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Geschichte des Microsoft-Betriebssystems

Die Windows-Historie, Teil 1 – vom Add-On zum Betriebssystem

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Windows 3: Multimedia und Netzwerke

Für die Entwicklung der dritten Generation seiner grafischen Arbeitsumgebung nahm sich Microsoft nochmals zweieinhalb Jahre Zeit. Zum Launch der Software bereitete das Unternehmen erstmals ein großes Event vor: Windows 3 wurde am 22. Mai 1990 vor einem Publikum von 6.000 Leuten und mit einer weltweiten Live-Schaltung der Öffentlichkeit präsentiert. Eine große Werbekampagne wurde ausgerollt, etwa 250.000 Demoversionen der Software kostenlos verteilt.

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Alles in allem gab Microsoft geschätzte 10 Millionen Dollar für Windows-PR aus. Eine Investition, die sich lohnte: 1990 wurde Microsoft zum ersten Software-Unternehmen, das einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar erzielte.

Einen großen Anteil daran hatte Windows 3: Allein in den ersten Wochen setzte das Unternehmen 100.000 Exemplare ab, nach sechs Monaten waren es bereits zwei, je nach Quelle sogar drei Millionen – mehr, als die beiden Vorgängerversionen zusammen in vier Jahren verkauft hatten.

War Windows 2 noch in nach Prozessortypen aufgeteilten Editionen erhältlich gewesen, wurde die Systemunterstützung mit Windows 3 wieder vereint: Die Software lief auf allen PCs mit x86-Prozessoren.

Der Datei-Manager und Solitär

Dafür brachte die grafische Nutzeroberfläche einige wesentliche Neuerungen mit sich. Während bei Windows 2 die Programme über das Dateisystem gesucht werden mussten, wurde mit dem Programm-Manager ein neues zentrales Element eingeführt, der die Systemverwaltung ungemein vereinfachte.

Auch der Datei-Manager, in späteren Versionen Windows Explorer genannt, erhielt erstmals in Version 3.0 Einzug. Neben zahlreichen Performance-Verbesserungen führt die dritte Generation der Software aber auch einen der größten Produktivitätskiller der 90-er Jahre ein: Das Kartenspiel „Solitär“.

Auch das Windows-Zubehör bekam nennenswerte Upgrades verpasst: In Paint (hier: Paintbrush) konnte erstmals in Farbe gemalt werden, und der integrierte Taschenrecher bekam einen wissenschaftlichen Modus spendiert.

Der Programm-Manager war eine der wesentlichen Neuerungen in Windows 3. In weiteren Updates kamen wesentliche Neuerungen wie Media Player, Netzwerkunterstützung oder Drag&Drop-Funktionalität hinzu.
Der Programm-Manager war eine der wesentlichen Neuerungen in Windows 3. In weiteren Updates kamen wesentliche Neuerungen wie Media Player, Netzwerkunterstützung oder Drag&Drop-Funktionalität hinzu.
(Bild: Screenshot/Microsoft)
Windows 3 machte sich zudem zahlreiche Neuerungen in der PC-Landschaft ausgiebig zu Nutze. So gab es erstmals eine umfassende Sound-Kartenunterstützung, was sich auch darin äußert, dass die Software nun auch einen Audio-Rekorder spendiert bekam.

Das erste größere Update, Windows 3.00a, führte 1991 mit einer Erweiterung namens Multimedia Extension (stellenweise auch als Windows 3.0 ME bekannt) erstmals auch den Media Player ein. Darüber hinaus war Windows 3 erstmals in der Lage, mehr als 640 KByte an Arbeitsspeicher anzusprechen – tatsächlich war für die volle Nutzung aller Funktionen mindestens ein 386-PC mit 1024 KByte RAM notwendig.

In Windows for Workgroups 3.11 ließ sich erstmals regulär das TCP/IP-Protokoll nachrüsten. Windows wurde damit Internet-fähig.
In Windows for Workgroups 3.11 ließ sich erstmals regulär das TCP/IP-Protokoll nachrüsten. Windows wurde damit Internet-fähig.
(Bild: Screenshot/Microsoft)
Windows 3.1 baute den Multimedia-Aspekt des Systems noch einmal deutlich aus. Ein weiteres wesentliches Feature, das einfache Verschieben von Dateien zwischen geöffneten Fenstern via „Drag & Drop“, wurde mit diesem Update eingeführt.

Windows NT

Während sich die Standardversion der Software eher an Einzelplatzrechner richtete, waren die Varianten „Windows for Workgroups 3.1“ für kleinere und „Windows NT 3.1“ für große Firmennetzwerke optimiert. Während Windows for Workgroups mit dem "herkömmlichen" Windows 3.1 noch weitgehend identisch war, wurde die Architektur des 32-Bit-Systems Windows NT 3.1 von Grund auf neu konzipiert. Auch wenn die Namensgebung der Versionsnummer noch eine Nähe zu der restlichen Windowsfamilie nahelegen sollte, war es im Grunde genommen das erste eigenständige Windows-Betriebssystem.

Das im November 1993 erschienene Windows for Workgroups 3.11 war auch die erste Windows-Version, bei der die Installation des TCP/IP-Protokolls vorgesehen war: Windows wurde somit erstmals richtig Internet-fähig.

Ansonsten beachtete Microsoft die Entwicklung des World Wide Webs noch relativ wenig, schätzte die Bedeutung nicht allzu hoch ein. Auf dem Browsermarkt konnten sich daher zunächst andere Firmen wie Netscape etablieren. Dies sollte später noch Konsequenzen nach sich ziehen.

Windows für PEN Computer

Der Compaq Concerto von 1993, eine frühe Art von Tablet-PC, nutzte eine Variante von Windows 3.1 als GUI.
Der Compaq Concerto von 1993, eine frühe Art von Tablet-PC, nutzte eine Variante von Windows 3.1 als GUI.
(Bild: VBM-Archiv)
Eine modifizierte Variante von Windows 3.1 war übrigens auch das erste Windows für Tablet-ähnliche Computer: 1993 veröffentliche Compaq mit dem „Compaq Concerto“ einen PEN-Computer, ein Laptop mit Touch-Oberfläche, für deren Bedienung ein spezieller Stift mit integrierter Elektronik vorgesehen war. Neben einem von Compaq modifizierten MS DOS 6.22 als Betriebssystem verwendete der Rechner standardmäßig auch „Windows for PEN Computing“. Essentiell war dies eine Variante von Windows 3.1, die zusätzliche Treiber und Unterstützung für die Stiftbedienung enthielt.

Mit Ausnahme der NT-Familie, die zwischenzeitlich zu einer eigenen OS-Familie heranwuchs, waren alle Varianten von Windows 3 „nur“ grafischen Nutzeroberflächen und damit ein Add-On, für dessen Start ein separat installiertes MS-DOS (mindestens Version 3.1 oder höher) notwendig war.

Da aber viele Firmen- und Schulnetzwerke automatisch nach dem Booten von DOS direkt in Windows starteten, entstand in vielen unerfahrenen Nutzern der Eindruck, dass es sich auch bei Windows 3.11 für Workgroups bereits um ein komplettes Betriebssystem handelte. Das war zwar nicht der Fall, die jeweiligen Nachfolger sollten diesen Aspekt allerdings noch stärker ausbauen.

Dieser Beitrag stammt von unserer Schwesterpublikation ELEKTRONIKPRAXIS.

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