Rund 900 Teilnehmende und 250 vertretene Unternehmen machen die „German Datacenter Conference 2025“ zu einem Forum für die politische Gestaltung von Flächen-, Energie- und Innovationsfragen. Auf Panels und in Projektvorstellungen lautet das gemeinsame Ziel, Deutschland und insbesondere Hessen als strategischen, nachhaltigen Standort für Rechenzentren zu festigen.
Prof. Dr. Kristina Sinemus Hessische Digitalministerin, machte deutlich: Deutschland soll europäischer Leuchtturm für Rechenzentren werden. Sie betonte in ihrem Vortrag die Bedeutung des Standorts Frankfurt und den hessischen Rechenzentrumsmarkt.
(Bild: Paula Breukel)
Die Auftaktworte und die Bilanz der German Datacenter Association (GDA) geben den Ton vor: Präsidentin Anna Klaft kündigt die Ausweitung der GDA-Vertretung in Berlin an und verweist auf die rasche Mitgliederentwicklung als Antwort auf wachsende politische Anforderungen. Sie betont, dass Rechenzentren „der Garant für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Digitalwirtschaft“ sind.
Die Hessische Ministerin für Digitalisierung und Innovation, Professor Kristina Sinemus, verbindet diese Standortperspektive mit einem klaren Anspruch: „Wir wollen europäischer Leuchtturm werden.“ Sie spricht über geopolitische Herausforderungen, digitale Souveränität und die Notwendigkeit, schneller Flächen und Netze für neue Standorte zu schaffen.
Die Ministerin unterfüttert die Aussage mit konkreten Initiativen. Dazu zählen laut Sinemus vor allem eine regionale Rechenzentrumsstrategie, die Grundsteinlegung neuer Großprojekte wie der Data4-Campus auf 25 Hektar Fläche in Hanau und ein Rechenzentrumsdialog zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und Flächenbereitstellung. Vor diesem Hintergrund diskutiert die Branche Engpässe, technische Ansätze zur Umsetzung des Energie-Effizienzgesetzes (EnEfG) und die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) für Investitionsentscheidungen.
Die Veranstaltung verknüpft politisches Mandat und Brancheninteressen eng miteinander. Sinemus stellt Hessen als europäischen Kernmarkt dar und betont die Notwendigkeit, digitale Souveränität durch Infrastrukturhandel und europäische Kooperation zu sichern. Die GDA bündelt dafür Lobby- und Beratungsarbeit mit zwei zusätzlichen Kolleginnen in Berlin.
Frankfurter Rechenzentrumsmarkt und Expansionsradius
Deutschland ist der zweitgrößte Rechenzentrumsmarkt in Europa. Dirk Turek, Senior Research Analyst Data Centre Solutions bei CBRE, stellt fest: „Der Frankfurter Rechenzentrumsmarkt ist der Markt mit der höchsten Wachstumsrate in Europa.“ Aktuell verfügt Frankfurt über rund 1 Gigawatt (GW) installierte Kapazität, die laut Turek bis 2027 um weitere 600 Megawatt (MW) wachsen soll.
Damit vergrößert sich der Radius: Während Rechenzentren vor einem Jahrzehnt meist nur im Umkreis von fünf bis sechs Kilometern um den Standort Frankfurt geplant wurden, reicht der Expansionsradius inzwischen bis zu 50 Kilometern. Die Folge sind steigende Grundstückspreise und eine deutlich verkürzte Time-to-Market, wodurch Investitionsrisiken steigen.
Entscheidend bleibt die verfügbare Grid-Kapazität, also die maximale Leistung, die das Stromnetz am Standort aufnehmen kann. Panel-Diskussionen machen deutlich, dass Netzausbau, transparente Angaben zu verfügbaren Einspeisekapazitäten und flexible Anschlussmodelle für die Planung und Entwicklung neuer Standorte relevant sind.
Grid-Kapazität und Netzinfrastruktur
Markus Doll, Leiter Anlagen und Netzbetrieb bei der Bundesnetzagentur, verweist auf den immensen Strombedarf der kommenden Jahrzehnte: „Wir werden allein in Deutschland mindestens doppelt so viel Strom brauchen, und dafür müssen mehr als 5.000 Kilometer zusätzliche Leitungen gebaut werden.“
Der Netzentwicklungsplan sieht bis 2033 Investitionen von über 110 Milliarden Euro vor, bis 2045 sogar mehr als 200 Milliarden Euro. Maßnahmen wie neue Offshore-Anbindungen, transparente Substations-Daten und flexible Anschlussverträge sollen Engpässe mindern und zugleich die Voraussetzungen für eine stärker erneuerbare Energieversorgung schaffen.
Auch die Industrie positioniert sich: Professor Nico Mohr von Rittal betont, dass die Branche sowohl kurzfristig auf steigende Energiepreise reagieren als auch langfristig in effizientere Chip-Architekturen investieren müsse.
KI-Einsatz, Talente und industrielle Verantwortung
KI verändert die Struktur des Bedarfs: Rechenleistung und Stromverbrauch steigen, Anwendungsfälle entstehen dort, wo Domänenwissen, Talente und Infrastruktur aufeinandertreffen. Mohr formuliert den Anspruch prägnant: „Es liegt an uns, Hardware, Software und Use-Cases zu verbinden“, um europäische Modelle nutzbar zu machen.
Zugleich verweist er auf Wettbewerbsunterschiede bei kommerziellen KI-Modellen: Während in den USA mehr als 200 Modelle existieren, gibt es in Europa bislang nur wenige. Ohne stärkere Investitionen in Trainingsinfrastrukturen drohe Deutschland, auf die Rolle des Anwenders reduziert zu werden.
Praxisbeispiele, Nachwuchsförderung und gesellschaftliche Integration
Dieses Jahr hat die GDA die ersten „German Datacenter Talents & Impact Awards“ vergeben. Die Jury zeichnet damit Forschung, Innovation und gesellschaftliches Engagement aus und betont, dass Nachwuchsförderung, technologische Innovationskraft und lokale Einbindung Bestandteile eines zukunftsfähigen Rechenzentrumsökosystems sind. Die Masterarbeit von Raphael Kessener zeigt, wie Bestandsbauten zu Rechenzentren mit städtebaulichem Mehrwert umgestaltet werden.
Stand: 08.12.2025
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Firstcolo stellt mit dem Projekt „FRA7“ ein AI-ready Rechenzentrum vor, das High-Density-Flüssigkeitskühlung und Abwärmeintegration erprobt und gewinnt dafür den Preis in der Kategorie „Sustainability & Green Data Centers“. In der Kategorie „Innovation & Future Technologies“ ist Anyops mit dem Robotiksystem „Fiberbot“ der Sieger. Durch das System können Routinearbeiten in Rechenzentren automatisiert werden.
Datacenter-Betreiber Cyrusone gewinnt mit der Studie „Listening to Communities“ in der Kategorie „Community Engagement & Social Impact“. Die Studie schaffe eine Grundlage für den Dialog zwischen der Rechenzentrumsbranche und der Gesellschaft, mit dem Ziel, die gesellschaftliche Akzeptanz von lokalen Gemeinschaften zu stärken.