Schätzungen zufolge können Entlassungen im Tech-Sektor 2026 Vorjahreszahlen übersteigen. Agilitätsinitiativen der Konzerne bleiben ausschlaggebend, daneben bedroht KI bis zu 70.000 Jobs. Potenzieller Neufaktor: Cashflow-Probleme durch hohe Infrastruktur-Investitionen. Analysten-Einschätzungen sind gespaltet, auch bei der Frage, ob Europa US-Beispielen folgt.
Neben Agilitätsinitativen der Tech-Konzerne und KI-Auswirkungen können auch hohe Infrastruktur-Investitionen 2026 zu einem Faktor für Entlassungswellen werden. Analysten-Einschätzungen sind gespalten.
(Bild: GPT-Image / KI-generiert)
Laut einem Bericht des Analyseunternehmens Rationalfx kürzten Tech-Unternehmen weltweit 2025 knapp 245.000 Jobs. Wenn sich ein Trend der ersten Wochen des neuen Jahres verfestigt, könnten diese Zahlen 2026 Jahr übertroffen werden. Dem Bericht zufolge entließen Tech-Unternehmen 2026 bereits 30.700 Mitarbeiter.
Für die Hälfte der bereits bestätigten Kürzungen im Tech-Sektor ist Amazon verantwortlich. Das Unternehmen gab im Januar 2026 die Streichung von 16.000 Corporate-Jobs bekannt, nachdem bereits im Oktober 2025 14.000 Mitarbeiter entlassen wurden. Betroffen ist auch die Cloud-Abteilung des Unternehmens. In einer öffentlichen Ankündigung gab sich Amazon nüchtern: der Stellenabbau reflektiere nicht äußere Faktoren, sondern eine Strategie, „Hierarchien abzubauen, Eigenverantwortung zu erhöhen und Bürokratie zu beseitigen“.
Gesamtzahlen der ab Jahresanfang bis Mitte Februar 2026 entlassenen Mitarbeiter nach Unternehmen im Tech-Sektor.
(Bild: RationalFX)
Zugleich geht das Consulting-Unternehmen Challenger, Gray & Christmas davon aus, dass bereits 2025 KI-Adoption für 55.000 Entlassungen allein in den USA verantwortlich gewesen ist. Rationalfx-Analysten schätzen von knapp 70.000 KI-bedingten Entlassungen alleine im Tech-Sektor. Auch dieser Trend würde sich 2026 fortsetzen.
Dabei werden die Stimmen von KI-Apologeten wie Konzernverantwortlichen 2026 nochmals ambitionierter. So prognostizierte der CEO des Claude-Entwicklers Anthropic Dario Amodei auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos: „wir könnten 6 bis 12 Monate davon entfernt sein, dass ein [KI-]Modell die meisten, vielleicht alle Aufgaben von Software Engineers übernehmen kann“. Der KI-Verantwortliche von Microsoft Mustafa Suleyman geht weiter: „Wir werden [KI-]Leistungen auf Menschen-Niveau bei den meisten, wenn nicht allen professionellen Aufgaben sehen“. Binnen 12 bis 18 Monaten werde KI einen „Großteil“ auch anspruchsvoller Büro-Jobs automatisieren.
Wir analysieren die jüngsten Entlassungswellen und sprechen mit Marktforschungsexperten über die zugrundeliegenden Faktoren. Dabei geht es auch darum, ob neben KI, Effizienz-Initiativen und strukturellen Wirtschaftseinflüssen auch die massiven Kapitalinvestitionen in Datacenter und GPU-Server zu einem gewichtigen Faktor bei Personalentscheidungen werden.
TD Cowen: Oracle könnte 30.000 Stellen abbauen, um Datacenter zu finanzieren
Laut einem nicht-öffentlichen Analystenbriefing der Investmentbank TD Cowen, so übereinstimmende Medienberichte, erwäge Oracle Entlassungen von 20.000 bis 30.000 Mitarbeitern vor allem in Reaktion auf hohe Investitionskosten beim Ausbau seiner KI-Infrastruktur in Partnerschaft mit OpenAI.
