Sie haben ein Rechenzentrum im Keller Ihres Wohnhauses? MdB Anke Domscheidt-Berg zum geplanten Energie-Effizienzgesetz

Von Ulrike Ostler 11 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg gilt in der IT- und Datacenter-Branche als kompetente Fachfrau und für viele zugleich als „der falschen Partei zugehörig“; denn sie ist digital-politische Sprecherin der Linksfraktion, also auf jeden Fall in der Opposition. Im Podcast erläutert sie, welche Chancen das geplante Energie-Effizienzgesetz (EnEFG) hat und welche vertan werden – insbesondere im Hinblick auf die Rechenzentren.

In der Podcast-Folge #13 der DataCenter Diaries ist MdB Anke Domscheit-Berg (Die Linke) zu Gast. Es geht um das geplante Energie-Effizienzgesetz um das Heizen ihres Wohnhauses mit der Wärme aus sechs Racks und um die Intransparenz der Bundes-IT bezüglich Nachhaltigkeit. (Bild:  Vogel It-Medien GmbH)
In der Podcast-Folge #13 der DataCenter Diaries ist MdB Anke Domscheit-Berg (Die Linke) zu Gast. Es geht um das geplante Energie-Effizienzgesetz um das Heizen ihres Wohnhauses mit der Wärme aus sechs Racks und um die Intransparenz der Bundes-IT bezüglich Nachhaltigkeit.
(Bild: Vogel It-Medien GmbH)

Warum sind Sie mit diesem Gesetz und mit den Belangen der Datacenter überhaupt vertraut?

Anke Domscheit-Berg: Zum einen ist Digital-Politik mein fachlicher Schwerpunkt, ich bin Ob-Frau im Digitalausschuss und digital-politische Sprecherin der Linksfraktion. Das heißt, ich muss mich mit allen digital-politischen Themen befassen. Und natürlich ist das Energie-Effizienz Gesetz in seiner aktuellen Ausgestaltung sehr stark digital-lastig; denn es betrifft viele andere Industrien gar nicht.

Zugleich sind Rechenzentren tatsächlich auch in meiner Arbeit ein spezieller Schwerpunkt. Ich frage zum Beispiel regelmäßig die Bundesregierung nach allen ihren Rechenzentren zu verschiedenen Aspekten. Zudem habe ich auch ein kleines Rechenzentrum im Keller.

MdB Anke Domscheit-Berg (Die Linke)
Auf ihrer Website beschreibt sich MdB Anke Domscheit-Berg selbst als "Publizistin und Netzaktivistin", im Norden von Brandenburg in Fürstenberg/Havel lebend, zusammen mit Ehemann Daniel Domscheit-Berg, Sohn und 6 Katzen.
Sie hat unter anderem einen Abschluss als MA European Business Administration, hat als Beraterin, Projektleiterin, Managerin Business Development bei Accenture, Telco Industrie und Public Sector gearbeitet, als Engagement Manager bei McKinsey, war Director Government Relations bei Microsoft Deutschland, zuständig für Innovative Government Programs ist seit Oktober 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages für die Fraktion Die Linke und seit April 2021 Mitglied der Partei Die Linke.

Bildquelle: Anke Domscheit-Berg

Ein eigenes Rechenzentrum im Keller? Wie kommt es denn dazu?

Anke Domscheit-Berg: Zum einen bin ich mit dem Netzwerk-Informatiker Daniel Domscheit Berg verheiratet. Und er hat früher Rechenzentren mit aufgebaut. Damit ist bei uns schon einmal eine hohe Affinität zu IT-Themen vorhanden und wir haben einen entsprechend hohen Bedarf an Kapazität, der allerdings früher insbesondere bei der Datenübertragung an seine Grenzen stieß. Dazu muss man sagen: Wir wohnen im Norden von Brandenburg, wo es, wie jetzt auch noch in Teilen anderer Bundesländer, nur lahmes Internet gab.

