Als DE-CIX 1995 die ersten drei deutschen Internet Service Provider (ISPs) zusammenschaltete, diente eine alte Postfiliale in Frankfurt am Main als Geburtsort des Internets in Deutschland. Seitdem wuchs der Internet-Knoten zum größten seiner Art. In diesem Jahr feiert DE-CIX sein 25. Jubiläum. Zu diesem Anlass gibt Thomas King, CTO bei DE-CIX, einen Einblick in die Geschichte der Rechenzentren und welche Rolle sie in unserer heutigen, global vernetzten Welt einnehmen.
Dr. Thomas King ist CTO des Deutschen Internet-Austauschknotens DE-CIX und einer der Keynote-Sprecher auf dem diesjährigen DataCenter Day.
(Bild: Adrian Vidak)
Was als virtuelle Verbindung zwischen akademischen und militärischen Institutionen begann, entwickelte sich Mitte der 90er Jahre in Richtung globale Vernetzung und Konnektivität. Das World Wide Web steckte damals noch in den Kinderschuhen: Um eine E-Mail von einem ISP zum anderen versenden zu können, mussten die Daten zuerst über den Internet-Backbone in Washington D.C. transportiert werden.
Das war nicht nur umständlich, sondern auch ein kostspieliges Privileg, eine direkte 2-Megabit-Leitung in die USA zu besitzen. Um in Deutschland für eine geringere Latenz und eine Reduzierung dieser Kosten zu sorgen, wurden 1995 die drei ISPs MAZ in Hamburg, EUnet in Dortmund und XLink in Karlsruhe über den Internetknoten DE-CIX in Frankfurt miteinander vernetzt.
Schnell erkannten andere ISPs das Potenzial dieser Entwicklung und die Nachfrage, Server lokal miteinander zu vernetzen, stieg. Auf Dauer konnte DE-CIX den Andrang nicht mehr von der Postfiliale aus stemmen. Deshalb zog der Knoten 1999 in das Frankfurter Rechenzentrum von Interxion um, wodurch eine neue Ära der Rechenzentren eingeleitet wurde.
Think Big: Vom firmeneigenen Server-Raum zum Hyperscaler
Heutzutage sind Größe und Design von Rechenzentren vielfältig und hängen von dem Zweck und der damit einhergehenden Kapazitätsleistung der jeweiligen Einrichtung ab. Diese reichen von containergroßen Mikro-Rechenzentren mit einzelnen, freistehenden Racks, über Co-Location-Einrichtungen mit etwa 10.000 Quadratmetern Fläche bis hin zu Hyperscaler-Rechenzentren mit mehr als 100.000 Quadratmetern Fläche, die beispielsweise die Computing-Kapazität für Cloud Provider und deren Dienste stellen.
Das sind in etwa die Rechenzentrumsgrößen von Datacenter in Deutschland.
(Bild: DE-CIX)
Doch das war nicht immer so. Rechenleistung war früher eine „lokale Angelegenheit“. In firmeneigenen Server-Räumen vernetzten Großrechner lediglich einzelne Büroräume untereinander. Die beschleunigte Evolution der Computertechnologie sowie der Wunsch, Netzwerke miteinander zu verbinden, begünstigten das Aufkommen einer neuen Art von Rechenzentrum: dem Serverhousing beziehungsweise Co-Location.
Durch die Anbindung der ISPs an einen Internet-Knoten, wie den DE-CIX, eröffnete sich eine ganz neue Welt der globalen Vernetzung. Die Zeit um die Jahrtausendwende war auch eine Zeit des Wachstums für den Rechenzentrumsmarkt. Unternehmen, die nicht in eine interne Internet-Infrastruktur investieren wollten, brachten ihre Server in bereits existierenden Rechenzentren unter – meistens renovierte, umfunktionierte Bürogebäude. Diese Einrichtungen beherbergten die Server mehrerer unterschiedlicher Mieter – Serverhousing boomte.
Die Delle
Das Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre stellte einen Einschnitt in die florierende Internet-Kultur dar, wovon auch das Co-Location-Geschäftsmodell betroffen war. Börseneinbrüche und erhebliche finanzielle Verluste waren kennzeichnend für diese Zeit – das Internet konnte den Erwartungen der Unternehmen noch nicht gerecht werden.
