Energielieferant Christoph Armbruster – die Energiewende im Rechenzentrum Innovative Energielösungen sind auch für kleinere Rechenzentren erschwinglich

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Ulrike Ostler

Wenn es um die Energieversorgung geht, sind die großen Rechenzentren oftmals Spitzenreiter in puncto Innovation. Christoph Armbruster, technischer Geschäftsführer der Mainova Energiedienste GmbH und neuer Juror beim Deutschen Rechenzentrumspreis, sieht jedoch gerade für die kleinen und mittelgroßen IT-Schaltzentralen ein großes Optimierungspotenzial.

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Christoph Armbruster, technischer Geschäftsführer der Mainova Energiedienste GmbH, ist, abgesehen von den DataCenter-Insider-Lesern, die ab dem 12. Fabruar 2013 über den Publikumspreis abstimmen, der Neue unter den Juroren für den Deutschen Rechenzentrumspreis.
Christoph Armbruster, technischer Geschäftsführer der Mainova Energiedienste GmbH, ist, abgesehen von den DataCenter-Insider-Lesern, die ab dem 12. Fabruar 2013 über den Publikumspreis abstimmen, der Neue unter den Juroren für den Deutschen Rechenzentrumspreis.
(Bild: Mainova)

Die Mainova Energiedienste GmbH ist ein Energieversorger. Welche Verbindung haben Sie zu Rechenzentren?

Christoph Armbruster: Das ist eine spannende Geschichte, weil Rechenzentren ja einen großen Strombedarf haben, aber auch einen großen Kältebedarf. Genau das Thema Kälte ist für uns als Contractor spannend. Wir wollen gerade den kleineren und mittleren Rechenzentren Mehrwert bieten.

Was liefern Sie den Rechenzentren außer Strom?

Christoph Armbruster: Wir sind eigentlich für das Thema Rechenzentren völlige Exoten. Jedes Rechenzentrum braucht einen Energieversorger, der Strom liefert. Wir wollen zusätzlich auch die Kälteversorgung übernehmen, also Kälteanlagen planen, bauen, betreiben, finanzieren und die Effizienz sicherstellen. Insgesamt wollen wir die Energieinfrastruktur für die Rechenzentren liefern, damit die Betreiber sich vollständig auf ihre IT-Infrastruktur konzentrieren können.

Welche Schwerpunkte legen Sie bei der Auswahl der Projekte für den Deutschen Rechenzentrumspreis?

Christoph Armbruster: Die Rechnerinfrastruktur ist nicht mein Thema. Mir geht es darum, innovative Lösungen rund um die Energieversorgung für das Rechenzentrum zu finden.

Es geht Ihnen also vor allem um die Klimatisierung der Rechenzentren?

Christoph Armbruster: Ja, es geht doch, einfach gesagt, darum, wie man die Wärme, die die Rechner produzieren aus dem System heraus bekommt - und wie kühle Luft in die Blackbox hinein kommt. Natürlich interessieren alle innovativen Möglichkeiten die es gibt, um Kühlleistung zu erzeugen.

An was denken Sie?

Christoph Armbruster: An kühlen Tagen kann man ja idealerweise die Umgebungsluft für die Kühlung nutzen. Es geht jetzt darum, Wege zu finden, diese Kälte auch zu speichern. Oder die Möglichkeit, aus Wärme Kälte zu produzieren. Das funktioniert schon, aber noch nicht ganz wirtschaftlich sinnvoll.

Mit was beschäftigen Sie sich aktuell?

Christoph Armbruster: Ein wichtiger Punkt ist die Energiewende, die wir ja alle wollen. Wir werden in Zukunft immer mehr „grüne Elektronen“ im Netz haben, die aus Wind- und Photovoltaik stammen. Das führt früher oder später an gewissen Tagen zu einer Überversorgung mit Elektrizität. Mit dem überzähligen Strom könnte man z.um Beispiel Eisspeicher anlegen und zur Hauptlastzeit, wenn der Strom auch noch teuer ist, zur Kühlung der Gebäude zu verwenden.

Wenn immer mehr grüne Energie erzeugt wird, die – nach Abschreibung der Installationskosten – auch nichts kostet, weil Wind und Sonne ja umsonst zu haben sind, dann sinken auf lange Sicht die Strompreise, oder?

Christoph Armbruster:Was aber ist an windstillen Tagen, an denen es bedeckt und keine Sonne zu sehen ist? Da wird kein Wind- und Solar-Strom erzeugt. Da benötigt man Reservekapazität. Aber wie Energie sinnvoll speichern? Die Batterie ist entwicklungsbedürftig.

Was könnte da eine Lösung sein?

Christoph Armbruster: Wenn Sie Wasser auf 100 Grad erhitzen und Dampf erzeugen, dann muss man viel Energie gerade für den Phasenübergang von flüssig zu gasförmig stecken. In Zukunft könnte man die überschüssige Energie für die Phasenübergänge verwenden und speichert Energie dann in einem andern Aggregatzustand, das funktioniert in beide Richtungen.

Was meinen Sie damit?

Christoph Armbruster: Man kann durch Energiezufuhr den Phasenübergang provozieren und Energie speichern aber wenn ich den Prozess reversibel mache, gewinne ich Energie. Ob das nun latent Kälte- oder latent Wärmspeicher sind, da wird noch viel passieren.

Worauf müssen Rechenzentren unbedingt achten?

Christoph Armbruster: Wenn dort seit 15 Jahren eine Kälte-Anlage arbeitet, dann hat der Betreiber sicherlich ein großes Optimierungspotenzial.

… weil die Anlage ineffizient ist?

Christoph Armbruster: … und weil wahrscheinlich noch nicht alle Möglichkeiten, etwa die der freien Kühlung, genutzt werden.

Was ist die freie Kühlung?

Christoph Armbruster: Ich nutze möglichst lange die kühle Außenluft. Es reicht nicht aus, nur die IT-Landschaft aktuell zu halten. Auch die Infrastruktur im Gebäude und das Design der Energiezentralen muss up to date sein.

Worauf werden Sie als Juror für den Deutschen Rechenzentrumspreis 2013 besonders achten?

Christoph Armbruster: Rechenzentren sind große Stromverbraucher und als solche integraler Bestandteil der von der Regierung beschlossenen Energiewende. Es geht mir darum, dass auch kleinere und mittelgroße Rechenzentren alternative Energiekonzepte umsetzen.

Der Deutsche Rechenzentrumspreis wird in diesem Jahr bereits das vierte Mal verliehen; Initiator ist Ulrich Terrahe, umtriebiger Chef der Firma DE-CE und Gelegenheits-Blogger auf DataCenter-Insider.
Der Deutsche Rechenzentrumspreis wird in diesem Jahr bereits das vierte Mal verliehen; Initiator ist Ulrich Terrahe, umtriebiger Chef der Firma DE-CE und Gelegenheits-Blogger auf DataCenter-Insider.
(Bild: Future Thinking/Marconing)
Die Frage ist doch, was ist zukunftssicher und was reflektiert die Entwicklung im Energiemarkt im Hinblick auf eine sichere und stabile Versorgung in den Rechenzentren?

Die Autorin:

Kriemhilde Klippstätter ist freie Journalistin und Mediatorin in München.

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