Aber wir wollten es halt schneller haben und konnten uns dann durch glückliche Umstände 144 Glasfasern in den Keller legen lassen. Davon benutzen wir im Moment zwar nur eine (mit 10 Gigabit), aber haben ein kleines, man könnte sagen, Co-Location-Rechenzentrum eingerichtet. Dieses soll nicht dazu dienen, reich zu werden – wäre in der Größe auch eher schwierig, da es sich um lediglich sechs Server-Schränke handelt. Wir wollen eigentlich eine schwarze Null erzielen. Zwei der Racks sind Gemeinwohl-orientierten Zwecken gewidmet und vier dienen der kommerziellen Nutzung, zum Beispiel weil Leute dort ihre Backups lagern.

Wir machen unser Peering über den Internet-Provider Berlin und sind sehr dankbar, dass wir die schönst-möglichen Konditionen bekommen. Gerade wegen unseres Gemeinwohl-orientierten Fokus werden wir von diesem sehr stark unterstützt.

Gemeinwohl-orientiert – das klingt so politisch. Können Sie einmal konkreter erläutern, was das sein soll.

Anke Domscheit-Berg: Für mich ist es schon so, dass ich versuche, Politik in die Praxis umzusetzen - dieses ganze Gelaber von Gemeinwohl orientiert … ja, das muss ja auch was bedeuten im realen Leben: zum Beispiel als die Kinder während der Pandemie in den digitalen Unterricht, ins Home Schooling, geschickt wurden, stellte sich heraus, dass weder die Schule noch die Kinder darauf vorbereitet waren. Dann haben wir in einem gemeinnützigen Projekt , dem „Verstehbahnhof“ [„offene Werkstatt, Medienproduktionsstudio, Rechenzentrum, Veranstaltungshalle, soziale Küche und öffentliches Wohnzimmer“], im Keller ein digitales Klassenzimmer eingebaut – ein Ton- und Video-Studio.

Aber ein solches braucht auch eine Infrastruktur, die im Backend hängt. Also wenn Lehrkräfte dort beispielsweise Videos einstellen, braucht es eine Live-Stream- und eine Videokonferenz-Infrastruktur, wenn das mit den Schüler:innen zusammen gemacht wurde oder, bei Aufzeichnungen eine Art Peer-to-Infrastruktur sowie Kooperationswerkzeug, um etwa etwas in der Cloud abzulegen…. Wir haben also sehr viele Nextcloud-Instanzen - vom Seniorenverein, für die Schulen und den Kindergarten … Wir haben in der Flüchtlingshilfe viel gemacht, wir haben während des Lock-Down Nachbarschaftshilfen gehostet, für die Seenotrettung läuft etwas bei uns … Also: Wir ermöglichen mit einer Rechenzentrumsinfrastruktur, dass ehrenamtliche Initiativen ihre Arbeit machen können.

Sie haben bei einem Termin, den der Eco - Verband der Internetwirtschaft zum EnEFG veranstaltet hat [siehe: „Jüngst beim Eco - Verband der Internetwirtschaft: Praxis trifft Politik Das Energie-Effizienzgesetz: Ein Gespenst geht um in der Datacenter-Branche ... “], dass Sie die Abwärme aus den Rechnern für Ihr eigenes Haus nutzen.

Anke Domscheit-Berg: Ja, also ich halte seit Jahren generell viel von dem Satz ‚Eat your own dog food“ - wenn man groß `rum erzählt, dass man gerne etwas hätte, was die Politik macht, so wäre es halt schön, wenn man es auch selber machte. Wenn ich fordere, dass Rechenzentren klimafreundlich werden sollen, kann ich nicht im Keller eins haben, dass das nicht ist.

Die Nutzung von Abwärme ist einfach klimafreundlicher und es spart schlichtweg Geld. Alles andere Ist Verschwendung; denn ohnehin müssen wir die überschüssige Wärme, die Rechner erzeugen, 'rauskriegen; sie ist nun einmal da und trotzdem hat man die Wärme für das Haus extra bezahlen müssen.

