Das Ende eines Industriestandards VMware: Nix wie weg!

Von Sebastian Scheele* 4 min Lesedauer

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Zwei Jahre nach der Übernahme durch Broadcom ist VMware für viele Unternehmen unattraktiv geworden. Wäre die Migration zu einem Kubernetes-Produkt eine Alternative?

Frösche stehen auch für Glück, aber vele Anwender sehen sich angesichts der Lizenzpreise von VMware und einer zusammengestrichener Produktpalette genötigt, ihren Software-Assets anderweitig eine Infrastruktur-Heimat zu bieten. (Bild:  frei lizenziert: Alexa /  Pixabay)
Frösche stehen auch für Glück, aber vele Anwender sehen sich angesichts der Lizenzpreise von VMware und einer zusammengestrichener Produktpalette genötigt, ihren Software-Assets anderweitig eine Infrastruktur-Heimat zu bieten.
(Bild: frei lizenziert: Alexa / Pixabay)

Nach der Übernahme von VMware annullierte Broadcom alle Lizenzen und bot nur wenigen Kunden die Möglichkeit, die VMware-Software nach dem 1. April 2024 weiter zu nutzen. Gleichzeitig erhöhte Broadcom die Preise deutlich.

Viele Unternehmen haben die einst dominierende Virtualisierungssoftware in ihre Geschäftsumgebung integriert und daher ihre Verträge nach der Ankündigung der Übernahme im Mai 2022 vorsorglich verlängert. Mittlerweile ist Ernüchterung eingetreten und Alternativen zu VMware sind gefragt. Ein Open-Source-Ansatz verspricht, kritische Elemente der Infrastrukturangebote von VMware sogar zu geringeren Kosten zu ersetzen.

Citrix ist keine Alternative

Zur Erinnerung: Einst galt das Citrix-Angebot zur Server-Virtualisierung „Xenserver“ als die Alternative zu VMware. Doch das Geschäftsfeld von Citrix hatte sich ein wenig verschoben: Der US-Software-Anbieter ist mit seinen Angeboten zum Virtual Desktop aber auch mit Cloud Computing sowie den „Netscaler“-Produkten, also mit dem Application Delivery Controller und Firewall etwa) auch in hiesigen Unternehmen weithin vertreten.

Doch inzwischen ist der Sodtware-Anbieter durch Tochtergesellschaften der Investment-Company Vista Equity Partners und derer Tochtergesellschaft von Elliott Investment Management Evergreen Coast Capital Corporation für 16,5 Milliarden Dollar gekauft. Un auch hier gibt es seit März dieses Jahres tiefgreifend Änderungen bei der Lizenzierung, will heißen: Sie verteuern sich massiv.

Zwar gibt es die Servervirtualisierungssoftware noch, in der Version 8, aber nicht kostenfrei. Zudem müssen Kunden auch die Terminal-Server lizenzieren. Günter Born vom Medium „Golem“ berichtete bereits am 9. April 2024von einem Kunden, der bisher 8000 Euro für 18 Monate zahlen musste, jetzt aber 80.000 Euro für dieselbe Anzahl und Laufzeit bei einer Verlängerung zahlen sollte.....

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Drei Wege zur Modernisierung

Um die Abhängigkeit von einem Anbieter – wie im Falle von VMware und jetzt Broadcom – zu überwinden, ist es erforderlich, den gesamten IT-Stack zu modernisieren. Da sich die Infrastruktur ändern muss, ist dies auch ein guter Zeitpunkt, um nicht einfach auf einen anderen Hypervisor umzusteigen, sondern die Strategie zu überdenken und die Anwendungslandschaft auf den neuesten Stand bringen. Hierbei bieten sich drei Wege an.

1. Die Migration von VMs

Die Migration von VMs ist der einfachste und schnellste Weg, den alten Stack abzulösen. Die bestehende Anwendung bleibt intakt, während ein neuer Hypervisor neue Funktionen ermöglicht. Oft gibt es die Möglichkeit, VMs aus einem bestehenden Hypervisor zu importieren. Dies eröffnet auch neue Punkte für die Integration zwischen bestehenden und neuen Schichten.

Die Umsetzung der VM-Migration kann mit einer Kubernetes-Management-Plattform erfolgen. Die Ausgangssituation sind monolithische Anwendungen, die schwer zu ändern sind, ohne die Funktionalität zu zerstören. Mit Open Source & Enablement werden Integrationen genutzt, um Daten und Funktionen mit einem Open-Source-Stack freizulegen. Cloud Native Enablement ermöglicht die Aktivierung von „Kubevirt“, um das gewünschte Ziel zu erreichen, virtuelle Maschinen mit Kubevirt neben dem Container auf der Kubernetes-Verwaltungsplattform auszuführen.

