Datensouveränität sei zum Schlagwort geworden, doch ein einheitliches Verständnis fehle, so Leonardo Boscaro, der Autor des Artikels. Entscheidend sei die operative Kontrolle über Datenplattformen in hybriden und regulierten Umgebungen.
Datensouveränität hat keine geografische Bestimmung und verlagert sich von der Infrastruktur hin zum konsistenten Betriebsmodell.
Daten innerhalb nationaler oder regionaler Grenzen zu halten, erschien so manchem bis vor kurzem als das primäre Mittel, um sie vor Risiken aus externen Rechtsräumen zu schützen. Zwar bleibt der Ort weiterhin wichtig. Er kann jedoch nicht die tiefer liegenden Abhängigkeitsprobleme lösen.
Ein Unternehmen möge zwar seine Workloads in einer souveränen Cloud-Region betreiben und kann dennoch an die Tools eines einzelnen Anbieters gebunden sein. In Situationen wie diesen existiere die Portabilität in der Theorie, doch in der Praxis erweise sie sich als schwierig. Kontrollmechanismen müssten neu eingerichtet, Wiederherstellungsprozesse aktuell validiert werden. Governance-Modelle gehörten an jede einzelne Infrastrukturentscheidung angepasst.
Viele große Unternehmen reagieren auf diese Herausforderung mit eigen entwickelten Automatisierungs-Frameworks. Diese sollen dazu dienen, Workloads konsistent sowohl in On-Premises- als auch Cloud-Umgebungen zu betreiben. Diese Initiativen könnten durchaus erfolgreich zur Portabilität auf der Infrastrukturebene beitragen.
Allerdings löst sich die operative Komplexität nicht in Luft auf, sondern tritt auf der Datenebene erneut auf, wo die Prozesse zur Provisionierung von Datenbanken, zu Patching und Wiederherstellung von umgebungsspezifischen Tools oder intern gepflegten Skripten abhängig bleiben.
Regulierung ändert die Definition von Abhängigkeit
Regularien wie der Digital Operational Resilience Act (DORA) der Europäischen Union verpflichten Finanzinstitute dazu, Nachweise zu ihrer digitalen Widerstandsfähigkeit zu erbringen, kritische Services zu testen und das Abhängigkeitsrisiko von Drittanbietern zu managen. Damit geht DORA über klassische Kennzahlen zur Verfügbarkeit hinaus.
Der EU Data Act wiederum verschärft die Anforderungen zu Datenportabilität und Anbieterwechsel. Gleichzeitig investieren nationale Regierungen in souveräne Cloud-Initiativen, bestimmen geopolitische Spannungen und Debatten zum grenzüberschreitenden Datenzugriff die Diskussion über die richtige Strategie für die Zukunft.
Wie sich diese Diskussionen und ihre Umsetzung entwickeln, zeigt sich erst mit der Zeit. Doch die Richtung ist klar: Politiker erwarten eine größere Flexibilität und eine geringere Anbieterabhängigkeit.
Die genannten Regularien schreiben Unternehmen nicht vor, die Public Cloud zu verlassen. Allerdings stellen sie höhere Erwartungen an betriebliche Autonomie. Die Verantwortlichen müssen nachweisen, dass Resilienz, Governance und Wiederherstellungsprozesse nicht von proprietären Architekturen abhängen, die sich in anderen Umgebungen nicht replizieren lassen.
Diese Entwicklung verändert den Kern der Souveränitätsdebatte. Unternehmen fragen nicht mehr nur danach, wo ihre Daten liegen. Vielmehr interessieren sie sich zunehmend dafür, wer das Betriebsmodell kontrolliert und steuert, wie einfach sich Workloads verschieben lassen und ob sie für eine konsistente Governance sorgen können, falls sich Handelsbedingungen oder regulatorische Anforderungen ändern.
Das Datenbetriebsmodell ist der Kontrollpunkt
An diesem Punkt verlagert sich die Debatte von der Infrastruktur zum Betriebsmodell. Unterliegen Datenbankprovisionierung, Lebenszyklus-Management und Wiederherstellung einer Governance mittels eines konsistenten Datenbetriebsmodells, wird Souveränität auf einmal operationalisierbar und bleibt nicht mehr bloße Theorie.
Workloads mögen bereits zwischen verschiedenen Umgebungen hin und herbewegt werden. Doch der wahre Test für die Souveränität tritt ein, wenn Datenplattformen wiederhergestellt, einer Revision unterzogen oder unter dem Druck der Regulierungsbehörden neu bereitgestellt werden müssen. Falls der Datenbankbetrieb sich von Infrastruktur zu Infrastruktur unterscheidet, muss dementsprechend die Governance jedes Mal neu eingerichtet werden, wenn sich eine Umgebung verändert.
Ein konsistentes Betriebsmodell für Datenbanken ermöglicht es Unternehmen, Lifecycle-Regeln, Leitplanken und Wiederherstellungsstandards nur einmal festzulegen, und sie überall auf dieselbe Weise in On-Premises- wie Public-Cloud-Umgebungen durchzusetzen. Ohne diese Standardisierung können hybride Strategien die Komplexität eher erhöhen als das Risiko reduzieren. Abhängigkeiten verschwinden nicht. Sie wechseln nur von externen Anbietern zu eigenentwickelten Automatisierungs-Frameworks, die kontinuierliche Wartung und auch Spezialwissen erfordern.