Und es lohnt sich für uns tatsächlich, die Abwärme zu nutzen, auch wenn der Weg dorthin ein wenig komplizierter war, als wir gedacht hatten. Zum Beispiel haben wir auf Ebay vom Hochleistungsrechenzentrum in Stuttgart ausgemusterte Türen, die speziell für Wasserkühlung geeignet sind, gekauft. Die sind auch super und eines Tages werden wir sie auch nutzen. Aber dafür braucht es zum Beispiel eine Anbindung über Wärmepumpen an die Fußbodenheizung. Die haben wir aber gar nicht.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die Podcast-Folge #13 von DataCenter Diaries „MdB Anke Domscheit-Berg (Die Linke) zum geplanten Energie-Effizienzgesetz und ihr Heiz-Datacenter im Keller“ findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Amazon Musik und Google Podcasts .

Also haben wir uns entschlossen, die warme Fön-Luft einfach so direkt zu verwenden. Drei Server-Schränke stehen jeweils mit dem Rücken zueinander, sind quasi, zwar in einer unkonventionellen Art, eingehaust. An einer Seite ist eine große kreisförmige Aussparung, wo ein riesengroßer Rüssel befestigt ist, Durchmesser etwa ein halber Meter.

Dieser führt durch den gesamten Kellergang durch ein Loch in der Decke in unser Erdgeschoss. Wo er in einem großen Hausflur endet. Von dort verteilt er quasi als Fön die warme Luft im ganzen Haus. Das Endstück ist beweglich, so dass die Warmluft einmal mehr nach links und dann mehr nach rechts, in die Küche oder die Treppe hoch geleitet werden kann.

Aber das funktioniert echt super; denn im Warmgang haben wir so 28 bis 30 Grad, selbst wenn beim Transport etwas an Wärme verloren geht. In diesem Winter mussten wir lediglich als richtig fieser Frost herrschte, an wenigen Tagen in den abgelegenen Zimmern die Heizungen auf Stufe 1 oder zwei drehen. Ansonsten hat es funktioniert.

Das finde ich erstaunlich. Sie heizen also mit sechs Serverschränken ….

Anke Domscheit-Berg: … ein nicht einmal so kleines Haus mit Strom. Wir haben eine Nennleistung von Pi mal Daumen 6 Kilowattstunden. Allerdings benötigen wir noch eine Turbine, die die Luft transportiert; diese benötigt 300 Watt. Das ist neben den für eine Lampe der einzige Strom, der verschwendet wird, der nicht für das Heizen verwendet wird.

Ich möchte zu Ihrem Tun als Bundestagsabgeordnete herüber schwenken. Unter anderem haben Sie mehrere Anfragen gestellt, wie es die Bundes-IT mit der Nachhaltigkeit hält.

Anke Domscheit-Berg: In der Theorie machen wir da schon etwas. Im aktuellen Koalitionsvertrag steht zum Beispiel, dass ab 2027 alle neu gebauten Rechenzentren klimaneutral sein sollen. Außerdem ist vorgesehen, dass für die IT-Beschaffungen des Bundes Zertifizierungen wie der 'Blaue Engel' Standard werden. Das gilt auch für den Einkauf von Rechenzentrumsdienstleistungen.

So gibt es etwa über die Green-IT-Initiative und über die Einkaufsvorgaben seit Jahren die Vorschrift, Rechenzentren nachhaltiger zu betreiben. Seit 2015 existiert zudem das milliardenschwere Projekt der IT-Konsolidierung und es ist Teil der Nachhaltigkeit, dass man nicht mehr so viele Rechenzentren betreibt. Jedenfalls war das der Plan bis zum Jahr 2021 oder 2022 von damals 100 auf zehn Rechenzentren zu konsolidieren.

Einer meiner Übungen besteht darin nachzufragen: Wie viele Rechenzentren hat der Bund und wie verteilen die sich auf die Ministerien? Spoiler: Der Bund weiß es gar nicht so genau. Das heißt: Die Zahl in der jeweiligen Antwort schwankt, je nachdem, ob man `nur so‘ fragt – da kommt dann eine Zahl heraus wie beim letzten Mal 185, was bedeuten würde, die Rechenzentren hätten sich vermehrt wie Kaninchen im Frühling – oder ich stelle auch größere `kleine Anfragen´, wie in den vergangenen Jahren, wie nachhaltig die Rechenzentren sind.

