Rund 30 Prozent der Kosten bei der „SAP S/4 HANA“-Transformation entfallen auf die Quality Assurance (QA). Daher lohnt es sich, diese schon vor Projektstart richtig anzugehen. Wo liegen die Herausforderungen und wie hilft Testautomatisierung, die Migration schneller und kostengünstiger zu bewältigen?
Quality Assurance kann dafür sorgen, dass eine Transformation des ERP-Systems zu „SAP S74 HANA“ gelingt. Allerdings müssen sich Anwender frühzeitig darum kümmern.
(Bild: blackdiamond67 - stock.adobe.com)
Viele SAP-Kunden beschäftigen sich derzeit mit der SAP S/4 HANA-Transformation. Denn das Support-Ende für „SAP ECC“ rückt mit großen Schritten näher. 2027 soll endgültig Schluss sein. Es bleiben also noch zweieinhalb Jahre, um den Wechsel auf S/4 HANA zu vollziehen.
Unternehmen sehen sich mit einem Mammutprojekt konfrontiert, das bei IT-Verantwortlichen für Bauchschmerzen sorgt. Niemand packt gern ein stabiles System an, das über Jahre hinweg gewachsen ist und den Kern der Unternehmens-IT ausmacht. Schließlich ist das ERP geschäftskritisch und muss nach der Migration mindestens genauso gut oder besser funktionieren. Störungen können enorme Kosten verursachen – nicht auszudenken, wenn Bestell-, Supply-Chain- oder Rechnungsprozesse unterbrochen sind.
Die Qualitätssicherung spielt daher sowohl vor als auch während und nach der S/4 HANA-Migration eine entscheidende Rolle. Bei der Budgetplanung wird ihr Anteil aber häufig noch unterschätzt. Analysten zufolge entfallen rund ein Drittel der Transformationskosten auf Quality Assurance (QA).
Gerade in großen SAP-Umgebungen ist der Aufwand immens, um Testdaten aufzubereiten und Testumgebungen zur Verfügung zu stellen. Häufig laufen QA-Prozesse noch manuell ab und treiben dadurch Kosten in die Höhe. Indem Unternehmen ihre QA-Strategie optimieren und das Software-Testing automatisieren, können sie die Transformation erheblich schneller, sicherer und preiswerter vollziehen.
Mein Fazit
Testautomatisierung ist im Hinblick auf SAP S/4 HANA unverzichtbar – sowohl, um die Transformation möglichst effizient zu bewältigen als auch, um die Qualität im anschließenden Betrieb zu gewährleisten. Unternehmen können damit erhebliche Kosten sparen und die wachsenden QA-Aufgaben trotz des Fachkräftemangels sicher bewältigen.
Außerdem erhöht die Automatisierung die Sicherheit und schafft Transparenz. So können QA-Verantwortliche nachweisen, dass alle erforderlichen Testfälle regelmäßig und zuverlässig abgeprüft wurden. Es lohnt sich also in vielerlei Hinsicht, die eigene Qualitätssicherungsstrategie zu modernisieren und von Anfang an in das Transformationsprojekt zu integrieren.
Parallelbetrieb verdoppelt den Testing-Aufwand
In der Praxis zieht sich die SAP-Transformation meist über einen langen Zeitraum und erfolgt schrittweise. Bis alle Bereiche in der neuen Umgebung produktiv sind, können mehrere Jahre vergehen. Während dieser Zeit laufen Alt- und Neusystem im Parallelbetrieb. Das bestehende ERP muss also weiterhin gepflegt werden und dient auch für die Wirtschaftsprüfer noch als Quelle, bis es final abgeschaltet wird.
Für QA-Teams ist die Bestandspflege lästig und bindet Ressourcen, die für die eigentliche Transformation fehlen. Großen Aufwand verursachen zum Beispiel Regressionstests, die sicherstellen, dass Geschäftsprozesse nach einer Änderung noch funktionieren. Parameter im SAP-Umfeld anzupassen, kann jederzeit nötig sein, etwa wenn sich gesetzliche Vorgaben, Steuersätze, Förderungen oder Abrechnungsparameter ändern.