Diese Stellenkürzungen könnten 8 bis 10 Milliarden US-Dollar für den Einkauf von 3 Millionen GPUs und die Errichtung von Rechenzentren einbringen. Einher ginge eine sinkende Bereitschaft von US-Banken, Datacenter-Projekte von Oracle zu unterstützen. Oracle hat bislang 58 Milliarden US-Dollar an Krediten für den Ausbau von Datacenter-Kapazitäten für OpenAI in Texas, Wisconsin und New Mexico aufgenommen.
Ist Amazon vorgeprescht?
Während der Stellenabbau bei Oracle hypothetisch bleibt, gehen einige Analysten und Branchen-Kommentatoren davon aus, dass bei den jüngsten Amazon-Entlassungen entgegen Unternehmensangaben auch stark gestiegene Infrastrukturkosten eine Rolle spielten. Amazon berichtete einen Rekordumsatz für 2025. Zugleich kündigte das Unternehmen für 2026 Kapitalinvestitionen von 200 Milliarden US-Dollar an (ein Anstieg von 60 Prozent verglichen mit 2025). Der Großteil fließe in KI-Infrastruktur.
Angesichts dessen rechne der Amazon, dem Seeking Alpha-Analysten Eric Sprague zufolge, für 2026 mit einem negativen Cashflow. Nach der Ankündigung der unerwartet hohen Investitionsausgaben für 2026 fiel die Amazon-Aktie um durchschnittlich 13 Prozent und hat sich bislang nicht erholt.
„Amazon streicht 30.000 Jobs nicht, weil es zu viele Manager hat“, sondern „weil sie das Geld brauchen, um GPUs zu kaufen. Das ist die Story, die niemand erzählen will“, versichert vor diesem Hintergrund der KI-Strategieberater und Kommentator Nate Jones in einem Videobeitrag. Auch Bruce Snyder, vormals Director of Software Engineering bei HPE und nun Berater beim DevOps-Startup Stealth Mode, sieht den Stellenabbau bei Amazon in einem Datacenter-Licht.
Stand: 08.12.2025
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„Es geht nicht nur darum, Mitarbeiterzahlen nach dem pandemiebedingten Hochfahren wieder zu normalisieren, auch nicht um KI-Effizienz (so weit sind wir noch nicht). Stattdessen geht es tatsächlich um eine Umschichtung von Kapital bei Ausgaben für KI-Chips und Rechenzentren“, so Snyder. Dies gelte gelte auch für andere Unternehmen. „Amazons Beispiel ist lediglich das bislang größte“.
Analysten gespalten bei Einfluss von Infrastruktur-Investitionen auf Job-Kürzungen
Von DataCenter-Insider befragte Analysten zeigen sich gespalten in ihren Einschätzungen. Die Direktorinnen des Marktforschungsunternehmens ISG Dorotea Baljević und Eryn Peters sehen keine direkte Kausalität. „Höhere Investitionen in Datacenter und GPUs sind langfristige strategische Wetten bei der Kapitalallokation. Sie wirken sich auf Margen aus, aber Personalentscheidungen werden eher von Produkt-Roadmaps, der Reife von Monetisierungsansätzen und der Kundennachfrage beeinflusst“. Die aktuellen Stellenkürzungen seien Auswirkungen der „eingebauten Agilität“ großer Tech-Unternehmen „inklusive jährlicher Zyklen der Perforomance-Anpassung“.
Holger Müller, Principal Analyst bei Constellation Research, sieht bei Amazon primär eine Reaktion auf „exzessive Einstellungen“ während der Pandemie. „Wir beobachten bislang nichts Ähnliches bei Google, das bei Einstellungen und Fachkräfteentwicklung besser abgeschnitten hat, aber weiterhin in Infrastruktur investiert“. Stärker als Baljević und Peters betont Müller aber den generellen Einspardruck durch Infrastruktur-Investitionen. Diese „fordern, Ausgaben in allen Bereichen zu überdenken. Die [entlassenen] Mitarbeiter sind lediglich der Bereich, von dem wir öffentlich hören.“
IDC-VP Nakarni: Infrastruktur-Ausgaben werden zum „prominenten Faktor“ bei Personalpolitik
Ashi Nakarni, Group Vice President des Tech-Marktforschungsinstituts IDC, widerspricht dieser Einschätzung. Zugleich zeichnet er ein komplexeres Bild als einige Kommentatoren. Laut Nakarni werden Investitionen in KI-Infrastruktur tatsächlich zu einem „prominenten Faktor“ in der Personalpolitik großer Tech-Konzerne. Auch gemäß seiner Einschätzung sei zwar KI oft „eine bequeme Ausrede, um Unternehmen aufzuräumen“, insbesondere nach exzessiven Pandemie-Einstellungen. Zugleich erlaube der Stellenabbau aber auch, „unter dem Vorwand der KI Betriebskosten zu reduzieren, um die Kapitalausgaben auszugleichen“.
