„Work in Progress“ lautet das Motto der Technologietage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG. Auf der Liste der Forderungen an die SAP stehen eine planbare Strategie auch für Inhouse-Lösungen, weniger Komplexität und einfachere Lizenzmodelle.
„Das kommende Anker-Release von SAP S/4 HANA darf nicht bedeuten, dass Innovationen und Erweiterungen künftig ausschließlich in der Public Cloud stattfinden“, so Sebastian Westphal, Technologievorstand der SAP-Anwendervereinigung DSAG bei der Eröffnung der DSAG-Technologietage. „Alles, was in Richtung Cloud gehe, muss gleichwertig zu den bestehenden Inhouse-Lösungen sein, und zwar am besten schon bis Ende 2023.“
(Bild: DSAG)
Rückbesinnung erwartet: „Nach der umfassenden strategischen Neuausrichtung der SAP wünschen sich die Anwenderunternehmen wieder einen stärkeren Fokus auf das Credo ‚Customer first‘ der Gründerjahre“, berichtet Sebastian Westphal, Technologievorstand der SAP-Anwendervereinigung DSAG bei der Eröffnung der „DSAG-Technologietage“. Rund 2.600 Teilnehmer haben in Mannheim am 22. und 23. März diskutiert und 110 Vorträgen der Anwendervertreter, fünf SAP-Hands-on-Workshops und 16 Partnervorträgen gelauscht.
„Angesichts des bevorstehenden Wartungsendes vieler SAP-Lösungen und rufen die Anwender nach Planbarkeit und Verlässlichkeit der SAP-Produktstrategie“, erläutert Westphal. „Die Anbindung der SAP-Cloud-Services an die mehrstufigen SAP-Landschaften und die Positionierung der Business Technology Platform sind hierbei ebenso wichtig, wie ein angemessenes Pricing.“
Migration, Integration, Security und Datenschutz im Fokus
Durch die starken Veränderungen im SAP-Produktportfolio rückten Themen wie eine einfache Migration, Integrationsfähigkeit, Datenschutz und IT-Security in den Fokus: „Aktuell wird das Komplexitätsmanagement nicht hinreichend durch übergreifende Standards, Klarheit und Investitionssicherheit unterstützt – auch und gerade bei Cloud-Produkten.“
SAP hat für 2027 das Wartungsende wichtiger Lösungen angekündigt. Hier bedürfe es einer klaren Perspektive und entsprechender Migrationsszenarien. Das gelte insbesondere für den SAP Solution Manager und die SAP Process Orchestration.
„Für die Ablösung des Solution Managers als dem zentralen Element heutiger SAP-Architekturen bedarf es eines Cloud-Application-Lifecycle-Management-Produkts mit identischem Leistungsumfang und einer verlässlichen Roadmap sowie entsprechenden Migrationspfaden“, so Westphal. „Gleiches gilt für die Migration von 'Process Orchestration' auf die 'SAP Integration Suite'. Positiv hervorheben lässt sich andererseits der kürzlich erfolgte Launch der 'Migration-Assessment-App' und des Migration-Tool.“
Inhouse-Innovationen für SAP S/4 HANA erwartet
Im Oktober dieses Jahres soll das so genannte Anker-Release von „SAP S/4 HANA“ verfügbar sein. Ab dann wechselt die Lösung zu einem Zweijahres-Release-Zyklus, einer längeren Mainstream Maintenance pro Release von sieben Jahren und einfacher zu adaptierenden Feature Packs. Zudem bildet diese Version die Basis für die Technologie der nächsten Generation und Kompatibilität mit Legacy-Software.
Seit der Markteinführung von SAP S/4 HANA im Jahr 2015 haben die Kunden laut DSAG die Weiterentwicklung dieser Software mit hohem finanziellen und personellen Engagement begleitet. Bis heute vermissten die Unternehmen im aktuellen SAP-Produktportfolio allerdings einige Funktionalitäten aus der vorherigen Produktversion „SAP ERP“.
„Die Investitionen in SAP-S/4-HANA-Transformationen sind vielerorts in ein-, zwei- oder gar dreistellige Millionenbudgets gemündet“, erläutert Westphal. „Das kommende Anker-Release darf nicht bedeuten, dass Innovationen und Erweiterungen künftig ausschließlich in der Public Cloud stattfinden.“
Was in Richtung Cloud gehe, müsse gleichwertig zu den bestehenden Inhouse-Lösungen sein (siehe: „ERP on premises oder hybrid; SAP-Kernsysteme wandern nur selten in die Cloud“), und zwar am besten schon bis Ende 2023. Dann blieben den Kunden noch vier Jahre, um ihre Systeme vom Investitionsantrag bis zur Migration umzustellen. Auch bei der von SAP angekündigten Wartung bis 2040 für Inhouse- und Cloud-Systeme von SAP S/4 HANA bedürfe es noch weiterer Zusagen, um die bisherigen Projektinvestitionen zu sichern.
