Cloud-ERP, Copiloten und eine neue Währung für KI-Funktionen SAP Sapphire 2025: Der Fokus liegt auf Business-KI

Von Michael Matzer 7 min Lesedauer

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Auf seinen Kundenkonferenzen „Sapphire 2025“ in Orlando und Madrid hat der Softwarehersteller SAP mehrere neue Angebote für Cloud und KI-Nutzung sowie eine Reihe Partnerschaften präsentiert.

SAPs CEO Christian Klein erklärte auf der Bühne der Sapphire 2025 in Madrid: SAP komme dem Versprechen von Business AI näher – durch den Ausbau von Joule, neue KI-Partnerschaften und Fortschritte bei der Business Data Cloud.(Bild:  SAP SE)
SAPs CEO Christian Klein erklärte auf der Bühne der Sapphire 2025 in Madrid: SAP komme dem Versprechen von Business AI näher – durch den Ausbau von Joule, neue KI-Partnerschaften und Fortschritte bei der Business Data Cloud.
(Bild: SAP SE)

Die Walldorfer wollen ihre Kunden so gut wie möglich bei der Migration in die Cloud sowie bei der digitalen Transformation unterstützen. Die Programme „Rise with SAP“ für Bestandskunden und „Grow with SAP“ für Neukunden sind hinreichend beschrieben worden. Um weitere Kunden abzuholen, hat SAP kurz vor der Sapphire als neues Paket „SAP S/4 HANA Cloud ERP Private“ vorgestellt.

Beschleunigte Cloud-Migration mit neuen ERP-Paketen

Das SAP-S/4 HANA-ERP-Paket wird nicht in der Public Cloud bei Azure, AWS oder Google betrieben, sondern in der Private Cloud des Kunden. Es enthält aber wesentliche Komponenten wie die Entwicklungsumgebung „SAP Build“ und den SAP KI-Copiloten „Joule“. Cloud ERP Private wird vom „SAP Business Network Supplier“-Portal und der Anwendung „SAP Enterprise Service Management“ sowie von „SAP Taulia“ ergänzt. Wie schon bei „Rise“ spielen Komponenten, die von „SAP LeanIX“ und „SAP Signavio“ stammen, eine bedeutende Rolle.

Für diejenigen SAP-Kunden, die nicht „S/4 HANA“, sondern noch die bisherige Business Suite nutzen, ist das neue „SAP Business Suite Acceleration Program with Microsoft Cloud“ von besonderem Interesse. Es offeriert ebenfalls einen Weg zu Cloud ERP von SAP, verbindet aber zwei Ökosysteme: den Joule Copilot mit dem Microsoft 365 Copilot, die SAP Business Technology Platform mit Azure AI sowie „Microsoft Teams“.

Die Benutzeroberfläche der „SAP Cloud ERP Private“ gewährt Zugang allen verfügbaren Business-Applikationen und Services.(Bild:  SAP)
Die Benutzeroberfläche der „SAP Cloud ERP Private“ gewährt Zugang allen verfügbaren Business-Applikationen und Services.
(Bild: SAP)

Das Ergebnis ist, wie oben erwähnt, eine weitere „SAP Cloud ERP Private“-Suite, allerdings auf Basis von „Microsoft Azure“. Das Paket ist zunächst in den USA verfügbar, im Rest der Welt „später im Jahr“. Kunden können auf dem MS Azure Marketplace bestimmte SAP-Komponenten auswählen. Implementiert wird stets mithilfe von Partnern von SAP und Microsoft.

Kunden sollen SAP Cloud ERP Private künftig auch bei Alibaba, dem chinesischen Technikkonzern, betreiben können. Die Alibaba Group will SAP-Anwendungen bei sich selbst nutzen und plant daher die gleiche technische Unterstützung für die Module „SAP Business AI“, „SAP Business Technology Platform“ sowie „SAP Ariba“, „SAP Integrated Business Planning“, „SAP Success Factors“, „SAP Concur“ und „SAP Emarsys“.

BDC als Fundament für neue Daten-Allianzen

SAP arbeitet mit Palantir, einem US-Anbieter von Datenschätzen, zusammen, und will per Konnektor eine Integration auf Datenebene ermöglichen. Im O-Ton SAP klingt das so: „Durch die nahtlose Verbindung zwischen Palantir und 'SAP Business Data Cloud' (BDC) können Kunden eine harmonisierte Datenbasis in ihrer gesamten Unternehmenslandschaft aufbauen. Gemeinsam werden die Unternehmen auf verantwortungsvolle Weise Kunden wie zum Beispiel US-Behörden dabei unterstützen, sich schnell an Veränderungen und Störungen anzupassen.“ Grundlage ist die Beseitigung von Datensilos durch die Integration von SAP BDC und Palantir Foundry.