„Man sollte bedenken, dass dies alles börsennotierte Unternehmen sind, und irgendwann werden sie aufgefordert werden, ihre enormen Kapitalausgaben für KI-Infrastruktur zu rechtfertigen“, betont Nakarni. Dies sei eine potenziell gefährliche Entwicklung, weil weiterhin „unklar ist, welche Monetisierungswege diesen Unternehmen zur Verfügung stehen“ und weil „die Abschreibungsrate für diese Infrastruktur ziemlich steil ist angesichts des schnellen Veröffentlichungsrhythmus bei Nvidia“.
Infrastruktur-Ausgaben steigen 2026 massiv, Jobkürzungen werden dementiert
Tatsächlich erreichte die Google-Mutter Alphabet 2025 ein Umsatz-Plus von 15 Prozent und konnte dabei seine Belegschaft um 4 Prozent ausbauen. Dies hinderte das Unternehmen nicht, für 2026 eine Verdopplung seiner Infrastrukturinvestitionen auf circa 180 Milliarden US-Dollar anzukündigen. Dabei bietet Google in seiner Global Business Organisation laut Medienberichten seit Februar 2026 freiwillige Abfindungen für Mitarbeiter an, die nicht bereit seien, den „All In“-Ansatz und das Tempo der KI-Adoption bei Google mitzutragen. Indizien dafür, dass dies Vorboten größerer Personalentscheidungen sein könnten, gibt es nicht.
Auch Microsoft und Meta kündigten deutlich steigende Investitionsausgaben von 105 respektive 135 Milliarden US-Dollar für 2026 an. Dabei kürzte Meta nach einem Abbau von 10.000 Stellen im Verlauf von 2024 im Jahr 2025 weitere 3.600 Mitarbeiter als vermeintliche „Low Performer“. Im Januar 2026 kündigte das Unternehmen 1.500 und im Februar 2026 weiteren 102 Angestellten im ehemaligen Vorzeigeprojekt für virtuelle Realität Metaverse. Meta versichert zugleich explizit, für 2026 keine großflächigen, Performance-basierten Kürzungen zu planen.
Microsoft strich 2025 insgesamt 15.000 Stellen und berief sich, Amazon ähnlich, auf Bestrebungen zum Abbau von Bürokratie und Steigerung von Agilität. Betroffen waren diverse Teams einschließlich der Azure-Cloud, Copilot und Windows. Zugleich sprach CEO Satya Nadella gegenüber Mitarbeitern von einer Mission für die „KI-Ära“, Microsoft „von einer Software-Fabrik in einen Intelligenz-Motor zu verwandeln“.
„Rekordinvestitionen in CapEx“ (Capital Expenditure) erscheinen in Nadellas Darstellung als Beleg nicht für einen Einsparkurs, sondern gerade für ein „Gedeihen“ und die „strategische Ausrichtung“ des Unternehmens. Anfang 2026 berichtete die Finanzanalyse-Plattform Tipranks von Gerüchten über noch im Januar anstehende 11.000 bis 22.000 Microsoft-Entlassungen. Bewahrheitet haben sich die Gerüchte im Januar nicht.
Während der Stellenabbau bei Oracle bislang hypothetisch und der Einfluss von Datacenter-Investitionen auf Stellenkürzungen bei Amazon umstritten bleiben, werden Personalentscheidungen bei Google, Meta und Microsoft im Verlauf von 2026 insbesondere aussagekräftig dafür sein, wie stark sich gestiegene Investitionsvolumen im KI-Wettlauf auf Konzernstrategien auswirken.
