Seit Jahren läuft das Projekt „PeerDC“, dessen Ziel unter anderem ein deutsches Rechenzentrums-Effizienzlabel ist. Nun liegt ein erster Entwurf des Kennzeichens vor. Die Reaktionen von Fachleuten und Verbänden sind durchwachsen.
Das geplante Effizienzlabel des Projekts „PeerDC“ geht an den Start. Was meint die Branche?
Das Projekt PeerDC arbeitet seit mehreren Jahren an einer Effizienzkennzeichnung für Rechenzentren. Es soll Anwendern auf einen Blick erlauben, die Energie-Effizienz von Datacenter-Gebäuden und -IT einzuschätzen.
Parallel dazu wird allerdings das gemäß dem Energie-Effizienzgesetz (EnEfG) geplante deutsche Rechenzentrumsregister umgesetzt. Es ist seit dem 1. April live geschaltet. Rechenzentren ab 500 Kilowatt (kW) nicht redundanter Anschlussleistung müssen sich bis 15. August 2024 dort eintragen – allerdings bislang noch ohne Daten. Die sollen 2025 folgen, noch später ihre Auswertung.
Rechenzentren mit 300 bis 500 kW nicht redundanter Nennanschlussleistung sollen sich erst bis zum 1.7.2025 dort verewigen. In den Folgejahren liegt die Eintragungsfrist für neue Datacenter jeweils am 31.3.
Doppelte Buchführung?
Das Register erfüllt mit der Vorgabe für Rechenzentren über 500 kW die Anweisungen der Energy Efficiency Directive der EU. Sie erlaubt die Erfassung der Daten auf der staatlichen Ebene. In Deutschland wird das durch die Datacenter-bezüglichen Vorschriften des EnEfG umgesetzt. Gespeichert werden aggregierte Daten.
Fraglich also, ob ein zusätzliches Label überhaupt sinnvoll und notwendig ist. In einer Zoom-Konferenz Mitte März wurden die bisherigen diesbezüglichen Arbeitsergebnisse von PeerDC in Gestalt eines Kennzeichenentwurfs vorgestellt und zur öffentlichen Kommentierung aufgefordert.
Aufbau analog Glühbirnenkennzeichnung
Die geplante Kennzeichnung hat zwei voneinander unabhängige Teile. Der eine Teil bezieht sich auf die verbaute IT, der andere auf die Rechenzentrumsumgebung, in der sich die IT befindet. Beide Teile sind analog der Effizienzkennzeichnung beispielsweise für Glühbirnen gestaltet.
Ganz oben stehen der Name des Rechenzentrums, der Betreiber und der Standort. Für die beiden Bereiche gibt es jeweils sieben Effizienzklassen (von A, beste Bewertung, bis G, schlechteste Bewertung).
Getrennte Bewertung für Gebäude und IT
Zudem gibt das Label für jede der beiden Bewertungen je drei Parameter und ihre Werte an. Die Werte für die einzelnen Parameter werden nach einer Formel in Indexpunkte umgerechnet. Die Summe der Punkte ergibt den Energy Efficiency Index (EEI) in Punkten und die Punktwerte sind einer der Effizienzklassen zugeordnet.
Das geplante Datacenter-Label des Projekts „PeerDC“ erinnert an die Energie-Effizienzkennzeichnung von Glühbirnen oder Kühlschränken.
Für die Gebäudetechnik sind das PUE (Power Usage Effectiveness) nach DIN EN 50600-4-2, CER (Cooling Efficiency Ratio) nach DIN EN 50600-4-6 und ERF (Energy Reuse Factor) nach DIN EN 50600-4-7. Die sich ergebenden EEI-Werte von PUE und CER fließen zu jeweils 40, der der ERF zu 20 Prozent in den Gesamt-EEI fürs Gebäude ein.
Komplexe Berechnung
Die Parameter für die IT beziehen sich auf die Load Correlation von Storage, Servern und Netzwerk. Sie beschreibt, wie die IT-Leistung mit der Energieverbrauchsleistung korrenspondiert (prozentuale Arbeit der IT-Komponente/Prozentualer Energieverbrauch der Komponente). Auch die sich hier ergebenden EEI-Werte werden nach einer Formel in den Gesamt-EEI der IT in Punkten umgerechnet, was dann wiederum zur Zuordnung zu einer der Effizienzklassen führt.
Freiwillige Angaben
Außerdem dürfen die Betreiber weitere Angaben machen, beispielsweise zum Wasserverbrauch (WUE, Water Usage Effectiveness), zum Anteil an Ökostrom etc. Diese Werte fließen aber nicht in die Effizienzbewertung ein. Anwender können die sich ergebenden Werte direkt online über ein Tool eingeben und dann ein Label ausdrucken (siehe: Abbildung).
So weit, so gut. Doch was sagen Verbände und Fachleute zu alledem? Die Kommentierungsfrist läuft. Allerdings hat Datacenter Insider selbst einige Stimmen aus dem Markt eingeholt, die wir auszugsweise wiedergeben.