  • Ein weiterer Partner auf Datenebene ist Accenture, das auf der BDC-Plattform sechs neue Anwendungen anbieten will, so etwa zu Finanzen, Lieferkettenverwaltung und Personalwesen.
  • Adobe kreiert auf der BDC zusammen mit „SAP Supply Chain“ die „Adobe Experience Platform„“.
  • Moody’s, die Kreditwürdigkeitsbewertungsfirma, will mit der BDC ihre Kreditwürdigkeitsdaten bereitstellen, damit ihre Partner und Kunden damit eigene Apps erstellen.
  • Ein heißes Eisen packt Thomson Reuters an, denn es geht um die Daten und Szenarien, die Zölle und sämtliche Kosten in einer Handelslieferkette betreffen. Diese App auf BDC-Basis soll Ende 2025 verfügbar werden.

KI-Copiloten und Agenten für den Praxiseinsatz

Zunächst will SAP seinen eigenen Copiloten Joule mit dem von Microsoft bidirektional verbinden. Das Vorhaben soll nach Angaben von SAP-CEO Christian Klein bis zum dritten Quartal 2025 abgeschlossen sein.

Dieses dynamische Duo soll in einer „Action Bar“ ständig zur Verfügung stehen. Dahinter steht die selbstlernende Technologie von Walkme und sie ist sowohl in SAP als auch in Cloud-Angeboten von Drittanbietern verfügbar.

Joule soll in zahlreichen SAP-Applikationen und Tools verfügbar gemacht werden. Mittlerweile steht der KI-Helfer in elf Sprachen zur Verfügung. Als weiteren Schritt integriert Joule künftig strukturierte und unstrukturierte Datenquellen aus „Perplexity AI“ in seinen Antworten. Die strukturierten, internen Daten stammen aus der SAP Business Suite, und Perplexity AI soll externe Daten hinzufügen. So sollen bei tiefergehenden Analysen und entscheidungsfindenden Prozessen umfassende Datenbestände herangezogen werden können, eine Herausforderung, die KI-Antworten von Anfang einschränkte und nun endlich lau Christian Klein bewältigt sei.

Agentenverbindungen

Auf der Grundlage der Business Data Cloud (BDC) sollen Joule-Agenten künftig nicht nur Unternehmensdaten einer Abteilung durchforsten, um Antworten zu liefern, sondern interoperativ per A2A-Protokoll mit anderen Agenten kooperieren, um ganze Abteilungen und Workflows übergreifend zu verbinden und eigenständig Vorschläge für den Start oder die Fortführung bestehender Prozesse zu unterbreiten. Wenn es ein befugter Nutzer genehmigt, können sie auch autonom Aktionen wie etwa Entscheidungen ausführen.

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Schon im zweiten Quartal 2025 sollen zwei solche Agenten im Vertrieb- und in der Katalogverwaltung zum Einsatz kommen. Viele weitere sollen sich bis zum vierten Quartal zu ihnen gesellen.

Schützenhilfe erhält die KI-Initiative der Walldorfer von mehreren namhaften Partnern. Deloitte trägt in der zweiten Jahreshälfte sein „Zora AI“-Modell bei. Finanzprozesse sollen von der Integration zwischen SAP und Mistral AI profitieren.

Von Google übernimmt SAP das neue Agent2Agent-Protokoll, das KI-Agenten ab dem dritten Quartal 2025 interoperabel machen soll. „SAP plant die Integration von Nvidia 'Llama Nemotron'“, um dessen Schlussfolgerungsleistung für Automation und Betriebsoptimierung zu nutzen. Zusammen wollen SAP und Amazon auf der Grundlage des AWS-Frameworks „Bedrock“ gemeinsam GenAI-Lösungen entwickeln.

SAP AI Foundation: Ein Betriebssystem für Enterprise-KI

Mit der „SAP AI Foundation“ stellte CEO Klein ein Quasi-Betriebssystem für Künstliche Intelligenz im Unternehmen vor. Es basiere auf bestehenden SAP-Anwendungen, die um neue Funktionen erweitert werden.

Ein Kernbestandteil ist „Joule Studio“, integriert in SAP Build. „Damit können Entwickler:innen auch ohne tiefe KI-Kenntnisse eigene KI-Anwendungen erstellen“, sagt Jonathan von Rüden, Head of AI Innovation bei SAP. Der „Skill Builder“ vereinfache dabei die Entwicklung, Bereitstellung, Überwachung und Verwaltung individueller KI-Fähigkeiten. Der „Agent Builder“ in Joule Studio (verfügbar in Beta) ermögliche zudem die Erstellung maßgeschneiderter KI-Agenten mittels Low-Code- und No-Code-Tools.

Der „SAP Knowledge Graph“ spielt laut von Rüden eine wichtige Rolle, da er Large-Language-Modellen (LLMs) eine Art Landkarte gibt, mit der sie strukturierte Daten navigieren können – etwas, in dem sie eher schlecht sind. Außerdem versorge er Joule mit Informationen und ermögliche so präzisere Antworten. „Nutzer:innen können Daten direkt in Joule analysieren, ohne auf komplexe, bereichsspezifische Abläufe zurückgreifen zu müssen“, so der KI-Experte.

