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Geschichte des Microsoft-Betriebssystems

Die Windows-Historie, Teil 1 – vom Add-On zum Betriebssystem

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Windows 2: Versions-Hickhack und Apple-Streit

Dass Microsoft gerne mit der Nummerierung seiner Windows-Versionen spielt und dabei auch augenscheinlich ein paar Nummern überspringt, ist nicht erst seit Windows 7 oder Windows 10 neu. Die erste auf dem Markt erhältliche Fassung von Windows 2 trug bereits die Versionsnummer 2.03. Auch in der Folgezeit sollte diese Windows-Version noch einige Namensänderungen durchmachen.

Startbildschirm von Windows 2.03, die erste kommerziell erhältliche Fassung von Windows 2.
Startbildschirm von Windows 2.03, die erste kommerziell erhältliche Fassung von Windows 2.
(Bild: Screenshot/Microsoft)

Microsoft schien zunächst nicht ernsthaft an der Weiterentwicklung von Windows interessiert. Angeblich arbeiteten nur wenige Entwickler an der zweiten Fassung des Garphical User Interface (GUI).

Das Hauptaugenmerk lag bei Microsoft bei einem neuen Betriebssystem: Gemeinsam mit IBM erarbeitete man OS/2 (anfänglich auch MS-OS/2 genannt), das – anders als die frühen Windows-Versionen – tatsächlich ein eigenständiges Betriebssystem sein sollte, das auch ohne DOS lauffähig war. Demgemäß erfolgte die Markteinführung von Windows 2.03 noch relativ unscheinbar – bis Apple Microsoft verklagte.

Eine wesentliche Neuerung in Windows 2 war die Möglichkeit, Fenster übereinander darzustellen. Dies machte die Nutzung angenehmer - und löste eine Klage durch Apple aus.
Eine wesentliche Neuerung in Windows 2 war die Möglichkeit, Fenster übereinander darzustellen. Dies machte die Nutzung angenehmer - und löste eine Klage durch Apple aus.
(Bild: Screenshot/Microsoft)
Dem Erscheinen von Windows 1 waren zunächst längere Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen vorangegangen. Schließlich hatte man eine Einigung erzielt: Microsoft durfte bestimmte Teile der GUI von MacOS für seine grafische Arbeitsumgebung verwenden, dafür lieferte Microsoft Software für MacOS wie etwa da Tabellenkalkulationsprogramm Excel.

Prozesse bis in die 90er

Mit dem Erscheinen von Windows 2 sah Apple allerdings die Abmachung verletzt – zumal Microsoft in der neuen Fassung nun zusätzlich Elemente wie überlappende Fenster oder den Papierkorb verwendete, die zuvor bereits aus MacOS bekannt waren. Die Klage von Apple führte zu einem Prozessmarathon, der sich bis in die 1990er Jahre hinzog und letztlich mit einer Niederlage für Apple endete.

Die Klage wurde unter anderem auch deshalb abgewiesen, weil Apple sich für „sein“ MacOS bereits aus Elementen des Xerox-Betriebssystems bedient hatte. Einen Nebeneffekt hatte die Angelegenheit allerdings doch: OS/2, das ebenfalls eine grafische Oberfläche mit überlappenden Fenstern verwendete, geriet in große Startschwierigkeiten und konnte sich letztlich nie wirklich durchsetzen.

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Windows 2 konnte dagegen gut gedeihen – insbesondere deshalb, da zum Start der nun „Presentation Manager“ genannten Nutzeroberfläche bereits Killer-Applikationen wie Excel 2.0 oder Word für Windows 1.0 zur Verfügung standen, die die Anschaffung der GUI und einer Maus rechtfertigten. Auch die erstmals vorhandene Systemsteuerung half, die grafische Nutzerfläche nun effizienter nutzen zu können.

Der richtige Intel-Prozessor

Mitte 1988, mit Erscheinen von Revision 2.1, erfolgte dann die erste nennenswerte Umbenennung von Windows-Versionen. Grund war die Markteinführung eines neuen Intel-Prozessors: Der 80386 bot neue Möglichkeiten für Speicherverarbeitung und Multitasking-Anwendungen, die sich entsprechend auf die GUI auswirkten.

Fortan war Windows in zwei Versionen erhältlich: „Windows /286“ richtete sich an ältere Rechner und besaß überwiegend dieselben Features wie Windows 2.0. „Windows /386“ setzte einen „80386“-Prozessor voraus, führte aber mit „Himem.sys “einen neuen Speichermanager ein, der eine effizientere RAM-Nutzung in Aussicht stellte.

Im März 1989 erschien eine weitere Überarbeitung der zweiten Windows-Fassung. Revision 2.11 wurde ebenfalls separat als Windows /286 und Windows /386 vertrieben und bügelte einige Fehler des Systems aus. Zudem bot die Software nun bot eine höhere grafische Auflösung, Änderungen beim Speicherzugriff, schnellere Treiberverarbeitung und verbesserte Druckgeschwindigkeit.

All das, verbunden mit einem stetig wachsenden PC-Markt, förderte die Popularität und den Absatz von Windows deutlich: In den knapp anderthalb Jahren zwischen der Markteinführung von Windows 1.01 und Windows 2.03 hatte Microsoft etwa 250.000 Exemplare der Software abgesetzt. Zwei Jahre später hatte das Unternehmen zwei Millionen Exemplare der Arbeitsumgebung verkauft und konnte monatlich etwa 50.000 Exemplare absetzen. Den endgültigen Durchbruch für die grafische Oberfläche auf PCs brachte allerdings erst die nächste Version.

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