DSAG-Investitionsreport 2026 SAP-Anwender verteilen Budgets selektiver

Von Elke Witmer-Goßner 5 min Lesedauer

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Unternehmen halten an SAP fest, priorisieren dabei „S/4 HANA“-Transformation, Plattform- und Datenthemen. SaaS gewinnt als Enabler für Integration und Analytics an Bedeutung, Public Cloud bleibt aus Kundensicht ausbaufähig. KI ist interessant, aber bei den meisten SAP-Anwenderunternehmen noch ohne tragfähigen Business Case.

SAP bleibt für die meisten Anwenderunternehmen relevant, aber Investitionen werden gezielter unter wirtschaftlichen Kriterien priorisiert mit digitaler Transformation und Prozessmodernisierung als zentrale Treiber.(Bild:  DSAG)
SAP bleibt für die meisten Anwenderunternehmen relevant, aber Investitionen werden gezielter unter wirtschaftlichen Kriterien priorisiert mit digitaler Transformation und Prozessmodernisierung als zentrale Treiber.
(Bild: DSAG)

Trotz Kostendruck und unsicherer Rahmenbedingungen bleibt SAP für die strategische Ausrichtung der Unternehmen in DACH gesetzt, so die Ergebnisse des aktuellen Investitionsreports der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). Nachdem im Jahr 2025 einmalig SAP den Investitionsreport-Fragebogen versendet hatte, war dieses Mal wieder die DSAG im Lead bei der Erhebung der Zahlen.

Dadurch wurden, verglichen mit dem Investitionsreport 2025, wieder weniger größere Unternehmen befragt. Daher sind die Ergebnisse des aktuellen Reports auch eher mit denen des Investitionsreports 2024 zu vergleichen.

Herausforderungen: Wirtschaftlichkeit, Verträge, Wartungsfristen

36 Prozent der Umfrageteilnehmer (siehe: Erhebungsgrundlage unten) sehen eine steigende Relevanz, 48 Prozent eine stabile, nur 16 Prozent eine sinkende. Die Budgets entwickeln sich vorsichtiger: 38 Prozent der Unternehmen erhöhen ihr IT-Gesamtbudget (2024: 43 Prozent), 35 Prozent halten es konstant, 24 Prozent senken es.

Beim SAP-Budget planen 43 Prozent Zuwächse (2024: 46 Prozent), 26 Prozent Stabilität, 28 Prozent Kürzungen. DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen ordnet ein: „Es geht nicht um eine Abkehr von SAP, sondern um gezieltere, wirtschaftlich belastbare Entscheidungen.“

Die größten Hemmnisse für SAP-Investitionen sind wirtschaftlich geprägt. Je 79 Prozent nennen die Wirtschaftlichkeit der SAP-Investitionen und die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen als maßgeblich. 70 Prozent ringen mit Lizenz- und Vertragsgestaltung, 63 Prozent treiben Wartungsenden, 59 Prozent regulatorische Vorgaben.

Entsprechend prägen die Ziele digitale Transformation und Prozessmodernisierung, Kosten- und Effizienzsteigerung sowie Compliance und Sicherheit die Planung. Investitionsentscheidungen folgen weniger Visionen als Umsetzbarkeit, Integrationsfähigkeit und belastbarer Governance.

Wohin die Mittel fließen: S/4 HANA als Anker, Plattform und Daten als Enabler

Die S/4 HANA-Migration bleibt 2026 das wichtigste Investitionsfeld (42 Prozent). Security/Compliance (32 Prozent) und die Business Technology Platform (BTP) rücken als Basis für Integration und Erweiterbarkeit in den Vordergrund (31 Prozent), Automatisierung (30 Prozent) und künstliche Intelligenz (28 Prozent) folgen. In der BTP investieren Unternehmen vor allem in Integration (45 Prozent), Analytics (38 Prozent) sowie Anwendungsentwicklung und Automatisierung (27 Prozent); KI-Funktionen liegen mit 16 Prozent noch hinten – ein Indiz für pragmatische Prioritäten: erst integrieren und Daten befähigen, dann innovieren.

Bei den 2026 relevanten ERP-Investitionen führen „S/4 HANA On-Premises“ (42 Prozent) und „S/4 HANA Private Cloud“ (22 Prozent), während die Public-Cloud-Variante („GROW“) mit 6 Prozent zurückbleibt; „SAP ECC“ kommt noch auf 10 Prozent. In der Nutzung liegt „S/4 HANA On-Premises“ inzwischen bei 56 Prozent, die alte „Business Suite/ECC“ bei 54 Prozent (Mehrfachnennungen möglich), Private Cloud bei 17 Prozent, Public Cloud bei 5 Prozent.

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Viele Unternehmen planen den Umstieg auf S/4 HANA erst bis 2030 und akzeptieren dafür Extended-Maintenance-Aufschläge – ein Spiegel von Komplexität, Ressourcenmangel und parallelen Transformationen. Aus Kundensicht sind funktionale Tiefe, Integrationsfähigkeit und verlässliche Roadmaps entscheidend; „echte Wahlfreiheit“ zwischen Betriebsmodellen sieht DSAG-Vorsitzender Hungershausen als zentral an.

