Mit dem „Mucon-X“ erweitert EMC - Home of Data seinen Münchener Co-Location-Campus um einen Connectivity-Hub mit Betonung von Anbietervielfalt und digitaler Souveränität. Die digitale Gegenwart und Zukunft in Deutschland haben am vergangenen Donnerstagsabend die Diskussionen auf der Eröffnungsveranstaltung bestimmt.
(v.l.) Fabian Mehring, Bayerns Staatsminister für Digitales, EMC-Gründer Bernhard Huter, Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst und Andreas Sturm, Chief Business Development Officer beim DE-CIX während der Panel-Diskussion bei der Eröffnung von „Mucon-X“.
(Bild: Daniel Schrader)
Am 26. Februar 2025 hat EMC - Home of Data auf seinem Campus in München den „Connectivity- und Cloud-Hub“ Mucon-X offiziell eröffnet. Der Münchener Datacenter-Betreiber ergänzt damit seine Co-Location-Kapazitäten mit Konnektivitäts-, Cloud- und Carrier-Services.
Partner ist der DE-CIX, der in und rund um München noch weitere Standorte unterhält. Der Co-Location-Anbieter hat unter anderem für das neue Angebot den Hauptstandort in München um einen neuen Bauabschnitt („MUC II“) mit einer Fläche von 2.500 Quadratmetern erweitert.
Was ist Mucon-X
Das Logo des Connectivity-Hub in München „Mucon-X“
(Bild: EMC Home of Data)
Hinter der Bezeichnung „Mucon-X“ steckt ein neuer Hub für Konnektivität- und Cloud-Services.Er steht unter deutscher Jurisdiktion und ist im Besitz vom Münchner Co-Location-Anbieter EMC Home of Data GmbH. Es besteht eine Partnerschaft mit dem DE-CIX und ist somit eine so genannte 'Premium Enabled Site' vom DE-CIX München,
Unternehmen aus den DACH-Regionen (Deutschland, Österreich und der Schweiz) bekommen so direkten Zugang zur DE-CIX Plattform mit hoher Netzwerkleistung und Konnektivität. Kunden von MuCon-X sollen so von der hohen Skalierbarkeit und den niedrigen Latenzzeiten profitieren, die DE-CIX bietet.
Mucon-X bietet eine breite Palette an Services: Von Cloud- bis hin zu Carrier Services stellt Mucon-X zahlreiche Angebote gemäß dem Motto: „connected to you“ bereit.
Ein Netzhub als offenes Ökosystem
EMC positioniert Mucon-X als offene Plattform und als Ökosystem, so dass nationale und internationale Anbieter von Netzinfrastruktur und Cloud-Dienstleister gleichberechtigt vertreten sein sollen. Rund 1.000 Netze und Provider sollen am neuen Knotenpunkt verfügbar sein.
IP-Uplinks zum globalen Netz und Express-Anbindungen an Cloud-Dienste, aber auch Verbindungen zwischen Unternehmensstandorten und zu anderen lokalen Datenknoten („Metroring“) sollen zum Angebot gehören. Auch der Internet-Knotenbetreiber DE-CIX ist mit seinen Peering-, Interconnection- und Cloud-Exchange-Diensten im neuen Hub vertreten.
„Mucon-X“ als Netzwerk und Ökosystem: eine interaktive Lichter-Performance auf der Eröffnungsfeier in der späteren Serverhalle. Die Gastrednerin Nicola Winter, die sich als Astronautin ins All wünscht, hat sich an einen Sternenhimmel erinnert gefühlt.
(Bild: Daniel Schrader)
EMC verspricht über den Mucon-X einen „Zugang zu globalen Märkten“ mit kurzen Latenzzeiten, betont darüber hinaus aber insbesondere „Rechtssicherheit“ und eine „Basis für digitale Souveränität“ durch die deutsche Jurisdiktion und die Inhaberschaft durch ein mittelständisches deutsches Unternehmen.
Reaktion auf drohenden Kapazitätenverlust
Für EMC - Home of Data ist der Internet-Knoten zugleich Chance und Risiko. Letzteres vor allem durch die notwendigen Investitionen in die Leitungsinfrastruktur, die das Unternehmen aufbauen muss, und durch die weltweite Konkurrenz am Standort München. Auf der Eröffnungsveranstaltung im erweiterten Münchener Datacenter-Campus hat EMC-Gründer und Inhaber Bernhard Huter vor einem Publikum aus Branchenvertretern betont, einen Netzknotenpunkt nicht „von oben herab“ aufgebaut zu haben. Stattdessen gehe es um eine Plattform für eine Vielzahl gleichberechtigter Netzwerk- und Cloud-Anbieter.
Bernhard Huter präsentiert „Mucon-X“ als offenes Ökosystem.
(Bild: Daniel Schrader)
Dafür habe sich EMC in kurzer Zeit zuvor fehlende Kompetenzen im Netzknotenbetrieb aneignen müssen. Denn den Anstoß zur Entwicklung von Mucon-X gaben laut Huter Befürchtungen, dass in München Netzknotenkapazitäten zurückgehen könnten. Huter wurde dabei nicht konkreter.
Mehreren Branchen-Insidern zufolge soll es sich aber um den drohenden Auszug des Co-Location-Anbieters Equinix aus dem Gebäudekomplex in der Münchener Seidlstraße gehen, wo bislang wichtige Netzverbindungen zusammenlaufen und ein DE-CIX-Knoten eingerichtet ist. Equinix hat sich bislang noch nicht zu einer Anfrage nach Klärung geäußert.
