S/4 HANA in der Cloud und on-premises in Kombination Hybride und souveräne ERP-Landschaft mit SAP

Von Thomas Joos 6 min Lesedauer

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Die Kombination aus „S/4 HANA“ per Cloud und on-premises erlaubt, bestehende Systeme schrittweise zu transformieren, Kernprozesse im eigenen Rechenzentrum zu behalten und zugleich Cloud-basierte Erweiterungen zu integrieren.

Autor Thomas Joos schreibt über den hybriden SAP-Betrieb: on premises und in der Cloud. (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Autor Thomas Joos schreibt über den hybriden SAP-Betrieb: on premises und in der Cloud.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die hybride ERP-Architektur ist ein brauchbares Betriebsmodell für Organisationen jeder Größe, die S/4 HANA einführen und gleichzeitig langfristige Investitionen schützen wollen. Eine hybride ERP-Landschaft basiert auf einer klaren Trennung zwischen Kernsystem und Erweiterungsebene.

Das On-Premises-System bildet das transaktionale Fundament. Hier laufen Finanzbuchhaltung, Produktion, Materialwirtschaft und andere geschäftskritische Anwendungen mit hoher Datenintegrität. Die lokale Umgebung gewährleistet Datenhoheit, niedrige Latenz und präzise Kontrolle über Zugriffsrechte und Betrieb.

Cloud-Komponenten ergänzen diese Struktur um flexible Module und neue Funktionen. In der S/4 HANA-Cloud stehen standardisierte Prozesse, häufig aktualisierte Funktionen und automatisierte Services bereit. Unternehmen können diese Module einsetzen, um schnell auf neue Anforderungen zu reagieren oder bestimmte Geschäftsbereiche zu modernisieren, ohne den Kern zu verändern.

SAP Business Technology Platform als Schnittstelle

Den zentralen Verbinder bildet die „SAP Business Technology Platform“ (BTP). Sie fungiert als Integrations- und Entwicklungsplattform, über die On-Premises- und Cloud-Systeme Daten und Prozesse austauschen.

Die „SAP Buisness Technology Platform“ bildet die Grindlage für einen hybriden SAP-Betrieb. (Bild:  SAP)
Die „SAP Buisness Technology Platform“ bildet die Grindlage für einen hybriden SAP-Betrieb.
(Bild: SAP)

Der „SAP Cloud Connector“ stellt dabei eine sichere Verbindung zwischen internen Netzwerken und Cloud-Umgebungen her. Er öffnet keine Ports in der Enterprise Firewall, sondern baut initiierte Tunnelverbindungen auf, die kontrolliert und verschlüsselt laufen. Über diese Struktur lassen sich APIs, OData-Services oder Event-basierte Schnittstellen für Echtzeitintegration bereitstellen.

BTP dient zugleich als Erweiterungsebene für das Prinzip des Clean Core. Der ERP-Kern bleibt unverändert, kundenspezifische Anpassungen werden als Side-by-Side-Erweiterungen auf der Plattform entwickelt und betrieben. Damit bleibt das zentrale System Update-fähig, während individuelle Funktionen in einer isolierten, cloudbasierten Umgebung laufen. Diese Architektur trennt Stabilität und Innovation, ohne Abhängigkeiten zu erzeugen.

Die „SAP Business Data Cloud“ ermöglicht die schnelle Integration von SAP-Software auch in bestehende On-Premises-Umgebungen. (Bild:  SAP)
Die „SAP Business Data Cloud“ ermöglicht die schnelle Integration von SAP-Software auch in bestehende On-Premises-Umgebungen.
(Bild: SAP)

Ein einheitliches Identitäts- und Sicherheitskonzept verbindet beide Welten. Zentrale Authentifizierungsdienste ermöglichen Single Sign-On über eine Cloud und on-premises.

Verschlüsselung, Rollenmodelle und revisionssichere Protokollierung sind in beiden Bereichen abgestimmt. Governance-Richtlinien müssen den Zugriff, die Datensynchronisation und die Verantwortlichkeiten klar definieren, um den durchgängigen Schutz zu gewährleisten.

Anwendungs- und Transformationsszenarien

Hybride ERP-Architekturen entstehen aus unterschiedlichen Ausgangssituationen.

Ein häufiges Szenario ist die schrittweise Migration von ECC-Systemen. Unternehmen führen neue S/4-HANA-Module in der Cloud ein und koppeln sie an bestehende On-Premises-Prozesse. Der Betrieb läuft parallel, bis alle Funktionen integriert sind. Dieser Ansatz reduziert Risiken und verteilt die Transformationslast über mehrere Phasen.