Mit Aufkommen des „iPhone“ im Jahr 2007 wurde die Internet-Nutzung zunächst zugunsten der mobilen Endnutzer revolutioniert. Der Markt erholte sich anschließend langsam, und die Nachfrage nach Rechenzentrumsfläche stieg in Folge weiter an.
Die Betreiber erkannten, dass ihnen renovierte Bürogebäude nicht mehr ausreichten, um mit fortschreitenden Entwicklungen mithalten und die Bereitstellung moderner Dienste gewährleisten zu können. Es entwickelte sich der Bereich, der sich mit Planung und Bau eigenständiger Rechenzentren beschäftigte. Die Standortwahl hing vornehmlich von ihrer Nähe zu anderen Netzwerken, zu Glasfaserverkabelung und Kraftwerken ab. Mit der Anzahl von eigenständigen Rechenzentren wuchs ebenfalls deren Größe und Leistungskraft.
Think Edgy: Vom Edge-Computing zum Rechenzentrum der Zukunft
Mit dem mobilen Internet hat sich auch das Konzept des Rechenzentrums weiterentwickelt. Mobile Konnektivität und Konzepte, die dadurch ermöglicht werden können – wie zum Beispiel autonomes Fahren – brauchen eine hochgradig vernetzte Grundlage. Netzwerke müssen folglich näher an den mobilen Endbenutzer heranrücken.
Ohne Datacenter funktionierten alle diese Anwendungsbereiche nicht.
(Bild: DE-CIX)
Das bedeutet einerseits, dass die Netzwerke mit mehr Rechenzentren und auch die Rechenzentren selbst untereinander verbunden werden. Andererseits begünstigte diese Entwicklung das Errichten von Edge-Rechenzentren. Durch das dezentralisierte Edge Computing werden Daten so nah wie möglich bei den jeweiligen Netzwerken verarbeitet, was den Transport von Datenströmen in Echtzeit – also ohne bemerkbare Latenz – ermöglicht.
Stand: 08.12.2025
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DataCenter Day 2020
So oder so – vor Ort im Vogel Convention Center (VCC) Würzburg oder virtuell – in jedem Fall findet auch 2020 ein DataCenter Day statt: am 6. Oktober.
So stehen auch schon die Keynote-Sprecher fest. Mit dabei Dr. Thomas King, CTO beim weltweit größten Internet-Austauschknoten DE-CIX. Der Artikel ist lediglich ein „Magentratzerl“, wie ein Amuse Gueule auf Bayerisch heißt.
Wer Thomas King treffen will, muss sich anmelden: Hier können Interessenten ihre Teilnahme sichern.
Doch welche Richtung wird die Entwicklung der Rechenzentren in Zukunft einschlagen? Zum einen ist der Bereich Edge ein noch sehr neues Terrain. In Verbindung mit Cloud-Technologien kann die Datenverarbeitung und -speicherung dort effizienter gemacht werden.
Entwickler und Betreiber von Rechenzentren sowie Hardwarehersteller setzen sich bereits heute dafür ein, die Energie-Effizienz von Rechenzentren allgemein zu steigern, um ihren ökonomischen Fußabdruck zu verringern – ein fortlaufender Prozess, der sich auch noch in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Dabei geht es nicht nur darum, generell weniger Strom zu verbrauchen, sondern die Wärme, die in Rechenzentren erzeugt wird, in lokale Wärmenetze einzuspeisen.
Wie sich Rechenzentren auch weiterentwickeln mögen, sie werden immer eine wichtige Rolle in der Vernetzung unserer Welt einnehmen – der Grundstein dafür wurde vor 25 Jahren in einer alten Postfiliale gelegt.
Über den DE-CIX
DE-CIX ist ein weltweit führender Betreiber von Internet-Austauschknoten. 1995 in Betrieb genommen, ist der DE-CIX in Frankfurt am Main mit mehr als 9 Terabit pro Sekunde (Tbps) der Internet Exchange (IX) mit dem weltweit höchsten Datendurchsatz in Spitzenzeiten. Seine technische Infrastruktur hat eine Gesamtkapazität von 59 Terabit.
Insgesamt bedient DE-CIX an seinen Standorten in Europa, Nord-Amerika, dem Nahen und Mittleren Osten, Indien und Asien über 1900 Netzbetreiber, Internet Service Provider (ISP) und Content-Anbieter aus mehr als 100 Ländern mit Peering und Interconnection Services.
* Thomas King ist Chief Technology Officer beim Deutschen Internet-Austauschknoten DE-CIX.