Nicht selten zieht das aufgrund der zahlreichen Abhängigkeiten Tausende von Testfällen nach sich. Hier lohnt sich eine Automatisierung erheblich: Die Regressionstests laufen dann regelmäßig mehrmals pro Woche über Nacht, ohne dass sich die Mitarbeitenden darum kümmern müssen.
Vergleichstests zwischen Alt- und Neusystem
Dank der Automatisierung wird das QA-Team entlastet und gewinnt mehr Zeit für neue Herausforderungen. Davon gibt es im Transformations-Projekt mehr als genug.
Wichtig sind zum Beispiel Vergleichstests zwischen Alt- und Neusystem. Schließlich muss gewährleistet sein, dass Geschäftsprozesse nach der Migration noch das richtige Ergebnis liefern. So sollte etwa eine Gehaltsabrechnung in S/4 HANA denselben Nettobetrag ergeben wie im gewohnten SAP ECC, auch wenn der Prozess vielleicht verkürzt und optimiert wurde. Um das zu überprüfen, baut man zunächst einen Test Case im Altsystem auf und überträgt diesen anschließend in die S/4-HANA-Umgebung. Die Ergebnisse werden dann automatisiert verglichen.
Mit SAP S/4 HANA steigt der Bedarf an Integrationstests
Für erheblichen QA-Aufwand sorgen im SAP S/4 HANA-Umfeld die vielen Schnittstellen, die durch die neue Cloud-Architektur entstehen. Anders als bei SAP ECC werden Individualisierungen gemäß dem Clean-Core-Ansatz über Drittsysteme realisiert und mithilfe der SAP Business Technology Platform (BTP) angedockt. So bleibt das Kernsystem sauber, agil und lässt sich einfacher updaten. Außerdem können Unternehmen über die BTP leichter neue Technologien und Services integrieren, etwa für KI- oder IOT-Anwendungen.
Damit wächst aber auch die Komplexität in der Peripherie. Häufig erstrecken sich Geschäftsprozesse über viele verschiedene Systeme, die End-to-End berücksichtigt werden müssen.
Damit das Geld für eine Gehaltsabrechnung überwiesen werden kann, ist zum Beispiel eine Bankschnittstelle erforderlich. Wenn sich diese aber verändert oder nicht verfügbar ist, funktioniert der Prozess nicht mehr.
Stand: 08.12.2025
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Um reibungslose Abläufe zu gewährleisten, müssen QA-Teams die Schnittstellen regelmäßig überprüfen. Neben der fehlerfreien Funktion spielt dabei auch die Performance eine zunehmende Rolle. Ist ein Prozess noch schnell genug, wenn 500 Nutzer gleichzeitig darauf zugreifen? Lange Ladezeiten wirken sich sowohl intern als auch extern negativ aus: Mitarbeitende sind genervt und weniger produktiv, Kunden wechseln zur Konkurrenz.
Automatisierung zahlt sich aus
Die wachsende Zahl an Schnittstellen, die nötigen Integrations-, Vergleichs- und Performance-Tests sowie der Parallelbetrieb von Alt- und Neusystem machen die Qualitätssicherung aufwändiger und komplexer. Manuelles Testing ist dem nicht mehr gewachsen. Wer weiterhin daran festhält, riskiert Projektverzögerungen und explodierende Kosten.
Ziel sollte vielmehr sein, möglichst viele Standard-Prozesse zu automatisieren, so dass manuelles Testing nur noch erforderlich ist, wenn sich wirklich etwas an einer Schnittstelle oder einem Geschäftsprozess ändert. Anschließend sollten auch solche Tests in die Automatisierung überführt werden.
Gerade in einem Großprojekt wie der S/4 HANA-Transformation zahlt sich diese QA-Strategie aus. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Duke Energy , einem der größten amerikanischen Energieversorger: Das Unternehmen konnte seine SAP S/4 HANA-Migration dank der Testautomatisierung mit Tricentis Tosca sieben Monate früher abschließen als geplant und hat dadurch mehr als vier Millionen US-Dollar eingespart.