Da kommen dann immer ganz lange „Excel“-Sheets bei heraus, denn die `kleine Anfrage`besteht aus vielen Teilen, zum Beispiel: Wie viele Rechenzentren benötigt der Bund? Wie viele davon nutzen die Abwärme? Welche Kältemittel werden eingesetzt? Wie hoch ist der Anteil an Erneuerbarer Energie? Das Ganze ist nach den verschiedenen Ministerien sortiert und plötzlich hat ein Ministerium zehn Rechenzentren mehr oder auch weniger. Ich frage mich dann immer: Wie kann ein Ministerium zehn Rechenzentren verbummeln oder neue dazu bekommen – innerhalb einer Seite Text?

Aber ich frage auch immer die Pläne für die folgenden fünf Jahre ab. Das ist im Zusammenhang mit dem EnEFG interessant, weil meine letzte Anfrage in die Zeit nach der Verabschiedung hineinreicht. Vor allem sollten jetzt schon die Regeln gelten; denn viele entsprechen den Kriterien des ‚Blauen Engel‘ und die sollten schon seit mehreren Jahren für alle neuen Rechenzentren gelten.

Tatsächlich aber hat die Umfrage ergeben, dass keines der vom Bund genutzten Rechenzentren diese Kriterien erfüllt. Tatsächlich gibt es aber eins in Hamburg, das diese Zertifizierung besitzt. Doch dieses hat die Tabelle unterschlagen.

Insgesamt sind die Ergebnisse schlecht. Weniger als ein Drittel nutzen zu 100 Prozent Erneuerbare Energien, zwei Drittel setzen klimaschädliche Kältemittel ein, nur 7 Prozent nutzen irgendwie ihre Abwärme und über 90 Prozent erfüllen nicht einmal vier von den acht Kriterien des Blauen Engel. Doch das Schlimmste ist, dass sich die Zahlen nur auf die Rechenzentren beziehen, die auf die jeweilige Frage eine Antwort gegeben haben. Zum Beispiel konnten zwei Drittel der Rechenzentren die Frage nach Erneuerbaren Energien gar nicht beantworten.

Und 118 Rechenzentren von den vermuteten 180 Rechenzentren, haben überhaupt keine Daten zu den Kriterien des Umweltzeichens angegeben.

Es gibt eine unfassbare Intransparenz, wie nachhaltig oder auch nicht die Bundes-IT bezüglich Rechenzentren ist. Das allerdings könnte sich mit dem Energie-Effizienzregister, das im EnEFG vorgesehen ist, ändern.

Wo sehen Sie denn überhaupt die Chancen eines solchen Gesetzes, oder was finden Sie da fehl am Platze?

Anke Domscheit-Berg: Was wir brauchen, ist definitiv mehr Energie-Effizienz … aber eigentlich brauchen wir vor allem weniger Energieverbrauch. Das in Paris vereinbarte Klimaziel sieht vor, bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2000 rund 45 Prozent Energie zu sparen. Das muss man ja irgendwie erreichen. Das erreicht man nicht alleine über Energie-Effizienz, aber wir erreichen das jedenfalls nicht, wenn keine starke Steigerung der Energie-Effizienz da ist.

Nach Schätzungen entfallen ungefähr 3 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland auf Rechenzentren. Das dürfte eine Zahl aus dem Jahr 2020 vom Öko Institut sein aus einer Anhörung zum Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung gerade vor nicht langer Zeit im Bundestag.

Tatsächlich steigt der Effizienzgrad: So soll laut Bitkom binnen zehn Jahren bis 2020 der PUE-Wert von 2,0 auf 1,6 gesunken sein. Insofern finde ich den im EnEFG angestrebten Wert von 1,3 nicht unrealistisch.

Trotzdem steigt der Strombedarf krass. Der ist in vier Jahren bis 2020 auf 16 Terawattstunden gestiegen und laut einem auch noch recht jungen Bericht des Büros für Technikfolgen des Bundestages auch zum Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung soll der Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 sogar auf 28 Terawattstunden steigen.

