IFS- und Progress Software-Prognosen für 2026 KI-Trends 2026: Orchestrieren oder Klempnern?

Von Daniel Schrader 5 min Lesedauer

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2026 muss KI messbare Ergebnisse liefern und effizienter werden, betonen zwei Trendprognosen. Die Reife der KI-Agenten, Standards und Architekturen schätzen sie aber unterschiedlich ein. Dem Bild im operativen Betrieb funktionierender hybrider Belegschaften steht die Erwartung einer weiterhin manuellen Klempnerei divergenter Systeme und Architekturen gegenüber.

2026 wird agentische KI reifer. Aber bedeutet das ausgereifte Orchestrierung oder manuelle Klempnerei?(Bild:  GPT-Image / KI-generiert)
2026 wird agentische KI reifer. Aber bedeutet das ausgereifte Orchestrierung oder manuelle Klempnerei?
(Bild: GPT-Image / KI-generiert)

IFS, der Anbieter einer KI-gestützten industriellen Planungs- und Managementplattform, und Progress Software, ein Entwickler von DevOps- und Software-Infrastruktur-Anwendungen, veröffentlichen ihre Prognosen zu den wichtigsten Trends bei der Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) für 2026. Beide Einschätzungen stimmen überein: KI insgesamt, und agentenbasierte KI insbesondere, wird zunehmend bereit für das Alltagsgeschäft. Die Prognosen unterscheiden sich aber deutlich dahingehend, wie viel Aufwand Unternehmen dafür investieren müssen und welcher Reifegrad 2026 realistisch ist.

Operative Integration…

Für IFS wird 2026 „KI unsichtbar“ werden, fest in einer „industriellen Phase“ angekommen. Entscheidend werde sein, dass KI-Systeme nicht mehr als eigenständige Komponenten in Unternehmen genutzt werden, sondern 2026 eine grundlegende Integration in viele Arbeitsbereiche erfahren sollen. So werde KI 2026 „zu einer operativen Notwendigkeit“, betont auch der IFS-Vize für KI-Adoption Sören Michl. KI werde „Unternehmenssoftware nicht ersetzen, sondern neu definieren“: kein eigenständiges „Technologieprojekt“ mehr, sondern eine „operative Transformation, die jeden Prozess und jeden Menschen betrifft.“

Optimistisch ist die IFS-Prognose auch in Bezug auf die Reife von KI-Agenten. 2026 soll „agentenbasierte KI den Sprung von Pilotprogrammen zum Serieneinsatz“ schaffen und zum „Rückgrat vieler Geschäftsabläufe“ werden. So würden schon in diesem Jahr in vielen Unternehmen „hybride Belegschaften“ aus flexibel kooperierenden Mitarbeitern und KI-Agenten entstehen. Eine Bandbreite an spezialisierten Agenten werde zunehmend eigenständig Routineaufgaben übernehmen und so der menschlichen Belegschaft Freiräume für „höherwertige“, strategische Aufgaben schaffen.

…vs. beständige Klempnerei

Einen anderen Akzent setzt die Einschätzung von Progress Software. Auch sie betont 2026 als Jahr einer rapiden Weiterentwicklung von LLMs, Frameworks und Standards. Allerdings sei diese auch weiterhin „so rasant, dass viele aktuelle Lösungen schnell veraltet und möglicherweise unsicher sein werden“. Von einer Konsolidierung hin zu einem stabilen Serienbetrieb sieht Progress Software also keine Spur.

Stattdessen stehe für Unternehmen „2026 vor allem ‚AI Plumbing‘ an“, also eine KI-Klempnerei. Unternehmen stehe es weitgehend noch bevor, „Standards und Architekturen so zu definieren und aufzubauen, dass sie skalierbar, flexibel und sicher sind“. Die rapide Abfolge weiterhin fragmentierter neuer Modelle und Architekturen mache die Aufgabe nicht einfacher. Diese Arbeit mit metaphorischen Rohren, Ventilen und Anschlüssen von Modellen und Agenten bleibe zudem auch 2026 noch weitgehend manuell. Damit habe die Phase der KI-Klempnerei als „notwendiges Übel leider auch unmittelbaren Einfluss auf die KI-Innovation und wird sie allgemein verlangsamen“.

Progress Software: AIOps und autonome CI/CD-Tools sind schon weiter

So positioniert auch die Progress Software-Prognose anders als die IFS-Einschätzung 2026 nicht als Jahr eines stabileren Alltagsbetriebs, sondern weiterhin vorsichtiger als Zeit der Neustrukturierung und Modernisierung von KI-Pilotprojekten in Unternehmen. Eine Ausnahme scheinen die DevOps-Spezialisten aber gerade in ihrem Fachbereich zu sehen. Im Management von IT-Infrastruktur habe sich AIOps „schon länger“ etabliert, also „KI-Anwendungen, die Mitarbeitende beim Monitoring und der Anomalieerkennung sowie der Fehleranalyse unterstützen“.