2. Lift-and-Shift

Lift-and-Shift würde die Anwendungen stärker in Richtung eines nativen Cloud-Ansatzes lenken. Vorhandene Komponenten würden containerisiert, so dass sie in jeder CaaS-Plattform verwendet werden können, sei es vor Ort oder in der Cloud. Es wäre möglich, Integrationen und externe Daten in bestehenden Anwendungen beizubehalten. Allerdings müssen die bestehenden Anwendungen in guter Qualität geschrieben sein und angepasst werden.

Die Umsetzung einer Lift-and-Shift-Modernisierung mit einer Kubernetes-Management-Plattform würde folgendermaßen aussehen: Nicht-Open-Source-Middleware-Anwendungen werden über Open Source und Enablement in einen Open-Source-Stack migriert. Cloud Native Enablement ermöglicht die Aktivierung auf der Kubernetes-Management- Plattform, um Anwendungen auf der Cloud-Architektur von APIs und Microservices als Container zu modernisieren.

3. Ersetzen der Infrastruktur

Die letzte Option wäre ein kompletter Neuaufbau und eine Überarbeitung der Architektur, was bedeutet, die bestehende Infrastruktur zu ersetzen. Der größte Vorteil wäre eine Modernisierung und die vollständige Nutzung von PaaS. Auch verschiedene SaaS-Angebote wären denkbar, um eine widerstandsfähigere, leichter zu wartende und möglicherweise kostengünstigere IT-Umgebung zu erhalten.

Die Umsetzung eines kompletten Neuaufbaus mithilfe einer Kubernetes-Managementplattform ist folgendermaßen möglich: Ausgehend von monolithischen Anwendungen oder Anwendungen, die auf Nicht-Open-Source-Middleware basieren und entfernt werden müssen, schult Open Source und Enablement die Fähigkeiten der Architektur und des Designs. altes System an die neue Architektur. Mit Cloud Native Enablement können bei der Einrichtung und Schulung praktische Erfahrungen mit der modernen Containerplattform gesammelt werden. Dies ermöglicht die Erstellung einer neuen Gruppe von Anwendungen auf modernen Cloud Native Enablement-Anwendungen.

Die Migration in vier Phasen

Der Beginn einer VMware-Migration umfasst vier kritische Phasen: Erkennen, Analysieren, Pilotprojekt und Planung.

Erkennen: Der Prozess beginnt mit einer gründlichen Erkundung des bestehenden IT-Stacks. In dieser Phase geht es darum, die aktuelle Umgebung zu verstehen und die betroffenen Komponenten zu erfassen. Dabei gilt es zu bestimmen, welche Komponenten für eine VM-Migration geeignet sind, welche wiederhergestellt und verschoben werden müssen oder welche komplett neu geschrieben werden müssen.

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Analysieren: Diese Phase erfordert es, sich mit den Besonderheiten des Stack auseinanderzusetzen. Die Projektverantwortlichen müssen die Leistung und Kompatibilität der einzelnen Komponenten bewerten, um potenzielle Herausforderungen und Chancen zu verstehen.

Pilotprojekt: Vor der vollständigen Umsetzung ist es ratsam, ein Pilotprojekt aufzusetzen und durchzuführen. Diese kleinere, kontrollierte Migration dient als Test und ermöglicht Anpassungen und Feinabstimmungen.

Planung: Anhand der Ergebnisse des Pilotprojekts erfolgt in dieser finalen Phase eine detaillierte Planung der gesamten Migration. Hierbei sollte alles abgedeckt sein, von der Planung bis zur Ressourcenzuweisung, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

*Der Autor
Sebastian Scheele ist CEO und Mitbegründer von Kubermatic . Sein Fazit lautet: Die turbulente VMware-Übernahme durch Broadcom zeigt erneut, dass es für Unternehmen an der Zeit ist, die Kontrolle über die eigene Infrastruktur zurückzuerlangen. Eine Cloud-Native-Strategie und die Migration zu Open-Source-Produkten bietet viele Vorteile, um die bestehende Infrastruktur optimal zu nutzen.
Eine Kubernetes-Management-Plattform erleichtert den Ausstieg aus einem diktierten Ökosystem mit Anbieterbindung und ermöglicht die eine zukunftssichere Ausrichtung der Infrastruktur als unverzichtbare technologische Grundlage für den Geschäftserfolg.

Bildquelle: Kubermatic

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