Rechenzentrumsabwärme und Wärmenetz in Stuttgart Nlighten speist Abwärme in Wärmenetz im Synergiepark ein

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Das Stuttgarter Rechenzentrum von Nlighten gibt seine Abwärme künftig an ein lokales Wärmenetz ab. Versorgt werden zunächst die It.Schule, das Ausbildungszentrum für IT- und Medienberufe in der Region, und Gebäude der Prüforganisation Dekra. Im Hintergrund läuft bereits die Planung für die spätere Einbindung in ein größeres Netz im Synergiepark.

V.l.: Andreas Herden (Managing Director Deutschland Nlighten), Louise Alter (Nlighten), Dennis Bauer (E-Con) und Ulf Hummel (Stadtwerke Stuttgart).(Bild:  lukas breusch photography)
V.l.: Andreas Herden (Managing Director Deutschland Nlighten), Louise Alter (Nlighten), Dennis Bauer (E-Con) und Ulf Hummel (Stadtwerke Stuttgart).
(Bild: lukas breusch photography)

Die dafür erforderliche Kooperationsvereinbarung ist im Februar 2026 unterzeichnet worden. Der Betrieb soll noch in diesem Jahr aufgenommen werden.

Zwei Welten, ein Vertrag

Hinter dem Projekt steht ein Joint Venture: Das Wärmesystem des Synergiepark Stuttgart, formal Synergiepark Vaihingen Wärme, wurde 2023 von den Stadtwerken Stuttgart und der E-Con gegründet. Während die Stadtwerke die kaufmännisch-vertriebliche Seite verantworten und die lokale Infrastruktur für Gas und Strom einbringen, liefert die E-Con die technische Planungs- und Umsetzungskompetenz.

Dennis Bauer, der das Projekt auf Seiten der Wärmeversorgung begleitet hat, bringt den Verhandlungsprozess auf den Punkt: „Es waren anderthalb Jahre, in denen wir über Vertragsinhalte gesprochen haben, nicht weil es Unstimmigkeiten gab, sondern weil zwei völlig verschiedene Welten zusammengekommen sind."

Technisch bedeutet das unter anderem: Vorlauf- und Rücklauftemperaturen definieren, maximale Abwärmeleistung festlegen, Schnittstellen, physisch und datentechnisch, auf den Zentimeter genau abstimmen. Nlighten hebt die Serverabwärme mittels Wärmepumpen auf ein Versorgungstemperaturniveau von 65 Grad Celsius an und liefert die fertige Wärme an den Wärmelieferanten, der sie verteilt und den Kunden zur Verfügung stellen.

Die Infrastruktur ist für eine Wärmeleistung von bis zu 1,8 Megawatt (MW) im Endausbau ausgelegt. Dieser Wert wird nicht von Anfang an erreicht, erläutert Andreas Herden, Managing Director Germany bei Nlighten im Gespräch mit DataCenter-Insider, sondern wächst mit der Auslastung des Rechenzentrums. Die Temperatur bleibt konstant, aber die Leistung steigt.

Brownfield, Bundesförderung, Blueprint

Nlighten betreibt den Stuttgarter Standort in einem Bestandsgebäude, ursprünglich als Carrier-Pop-Raum geplant, heute ein Tier-3-Rechenzentrum. Herden betont, dass Abwärmenutzung kein Add-on ist, sondern fester Bestandteil der Unternehmens-DNA: „Wir haben in 9 von 10 Standorten die technische Vorbereitung für eine Wärme-Abgabe bereits in den Masterplan integriert."

Statt Diesel-Notstromaggregaten setzt Nlighten auf Gasdruckregelanlagen mit dem Argument, dass die Gasverfügbarkeit in Deutschland strukturell zuverlässiger ist als die Stromverfügbarkeit. Das Projekt wird durch Fördermittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt.

Die Förderung deckt auf Seiten der Wärmeversorgung die Verteilungsinfrastruktur ab, aber nicht die Redundanzbereitstellung. Ausgezahlt wird erst nach Abschluss der Baumaßnahmen. Das heißt: Beide Unternehmen gehen zunächst in Vorleistung. Bauer betont klar: „Unsere Entscheidung hängt nicht primär von den Fördermitteln ab."

Das Rechenzentrum wächst und das Netz wächst mit

Das kleine Netz, das zunächst die It.schule und Dekra versorgt, ist als Einstieg gedacht. Sobald das größere Wärmenetz für den gesamten Synergiepark Stuttgart aufgebaut ist, der rund 350 Gebäude in den Stadtteilen Vaihingen und Möhringen umfasst, sollen beide Netze verbunden werden. Das schafft nicht nur größere Abnahmekapazitäten, sondern löst auch das Redundanzproblem: Statt lokaler Backup-Systeme kann das Gesamtnetz als Puffer fungieren.

Für Nlighten ist Stuttgart nach dem Abwärmeprojekt mit einem Freibad in Eschborn das zweite realisierte Vorhaben dieser Art. An weiteren deutschen Standorten, das Unternehmen ist in Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, München, Nürnberg und Leipzig aktiv, laufen nach Angaben von Herden entsprechende Gespräche.

Das größte Hindernis bleibt dabei häufig aber nicht der fehlende Wärme-Abnehmer, sondern der Stromanschluss: „Ein Rechenzentrum in Deutschland zu bauen fängt damit an, Strom zu bekommen", so Herden.

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