Agenten statt Bots Uipath bringt neue Auto­matisierung auf den Weg

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Uipath hat eine Plattform vorgestellt, die Künstliche Intelligenz (KI), Robotic Process Automation (RPA) und menschliches Eingreifen zusammenführt. Die Anwendung soll komplexe Geschäftsprozesse besser steuern und automatisieren. Der Fokus liegt auf Skalierbarkeit, Kontrolle und Integration – auch mit Systemen anderer Anbieter.

Uipath stellt seine nächste Generation der „UiPath Platform for Agentic Automation“ vor. Das Produkt vereint KI-Agenten, Automatisierungsroboter und menschiche Aktionen in einem einzigen System. (Bild: ©  Dinara - stock.adobe.com)
Uipath stellt seine nächste Generation der „UiPath Platform for Agentic Automation“ vor. Das Produkt vereint KI-Agenten, Automatisierungsroboter und menschiche Aktionen in einem einzigen System.
(Bild: © Dinara - stock.adobe.com)

Der Automatisierungsspezialist Uipath hat eine überarbeitete Version seiner Plattform vorgestellt. Das System trägt den Bezeichnung „UiPath Platform for Agentic Automation“ und soll eine neue technologische Stufe in der betrieblichen Automatisierung einleiten. I

m Zentrum steht ein agentenbasierter Ansatz, der Roboter, KI-Modelle und menschliche Nutzer miteinander verknüpfen will. Damit möchte das Unternehmen die Automatisierung alltäglicher, aber auch geschäftskritischer Prozesse robuster, flexibler und sicherer machen.

Kontrollierte Intelligenz statt Blackbox-KI

Nach Angaben von Uipath adressiert die Plattform zentrale Hindernisse für den KI-Einsatz in Unternehmen: mangelnde Zuverlässigkeit, schwache Skalierbarkeit, hohe Abhängigkeit von Anbietern sowie Risiken in Bezug auf Datenschutz und Compliance. Die Architektur setzt auf so genannte Agenten – digitale Einheiten, die definierte Aufgaben eigenständig ausführen und dabei innerhalb klarer Grenzen operieren.

Diese kontrollierte „Handlungsfähigkeit“ (Agency) unterscheide Agentic Automation von vielen existierenden KI-Ansätzen, so Uipath. Die Plattform integriere dabei Funktionen zur Governance, Zugriffskontrolle und Bewertung potenzieller Schwachstellen.

Raghu Malpani, Chief Technology Officer bei Uipath, äußert dazu: „Wir streben bei jeder Veröffentlichung eine Genauigkeit von über 95 Prozent an. Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit stehen im Mittelpunkt unserer „Agent Builder Roadmap“. Wir konzentrieren uns darauf, Agenten zu liefern, die mit den richtigen Kontrollen menschliche Leistungsfähigkeit erreichen.“

Orchestrierung mit „Maestro“

Herzstück der Plattform ist „Uipath Maestro“, eine zentrale Orchestrierungseinheit. Sie soll Prozesse modellieren, steuern und überwachen. Anwender könnten damit laut Hersteller verteilte Agenten koordinieren und deren Leistung anhand von Kennzahlen überwachen. Die Plattform erlaubt es, auch über Systemgrenzen hinweg bestehende Workflows einzubinden und durch Agenten zu erweitern.

Uipath betont die Offenheit seiner Software. Die Plattform sei kompatibel mit Frameworks wie auch über Systemgrenzen hinweg „Langchain“, „Anthropic“und „Microsoft Azure“-Agenten und ermögliche damit komplexe Multi-Agent-Systeme. Für die Kommunikation zwischen Agenten habe man zusammen mit Google Cloud ein offenes Protokoll mit der Bezeichnung „Agent2Agent“ (A2A) entwickelt. Dieses soll erlauben, Informationen sicher auszutauschen und Aktionen zu koordinieren.

Harrison Chase, CEO von Langchain, betont die Bedeutung dieser Zusammenarbeit für das Ökosystem: „Wir möchten Entwicklern aller Art die Möglichkeit geben, Agenten zu erstellen. Wir haben erkannt, dass die Observability von KI dabei eine wichtige Rolle spielt, und freuen uns, „Langsmith“ in Uipath zu integrieren, damit noch mehr Entwickler Agenten mit Zuversicht bereitstellen können. Darüber hinaus stellt unsere Zusammenarbeit mit Uipath im Rahmen des Agent Protocol sicher, dass „Langgraph“-Agenten nahtlos an Uipath-Automatisierungen teilnehmen können, wodurch ihre Reichweite erweitert wird und Entwickler kohärente, plattformübergreifende Workflows erstellen können.“

Low-Code trifft Pro-Code

Die Plattform richte sich laut Uipath an ein breites Spektrum von Nutzern – vom Business-Technologen bis zum professionellen Entwickler. Mithilfe des „Agent Builder“ sollen Agenten im „Uipath Studio“ erstellt und angepasst werden können. Fortgeschrittene Anwender sollen Zugriff auf eine Pro-Code-Umgebung mit mehr Individualisierungsmöglichkeiten erhalten.

Graham Sheldon, Chief Product Officer bei UiPath, führt aus, diese hybride Ausrichtung sei entscheidend für die Skalierbarkeit von Agentic Automation. „Mit Agent Builder kann unsere Entwickler-Community mit mehr als drei Millionen Fachleuten weltweit Agenten direkt in bestehende Workflows integrieren. Außerdem haben wir leistungsfähigere Anpassungsoptionen für Full-Code-Entwickler freigeschaltet und damit die Grenzen des Möglichen erweitert.“

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Das neue UI-Agent-Modell

Ein weiterer Baustein ist der „UI Agent for Computer Use“, der sich aktuell in privater Vorschau befindet. Dieser Agent soll Benutzerabsichten verstehen, Aufgaben vorausschauend planen und Anwendungen selbstständig bedienen können. Uipath beschreibt ihn als Weiterentwicklung klassischer RPA: Statt Klicks zu imitieren, könne der Agent eigenständig durch Benutzeroberflächen navigieren und Aktionen ausführen.

„Durch die Kombination unserer langjährigen Erfahrung in der UI-Automatisierung mit den neuesten Fortschritten in der Agententechnologie haben wir einen UI Agent entwickelt, der nicht nur Klicks nachahmt, sondern Absichten versteht, vorausschauend plant und selbstständig Maßnahmen ergreift“, so Malpani. „Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Agenten, die sich präzise und zielgerichtet in realen Unternehmensschnittstellen zurechtfinden.“

Erste Erfahrungswerte

Seit Beginn der geschlossenen Testphase im Januar 2025 hat Uipath nach eigenen Angaben mehr als 75.000 Agentenläufe registriert. Rund 11.000 Nutzer hätten einen entsprechenden Schulungskurs absolviert, über 450 Partner seien zertifiziert worden. Mehr als 30 so genannte Fast-Track-Badges seien an Partner vergeben worden, die sich intensiv mit Agentic Automation beschäftigen.

Cathay Pacific zählt zu den Pilotkunden. Der IT-Leiter des Unternehmens, Lawrence Fong, sieht in der Plattform eine Möglichkeit, KI aus der Testphase in den operativen Alltag zu bringen. Die Verbindung aus Automatisierung und intelligenter Entscheidungsfindung ermögliche es, schneller zu skalieren und agiler auf neue Anforderungen zu reagieren.

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