Geteilte Diagnosen, diverse Lösungen in der Diskussion
In anschließenden Vorträgen und in einem Expertenpanel haben die Branchen- und Politikvertreter den Start von Mucon-X im Kontext wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen und Zukunftsaussichten diskutiert. Allseitig und fast Unisono gelobt haben die Diskussionsteilnehmen den Unternehmergeist des EMC-Gründers Huter. Auch Diagnosen aktueller Herausforderungen sind öfter übereinstimmend ausgefallen, die Sprecher setzten aber bei möglichen Lösungsansätzen deutlich unterschiedliche Schwerpunkte.
Fabian Mehring, Bayerns Staatsminister für Digitales, diagnostizierte mangelnde öffentliche und private Investitionen, aber auch „Überregulierung“ in Europa angesichts eines massiven Vorsprungs der USA und Chinas. Es brauche auch einen grundlegenderen „Mentalitätswechsel“ in Deutschland hin zu mehr „Zukunftsoptimismus“ und Aufgeschlossenheit für risikobehaftete „trial and error“-Ansätze.
Fabian Mehring, Bayerns Staatsminister für Digitales, plädiert für mehr Zukunftsoptimismus und Risikobereitschaft.
(Bild: Daniel Schrader)
Statt in einem Aufholrennen mit „Large Language Models“ bestünden Deutschlands Chancen laut Mehring eher in der Entwicklung spezialisierter Technologien, etwa an der Schnittstelle von KI und Robotik, auch um Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu bewältigen.
Stand: 08.12.2025
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Auch Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom und CEO von „Giesecke+Devrient“, hat die Notwendigkeit betont, eine verbreitete gesellschaftliche „Technologieskepsis“ zu überwinden, sich aber überwiegend auf das Thema Investitionen fokussiert. Deutschland könne dabei zwar nicht die USA und China, doch aber Japan überholen, wozu jedoch staatliche wie unternehmerische Investitionen um ein Viertel steigen müssten.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst: Deutschland kann Japan in der Digitalwirtschaft überholen.
(Bild: Daniel Schrader)
Im Vergleich mit anderen Branchen stehe Deutschlands Digitalwirtschaft mit einem Wachstum von 4,5 Prozent dabei noch gut da. Doch das sei zu wenig. Ein Vergleich mit Großbritannien, wo digitale Unternehmen um sechs Prozent zugelegt hätten, würde naheliegende Potentiale aufzeigen. Um diese auszuschöpfen, würde sich Bitkom gegenüber der zukünftigen Regierung für die rasche Festlegung klarer „Stellhebel“ einsetzen, so Wintergerst.
„Digitale Kolonie“ oder „Demokratisierung“ durch „Regionalisierung“?
In der Panel-Diskussion ist Wintergerst noch deutlicher geworden. Angesichts einer anhaltenden Rechtsunsicherheit und mangelnder Handlungsbereitschaft der „Brüsseler“ und „Berliner Bürokratie“ bei dringenden Themen wie dem Netzausbau, drohe Deutschland die Gefahr, zu einer „digitalen Kolonie“ zu verkommen.
Andreas Sturm, Chief Business Development Officer beim DE-CIX, hat hingegen unterstrichen, wohl auch mit Blick auf den DE-CIX-Erfolg in Frankfurt, Erfolge beim wettbewerbs- und weltoffenen Ausbau einzelner Lokalitäten mit zusätzlichen Potentialen bei „Regionalisierung“ und „Demokratisierung“ nicht zu verkennen. Diese würden nicht ins Bild einer digitalen Kolonie passen.
Die Expertenrunde bei der Mucon-X-Eröffnung in München, moderiert von Werner Theiner, vom German Mittelstande.V. - im Bild rechts.
(Bild: Daniel Schrader)
Wenn umsatzstarke Unternehmen bereit seien, „in Vorleistung“ zu gehen, könnten sie starke lokale Nachzugseffekte auch an zuvor weniger digital durchdrungenen Orten erzeugen, wie der Netzknotenausbau des DE-CIX in Leipzig gezeigt habe.
Selbstbewusstsein für einen Markt von 450 Millionen Menschen
Auch Huter hat dahingehend ebenfalls auf erfolgreiche privat-öffentliche Kooperationen bei der Digitalisierung, insbesondere im Bildungsbereich verwiesen. Dabei hat Huter zwar Wintergerst Recht gegeben, Europa sei von „vielen Vorschriften, viel Bürokratie bestimmt“, aber zugleich, einen gemeinsamen „europäischen Plan“ und „einen Markt für 450 Millionen Menschen“ in den Vordergrund gerückt.
Eine wichtige Chance für Europa in den nächsten fünf Jahren bestünde darin, sich nicht „so kleinteilig selbst [zu] zergliedern gegenüber den zwei großen Blöcken“, sondern in einem Wandel hin zu einem „Europa, das sich seines Werts mit 450 Millionen Menschen selbst bewusst ist“. Huter erntete mit der Aussage lauten Applaus.
Pilotin Nicola Winter: Ein Rechenzentrum ähnelt einem Eurofighter mit 70.000 PS – auf jedem Triebwerk.
(Bild: Daniel Schrader)
Eine optimistische Note hat auch die Keynote-Sprecherin des Abends, Nicola Winter, angeschlagen. Mitreißend ist es ihr gelungen, ihre eigene Biographie – als Kampfpilotin, als Astronautin der ESA in Reserve und als Verantwortliche in einem Krisen-Management-Team – als Plädoyer darzustellen, Chancen gerade in unsicheren Zeiten und trotz unvermeidlicher Rückschläge zu ergreifen.