SaaS mit klarer Rolle: Plattform, HR und Daten

SaaS ist 2026 ein Investitionsschwerpunkt – weniger als Selbstzweck, mehr als Hebel für Integration, Erweiterbarkeit und datengetriebene Szenarien. Die BTP steht mit 39 Prozent an der Spitze der SaaS-Investitionen (2024: 33 Prozent) und etabliert sich als strategisches Rückgrat. „Success Factors“ bleibt mit 23 Prozent stabiler HR-Baustein. Die neue „Business Data Cloud“ inklusive „Datasphere“ kommt aus dem Stand auf 22 Prozent. Das ist ein Signal für Daten- und Analytics-Offensiven als Voraussetzung für KI.

Unternehmen verfolgen mit SaaS vor allem schnellere Innovation, klare Integrationspfade, effizientere Erweiterbarkeit und belastbare Sicherheits- und Compliance-Standards.

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Diese Cloud-Provider stellen SAP bereit

Bei der Bereitstellung von SAP-Systemen nennen 37 Prozent SAP an erster Stelle, gefolgt von Microsoft (23 Prozent) und AWS (12 Prozent), dahinter Google, IBM, T-Systems und als Schlusslicht Stackit im einstelligen Bereich. Der Markt bleibt plural und projektabhängig; Unternehmen kombinieren SAP-Betriebsmodelle mit Hyperscaler-Infrastruktur und steuern vermehrt hybride oder Multicloud-Szenarien. Gründe sind die Verfügbarkeit standardisierter Services, bestehende Vertragslandschaften, Integrations-Stacks und die Planbarkeit im Betrieb.

Obwohl die Debatte an Fahrt aufnimmt, spiegelt sie sich in der aktuellen Provider-Wahl erst zögerlich. Souveräne Angebote etwa von T-Systems und Stackit werden zwar genannt, liegen aber noch im unteren Bereich. Aus DSAG-Sicht sind die Pakete noch jung; ab 2027 rechnet man mit stärkerer Traktion. Dann dürfte digitale Souveränität bei Ausschreibungen und Provider-Wahl deutlich mehr Gewicht bekommen.

Darum haben 51 Prozent noch keine KI-Use-Cases

43 Prozent der Befragten haben KI-Use-Cases umgesetzt, 51 Prozent noch nicht. Wo KI läuft, dominiert Non-SAP: 77 Prozent der produktiven Use-Cases basieren auf Nicht-SAP-Lösungen (SAP: 3 Prozent). In Test und PoC liegt Non-SAP ebenfalls vorn. Gründe sind laut Hungershausen die höhere Komplexität von KI in SAP-Geschäftsprozessen, heterogene und teils stark individualisierte On-Premises-Landschaften sowie lizenz- und vertragsseitige Hürden.

Zudem sind viele SAP-basierte KI-Funktionen Cloud-gebunden; On-Premises-Kunden können sie nicht ohne Weiteres nutzen. Unternehmen müssen ihre Landschaften „clean core ready“ machen, um SAP-KI skalierbar einzubetten. Dass über die Hälfte noch ohne KI-Use-Cases ist, sei „die eigentliche Überraschung“ der Erhebung.

Fazit: Pragmatismus vor Hype

Hungershausens Fazit: SAP bleibt für die Mehrheit der Anwender relevant; Investitionen folgen einem ganzheitlichen, belastbaren Kurs. Der Schwerpunkt liegt auf S/4 HANA-Transformation mit klarer Roadmap, flankiert von Plattform-, Daten- und Sicherheitsthemen. SaaS wird als Integrations- und Innovationsvehikel genutzt, Public-Cloud-Zielbilder müssen ihren wirtschaftlichen und funktionalen Mehrwert noch breiter belegen. Für KI gilt: Interesse ja, aber Umsetzung mit Augenmaß.

Was es aus Sicht der Anwender brauche, fasst Hungershausen als Bringschuld in der SAP-Kommunikation und des Angebots zusammen: Transparenz, Wahlfreiheit, wirtschaftlich tragfähige Modelle und realistische Migrationspfade – dann werde aus Strategie auch Investition.

Erhebungsgrundlage

Im Zeitraum vom 08. Dezember 2025 bis 21. Januar 2026 haben 198 Personen an der Umfrage teilgenommen. Pro Mitgliedsunternehmen wurde nur eine Person befragt. Dabei handelte es sich um CIOs, CC-Leitende oder Ansprechpersonen ausschließlich aus Anwenderunternehmen. Bei den Branchen dominierten unter den TOP-5 der Maschinen-, Geräte- und Komponentenbau, gefolgt vom öffentlichen Sektor, der Chemieindustrie sowie der Versorgungswirtschaft und Konsumgüterbranche.
40 Prozent der Unternehmen beschäftigen 500 bis 2.499 Mitarbeitende, 28 Prozent beschäftigen 5.000 oder mehr Mitarbeitende, 20 Prozent 2.500 bis 4.999 und 12 Prozent haben 0 bis 4.999 Mitarbeitende. 73 Prozent der Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, 10 Prozent in Österreich, 12 Prozent in der Schweiz und 5 Prozent in sonstigen Ländern. Anders als beim Investitionsreport 2025 hat die DSAG dieses Mal wieder selbst die Umfrage versendet und nicht SAP. Dementsprechend wurden deutlich weniger größere Unternehmen befragt als bei der letzten Umfrage.

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