Kooperationen mit französischen Herstellern pflanzlicher Kühlmittel Midas will mit grüner Immersionskühlung in Europa punkten

Von Daniel Schrader 4 min Lesedauer

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Midas Immersion Cooling stärkt seine Präsenz in Europa. Zwei französische Anbieter liefern biologisch abbaubare Kühlmittel, an der Universität Durham werden Kombinationen mit saisonaler Wärmespeicherung erprobt. Kern des Angebots sind Tanks mit 7,5 bis 150 Kilowatt Kapazität in Verbindung mit Hardware für leichtere Wartung.

Ein „Midas XCI 50U Tank“ kann bis zu 150 Kilowatt an IT-Leistung immersiv kühlen. (Bild:  Midas Immersion Cooling)
Ein „Midas XCI 50U Tank“ kann bis zu 150 Kilowatt an IT-Leistung immersiv kühlen.
(Bild: Midas Immersion Cooling)

Der Anbieter von Immersionskühlungstanks für Datacenter Midas Immersion Cooling aus Austin, Texas, erweitert seine europäische Präsenz. Dafür ist der Anbieter in der zweiten Jahreshälfte 2025 mehrere Kooperationen eingegangen. So wurde der größte angebotene Immersionstank des Unternehmens mit einer Maximalleistung von 150 Kilowatt an dem „Immersion Cooling and Heat Storage Living Lab“ der britischen Durham University installiert.

Das Forschungs-Datacenter analysiert den Einsatz saisonaler Wärmespeicherung in Kombination mit Immersionskühlung sowie weitere Wege für die Verringerung des Wasser- und Stromverbrauchs in Rechenzentren. Eingesetzt wurde eine etablierte dielektrische Kühlflüssigkeit von Valvoline Global.

Server in Grün baden

Für den Einsatz einer neuen und grüneren Art von Flüssigkeitskühlung kooperiert Midas zugleich mit dem französischen Hersteller Oleon, einer Tochter des Avril-Konzerns, welcher sich auf pflanzenbasierte Öle, Proteine und Chemikalien spezialisiert. Oleon hat 2025 die Kühlflüssigkeit „Qloe“ auf den Markt gebracht.

Diese soll vollständig biologisch abbaubar und nicht toxisch sein und zugleich Anforderungen an hochdichte Datacenter-Hardware erfüllen. Nach Tests haben die Partner die Freigabe von Qloe zum Einsatz in Midas-Tanks angekündigt.

Vollständig abbaubar und nicht toxisch sein soll auch die Kühlflüssigkeit des französischen Schmierstoff-Herstellers Motul „EGEN DCC 100R8“. Motul, Midas und der Hardwarehersteller Hypertec haben im November 2025 ebenfalls erfolgreiche Tests zum Einsatz des Kühlmittels mit speziell für Immersionskühlung entwickelten KI- und HPC-Servern von Hypertec in Midas Tanks bekanntgegeben.

Midas ist kein Neuling am Markt. Das Unternehmen habe nach eigenen Angaben in Austin 2010 ein weltweit „erstes kommerzielles immersionsgekühltes Datacenter“ ausgestattet und war lange vor allem im Crypto-Bereich bekannt, entwickelt nun aber auch Tanks für alle Datacenter-Einsatzgebiete.

4000 Tanks mit über 500 Megawatt Kühlungskapazität habe das Unternehmen aktuell weltweit installiert. Nach eigenen Angaben produziert Midas 130 Kühlereinheiten mit einer durchschnittlichen Gesamtkapazität von 10 Megawatt pro Woche und habe kürzlich binnen einem Monat in einem ungenannten Rechenzentrum 100 Megawatt an Immersionskapazität installiert.

Im 12U- bis 50U-Formfaktor

Midas bietet aktuell primär drei Tankmodelle in verschiedenen Größen an. Ein 4U-Tank und ein 12U-Tank sollen 7,5 respektive 18 Kilowatt Wärme vor allem in Edge- und IoT-Installationen (Internet of Things) abführen. In diesen Tanks sind Kühlmodule integriert. Der „XCI 25U Tank“ ist auf ganze (kleinere) Racks mit erhöhter Rechendichte ausgelegt mit einer Kapazität von 40 Kilowatt.