Das zeigt natürlich noch ein anderes Problem; denn es gibt ja auch im Energieeffizienzgesetz die Vorgabe zur Nutzung von ausschließlich Erneuerbaren Energien. Das sind auf den ersten Blick low-hanging-fruits - man kann ja einfach den Vertrag am anderen Strom-Provider machen -; wenn das aber alle machen, tatsächlich alle gleichzeitig machen, werden wir wahrscheinlich mit dem Ausbau der Kapazität erneuerbarer Energiequellen nicht nachkommen, zumal es nicht bloß Rechenzentren gibt, sondern zum Beispiel mehr E-Autos, die alle mit Erneuerbaren geladen werden sollen.

Ich finde die Forderung gut, mehr Erneuerbare Energien zu nutzen und das auch irgendwie zu verankern. Es fehlt aber eine ganzheitliche Betrachtung.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema Abwärme: Zum einen hat man die Prozentangaben zu den Nachnutzungsgraden immer weiter gesenkt und zudem die Anzahl der Rechenzentren, für die das gilt immer weiter verringert - von den rund 50.000 Rechenzentren sind jetzt vielleicht noch 800 betroffen, alleine dadurch, dass es nur noch um Datacenter geht, die 200 Kilowatt Nennwert benötigen. Das finde ich auch nicht in Ordnung.

Also hätte die Regelung für alle oder zumindest alle neuen Rechenzentren gelten sollen? Ab sofort oder ab 2030?

Anke Domscheit-Berg: Alle ab sofort gibt es gar nicht als Option. Und ich weiß auch nicht, ob man wirklich alle einbeziehen müsste. Das beträfe ja dann auch so Winz-Rechenzentren wie meins, wenngleich es davon mehr gibt, als man denkt. Aber die jetzige Latte hängt eindeutig zu hoch.

Also: Wir haben eine Klimakrise. Und so doof es auch viele Rechenzentrumsbetreiber finden, dass hier Regeln gemacht werden, die ihnen in den Kram pfuschen oder sie in ihrem Geschäftsverhalten beeinflussen, ist es doch schlicht notwendig, dass wir uns überall verändern. Da reicht es nicht, sich immer nur die größten anzugucken und es reicht auch nicht, wenn man sagt: `Nutzt 'mal Abwärme. Und wenn sie euch keiner abnimmt? Na ja, dann nutzt sie halt nicht.´ [...]

Es gibt zudem viele Branchen und Gebäude, die Wärme benötigen, Biotech, Schulen, Schwimmbäder, Trockenfrüchte .... Als Vorbild könnte die neue Breitband-Förderrichtlinie herhalten. Diese zwingt alle Kommunen und Telco-Provider zu einem so genannten Branchen Dialog. Warum erzwingt man keinen Branchen-Dialog mit allen, die Wärme benötigen?

[...]

Die Podcast-Folge #13 von DataCenter Diaries „MdB Anke Domscheit-Berg (Die Linke) zum geplanten Energie-Effizienzgesetz und ihr Heiz-Datacenter im Keller“ findet sich auf Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Amazon Musik und Google Podcasts .

Die Kommunen lassen sich nicht 'reinreden.

Man muss da goldene Brücken bauen: Zum einen muss bekannter sein, dass Rechenzentren Abwärme liefern könnten. Ich glaube immer noch, dass der Durchschnitts-Stadtverordnete keine Ahnung davon hat. Zum andern muss es einfacher sein Matches zu finden.

Doch generell stört mich, dass zwar die Rechenzentren in die Pflicht genommen werden sollen, aber nicht überlegt wird, wie die Zunahme an Datacenter einzudämmen ist. Warum zum Beispiel propagiert man das Thema Energie-effiziente Software nicht mehr?

Warum denkt man nicht darüber nach, wie man unnötigen Datenverkehr minimiert? Warum zum Beispiel setzt sich die Bundesregierung in Europa nicht stärker für ein Verbot verhaltensbasierter Online Werbung ein? Würden alle Cookies wegfallen und die ganze damit verbundene bunte, lästige Werbung, reduzierte das den Datenverkehr um 30 Prozent.

Ja, ich finde Tech geil, auch wenn es sich vielleicht anhört, als wollte ich irgendwie ins Steinzeitalter zurück. aber ich will's halt in gut und ich will es nachhaltig.

(ID:49530577)