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Cloud Native made in der EU Was ist Neonephos und die Neonephos Foundation?

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 2 min Lesedauer

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Die EU strebt nach mehr IT-Souveränität und es ist dringend. Die Neonephos-Stiftung soll helfen dieses Ziel zu erreichen. Ihr Mittel: ein souveränes, Open-Source-basierendes Multi-Provider Cloud-Edge-Kontinuum für Europa.

Die Neonephos-Stiftung möchte ein eigenes Open-Source-Cloud-Edge-Kontinuum für Europa entwickeln.(Bild:  Neonephos Stiftung)
Die Neonephos-Stiftung möchte ein eigenes Open-Source-Cloud-Edge-Kontinuum für Europa entwickeln.
(Bild: Neonephos Stiftung)

Die Abhängigkeit von externen IT-Lieferanten wird je mehr zum Problem, desto erratischer die Verhaltensweisen der US-Regierung und Chinas sich gestalten. Während es bei Hardware oder Rohstoffen schwer bis unmöglich und zudem teuer ist, eine europaweite Souveränität anzustreben, scheint das bei Software wenigstens grundsätzlich realistisch. Genau das strebt die Neonephos-Stiftung an.

Die Stiftung gehört zur Linux Foundation Europe. Gefördert werden Projekte, die den strategischen Zielen des „Important Project of Common European Interest for Next Generation Cloud Infrastructure and Services“ (IPCEI-CIS) entsprechen. Im Rahmen dieser Initiative sollen Alternativen zu den außereuropäischen Cloud-Anbietern wie Amazon, Microsoft, Google, Alibaba und anderen entstehen.

Neonephos-Stiftung baut Open-Source-Cloud-Edge-Kontinuum für Europa

Gegründet wurde die Stiftung m März 2025. Eine Einführungsrede hielt Vasu Chandrasekhara, Vice President for Cloud Native Strategy, auf der Veranstaltung „Kubecon/CloudNativeCon 2025“. Er bezeichnete Neonephos als „breite Initiative für ganz Europa.“

Die Neonephos-Stiftung widmet sich ganz Open Source und soll ein souveränes Multiprovider Cloud-Edge-Kontinuum für den europäischen Raum bauen. Die daraus entstehenden Produkte erhalten die Handelsmarke „8ra“.

Daten bleiben bei Neonephos, wo sie entstehen

Daten sollen bei 8ra-Lösungen grundsätzlich da bearbeitet werden, wo sie entstehen. Durch die Kombination von Cloud und Edge sollen Latenz, Umwelteinfluss und Datentransferkosten sinken. Anwender sollen zudem von der engen Bindung an einen Provider befreit werden.

Ein Cloud-Edge-Kontinuum verbindet alle Ebenen von Cloud-Infrastrukturen zu einer einheitlich verwaltbaren, durchgängigen Umgebung. SAPs Referenzarchitektur Apeiro beschreibt ein solches Kontinuum.(Bild:  SAP)
Ein Cloud-Edge-Kontinuum verbindet alle Ebenen von Cloud-Infrastrukturen zu einer einheitlich verwaltbaren, durchgängigen Umgebung. SAPs Referenzarchitektur Apeiro beschreibt ein solches Kontinuum.
(Bild: SAP)

Das entstehende Referenzdesign und die dazu gehörigen Lösungen werden die Basis für weitere europäische IT-Projekte. Alle passenden Projekte aus dem CNCF-Spektrum sollen laut Chadrasekhra in das Referenzdesign für das geplante Cloud-Edge-Kontinuum einfließen. Die Projekte hätten, so meinte der SAP-Manager, das Potential, Kubernetes über seine jetzigen funktionalen Grenzen hinauszuführen.

Privat gesponsorte Neonephos-Projekte

Zudem gibt es privat gesponsorte Projekte, die zunächst in den Unternehmen mit deren Geld zu einer gewissen Reife gebracht wurden. Sie sollen ebenfalls in die Neonephos-Stiftung einfließen. Letzten Endes soll das Kubernetes-basierende Kontinuum zur Basis der europäischen Telco-Infrastruktur gedeihen. WIchtigstes Beispiel ist die SAP-Referenzarchitektur für ein Cloud-Edge-Kontinuum, „Apeiro“.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören SAP SE, Deutsche Telekom AG, Stackit, Clyso GmbH, Cyberus Technology, TNO-Ecofed, 23 Technologies GmbH, Elastx and X-cellent Technologies GmbH. Inzwischen sind mit Nearby Computing, Kubematic, Ape Factory, Reply Liquid und SBA Research weitere hinzugekommen.

Derzeit 14 Neonephos-Projekte

Neben Apeiro gibt es 13 weitere Projekte. Einige Beispiele: „Ironcore“ ist eine Kubernetes-basierte Plattform für Bare-Metal-Infrastruktur-Management, „Cobaltcore“ eine darauf aufbauende „OpenStack“-Distribution, die auch nicht Cloud-native Workloads unterstützt. „Greenhouse“ ist eine Cloud-Betriebsplattform für große, verteilte Infrastrukturen.

„Platform Mesh“ sorgt durch die Nutzung von Kubernetes-API und -Ressourcenmodell für Interoperabilität zwischen Providern. „Open Micro Fronted Platform“ ist ein dazu passendes Entwicklungs-Frontend. „Gardener“ übernimmt das „Kubernetes“-Cluster-Management über mehrere Infrastrukturen hinweg.

Der Wunsch, Apeiro gemeinsam weiter zu entwickeln und breiter zu distribuieren, war wohl einer der Gründe, die neue Organisation zu gründen. Die Neonephos-Stiftung ist ein weiterer hoffnungsvoller Baustein auf dem Weg zu mehr europäischer IT-Autonomie.

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