Mesosphere hat das Datacenter-Betriebssystem

Virtualisierung war gestern. DCOS taugt besser.

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Wie ist DCOS im Detail aufgebaut?

"Im Grunde sind wir einmalig", sagt Michael Hausenblas, Developer Evangelist bei Mesosphere. Denn das leiste keine andere Technik.
"Im Grunde sind wir einmalig", sagt Michael Hausenblas, Developer Evangelist bei Mesosphere. Denn das leiste keine andere Technik.
(Bild: Mesosphere)

Michael Hausenblas: Der Linux-Core kann auf Bare Metal laufen oder auf einer virtuellen Maschine. Einzige Voraussetzung ist, dass die Hardware 64-Bit-Linux zulässt. Derzeit versucht die Entwickler-Community, MesOS auch auf Windows bereitzustellen, auf unserer Entwicklerkonferenz im September gab es einen Prototypen zu sehen. MesOS besteht ja eigentlich nur aus einem Scheduler und einem Executor, der die Tasks ausführt.

Im Detail stellen die Hardwaresysteme unter MesOS vier verschiedene Ressourcen bereit: CPU-Shares, Hauptspeicher, Disk und Ports, wobei der Administrator entscheiden kann, ob diese Ressourcen jeweils vollständig oder nur teilweise in die MesOS-Umgebung einfließen sollen. Zusätzlich gibt es so genannte Attribute, mit denen sich beispielsweise kommunizieren lässt, dass ein Knoten über SSD-Speicher verfügt.

MesOS-Agenten verwalten die lokalen Ressourcen, während der MesOS-Master die Infrastrukturparameter an den integrierten Scheduler gibt, der sie wiederum den darüber implementierten Frameworks mitteilt. Neben dem Scheduler des Masters bringt noch jedes Framework seinen Scheduler mit, der die Ressourcen verwaltet, die von MesOS vorher zugeteilt wurden. Dafür kann man Regeln formulieren, zum Beispiel, dass bestimmte Jobs nur auf Cores mit angeschlossenem SSD-Speicher zugreifen dürfen.

Inwieweit lassen sich externe Speichereinheiten, etwa eine Isilon oder eine 3Par, an ein System unter DCOS anschließen und gemeinsam mit dem Rest verwalten?

Michael Hausenblas: Die Implementierung kommt gerade in Gang, es gibt hierzu eine Kooperation mit EMC. Bisher verwaltete MesOS nur die genannten vier internen Ressourcen.

Vor einigen Monaten wurde nun ein Konzept für die Integration so genannter externer Ressourcen, beispielsweise Speichersysteme oder IP-VLANs, entwickelt. Breit umgesetzt ist das aber noch nicht, die ersten Implementierungen bewerkstelligen es noch mit Workarounds. Immerhin gibt es jetzt ein Design-Dokument, aber es muss sich erst noch zeigen, in welchen Anwendungsfällen und unter welchen Umständen das interessant ist.

Inwiefern ist es für Unternehmen überhaupt sinnvoll, auf eine DCOS-Umgebung umzusteigen, wenn sie funktionierende VMware-Rechenzentren betreiben? Man kann ja MesOS/DCOS auf VMs betreiben, wie Sie vorhin sagten, aber das ist doch eigentlich eine Dopplung.

Michael Hausenblas: Das ist im Prinzip richtig. Im Umgang mit den Unternehmen muss man eben berücksichtigen, dass sie ihre Investitionen schützen müssen. Natürlich sollen die nicht verloren gehen. Sie implementieren eine neue Lösung wie MesOS nur, wenn sie funktioniert und sich rechnet.

Die Kunden nutzen MesOS derzeit auf bestimmten Plattformen und mit begrenzten Zwecken, beispielsweise mit Marathon und Kubernetes, um monolithische Anwendungen auf Mikroservices umzubauen und so flexibler zu machen, im Big-Data-Sektor setzt man Lösungen wie Smart und Kafka ein.

Gibt es auch Anwendungen ans dem High-Performance-Computing?

Michael Hausenblas: Einige Frameworks unterstützen auch Aufgaben aus dem High Performance Computing, aber eigentlich hat das einen anderen Ansatz: Beim HPC geht es darum, möglichst viele Ressourcen zu bündeln, um eine große Aufgabe möglichst schnell zu erledigen, es geht also eher um eine grobkörnige Ressourcenbündelung. DCOS ermöglicht die parallele Nutzung derselben Ressourcen durch unterschiedliche Frameworks, um sie optimal auszulasten, mit Auslastungsgraden von 80, 90 Prozent. Die Ressourcen werden also viel feinkörniger verteilt.

Derzeit spricht alles von Mikroservices. Wird dabei nicht oft der Koordinierungs- und Steuerungsaufwand, den solche Services und die dazugehörigen Softwareprojekte erfordern, unterschätzt?

Michael Hausenblas: Im Mittelpunkt steht dabei tatsächlich im Moment die Idee, dass kleinere Teams schnell kleinere Softwareservices realisieren sollen. Im Grunde ist die ganze Technologie noch in einem sehr experimentellen Stadium, es gibt nur wenige bekannte Anwender, etwa Netflix, es muss sich also erst zeigen, ob das so funktioniert, wie sich viele erträumen. Im Übrigen ermöglicht DCOS zwar Microservices, ist aber natürlich kein Wundermittel.

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