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Die Sache mit dem Elektroschrott Was bedeutet WEEE ?

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 3 min Lesedauer

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Das Akronym WEEE steht für Waste of Electrical and Electronic Equipment hört in der IT niemand gern. Steht es doch für die Abfallberge, die durch weggeworfene IT-Systeme, aber auch allerlei andere Elektro- und Elektronik-Altgeräte entstehen.

Elektroschrott wird zu selten vermieden und zu oft ungeregelt in Entwicklungsländer exportiert.(Bild:  BMZ)
Elektroschrott wird zu selten vermieden und zu oft ungeregelt in Entwicklungsländer exportiert.
(Bild: BMZ)

Elektro- oder Elektronikschrott umfasst alle weggeworfenen elektrischen und elektronischen Geräte. Laut Destatis fielen 2020 davon in der EU pro Bürger im Jahr durchschnittlich 10,5 Kilo an, in Deutschland 12,5 Kilo. Spitzenreiter ist Österreich mit 15,7 Kilo, am sparsamsten Griechenland mit 5,7 Kilo.

Rund 4,7 Millionen ausgedienter Geräte wanderten 2020 in den Schrott, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Auf Deutschland entfielen mehr als eine Million Tonnen und damit neun Prozent mehr als im Vorjahr.

10 Prozent landen in Entwicklungsländern

Weltweit betrug 2019 das Aufkommen an Elektroschrott laut Statista 53,6 Millionen Tonnen, Tendenz steigend. Rund zehn Prozent (5.1 Millionen Tonnen) wurden laut The Global Transboundary E-waste Flows Monitor 2022 in Entwicklungsländer verschifft. Davon nur rund 1,8 Millionen Tonnen regulär, der Rest unkontrolliert. Diese Menge wird häufig unter gesundheitsschädlichen Bedingungen entsorgt oder ausgeschlachtet.

Art der Geräte

Genauere Aufteilungen der Stoffströme liefert der „Global E-Waste Monitor 2020“, dessen aktuelle Daten aus dem Jahr 2019 stammen. Danach bestanden 6,7 Millionen Tonnen weltweit aus Bildschirmen und Monitoren (wozu auch Laptops, Storage Devices und Server gehören), 13,1 Millionen Tonnen aus Großgeräten (hier tauchen allerdings Großrechner mit Dingen wie Wasch- oder Spülmaschinen gemeinsam auf) und 4,7 Millionen Tonnen aus kleinen IT-Systemen (Smartphones, USB-Sticks, mobile Festplatten…) sowie Kommunikationssystemen (wie dem heimischen Router).

So viel Elektroschrott entfiel 2020 auf jede Person des betreffenden Landes.(Bild:  Eurostat/Destatis)
So viel Elektroschrott entfiel 2020 auf jede Person des betreffenden Landes.
(Bild: Eurostat/Destatis)

Alle diese Kategorien mit Ausnahme der Screens und Monitore sind 2019 im Vergleich zum Jahr 2014 gewachsen, am meisten die Großgeräte mit fünf Prozent. Erschreckend ist auch, dass die Gesamtmenge an Elektro- und Elektronikschrott sich bis 2030 auf 74,7 Millionen Tonnen weltweit erhöhen soll.

Trendbrecher WEEE-Richtlinie?

Um den wachsenden Müllbergen eine Grenze zu setzen, wurde nach diversen Vorläuferregelungen die derzeit europaweit geltende WEEE-Richtlinie (2012/19/EU) 2015 verabschiedet. Die Übergangsfrist ging 2019 zu Ende. In Deutschland wurde diese Richtlinie in Form des Elektro- und Elektronik-Altgerätegesetzes umgesetzt.

Das Gesetz definiert neue Rücknahme- und Verwertungspflichen. So wurden die Rücknahmepflichten von entsprechenden Verkäufern erheblich ausgeweitet. Die Sammelquote soll ab dem Jahr 2019 mindestens 65 Prozent des gemittelten Gesamtgewichts der Geräte ausmachen, die in den letzten drei Jahren verkauft wurden.

Angestrebt: 55 bis 80 Prozent Wiederverwendung und Recycling

Verwertet werden müssen davon 75 bis 85 Prozent. Schließlich stecken darin wertvolle Rohstoffe. Allerdings zählt auch die „energetische“ (sprich: Verbrennung) Verwertung zu den erlaubten Verwertungen. Für die Wiederverwendung vorbereitet oder rezykliert werden sollen von den gesammelten Geräten 55 bis 80 Prozent.

In Zukunft soll auf europäischer Ebene auch ein Recht auf Reparatur gesetzlich definiert werden. Wie dies im Detail ausgestaltet wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Außerdem dürfte es eine Weile dauern, bis diese Anforderungen die professionelle IT erreichen.

Eigene Handlungsmöglichkeiten gegen Elektroschrott

Wer in der professionellen IT etwas gegen Elektroschrott tun will, sollte Fabrikate wählen, deren Hersteller selbst eine lange Nutzbarkeit und schonenden Umgang mit Material im Auge haben. Anzeichen dafür sind lang laufende und verlängerbare Wartungs- und Support-Verträge, Rückwärtskompatibilität der Systeme, modularer Geräte-Aufbau und Ähnliches.

Außerdem ist es empfehlenswert, in Bereichen, die nicht neueste Hardwaretechnik benötigen, Refurbished-Hardware in Erwägung zu ziehen. Sie kommt heute von professionellen Anbietern mit Wartung und Support und ist meist erheblich billiger als Neuware.

Wer gleich in die Cloud geht, spart meist viel Hard- und Software. Die großen Cloud-Provider gehören zudem aktuell zu den wichtigsten Promotoren der Hardwarezweitnutzung von Systemen im OCP-21-Zoll-Format.

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