren mit mehr als 10.000 Servern voraus. Neben einem Bachelor-Examen sollte der Kandidat auch vertraut im Umgang mit Apples Hardware sowie der „IBM pSeries“ und „xSeries“, Sun, HP, Datadomain, Netapp, Teradata und IBM Storage sein sowie eine RCDD-Zertifizierung (Registered Communications Distribution Designer) der amerikanischen BICSI (Building Industry Consulting Service International) aufweisen.

Baustelle Nummer 2

Das Rechenzentrum bei Reno steht womöglich im Schatten der neuen Zentrale von Apple in Cupertino. Das Fundament und erste Stockwerk des neuen Campus 2 ist bereits fertiggestellt. Neben einer Solaranlage wird das Gebäude dann auch von einem Erdgaskraftwerk mit Strom versorgt.

Der im Oktober 2011 verstorbene Apple-Chef Steve Jobs hatte die Pläne im April des gleichen Jahres dem Stadtrat von Cupertino vorgelegt. Seit 2013 wird auf einem 2,8 Quadratkilometer großen Gelände gebaut, der Entwurf stammt von dem Architekten Norman Foster. Die Gebäudehülle wird aus gebogenem Glas bestehen, geliefert von Seele aus Gersthofen bei Augsburg, und insgesamt sechs Quadratkilometer haben.

Nach Beendigung der Bauarbeiten im kommenden Jahr wird das Gebäude im kalifornischen Cupertino einen riesigen Kreis darstellen und aus der Luft wie ein Raumschiff aussehen. Fünf Milliarden Dollar soll die neue Zentrale kosten, um 12.000 Mitarbeiter aufzunehmen. Mit einem Außendurchmesser von rund 500 Metern wird die neue Zentrale größer sein als das Pentagon.

* Bernhard Schonn ist freier Fachjournalist in München.

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