Ein zweiter Anwendungsfall betrifft internationale Organisationen. Das Headquarter betreibt ein zentrales S/4-HANA-System im Rechenzentrum, Tochtergesellschaften nutzen eigenständige Cloud-ERP-Instanzen. Diese Two-Tier-Struktur erlaubt globale Konsolidierung und lokale Agilität. Das zentrale System verwaltet übergeordnete Finanz- und Stammdaten, die Cloud-Systeme integrieren länderspezifische Abläufe.

„SAP Business Data Cloud“ ermöglicht die Integration verschiedener Applikationen und Datenapplikationen.(Bild:  SAP)
„SAP Business Data Cloud“ ermöglicht die Integration verschiedener Applikationen und Datenapplikationen.
(Bild: SAP)

Auch regulatorische Vorgaben führen zu hybriden Modellen. In Branchen mit strengen Datenschutzanforderungen verbleiben sensible Daten im On-Premises-System, unkritische oder analytische Prozesse werden in die Cloud verlagert. Diese Aufteilung ermöglicht die Einhaltung lokaler Gesetze zur Datenhaltung, ohne auf zentrale Steuerung und moderne Funktionen zu verzichten.

Ein weiterer Treiber ist die Kostensteuerung. Bestehende Hardware- und Lizenzinvestitionen behalten ihren Wert, neue Anforderungen lassen sich als Abonnementdienste in der Cloud abbilden. So sinken die Einstiegshürden für Innovationen, die Gesamtbetriebskosten bleiben planbar. Gleichzeitig kann das Unternehmen Lastspitzen durch temporäre Cloud-Ressourcen abfangen, ohne Infrastruktur dauerhaft auszubauen.

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SAP stellt Werzeuge bereit, mit denen sich auch im Hybridbetrieb die Kosten im Blick halten lassen. (Bild:  SAP/ Thomas Joos)
SAP stellt Werzeuge bereit, mit denen sich auch im Hybridbetrieb die Kosten im Blick halten lassen.
(Bild: SAP/ Thomas Joos)

Zunehmend nutzen Unternehmen hybride Strukturen auch für Innovationsprojekte. KI-basierte Auswertungen, Predictive-Modelle oder IoT-Integrationen werden über Cloud-Dienste realisiert und greifen über APIs auf ERP-Daten zu. Diese Erweiterungen laufen entkoppelt, liefern aber Ergebnisse direkt in die Geschäftsprozesse des On-Premise-Systems zurück.

Betrieb und Management

Der laufende Betrieb einer hybriden ERP-Landschaft verlangt konsistente Steuerung über Systemgrenzen hinweg. Die Synchronisation von Stamm- und Bewegungsdaten erfolgt über Integrationsflows der „SAP Integration Suite“.

Echtzeitprozesse nutzen API-basierte Kommunikation, weniger zeitkritische Abläufe werden über Event Mesh oder Batch-Verfahren synchronisiert. Für jede Datenklasse muss definiert sein, welches System führend ist.

Die Absicherung des Datenverkehrs hat höchste Priorität. Der Cloud Connector und die Integration Suite verwenden verschlüsselte Kanäle und rollenbasierte Zugriffskontrolle. Identitäts-Management übergreifend über Active Directory und SAP Identity Authentication schafft einheitliche Benutzerverwaltung. Sicherheitsrichtlinien müssen regelmäßig geprüft und auf neue Cloud-Releases abgestimmt werden.

Abstimmen von Release-Wechseln und anderen Änderungen

Der Betrieb erfordert ein abgestimmtes Release- und Änderungs-Management. Cloud-Komponenten folgen festen Update-Zyklen, On-Premises-Systeme orientieren sich an eigenen Wartungsfenstern. Beide Seiten müssen vor Updates auf Kompatibilität geprüft werden. Automatisierte Tests für End-to-End-Prozesse verhindern Integrationsfehler. Änderungen am Datenmodell oder an APIs werden dokumentiert und in der Gesamtlandschaft nachverfolgt.

Monitoring mit SAP Cloud ALM

Monitoring und Fehleranalyse erfolgen idealerweise zentral. „SAP Cloud ALM“ bietet eine plattformübergreifende Sicht auf Cloud- und On-Premise-Systeme. Es überwacht Schnittstellen, Workflows und Performance-Kennzahlen. Alerts und Logs fließen in gemeinsame Dashboards, die den technischen Zustand beider Umgebungen abbilden. Unternehmen, die weiterhin den Solution Manager einsetzen, können diesen über Adapter anbinden und so bestehende Prozesse beibehalten.