Mithilfe der KI-gestützten Low-Code/No-Code-Plattform ließ sich der manuelle Testing-Aufwand von 1.300 Stunden auf 32 reduzieren. Außerdem konnte Duke Energy das Alt-System früher abschalten und so Infrastruktur-Kosten sparen.
In welcher Phase der Transformation sollte QA integriert werden?
Um eine möglichst effiziente SAP S/4 HANA-Transformation zu ermöglichen, ist es wichtig, die Qualitätssicherung von Anfang an mitzudenken. Das gilt unabhängig davon, welchen Transformations-Ansatz das Unternehmen verfolgt – ob Greenfield (Neuimplementierung), Brownfield (1:1-Migration) oder Bluefield (selektive Datenübernahme).
Bereits in der Planungsphase sollten Unternehmen ihre QA-Strategie definieren.
Welche Tests sind erforderlich?
Welche Fachkräfte sind verfügbar und welche Skills hat das Team?
Wo ist eine Automatisierung möglich und sinnvoll?
Welche Blaupausen können wir dafür entwickeln?
Dabei empfiehlt es sich, mit einem 'SAP Solution Extensions'-Partner wie Tricentis zusammenzuarbeiten, der von SAP selbst als bevorzugter QA-Anbieter gelistet ist und dessen Lösungen Teil der Transformations-Frameworks „Rise with SAP“ und „SAP Activate“ sind. Der Spezialist kann auch beim Aufsetzen erster Testautomatisierungen unterstützen und QA-Teams schulen.
Nach der Transformation geht es weiter
In der Regel stellt sich der ROI für die Testautomatisierung bereits nach sechs bis zwölf Monaten ein. Auch nach der S/4 HANA-Migration zahlt sie sich aus, denn das neue Cloud ERP hat viel kürzere Release-Zyklen. Unternehmen müssen in der Lage sein, in hoher Frequenz Updates und funktionale Änderungen zu testen.
Eine traditionelle QA-Strategie, die auf manuellen Prozessen und einer anschließenden, intensiven Hypercare-Phase basiert, stößt hier an ihre Grenzen. Sie wäre zu langsam, zu teuer und würde sowohl QA-Teams als auch Key User überlasten.
Besonders hilfreich im laufenden Betrieb sind zum Beispiel automatisierte Change-Impact-Analysen, die aufzeigen, wie sich Änderungen auf die Geschäftsprozesse auswirken. Außerdem sollten Unternehmen regelmäßig Standard-Tests über das Komplettsystem laufen lassen, um sicherzustellen, dass abgesehen von den identifizierten Veränderungen alles ordnungsgemäß funktioniert.
Für schnelle, effiziente Prozesse spielt KI eine zunehmende Rolle. Intelligente Algorithmen erleichtern zum Beispiel die Wartung der Testfälle mit einer Selbstheilungsfunktion: Sie können gebrochene Bezüge in den Test Cases selbstständig reparieren, sodass die Logik weiterhin funktioniert, auch wenn ein Objekt in der Entwicklung umbenannt wurde oder sich verschoben hat. Außerdem kann KI auch bei der Erstellung von Testfällen helfen oder Risiken identifizieren.
*Der Autor In seiner Rolle als Field CTO von Tricentis arbeitet Roman Zednik eng mit Kunden und Partnern zusammen, um technische Produktinnovationen voranzutreiben. Zudem fungiert er als Sprecher und Evangelist auf Events und Branchenveranstaltungen und unterstützt den strategischen Vertrieb. Zuvor leitete er über neun Jahre lang die internationale Presales Solution Architects Organisation bei Tricentis. Begonnen hat er seine berufliche Laufbahn im Software Engineering und war mehr als sechs Jahre im Finanzbereich tätig. Danach wechselte er in verschiedene Rollen in Presales, Consulting, Sales und Management bei Unternehmen wie Sterling Software, Mercury Interactive und Hewlett-Packard Software. Er lebt und arbeitet in Wien, Österreich, wo sich auch der EMEA-Hauptsitz von Tricentis befindet.