2026 werde sich agentenbasiertes AIOps „hin zu echten selbstheilenden Systemen entwickeln, die vollautomatisiert Ursachenanalysen durchführen, kontextbezogene Empfehlungen geben und Fehler autonom beheben“. Auch Tools für die automatisierte Softwarebereitstellung und -Entwicklung würden rasch reifen. Eigenständige KI-Agenten sollen Builds und Deployments zuverlässig optimieren können, während Ingenieure 2026 zunehmend in der Lage sein sollen, Infrastruktur und Deployments über natürliche Sprache zu steuern.

Wirtschaftlichkeit und Effizienz müssen vereinbar werden

Beide Prognosen betonen einen deutlich steigenden Effizienzdruck für den KI-Einsatz. Dies gelte, so die IFS-Prognose, sowohl für steigende Ansprüche an messbare wirtschaftliche Ergebnisse als auch für den Ressourcenbedarf von KI, welcher mit Blick auf Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung hinterfragt werden müsse. So werde 2026 „Effizienz zum neuen KI-Benchmark“. Unternehmen würden 2026 verstärkt nach „energiebewussten Modellen, Infrastrukturen und Architekturen suchen, um Leistung und Kosten in Einklang zu bringen“.

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Die Einschätzung von Progress Software sieht hier ein besonders großes Potenzial spezialisierter, kleinerer Sprachmodelle (Small Language Models, SLMs). Sie seien oft schneller, flexibler auf die Unternehmensanforderungen zuschneidbar, könnten besser in bestehende Systeme integriert werden und böten zudem Vorteile bei Sicherheit und Compliance. So betonen die Software-Entwickler, dass spezialisierte SLMs den großen Sprachmodellen 2026 gar „den Rang ablaufen“ sollen. IFS-Experten hingegen postulieren eher einen Trend zur konvergenten, multimodalen Systemen, die mit verschiedenen Datentypen umgehen und eine Vielzahl von KI-Agenten „selbstoptimierend“ steuern können. Zudem würde „digitale Intelligenz“ 2026 zunehmend direkt „über Sensoren, Roboter, Drohnen und vernetzte Infrastruktur direkt mit der physischen Welt“ interagieren.

Baustelle Sicherheit

Der Einsatz von KI-Agenten im operativen Geschäft wird „neue Herausforderungen in Bezug auf Governance, Sicherheit und Interoperabilität“ mit sich bringen. Das unterstreichen die IFS-Experten, scheinen diese Herausforderungen allerdings nicht als eigenständige Trendsetter für 2026 zu sehen. Anders die Prognostiker bei Progress Software: der Einsatz natürlicher Sprache bedeute ganz neue und grundsätzliche Sicherheitsrisiken, da darauf angewiesene KI-Systeme nur „schwer erkennen können, ob es sich bei der Eingabe um reinen Dateninput oder eine Anweisung handelt“.

Dies ermögliche es Hackern, „neue und kreative Wege“ zu entwickeln, um an Daten zu gelangen oder diese zu manipulieren. Während 2026 so auch ein Jahr neuer und kreativer cyberkrimineller Angriffe werde, steige zugleich die Reife KI-basierter Sicherheitsverfahren. Diese könnten zunehmend effektiv Angriffsvektoren vorhersagen, Testszenarien erstellen und Schwachstellen finden.

Baustelle Governance

Unternehmen seien deswegen schon aus Sicherheitsüberlegungen an einer „sorgfältigen Governance“ für KI-Systeme interessiert. Entscheidend seien zudem, so die Progress Software-Prognose, regulatorische Rahmenbedingungen in Europa, primär der europäische AI Act und die DSGVO. Vorgaben, europäische Nutzerdaten in der Europäischen Union zu verarbeiten, Trainingsdaten zu anonymisieren und die Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen sicherzustellen, würden einen „strikten“ Rahmen für die Nutzung und Entwicklung von KI schaffen.

Dies berge Risiken, aber auch potenzielle Vorteile. Einerseits entstünde eine „geografische Fragmentierung“ mit „unterschiedlichen KI-Fähigkeiten“ in Europa im Vergleich zu den USA und dem asiatischen Raum. KI würde sich in „stark regulierten Märkten wie der EU“ insgesamt langsamer durchsetzen. Auf der anderen Seite „werden entsprechende Tools allerdings immer öfter mit nativen Compliance-Funktionen ausgestattet sein“.

Dies passt zur Einschätzung von Progress Software, dass Unternehmen beim KI-Einsatz 2026 „in vielen Bereichen zunächst konsolidieren und ein sicheres, zukunftsfähiges Fundament aufbauen müssen“, so Thomas Schuller, Regional Sales Director DACH bei Progress Software. „Das KI-Wettrennen ist eben kein Sprint, sondern ein Marathon.“

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