Open-Source-Alternative für Oracle und Co. MySQL – vollwertige Schnäppchen-Datenbank
Geht es um den professionellen Einsatz von Open-Source-Produkten, denken die meisten sofort an Web-Server. Schließlich hat die Kombination aus Linux, Apache, MySQL und PHP hier eine extrem dominante Position. Doch mit dieser oder einer ähnlichen Zusammenstellung lässt sich weit mehr erreichen, als nur der Betrieb eines Web-Angebots.
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Speziell MySQL verdient eigentlich ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Schließlich handelt es sich hierbei um eine vollwertige SQL-Datenbank-Engine, die mittlerweile sogar über professionelle Funktionen wie Stored Procedures und atomare Transaktionen verfügt. Wichtige Features zum Schutz der in der Datenbank abgelegten Informationen sind ebenso vorhanden wie das Clustering mehrerer MySQL-Server zur effektiven Lastverteilung auf verteilte Datenbank-Server.
Mit diesem Leistungs-Portfolio steht MySQL renommierten Datenbank-Systemen wie etwa Oracle und MS SQL-Server in nichts nach. Deutlich besser als diese schneidet MySQL jedoch beim Preis ab. Die Software an sich ist kostenlos verfügbar, lediglich für Support sowie Schulungs- und Beratungsdienste ist – sofern gewünscht – ein jährlicher Obolus an den Hersteller zu entrichten. Ein weiterer Vorteil von MySQL ist die Verfügbarkeit für mehrere Plattformen. So existieren neben der Version für Linux auch Varianten, die sich unter Solaris oder Windows einsetzen lassen. Dabei werden auch moderne Hardware-Architekturen berücksichtigt und sowohl 32- als auch 64-Bit-Umgebungen unterstützt.
Dass es sich bei MySQL nicht um eine Lösung nur für Web-Anwendungen handelt unterstreicht die ständig wachsende Liste renommierter Unternehmen, die diese Datenbank einsetzen. So verwendet Nokia MySQL um die registrierten Anwender der hauseigenen Produkte zu verwalten, Suzuki setzt MySQL für seine Sales-Datenbank ein und Continental Airlines verwaltet die Flugticketdaten mit der quelloffenen Software. Selbst SAP arbeitet mit MySQL zusammen und entwickelt die sowohl intern verwendete wie auch von MySQL bereitgestellte Datenbankstruktur SAP-DB für die Open-Source-Datenbank.
Offene Schnittstellen
Für die hohe Akzeptanz bei Unternehmen sorgen unter anderem die offenen Schnittstellen von MySQL. So lässt sich das Datenbank-System nicht nur über die eigenen Bibliotheken direkt ansprechen. Mithilfe der ODBC-Treiber ist auch eine Integration mit Standard-Office-Produkten wie Excel oder Access einfach möglich. Das ermöglicht eine rasche Portierung bestehender Anwendungen ohne großen Programmieraufwand.
Positiv ist zudem, dass dank der mittlerweile riesigen Zahl von Anwendern vorhandene Fehler schnell aufgespürt und entsprechend rasch behoben werden. Die offenen Foren rund um MySQL enthalten zudem viele Tipps zum Einsatz und bieten darüber hinaus durch andere Anwender schneller Support als dies bei vielen teureren Datenbanken der Fall ist.
Obwohl MySQL zur Verwaltung von Haus aus nur Management-Werkzeuge für die Linux-Kommandozeile beiliegen heißt das nicht, dass das Management der Datenbank aufwändig oder gar schwierig wäre bzw. dass dazu ständig die Kommandozeile bemüht werden müsste. Im Gegenteil: die Open-Source-Gemeinde und kommerzielle Anbieter stellen gleichermaßen eine ganze Palette von Tools zur Verfügung, mit deren Hilfe sich MySQL-Datenbanken unter Windows, Mac OS X, Linux, Solaris oder sogar plattformübergreifend per Web-Browser verwalten lässt.
Verwaltung per Webbrowser
Der bekannteste Vertreter der letztgenannten Kategorie ist PHPMyAdmin. Wie der Name schon andeutet, ist die Software in PHP geschrieben, benötigt zum Einsatz also einen vorhandenen PHP-Interpreter und einen Web-Server. Die Installation muss aber keineswegs auf dem Datenbank-Server erfolgen, sie kann auch auf einem komplett eigenen System laufen. Dieses ist dann sogar in der Lage, mehrere MySQL-Server mit unterschiedlichen Datenbeständen zu verwalten. Dank der integrierten Hilfefunktion und der Verfügbarkeit in mehreren Sprachen ist die Einlernzeit in das System denkbar kurz – ein weiterer Vorteil im Vergleich zur kommerziellen Konkurrenz.
Sicherlich, die Installation von MySQL und der zugehörigen Werkzeuge ist mit einem gerüttelten Maß an Aufwand verbunden. Wer diese Arbeit scheut oder gar keinen Admin mit den notwendigen Grundkenntnissen im Unternehmen im Zugriff hat, muss trotzdem nicht auf den Einsatz von MySQL verzichten. Mehrere Anbieter haben inzwischen fertige Lösungen in Form vorgefertigter Distributionen oder kompletter Geräte – so genannter Appliances – im Programm.
Hierzu zählt auch der Business Server des deutschen Anbieters Collax. Er vereint viele, für den Unternehmenseinsatz wichtigen Funktionen unter einer gemeinsamen, vom Anwender leicht zu bedienenden Benutzeroberfläche. Darunter befindet sich, auf einem Linux-Betriebssystem laufend, ein MySQL-Server, PHPMyAdmin zu dessen Verwaltung und ein Apache Webserver als Tor zum Internet.
Um beispielsweise einen Web-Shop wie osCommerce über eine LAMP-Konfiguration einzurichten, benötigt man mit dem Collax Business Server gerade mal 30 Minuten – und schon ist alles startklar.
Fazit
Insgesamt ist MySQL sicher eine Alternative, die mehr als einen flüchtigen Blick wert ist. Vor der Entscheidung für oder gegen den Einsatz der Open-Source-Datenbank sollte allerdings geprüft werden, ob eine Migration bestehender System möglich ist und welchen Aufwand dieser Prozess verursacht. Auch hierbei unterstützt MySQL den Anwender, da die diversen Versionen einfach herunter geladen und auf verschiedenen Systemen gefahrlos ausprobiert werden können.
Über den Autor
Stefan Rubner ist freier Journalist und IT Consultant. Schwerpunktmäßig schreibt er über Linux, Kommunikation, Sicherheitthemen wie Firewalls und Appliances, PHP, Apache, MySQL, Content Management und Mac OS X
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