50 Jahre Mainframe – und noch immer wird optimiert

Kaum zu glauben: Großrechner taugt sogar als Prestigeobjekt

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Mainframe wird agil: Entwicklungszyklen und Schatten-IT

Ein weiterer Grund, wieso ISVs immer noch ziemlich gute Geschäfte mit Mainframe-Programmen machen, liegt in der Weiterentwicklung der Plattform. Und da hat sich in letzter Zeit einiges verändert. So sind die Entwicklungszyklen kürzer geworden: Statt alle zwei Jahre ein großes neues Release auf den Markt zu bringen, werden heute auch kleine Anpassungen sofort angeboten.

Die Mainframe-Disziplinen für CA-Tools, von denen der Hersteller mehr als 1.000 bereitstellt.
Die Mainframe-Disziplinen für CA-Tools, von denen der Hersteller mehr als 1.000 bereitstellt.
(Bild: Ca Technologies)

Auch die Mainframe-Welt dreht sich schneller: „heute ändert sich permanent alles“, fasst Balzer die Entwicklung zusammen. Dazu will man den Anwendern jeweils nicht zu große Änderungen auf einmal anbieten, sondern kleine Portionen, die weniger Anpassungsaufwand erfordern.

Der Bedarf nach Anpassung kommt heute immer mehr von außen als von der technischen Weiterentwicklungen der Plattform. Mobile Computing und Globalisierung machen auch vor dem Mainframe nicht halt. Die Schatten-IT kommt dann oft als Schatten-Software daher, „wo Apps auf dem Smartphone plötzlich auf heilige Datenbestände der DB2-Datenbank zugreifen“, berichtet Balzer.

Aber die neuen Technologien beeinflussen auch die Großrechnerentwicklung selbst, zumindest die neue Generation von Programmierern, die es gewohnt ist mit Fingerwisch statt öder Maske auf dem Bildschirm zu hantieren. CA Technologies hat ihr Mainframe Center für Zentral- und Osteuropa in Prag angesiedelt – auch, weil die dortigen Universitäten entsprechend ausbilden, also auch Cobol und Assembler lehren.

Rechenbolide wird zum Prestigeobjekt

Während in der westlichen Welt die Anzahl der Großrechnerkunden stagniert oder sogar abnimmt bei gleichzeitig steigenden Kapazitäten , sieht der CA-Manager große Wachstumschancen insbesondere im asiatischen Raum und da vor allem in Tigerstaaten wie Malaysia und Singapur. Denn dort gelte der Mainframe ähnlich wie der deutsche SUV als Prestigeobjekt, nach dem Motto: wir sind groß, wir sind toll, wir sind Mainframe-Anwender.

Die dortigen Nutzer berufen sich auch auf Kostenvorteile der Großrechner gegenüber verteilten Systemen. Es gibt laut Balzer Einzelberechnungen, wonach der Mainframe bis zu 30 Prozent der Kosten verursacht, aber 70 Prozent der Arbeit erledigt. Nachzuprüfen sei das nur in Einzelfällen – und dann auch nur inoffiziell - , insbesondere deshalb, weil es kaum Angaben über Aufwand und Ertrag der verteilten Systeme gibt.

Zudem tragen in vielen Unternehmen die Mainframes noch immer alle Infrastrukturkosten alleine: alle Ausgaben für RZ-Miete, Strom, Kühlung oder Wasser werden auf die Großrechnerbetriebskosten aufgeschlagen. „Dabei arbeitet ein Mainframe sicher grüner als eine Server-Farm“, glaubt der Manager.

Die Autorin:

Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Coach in München.

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