Dell Technologies Forum: on premises is back KI-Bolide von Dell findet reißenden Absatz

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 5 min Lesedauer

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Wie sehr Künstliche Intelligenz (KI) etablierte Tech-Unternehmen verändert, zeigte beispielhaft das „Dell Technologies Forum“ in München vergangenen Dezember. Das Brot- und Butter-Geschäft von Dell, die Infrastruktur, blieb, verglichen mit dem Raum, den KI einnahm, eher im Hintergrund. Dennoch gibt es hier einiges zu berichten.

Mit Spezialhardware für KI und einem inhaltlichen Schwerpunkt auf dem derzeitigen Hype-Thema KI lockte das Dell Technologies Forum 2024 Kunden und Partner nach München. (Bild:  Dell/Rüdiger)
Mit Spezialhardware für KI und einem inhaltlichen Schwerpunkt auf dem derzeitigen Hype-Thema KI lockte das Dell Technologies Forum 2024 Kunden und Partner nach München.
(Bild: Dell/Rüdiger)

Die Tagung begann mit einem Video-Grußwort von Firmengründer und -chef Michael Dell, der die Bedeutung des heraufdämmernden KI-Zeitalters und Dells wichtige Rolle darin heraufbeschwor. Dell setzt bei der Umsetzung von KI-Projekten, einem zukünftig sehr wichtigen Geschäftsfeld, nicht auf Alleingänge. Vielmehr arbeitet der Infrastrukturspezialist bei der Umsetzung verstärkt mit Integrations- und Channel-Partnern zusammen.

Dabei hilft den Unternehmen die „Dell AI Factory“, ein umfassendes Angebot an Infrastrukturlösungen, Services und einem großen Ökosystem. Es besteht aus vorkonfigurierten KI-Modellen, Frameworks und Tools sowie fertigen Anwendungen und soll Unternehmen bei der Umsetzung von KI-Projekten unterstützen.

Alle wichtigen Aspekte integriert

Die AI Factory beinhaltet alle wichtigen Aspekte, Sie reichen von der Speicherung der nötigen Analysedaten über die Hardware für die Verarbeitung, die Einbindung von Drittherstellern und die Breitstellung der nötigen Services bis hin zu den Use Cases. Gleichzeitig will Dell auch die übergreifenden Themen Nachhaltigkeit und Sicherheit berücksichtigen.

Als Basis dafür müssen die Datacenter-Infrastrukturen vielerorts ausgetauscht werden, damit sie leistungsfähig genug für KI sind. Dell erwartet hier weltweit ein Umsatzpotential von 13 Milliarden Dollar.

Durch KI viel On-Prem-Technik

Das wundert nicht: Planen doch nach einer aktuellen, auf dem Forum präsentierten und von Dell initiierten Studie über Chancen und Risiken von KI 83 Prozent der befragten Unternehmen die KI-Einführung on premises.

In seinem Video-Grußwort betonte Dell-Gründer Michael Dell die Bedeutung der KI und die wichtige Rolle, die Dell auf diesem Gebiet spielen möchte.(Bild:  Dell/Rüdiger)
In seinem Video-Grußwort betonte Dell-Gründer Michael Dell die Bedeutung der KI und die wichtige Rolle, die Dell auf diesem Gebiet spielen möchte.
(Bild: Dell/Rüdiger)

Außerdem wollen ebenfalls 83 Prozent der Befragten Anwendungen auf eigene Ressourcen zurückholen. 75 Prozent planen dies aus Kostengründen.

Zentrale Rolle für das Edge

Eine wichtige Komponente dabei sind neben den zentralen Storage-Systemen und Servern auch die Edge-Technik. Am Edge will immerhin die Hälfte der mehr als 6.600 befragten IT-Entscheider aus mehr als 40 Ländern KI einsetzen. Dort entsteht zukünftig die überwiegende Menge der Analysedaten. Also in Maschinen, Lagern, Verkaufsräumen – oder dem Meer.

Volker Seidel, Senior Director Presales DACH, präsentierte auf dem Technologieforum ein ehrgeiziges KI-Projekt, das von dem Hersteller unter anderem mit Edge-Technologien beliefert wurde und auf dem Konzept der Dell AI Factory aufbaut. Das endgültige Ziel des Vorhabens ist es, die Kommunikation von Tieren artübergreifend zu entschlüsseln. Den Anfang machen Meerestiere.

Dell-Edge-Technik hilft beim Artenschutz mit Künstlicher Intelligenz

Das soll unter anderem dabei helfen, sie zu schützen, indem beispielsweise ihre Wanderungen prognostiziert oder Stressfaktoren identifiziert werden. Dem Ziel stehen aber große Hindernisse im Weg.

Der Andrang in den Hallen des Eisbach-Filmstudios war groß.(Bild:  Rüdiger)
Der Andrang in den Hallen des Eisbach-Filmstudios war groß.
(Bild: Rüdiger)

So kommunizieren Tiere nicht mit formalen, logischen Sprachen wie Menschen. Es gibt also kein Lexikon für das Basistraining eines Modells wie bei menschlichen Sprachen. Tiere nutzen vielmehr vor allem Laute, Bewegungen, chemische Signale und möglicherweise auch andere, noch nicht verstandenen Wege.