Bitkom: Zu wenig Zusammenarbeit mit der Branche
Die meisten Befragten begrüßen das Vorhaben zumindest im Grundsatz. Dann folgt in der Regel das große Aber. So schreibt beispielsweise Kilian Wagner, Referent für nachhaltige digitale Infrastrukturen beim Bitkom, auf eine Anfrage seitens DataCenter-Insider: „Ein solches Label muss allerdings in Zusammenarbeit mit der Branche entwickelt werden und die vielen Faktoren, die einen Einfluss auf die einfachen Energie-Effizienzparameter haben, zum Beispiel: Verfügbarkeit, Standort..., berücksichtigen.
Stand: 08.12.2025
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Das PUE scheint nicht mehr viel weiter zu sinken, also müssen jetzt andere Effizienzressourcen gehoben werden.
In diesem Fall gab es leider keine ausreichende Beteiligung, um die Schwachstellen des Entwurfs zu diskutieren…“ Gerügt werden hier also einerseits mangelnde Einflussmöglichkeiten der Branche und andererseits unzureichende Möglichkeiten für das Kommentieren.
RZ-Beratung DC-CE: Mehr Verwirrung
Auch Ulrich Terrahe, Geschäftsführer der RZ-Beratung DC-CE, moniert den nationalen Alleingang und meint, am Ende werde das Label mehr Verwirrung als Klarheit schaffen. So sei der PUE ein sich konstant ändernder Wert. Unterjährige, kurzfristige Schwankungen des PUE könnten wegen der strengen Regeln zur Abstufung führen. Auch Verfügbarkeits- und Sicherheitskriterien würden nicht berücksichtigt.
Die Berechnungsmethoden für den Server-EEI spiegelten nicht wieder, dass CPUs heute viele Kerne haben, die man zu- oder abschalten kann. Man könne Rechenzentren im Übrigen nicht bewerten wie Glühlampen oder Kühlschränke, die auf einem Prüfstand laufen.
Terrahe: „Bei dem Datacenter-Label werden aber Betrieb und Technik miteinander vermischt.“ Zudem sei der Prozess der Kennzahlermittlung sehr arbeitsintensiv.
Eco: Voreilig und zu simplifiziert
Bela Waldhauser, Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen im Eco - Verband der Internetwirtschaft – spricht von einem „voreiligen und zu simplifizierten Lösungsansatz“. Noch seien schließlich die Regeln des EnEfG nicht umgesetzt.
Er sagt: „Die Datacenter-Branche wird durch nationale Alleingänge und teils divergierende Dokumentationspflichten in ihrem eigentlichen Digitalisierungsbestreben ausgebremst.“ Die Differenzierung zwischen Gebäude und IT sei für eine Effizienzbewertung des gesamten Rechenzentrums nicht ausreichend.
Die Grafik zeigt wie ein Prozentsatz an erneuerbarer Energie (EER) sich in EER-Indexpunkte umrechnet.
Zumal gebe es mit dem oben erwähnten Register, das das EnEfG vorschreibt, bereits ein verpflichtendes Projekt, so dass es wahrscheinlich sei, dass sich nur wenige Anwender an einem weiteren, freiwilligen Register beteiligen würden. Das sei höchstens dann der Fall, wenn PeerDC in die gesetzlich induzierten Bestrebungen einflösse. Waldhauser: „Eine solche zusätzliche Veröffentlichungspflicht sensibler Betriebsinformationen lehne ich ab, zumal das PeerDC-Modell kritische Lücken aufweist.“
Equinix: Nationale Label wenig zielführend
Und schließlich noch eine weitere Stimme aus dem Bereich der Co-Location-Anbieter. Jens-Peter Feidner, Managing Director bei Equinix in Deutschland hält individuelle Label einzelner Mitgliedsstaaten, besonders ohne vorliegende Basisdaten, für wenig zielführend: „Es stellt sich die Frage, ob die Arbeit an einem Label ohne vorherige Datensammlung über mindestens zwei oder mehr Berichtsperioden sinnvoll ist. In jedem Fall halten wir die Entwicklung eines solchen Labels ohne zugrundeliegende Daten für nicht fair.“
Verschiedene „Länder-Labels“ bedeuteten zudem einen signifikanten Mehraufwand für Unternehmen, sorgen bei Kunden gegebenenfalls für Verwirrung und seien für europaweit weitestgehend einheitliche Kriterien nicht förderlich. „Dabei ist genau das eine grundlegende Idee des europäischen Binnenmarktes“, so Feidner.
Fazit
So gut gemeint das Vorhaben ist, bei der Branche stößt es nicht auf Gegenliebe. Man mag einwenden, dass dies bei nichts der Fall ist, was mehr Arbeit oder Einschränkungen bedeutet. Allerdings gibt es auf deutscher und europäischer Ebene bereits gesetzlich kodifizierte Berichtspflichten für Datacenter-Betreiber, so dass hier aufwändige Doppelstrukturen entstehen.
Natürlich ist eine zügige Dekarbonisierung der IT nötig. Ob aber Dopplungen wie die mit dem EnEfG-Rechenzentrumsregister sinnvoll sind und dazu führen, dass viele das Label nutzen, muss bezweifelt werden. Das meinen jedenfalls gewichtige Branchenstimmen.
Die „Blauen Engel für Rechenzentren“ und Software sind bei aller Vorbildfunktion hier ein warnendes Beispiel. Auch bei ihnen hält sich Zahl der Teilnehmenden in sehr überschaubaren Grenzen.