Cloud-Angebote sollen auch Gelegenheitsnutzer ansprechen
Ihr Cloud-Portfolio hat SAP gerade um das Angebot „SAP Grow“ erweitert, das sich primär an Neukunden aus dem Mittelstand richtet, die damit beispielsweise Tochtergesellschaften in eine Zwei-Tier-SAP-Landschaft einbinden wollen. SAP Grow ergänzt das Transformationsangebot „Rise with SAP“, das Bestandskunden den Weg in die Cloud erleichtern soll.
Stand: 08.12.2025
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Die DSAG erwartet für SAP Grow von der SAP Hilfe bei der Implementierung und ein attraktives Lizenzmodell: „Damit Unternehmen dieses Angebot annehmen muss die SAP sie beim Implementieren hinreichend unterstützen“, erläutert Westphal. „Außerdem ist ein Betriebs- und Preismodell nötig, das auch Unternehmen anspricht, die heute On-Premise-Systeme einsetzen.“
Positiv wertet die DSAG das kürzlich angekündigte Angebot „SAP Datasphere“: „Diese Anwendung adressiert unsere seit Langem bestehende Forderung nach der Zusammenführung von SAP- und Non-SAP-Daten“, erläutert Westphal „ Diese Evolution der „SAP Data Warehouse Cloud“ ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung – wenn es gelingt, die komplexe Integration von Daten aus SAP-Systemen und Drittsystemen der hybriden Architekturmodelle zu vereinfachen. Die Anwender erwarten hier ein kommerzielles Angebot, das für klassische Planungsszenarien und auch Gelegenheitsnutzer der SAP Analytics Cloud passt.“
Die Business Technology Platform muss noch positioniert werden
Die „Business Technology Platform“ bildet das zentrale Fundament der SAP-Strategie - darüber sind sich die DSAG und SAP einig. Die DSAG-Investitionsumfragen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Business Technology Platform in den Budgets der Anwenderunternehmen ihren Platz gefunden hat, und zwar in den Bereichen Data und Analytics.
Augenfällig ist allerdings der hohe Anteil an Befragten, welche die Business Technology Platform zwar lizenziert haben, aber noch nicht aktiv nutzen. „Die SAP muss die Business Technology Platform deutlicher als bisher für ihren Einsatz als zentraler Baustein hybrider Architekturen positionieren“, schlägt Westphal als Abhilfe vor.
Angesichts der häufig anzutreffenden drei- und vierstufigen SAP-Landschaften sei die Business Technology Platform inklusive zentraler Administration der Umgebungen für alle Business-Services und die Integration-Suite ein zentraler Punkt. Da das ehemals zentrale und mächtige SAP ERP im Rahmen der SAP-Strategie künftig durch eine modulare Systemlandschaft ersetzt werden soll, steige die Komplexität, diese Systeme zu implementieren, zu integrieren und auch zu lizenzieren.
„Das dazugehörige Test- und Transportwesen ist laut in vielen Cloud-Plattformen noch nicht einheitlich berücksichtigt und bremst die Adaption der neuen Produkte und Services aus“, beschreibt Westphal das Problem. „Für SAP S/4 HANA Public Cloud wurde dies Ende des vergangenen Jahres als Grundvoraussetzung für den Einsatz in hybriden Landschaften korrigiert. Für Business-Services auf der Business Technology Platform sollte dies ebenso selbstverständlich sein und über alle Lines-of-Business hinweg gelten. Das würde die Adaptionsraten erhöhen.“
Lizenzmetriken sollen auch nach unten skalieren
Nach wie vor in der Kritik der Anwender stehen die Lizenzmodelle der Walldorfer: Fehlende Lösungen für Entwicklungs- und Testsysteme auf der Business Technology Platform führen laut DSAG zu erheblichen Kosten. Um nach dem derzeitigen Stand eine Mehrstufigkeit zu erreichen, müssten Unternehmen Services teilweise mehrfach lizenzieren. Dabei werde nicht unterschieden, ob ein Service produktiv oder lediglich zu Testzwecken genutzt wird. „Diese Kosten- und Lizenzierungsproblematik muss SAP angehen“, fordert Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Lizenzen, Service & Support.
„Die zunehmende Modularisierung von Lösungen, die einst in SAP ERP enthalten waren und nun vermehrt über die Business Technology vermarktet werden, lässt die Komplexität bei Lizenzierung und Verwaltung steigen. „Um eine vollumfängliche Lösung wie in Zeiten von SAP ERP zu erhalten müssen Unternehmen nun bei SAP mit unterschiedlichen Lines-of-Business verhandeln.“ Das nächste Problem sind laut Henzler die unterschiedlichen Lizenzmetriken. „Deren Vielfalt treibt die Kosten für SAP-Architekturen nach oben. Aus unserer Sicht braucht es ganzheitliche Pricing-Strategien für Cloud-Szenarien mit Lizenzmodellen, die auch nach unten skalieren.“