Mesosphere hat das Datacenter-Betriebssystem

Virtualisierung war gestern. DCOS taugt besser.

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Fehlerquellen beim Einsatz von DCOS

Wird das Netzwerk bei Mikroservices nicht automatisch zum Engpass, weil sie sich ständig koordinieren müssen?

Michael Hausenblas: Die meisten Rechenzentren sind heute on premise mit 10 Gigabit pro Sekunde vernetzt, manchmal noch schneller. Das reicht in der Regel.

Ortsübergreifend zwei RZ-Clouds mit DCOS zu einer Ressource zu vernetzen, indem man einen gemeinsamen Scheduler darüber legt und die beiden Rechenzentren mit je einem Agent ausstattet, und dann Mikroservice-Umgebungen dort laufen zu lassen, würde ich nicht empfehlen, höchstens in Konstellationen, in denen das zweite RZ als Ausfalllokation fungiert. Aber zu alledem gibt es noch zu wenige Erfahrungen.

Welche anderen Fehlerquellen gibt es in MesOS/DCOS-Umgebungen?

Michael Hausenblas: Man sollte bei der Cluster-Größe nicht übertreiben, um im Fehlerfall keine allzu große Fehlerdomain zu haben. Tatsächlich gibt es schon DCOS-Umgebungen mit Tausenden von Knoten, die aber meist in mehrere Cluster unterteilt sind. Eine andere Fehelrquelle sind Applikationen, die keine Ressourcenbegrenzung haben. Der MesOS-Kern ist zwar auf Ressourcenfairness ausgelegt, aber nicht jede Applikation setzt das um. Konformes Verhalten muss im Grunde in die Applikation hinein programmiert werden, wie beispielsweise bei „Google Borg“, der Cluster-Produktionsumgebung von Google.

Was heißt das für den Betrieb von Alt-Applikationen unter MesOS?

Michael Hausenblas: Der Administrator kann die Applikationen beispielsweise im Marathon-Framework durchaus mit Ressourcen-Restriktionen belegen und sollte das auch tun. Schließlich kann man etwa unter Marathon jedes beliebige Shell-Skript oder jede beliebige Java-Applikation ablaufen lassen, auch wenn das Fehler erzeugt.

Wie sicher ist DCOS?

Michael Hausenblas: SSL-Verschlüsselung on the Wire ist schon in MesOS realisiert. Viele MesOS-Systeme laufen in hochsicheren Umgebungen. Unsere kommerzielle Variante DCOS ist noch um andere Sicherheitsverfahren erweitert, sie unterstützt zum Beispiel Active Directory und LSAP.

Was bietet DCOS ansonsten mehr als MesOS?

Michael Hausenblas: Wir liefern eine komfortable Benutzerschnittstelle, die das gesamte Rechenzentrum mit seinen Komponenten zeigt. Wir haben eine Befehlszeile fürs Skripting, Logs und andere Jobs. Und wir haben zwei freie App-Stores mit Jason-Files auf Github, Multiverse und Universe. In Multiverse kann jeder Anwendungen hineinstellen, die in unserer Umgebung verfügbar sein sollen. Universe enthält die Anwendungen, die etwas stabiler sind und die wir getestet und zertifiziert haben.

Wie geht die Entwicklung weiter?

Michael Hausenblas: Apache MesOS befindet sich derzeit in Version 0.26, wird aber schon für Real-World-Anwendungen genutzt, so läuft Apples gesamte „Siri“-Lösung seit über einem Jahr auf MesOS. Ich glaube aber, dass Version 1 bald erreicht wird. Demnächst sollen Persistent Primitives für Stateful-Anwendungen dazukommen.

Bei ihnen müssen bestimmte Verarbeitungsschritte aus Konsistenzgründen gespeichert werden, bis die Transaktion entweder beendet oder abgebrochen wird, im letzteren Fall muss man das System auch zurücksetzen. Beispiele dafür sind Datenbanken. Außerdem verbessern diverse Funktionen das Networking, etwa durch IP-Adressen für Container.

Wo sehen Sie Datacenter-Betriebssysteme wie MesOS/DCOS in drei Jahren?

Michael Hausenblas: Das ist schwer zu sagen, aber sicher ist, dass die Verbreitung der Containertechnologie die Migration von virtuellen Maschinen auf Container zu beschleunigen. Schließlich macht inzwischen fast jeder was mit Containern. Dadurch wird man wohl auf Dauer erkennen, dass man virtuelle Maschinen in der klassischen Form eigentlich nicht braucht. Was das für bestimmte Workloads oder Anbieter bedeutet, kann ich nicht einschätzen. Dafür ist es einfach zu früh.

* Ariane Rüdiger ist freie Autorin und Fachjournalistin in München.

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