Der größte serienmäßig angebotene Tank, XCI 50U, fasst mehr als die Kapazität eines herkömmlichen Server-Racks und kann 150 Kilowatt abführen, damit auch dichte GPU-Systeme kühlen. Das wird auch in der Unterstützung tiefer Server mit bis zu 36,5 Zoll (93 Zentimeter) deutlich, wie sie die aktuellen Nvidia-Chassis beanspruchen. Der Tank bietet zudem Platz für 20 Höheneinheiten an luftgekühltem Netzwerk- und Stromverteilungs-Equipment.

Hersteller-Video mit Vorstellung der Immersionstechnologie von Midas

Der niedrige Eigenverbrauch des Systems von 0,2 bis maximal 3 Kilowatt soll PUE-Werte (Power Usage Effectiveness) von bis zu 1,05 ermöglichen. Auf einer Fläche von 2,39 x 1,12 Metern fasst der 1,5 Meter hohe Tank 1666 Liter Kühlflüssigkeit, wiegt gefüllt 1,72 Tonnen und bietet so eine vergleichsweise geringe Bodenbelastung von 644 Kilogramm pro Quadratmeter. Der Tank erlaubt einen Austausch und die Wartung von Komponenten im laufenden Betrieb, dies gilt auch für die an der Tank-Rückseite angebrachten Kühlungsmodule.

Midas: Dichte und Effizienz sind Hebel für digitale Souveränität

Zudem adressiert Midas an EU-Kunden die explizite Botschaft, Immersionskühlung könne auch den Weg zur digitalen Souveränität ebnen und Datacenter-Betreiber Sorgen über neue EU-Regularien nehmen. Eine im Vergleich zu gängigen Kühlsystemen um fünf Mal höhere Rack-Dichte bei KI- und HPC-Anwendungen erleichtere den Aufbau rechenhungriger Infrastrukturen auf europäischem Boden auch auf einer kleineren Fläche und nahe an Anwendern wie Kliniken, Häfen und Produktionsbetrieben. Ein um bis zu 40 Prozent geringerer Strom- und ein circa 95 Prozent geringerer Wasserverbrauch erleichtere die Konformität mit Energie-Effizienz-Normen.

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Dies gelte zumindest für den stabilen Betrieb von GPUs der „H100/B100/MI300“-Klasse, so Midas. Zu den aktuellen „B200“ und gerade auf den Markt kommenden „B300“-Chips macht Midas keine Angaben.

Tatsächlich bieten andere Hersteller Immersionstanks für Kapazitäten über 150 Kilowatt an. Oleon kooperiert so auch mit dem norwegischen AI Green Bytes bei der Ausstattung eines KI-Rechenzentrums in Paris mit der grünen Immersionskühlung in „Submer Smartpod Exo“-Tanks mit je 361 Kilowatt Kapazität. Über 150 Kilowatt Wärme-Abführung bieten aktuell auch Tanks von Anbietern Vertiv (240 Kilowatt) und Liquidstack (252 Kilowatt); einher gehen aber typischerweise, soweit veröffentlicht, höhere Tankvolumina und Bodenbelastungen.

In Kombination mit Reinigungssystem und Batterie-Lift Betrieb „wie im luftgekühlten Datacenter“

Seit Mitte 2025 bietet Midas zudem seine Tanks in Kombination mit einer „Maintenance Suite“ an. Diese kombiniert ein Support- und Inspektionsangebot mit Wartungs-Hardware: einem kabellosen Server-Lift und einem zweistufigen dielektrischen Reinigungssystem. Der „XCI Byte Bath“ soll in zwei Reinigungsgängen dielektrische Flüssigkeit von Serverkomponenten vor der Wartung entfernen und so Schäden an Komponenten und Beschichtungen vorbeugen.

Ein batteriebetriebener Serverlift soll seinerseits bei der Entfernung und der Wiedereinsetzung von Hardware manuelle Kräne und komplizierte Verkabelungen bei der Wartung obsolet machen. Die zwei Hardware-Komponenten könnten „grundlegend verändern, wie Betreiber Server entnehmen, reinigen und warten“, zeigt sich Midas-CEO Scott Sickmiller überzeugt. „Zur Realität“ werde damit Wunsch, „ein immersionsgekühltes Rechenzentrum wie ein luftgekühltes“ zu betrieben.

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