Eine funktionierende Governance-Struktur ist Voraussetzung für Stabilität. Architekturverantwortliche, Betriebsteams und Sicherheitsbeauftragte müssen ihre Aufgaben klar trennen, aber abgestimmt handeln. Jede Änderung in der Cloud kann Auswirkungen auf lokale Prozesse haben. Change- und Release-Boards müssen diese Abhängigkeiten berücksichtigen und Entscheidungen für die gesamte Landschaft treffen.

Die Dokumentation aller Schnittstellen und Erweiterungen gehört zum Pflichtbestandteil. Sie erleichtert spätere Audits und reduziert den Aufwand bei Release-Wechseln. Ein konsequent gepflegtes Architektur-Repository unterstützt die Nachvollziehbarkeit technischer Zusammenhänge.

Perspektive und Bewertung

Hybride ERP-Landschaften haben sich als nachhaltiges Modell etabliert. Sie ermöglichen eine Migration im eigenen Tempo und verbinden die Stabilität lokaler Systeme mit der Innovationsgeschwindigkeit der Cloud. Unternehmen können Prozesse selektiv modernisieren, regulatorische Anforderungen erfüllen und technologische Neuerungen integrieren, ohne Abhängigkeiten zu erzeugen.

Mit wachsender Nutzung der SAP Business Technology Platform entwickelt sich die hybride Struktur zu einem dauerhaften Zielbild. Sie erlaubt die parallele Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die Integration externer Datenquellen und die Automatisierung komplexer Abläufe. Entscheidend bleibt, dass Architektur, Sicherheit und Governance konsistent umgesetzt sind.

Die Kombination aus S/4 HANA in der Cloud und on-premises erfordert Disziplin, bringt aber strukturelle Vorteile. Sie reduziert Risiken bei der Transformation, erhält bestehende Investitionen und schafft Raum für Innovation. Damit wird die hybride ERP-Landschaft zur strategischen Option für Unternehmen, die ihre digitale Infrastruktur modernisieren, ohne die Kontrolle über den eigenen Betrieb aufzugeben.

Praxisempfehlungen für den erfolgreichen Aufbau hybrider ERP-Strukturen

Ein erfolgreicher hybrider ERP-Betrieb entsteht aus klar definierten technischen und organisatorischen Leitlinien. Die Architektur sollte von Beginn an auf Erweiterbarkeit und Wiederverwendbarkeit ausgelegt sein. Jede Integration zwischen Cloud und on-premises braucht eindeutige Schnittstellenverträge und Versionskontrolle, um spätere Anpassungen planbar zu halten.

Eine stabile Netzwerkgrundlage mit segmentierten Zonen und redundanten Pfaden verhindert Engpässe im Datenverkehr. Die Entwicklungsumgebungen für Erweiterungen gehören strikt von den Produktivsystemen getrennt, idealerweise mit automatisiertem Deployment über CI/CD-Pipelines.

Für kritische Prozesse empfiehlt sich eine Kombination aus Cloud-basiertem Monitoring und lokaler Telemetrie, um Fehlerquellen schneller zu erkennen. Schulungen und ein dediziertes Kompetenzteam erhöhen das Verständnis für hybride Integrationsmechanismen und verkürzen Reaktionszeiten im Betrieb.

Kurze Entscheidungswege

Entscheidungswege sollten kurz bleiben, damit Anpassungen an neue Cloud-Releases oder Sicherheitsrichtlinien zeitnah umgesetzt werden können. Schließlich ist ein kontinuierlicher Architektur-Review wichtig, um technische Schulden zu vermeiden und die Balance zwischen Stabilität, Kosten und Agilität zu halten.

Unternehmen, die hybride ERP-Landschaften erfolgreich betreiben, erkennen den langfristigen Nutzen klarer technischer Prinzipien und abgestimmter Organisationsstrukturen. Der entscheidende Faktor ist nicht allein die Technologie, sondern die Fähigkeit, Architekturentscheidungen konsequent auf Geschäftsziele auszurichten.

Ein hybrides Modell verlangt permanente Abstimmung zwischen Fachbereichen und IT, um neue Cloud-Funktionen gezielt einzusetzen und gleichzeitig die Stabilität der Kernsysteme zu sichern. Architektur, Sicherheit und Governance verstehen sich dabei als kontinuierlichen Prozess, dadurch behalten Unternehmen die Kontrolle über Komplexität und Kosten. Hybride ERP-Systeme entwickeln sich dadurch zu einem dynamischen Rahmen, in dem Unternehmen Innovation und Betrieb dauerhaft in Einklang bringen.

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