Der Einfluss der KI-Adoption auf Tech-Jobs
Entscheidend wird somit auch, in welchem Maße eine beschleunigte KI-Adoption sich 2026 auf verschiedene Stellenarten auswirken wird. Bei geschätzten knapp 70.000 Entlassungen in Verbindung mit „KI-Adoption und Automatisierung“ im Jahr 2025 führen Rationalfx-Analysten für den Jahresanfang 2026 mindestens 1.430 gekürzte Stellen explizit auf KI-Faktoren zurück. Illustrativ sei die Kürzung von 15 Prozent der Belegschaft (675 Mitarbeiter) beim Entwickler der Online-Pinnwand Pinterest. Das Unternehmen teilte explizit mit, „Ressourcen auf KI-fokussierte Rollen zu umzuverteilen“.
Im Februar 2026 entließ zudem Salesforce, der Entwickler der gleichnamigen Plattform für Kundendaten, knapp 1.000 Mitarbeiter, darunter auch Data-Analysten und KI-Entwickler. Im August 2025 waren noch primär Support-Mitarbeiter von 4.000 Entlassungen betrofen. Auch diese Streichungen führte CEO Mark Benioff allerdings explizit auf KI-Adoption zurück: „Ich brauche weniger Köpfe“, betonte Benioff. „Die Vorteile und Effizienzsteigerungen der [Agenten-basierten Plattform] Agentforce führen zu weniger Support-Fällen, so dass wir Support-Engineer-Stellen nicht nachbesetzen müssen“, erläuterte Salesforce ergänzend.
Laut einem Videokommentar des KI-Entwicklers und Media-Konsultanten Mark Savant seien Kürzungen in den eigentlichen KI-Teams eine neue Entwicklung. Teils würden Unternehmen später gezwungen sein, Spezialisten wieder einzustellen. Insgesamt aber sieht Savant zunehmend hohe Erwartungen an Effizienz und Tempo in der KI-Entwicklung. Dies würden auch Microsoft-Kürzungen bei Copilot und Microsoft 365 sowie anstehende Personalentscheidungen über In-House-Entwicklungen großer Versicherungsunternehmen zeigen.
„KI wird mehr Entwickler fordern“; „Eine Welle von Entwicklern wird auf Jobsuche gehen“
Dorotea Baljević und Eryn Peters von ISG erkennen in solchen Beispielen primär eine „Umstrukturierung des Arbeitsmarkts, kein Schrumpfen“. Diese gehe einher mit einer „Migration von Kapital und Talenten zu gefragten Kompetenzen wie KI-Engineering, Optimierung von Infrastruktur-Workloads, Souveränität und Datenarchitektur“.
Eine aktuelle ISG-Untersuchung von IT-Budgets habe gezeigt, dass europäische Unternehmen 2026 im Vergleich zum Vorjahr gerade Kosteneinsparungen weniger und Digitalisierung stärker priorisieren. „IT wird immer weniger als Kostenfaktor wahrgenommen, der optimiert werden muss, und immer mehr als Werttreiber.“ Insgesamt gebe es „keine strukturellen Belege, dass KI-Coding-Tools Entwickler ersetzen“.
Noch deutlicher wird die Gartner-Analystin Helen Poitevin. „KI wird Entwickler nicht ersetzen, sondern letztlich mehr Entwickler fordern“. Restrukturierungen von Software-Teams seien eher auf eine Depriorisierung von Legacy-Produkten und teils auf eine stärkere Adoption externer Tools zurückzuführen. Zudem werde der Tech-Sektor allgemein stark von geopolitischer Unsicherheit und Initiativen zur Kosteneffizienz-Steigerung beeinflusst.
Für Ashish Nadkarni von IDC hingegen ist es klar, dass gerade auch Entwicklerteams stärker vom Stellenabbau betroffen sein werden. „Mittelfristig wird es eine Welle von Entwicklern geben, die auf Jobsuche gehen müssen. Längerfristig erwarte ich einen Rückgang von Einstellungen, bis diese Arbeitskräfte umgeschult und zurück in die Industrie aufgenommen werden können“.
Folgt Europa US-Beispielen oder einer Eigendynamik?