Metamodell für Tiersprachen

Deshalb sollen zunächst alle als Tierkommunikation zu verstehenden Signale aller denkbaren Signalisierungsmethoden und Tierarten gesammelt, digitalisiert und in artspezifische, kleine Modelle eingebracht werden. Schließlich möchte man eine Metaebene über alle Tiersprachen-Modelle legen und feststellen, ob sich gemeinsame Grundstrukturen und -merkmale von Tiersprachen finden lassen. Sie könnten dann wiederum helfen, die kommunikativen Signale einzelner Tierarten besser zu verstehen.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Vorläufig arbeitet das Projekt und damit auch Dell mit der NGO „Citizens of the Great Barrier Reef“ zusammen. Es sammelt mit Hilfe von Edge-Techniken des Herstellers Bilder und Videos, die Wissenschaftler, aber auch Unterwasser-Touristen von den Bewohnern des Riffs schießen, als ersten Datenfundus. Wann Ergebnisse zu erwarten sind, ist noch unklar.

AI-Einsatz bei Continental

Ein industrielles Beispiel für die Nutzung modernster KI-Technologien ist der Dell-Kunde Continental. Peter Ridzi, Head of Engineering Platform and Ecosystem, vom Continental AI Development Center beschäftigt sich dort im Rahmen des Projekts Sense mit der Entwicklung von neuartigen Fahrerassistenzsystemen. Sie sollen die unterschiedlichsten Signaltechnologien von der Kamera bis zum Lidar in ein einziges Modell integrieren.

Mit dem Konzept der „Dell AI Factory“ macht Dell zusammen mit Partnern den Kunden ein Rundum-Angebot in Sachen KI.(Bild:  Dell/Rüdiger)
Mit dem Konzept der „Dell AI Factory“ macht Dell zusammen mit Partnern den Kunden ein Rundum-Angebot in Sachen KI.
(Bild: Dell/Rüdiger)

So entsteht am Ende ein dreidimensionales Modell der Fahrzeugumgebung, das weitaus besser an die Verkehrsrealität angepasste Reaktionen ermöglicht als bisherige Modelle. Die Hardware der aktuellen Umgebung wird nach ihrer Erneuerung von Dell stammen.

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Umsatzstarker KI-Bolide

Einen Überblick über das AI-Serverportfolio von Dell gab Peter Dümig, Senior Server Product Manager bei Dell Technologies Deutschland. Dell setzt dabei vor allem auf Intel, AMD und Nvidia. Für Einsteiger böten sich laut Dümig aber statt echter KI-Systeme auch die KI-optimierten preisgüpnstigeren und stromsparenden Server „XE 7745“ und “XE7740“ an (XE steht für Accelerated Compute.). Dümig: „Die verbrauchen maximal nur 9 Kilowatt.“

Derzeit am schnellsten wächst angeblich der Umsatz mit dem KI-Server „Poweredge XE 9680“. Das Gerät verbraucht sechs Höheneinheiten und wird derzeit nach wie vor mit Luft gekühlt. Damit könnte man allerdings an Grenzen stoßen.

OCP-Rack mit integrierter Wasserkühlung

Weil die Leistung und damit die Abwärme der Server immer mehr zunimmt, hat Dell inzwischen das „Dell Integrated Rack 7000“ in einer OCP-3-konformen 21-Zoll-Version mit eingebauter Wasserkühlung entwickelt. Das Rack bietet eine Busbar, ein redundantes Powershelf und ein bereits integriertes System für Flüssigkühlung. Als weitere Variante gibt es das „IR 5000" in 19“ Bauweise.

Das Spitzenmodell der dazu passenden KI-Server, „XE 9680L“ (das L steht für Liquid Cooling) mit vier Höheneinheiten. Hinein passen acht „H200“- oder „B200-Tensor-Core“-GPUs von Nvidia mit doppelter oder 16 mit einfacher Breite. Für genügend Durchsatz sorgen 12 PCIe Gen5-Slots voller Höhe. Damit lassen sich 72 Knoten (64 Tensor Core, acht Matrix-Mathematik-Engines) oder 27.000 Cores in einem Rack realisieren.

Schnelle Anbindung

Besonders schnell ist auch die Ethernet-Anbindung mit 24 Ports zu je 200 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s). Dell gehört zum Ultra-Ethernet-Konsortium, das an ultraschnellen, verlustfreien Ethernet-Varianten fürs KI-Zeitalter arbeitet.

Dümig betont, es seien auch Varianten mit anderen Akzeleratoren als denen vom Marktführer möglich. Doch: „90 Prozent nehmen Nvidia.“

Dells Spitzensystem „Dell Poweredge XE 9680“ ist derzeit der Verkaufsschlager.(Bild:  Rüdiger)
Dells Spitzensystem „Dell Poweredge XE 9680“ ist derzeit der Verkaufsschlager.
(Bild: Rüdiger)

Tatsächlich sinkt die Notwendigkeit, bei Nvidia zu bleiben, mit der Verfügbarkeit geeigneter Tools zur Anpassung des CUDA-Codes an eine andere Hardware-Umgebung. Das steigende Angebot und die wachsende Leistung solcher Werkzeuge bleiben allerdings derzeit noch weitgehend wirkungslos.

Aktualisierter Poweredge XE9712

Ein weiterer KI-Server, den es fürs 21-Zoll-Chassis gibt, wird derzeit aktualisiert: „Poweredge XE9712“ mit dem „G200“-Chip von Nvidia und bis zu 140 kW Strombedarf. Das Gerät soll die 25fache Leistung gegenüber der H100 bringen und die 30fache Echtzeitleistung aufweisen.

Dümig: „Wegen des hohen Stromverbrauchs wird es dafür in Deutschland nur eine begrenzte Zahl an Kunden geben.“ Auch der „M7725" für 72 Knoten pro Rack im 21-Zoll-Rack kommt jetzt mit AMD Turin Prozessoren.

Fazit der Autorin: Mag Software die Diskussionen dominieren, irgendwo muss sie laufen. Im Zweifel aus Dell-Perspektive natürlich auf den eigenen Systemen.

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