Zentrale Agentenverwaltung mit Leanix und Signavio

Für die zentrale Verwaltung von KI-Agenten diene der KI-Agenten-Hub, der auf „SAP Leanix“- und „Signavio“-Technik basiert und ab Ende November verfügbar sein soll. Angesichts der zu erwartenden Vielzahl an Agenten, die in Unternehmen zum Einsatz kommen werden, werde es entscheidend sein, den Überblick zu behalten:

Welche Agenten sind im Einsatz, welche wurden genehmigt, wo werden sie genutzt und wie greifen sie ineinander? Genau hier setze der KI-Agenten-Hub an: „Er verknüpft Geschäftsfunktionen, um neue Anwendungsmöglichkeiten zu identifizieren und die Organisation zu optimieren.“

Integration von Third-Party-KI in das SAP-Ökosystem

„Die Zertifizierung der Non-SAP-KI-Agenten erfolgt jedoch nicht über Leanix, sondern direkt auf den jeweiligen Entwicklungsplattformen wie Joule Studio oder Microsoft Copilot“, so von Rüden. „Dort wird die Konformität mit den relevanten Sicherheitsstandards und Vorschriften sichergestellt.“

Für SAP-Partner sei die Integration und Sichtbarkeit von Non-SAP-Agenten entscheidend, um Kundenlandschaften effektiv zu verwalten und die Interoperabilität im gesamten KI-Ökosystem sicherzustellen. Außerdem hätten SAP-Partner über Joule Studio die Möglichkeit, selbst Agenten für ihre Kunden zu bauen.

Tabellarische KI, Prompt-Optimizer und LLM-Flexibilität inklusive

Zusätzlich werde die AI Foundation einen neuen tabellarischen KI-Dienst auf Basis des „SAP Foundation“-Modells enthalten, der die Nutzung strukturierter Daten für Prognosen erleichtern soll. Abgerundet werde das Angebot durch einen Prompt-Optimizer, der Entwickler:innen beim Prompt-Engineering unterstützt, indem er schnell effektive KI-Prompts generiert und dabei auf alle wichtigen LLMs zugreifen kann.

Alle diese Komponenten sollen noch im Laufe dieses Jahres verfügbar sein. „Die SAP AI Foundation ist ein Eckpfeiler der SAP KI-Strategie, da wir sie sowohl intern nutzen als auch für KI-Anwendungsfälle, die wir unseren Kunden liefern“, resümiert von Rüden. Sie soll die KI-Innovation beschleunigen, die Produktivität durch Automatisierung und verbesserte Entscheidungsfindung steigern und die Komplexität von KI-Prozessen durch ein einheitliches System reduzieren.

Ein wichtiger Aspekt sei auch die Senkung der Total Cost of Ownership (TCO).“ Denn der Nutzer könne schnell zwischen dem neuesten, besten oder, wenn gewünscht, auch dem günstigsten Large-Language-Modell wechseln. „Es bietet auch Entwickler:innen einen zentralen Einstieg für kundenspezifische KI-Lösungen nach Maß.“

Neue Währung für KI: SAP führt „AI Unit“ als Abrechnungsmodell ein

Alle Services sind abzurechnen, doch neu ist die genutzte Währung: „Die 'AI Unit' ist die zentrale Maßeinheit für Premium-KI-Dienste in SAP-Cloud-Lösungen“, erläutert von Rüden. „SAP differenziert hier zwischen Basis-KI, die kostenlos und ohne Nutzungsbeschränkung in den Cloud-Lösungen enthalten ist, und Premium-KI, deren Nutzung über die AI Unit abgerechnet wird.

Jonathan von Rüden ist Head of AI Innovation bei SAP.(Bild:  SAP)
Jonathan von Rüden ist Head of AI Innovation bei SAP.
(Bild: SAP)

Basis-KI umfasst beispielsweise eingebettete KI-Funktionen in bestehenden Anwendungen und grundlegende Joule-Funktionen wie informative und Navigationsfähigkeiten. Diese Basisfunktionen sind in der Lizenz der SAP-Cloud-Lösungen enthalten oder, wie im Fall der Joule-Basisberechtigungen, über den SAP-Store verfügbar.“

Von Rüden weiter: „Premium-KI hingegen bietet erweiterte Funktionalitäten, die in spezifischen Paketen gebündelt sind, zum Beispiel „Joule Premium für Financial Management“ oder „Joule Premium für Supply Chain Management“. Diese Pakete werden pro Nutzer und Monat abgerechnet. Ein wichtiger Unterschied ist auch, dass einige Premium-KI-Funktionen transaktional sind, das heißt: Sie verbrauchen bei jeder einzelnen Nutzung – beispielsweise bei einer Datenänderung – AI Units.“

Die Berechnung der AI Units erfolge automatisiert über ein spezielles Abrechnungs- und Erfassungssystem, das die Nutzung der Premium-KI-Funktionen misst und transparent für den Kunden darstellt. Kunden erhalten zu Vertragsbeginn ein jährliches Kontingent an AI Units. Nicht genutzte AI Units verfallen am Jahresende.

Um die Kosten im Blick zu behalten, biete SAP den „AI Unit Estimator“ zur Abschätzung des Verbrauchs und „SAP for Me“ zur detaillierten Kontrolle der tatsächlichen Nutzung. Man sieht: Abgerechnet wird auf Heller und Pfennig, obendrein ergeben sich Einsparmöglichkeiten.

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