Stand: 08.12.2025
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Wirkliche Souveränität erfordert dementsprechend mehr als regionales Hosting oder die Abstraktion von der Infrastruktur. Sie erfordert die Hoheit über das Betriebsmodell der Daten selbst. Dadurch wird die Frage nach der passenden Infrastruktur zu einer selbstbestimmten Entscheidung über die Art der Bereitstellung, anstatt eine durch die Governance auferlegte Pflicht zu sein.
Open Source und operative Souveränität sind nicht gleichbedeutend
Die wachsende Verbreitung von Open-Source-Datenbanken in Europa spiegelt eine weitere wichtige Dimension der Souveränitätsdiskussion wider. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für offene Technologien, um die Abhängigkeit von proprietären Plattformen, Lizenzbeschränkungen und anbieterspezifischen Services zu verringern.
Open Source allein führt aber nicht automatisch zu Souveränität. Wenn jede einzelne Umgebung eigene Provisionierungsmodelle, Upgrade-Prozeduren oder Wiederherstellungspraktiken verlangt, besteht die operative Abhängigkeit weiterhin. Die Komplexität wandert damit einfach weiter, vom Anbieter zu internen Plattformteams, die für Automatisierung und operative Konsistenz verantwortlich sind.
Zwar kann die intern entwickelte Datenbankautomatisierung durchaus für mehr Flexibilität sorgen, zumindest in Unternehmen, die in ihren Bemühungen in dieser Richtung bereits weit fortgeschritten sind. Für viele andere jedoch dürfte sich die Industrialisierung dieser Fähigkeiten in unterschiedlichen Umgebungen als schwierig und eher nicht von Dauer erweisen.
Souveränität ist folglich nicht nur von der Entscheidung für offene Technologien abhängig, sondern von einem konsistenten Betriebsmodell für Datenbanken, das bereits im Standard Lebenszyklus-Automatisierung, Governance und Wiederherstellbarkeit in verschiedenen Infrastrukturen liefern kann.
Hybride Umgebungen ohne Bruchstellen sind möglich
Europäische Unternehmen werden weiterhin hybride und Multicloud-Umgebungen nutzen. Während die Public Cloud für mehr Flexibilität und den einfachen Zugang zu Neuentwicklungen sorgt, ermöglichen On-Premises-Umgebungen Kontrolle, kurze Wege und je nach Anforderung die zuverlässige Einhaltung von Regularien.
Das strategische Ziel lautet also nicht, die eine Umgebung der anderen vorzuziehen. Es lautet, Betriebsprozesse in der passenden Umgebung auszuführen.
Die Kohärenz hängt davon ab, ob das Datenbetriebsmodell dem Workload folgen kann. Weichen Provisionierung, Patching und Wiederherstellung je nach Umgebung voneinander ab, nehmen die operativen Risiken zu. Sind diese Prozesse jedoch auf einer gemeinsamen Betriebsschicht standardisiert, bleibt die Konsistenz selbst bei Änderungen an der Infrastruktur bestehen.
Vor diesem Hintergrund wird Souveränität zur Fähigkeit, sich anzupassen, ohne die Governance von Grund auf neu aufsetzen zu müssen. Souveränität meint das Vertrauen, dass die genaue Einhaltung von Regeln, Neugestaltung von Handelsbeziehungen oder geopolitische Veränderungen nicht ein vollständiges Redesign von Datenbankoperationen erzwingen.
Geschäftliche und geopolitische Resilienz sind ein Muss
Die aktuellen Ereignisse in der Welt verändern Lizenzmodelle und Provider-Strategien. Gleichzeitig verschärfen sich die Erwartungen der Regulierungsbehörden und das Klumpenrisiko rückt immer stärker in den Fokus der Aufsichtsgremien in den Unternehmen.
Unternehmen, die Souveränität als reines Hosting-Thema betrachten, werden feststellen, dass sie auf diese Änderungen nur reagieren. Diejenigen Unternehmen hingegen, die Souveränität als operative Autonomie verstehen und behandeln, befinden sich in einer besseren Lage.
Sie kontrollieren das Datenbetriebsmodell und bleiben dadurch flexibel. Sie können Workloads konsolidieren, migrieren und zwischen den verschiedenen Umgebungen ausbalancieren und gleichzeitig für eine konsistente Governance und Wiederherstellungsdisziplin sorgen.
Souveränität ist eine Management-Aufgabe
Glaubwürdigkeit hängt von der Nachweisbarkeit ab. Die Verantwortlichen müssen darlegen, dass Resilienztests, Wiederherstellungen und Governance-Kontrollen unabhängig von der Wahl der Infrastruktur reproduzierbar bleiben. Dieser Grad an Konsistenz ist nicht das Ergebnis der Geographie allein, sondern der Anwendung des Datenbetriebsmodells.
Über den Autor:
(Bildquelle: Nutanix)
Leonardo Boscaro ist EMEA Sales Leader für Datenbanken bei dem US-Anbieter Nutanix mit dem Hauptsitz im kalifornischen San José. Sein Fazit lautet: „Für CIOs, CTOs und CISOs bedeutet Souveränität, die operative Kontrolle zu behalten, unabhängig vom Betriebsort der Workloads. So verstanden meint Souveränität operative Autonomie. Sie ist die Fähigkeit, Infrastrukturentscheidungen zu treffen, und das ganz ohne Abstriche bei Kontrolle, Compliance und Wiederherstellbarkeit machen zu müssen.“