Die zweitgrößte Zahl der Entlassungen in den ersten Wochen von 2026 entfällt auf Europa. Allerdings wird der Einfluss der KI-Transformation bislang nur in wenigen Fällen deutlich. Ericsson kündigte im Januar 2026 an, 1600 Positionen in Schweden zu streichen, 300 weitere Positionen in Spanien folgten. Ericcson verfolgt allerdings bereits seit 2023 eine mittelfristige Umstrukturierung im Kontext eines hart umkämpften 5G-Markts.
Ein Teil der 2.000 künftig entfallenden Stellen bei Ams Osram geht auf Automatisierung zurück, reflektiert aber ebenfalls länger anhaltende Trends, hier im Fertigungssektor. Betroffen sind jenseits des Leuchtmittelgeschäfts Jobs in der Halbleiterfertigung in Regensburg, welche durch Automatisierung ersetzt werden sollen. Der niederländische Hersteller von Lithographiesystemen ASML versprach bei der Kürzung von 1700 Manager-Jobs sogar explizit, die Zahl technischer Angestellter zu erhöhen. Ein Bürokratieabbau würde es erlauben, „Ingenieueren wieder Ingenieuere zu sein“.
„Deutschland vollzieht einen entscheidenden Wandel“
So zeigen sich auch mehrere Analysten gegenüber DataCenter-Insider optimistisch darüber, dass Europa und konkret Deutschland nicht US-Dynamiken zeitversetzt folgen. „In Europa und Deutschland werden lokale Finanzierungsströme und Kundennachfrage die Arbeitskräfte-Dynamik stärker als US-Schlagzeilen beeinflussen“, so Baljević und Peters von ISG.
Umstrukturierungsmaßnahmen seien selektiv statt breit, und die Bereitschaft zur Förderung eigener Nachwuchskräfte steige. Durchaus aber sollen die geplanten AI Gigafactories und Frankreichs KI-Initiative das Potenzial für eine Divergenz zwischen mehr und weniger erfolgreichen europäischen Standorten bieten und zu einer „lokalisierte Schaffung neuer Arbeitsplätze“ führen.
Der Analyst des Marktforschungsunternehmens Forrester Michael O’Grady geht weiter. Deutschland vollziehe „einen entscheidenden Wandel bei der Infrastruktur“. Neben weiterhin steigenden Ausgaben für die Public Cloud geht er von „8 Prozent höheren Server-Ausgaben für KI-Rechenleistung“ in der nächsten Zeit aus.
Daraus ließe sich gerade keine generelle Marktkonsolidierung ableiten, auch wenn Forrester global mit 6 Prozent gekürzten Stellen durch KI-Einfluss ausgeht. In Deutschland werde „der KI-Markt um voraussichtlich 26 Prozent bis 2031 anwachsen, während sich die Zahl der KI-Startups in nur drei Jahren vervierfachen wird“.
„Deutschland folgt US-Dynamiken mit 6-12 Monaten Abstand“, EU gefordert
Holger Müller von Constellation Research widerspricht. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf die Entlassungswelle bei SAP im Verlauf von 2025, welche US-Dynamiken weitgehend spiegele. SAP strich 2025 annähernd 10.000 Stellen und stellt für die Folgejahre jährliche Kürzungen der Belegschaft um ein bis zwei Prozent in Aussicht, auch in der Software-Entwicklung.
Entlassungswellen im US-Ausmaß seien laut Müller somit auch in Europa wahrscheinlich. „Wie oft folgt Europa etwas später mit etwa 6 bis 12 Monaten Abstand“. Der Rationalfx-Analyst Alan Cohen erkennt in Europa eine mit US-Konzernen geteilte Bereitschaft, „Entlassungen nicht als Signal finanzieller Schwierigkeiten einzusetzen, sondern als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit und fokussierte Investitionen“.
Diese Bereitschaft, US-Beispielen zu folgen, sieht der IDC-VP Nadkarni skeptischer. Hier stehe die Europäische Union vor folgenschweren Entscheidungen. „Vieles hängt davon ab, ob die EU das mitmachen will. Die US-Industrie ist weitgehend vom freien Marktkapitalismus geprägt, während die EU Selbsterhaltung und soziale Abschirmung priorisiert. Sie könnten sich durch Regulierung einen Ausweg verschaffen, wie sie es bei der Automobilindustrie gemacht haben“.