110 Kilovolt für FRA6 CyrusOne baut Netzanschlüsse nach dem Baukastenprinzip

Von Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Knappes Netz, lange Wartezeiten, steigender Leistungsbedarf: CyrusOne will die Strominfrastruktur für Rechenzentren standardisieren und setzt auf eine modulare Umspannanlage. FRA6 in Frankfurt dient als Blaupause für weitere Standorte.

Symbolbild: Der Netzanschluss bremst vielerorts den Ausbau von Rechenzentren. CyrusOne setzt auf standardisierte Umspannwerke. Was dahinter steckt.(Bild:  Substation /haru__q / CC BY-SA 2.0)
Symbolbild: Der Netzanschluss bremst vielerorts den Ausbau von Rechenzentren. CyrusOne setzt auf standardisierte Umspannwerke. Was dahinter steckt.
(Bild: Substation /haru__q / CC BY-SA 2.0)

Die Stromversorgung entwickelt sich zu einem entscheidenden Faktor beim Bau neuer Rechenzentren. CyrusOne setzt deshalb auf ein Konzept, das sich über mehrere Standorte übertragen lassen soll. Der Rechenzentrumsbetreiber bezeichnet „FRA6“ in Frankfurt-Sossenheim als Blaupause für eine skalierbare Strominfrastruktur.

Im Mittelpunkt steht eine 110-Kilovolt-Umspannanlage (kV). CyrusOne hat dafür auf dem Brownfield-Gelände eine eigene Fläche vorgesehen, die sich bei Bedarf erweitern lässt. „Wir sind jetzt bei einem Konzept angekommen, das wiederholbar ist und das einen Reifegrad demonstriert“, sagt Andreas Rathmann, Director, Power und Energy bei CyrusOne, im Gespräch mit DataCenter-Insider.

Eine modulare Umspannanlage als Blaupause

Bei FRA6 unterscheidet sich das Konzept laut Rathmann von früheren Projekten des Unternehmens. Bislang habe CyrusOne unter anderem Mittelspannungsanschlüsse im Bestand sowie kleinere, individuell geplante Hochspannungsanschlüsse genutzt. Bei FRA6 ist die Energieinfrastruktur dagegen auf einer eigenen, erweiterbaren Fläche untergebracht.

Die Umspannanlage verfügt über einen modularen Grundriss und wird mit Fertigbauteilen errichtet. „Es ist die modulare Bauweise mit Fertigbauteilen als in sich geschlossener Baukörper“, beschreibt Rathmann das Konzept. Auch die Erdarbeiten wurden frühzeitig mit den beteiligten Nachunternehmen abgestimmt.

Die konkrete Anlage in Sossenheim verfügt über eine Nennleistung von 150 Megavoltampere (MVA). Der Grundriss basiert laut CyrusOne auf 480-MVA-Modulen und soll sich auch auf Standorte mit höherem Leistungsbedarf übertragen und erweitern lassen. Damit will das Unternehmen nicht jedes Projekt bei der Energieinfrastruktur von Grund auf neu planen.

Auch beim Bau setzt CyrusOne auf parallele Abläufe. Der Abriss eines bestehenden Bürogebäudes auf dem Gelände begann im September 2025. Im März 2026 startete der Bau der Umspannanlage, während weitere Abrissarbeiten parallel liefen. Das Richtfest ist für September 2026 vorgesehen.

Netzanschlüsse nach dem Reifegradprinzip

Die technische Standardisierung steht für CyrusOne in engem Zusammenhang mit der zunehmenden Knappheit von Netzkapazitäten. Rathmann beobachtet in Europa einen Wandel vom sogenannten Windhundprinzip hin zu einem Reifegradprinzip. Entscheidend sei damit stärker, wie konkret ein Projekt bereits entwickelt ist.

„Der Reifegrad unterscheidet klar zwischen Projekten, die zu einem gewissen Teil Theorie sind und Projekten, die vollständig der Realität entsprechen“, sagt Rathmann. CyrusOne sieht sich hier mit seiner Strategie gut aufgestellt, weil das Unternehmen nach Schilderungen von Rathmann die Grundstücke entwickelt, die Energieinfrastruktur baut und die Anlagen anschließend betreibt.

Das FRA6-Konzept soll dabei nicht auf Deutschland beschränkt bleiben. CyrusOne prüft laut Rathmann ähnliche Anwendungen für Großbritannien. Die technische Ausgestaltung müsse dabei an die jeweiligen Spannungsebenen und Rahmenbedingungen angepasst werden.

Neue Anforderungen an die Energieinfrastruktur

Welche Rolle Batteriespeicher künftig spielen können, hängt auch von den sich verändernden Anschlussregeln ab. CyrusOne arbeitet nach eigenen Angaben in technischen Arbeitsgruppen mit Netzbetreibern an den künftigen Anforderungen. Dabei geht es unter anderem darum, welche zusätzlichen Betriebsmittel an einer Umspannanlage notwendig sein könnten.

Batteriespeicher könnten dabei beispielsweise für bestimmte Stabilitätsdienste eingesetzt werden. Rathmann betont zugleich, dass zwischen der Leistung des Netzes und der eigentlichen Stromlieferung unterschieden werden müsse.

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Damit deutet sich eine weitere Entwicklung an: Die Energieinfrastruktur eines Rechenzentrums könnte künftig mehr Aufgaben übernehmen als die reine Übergabe von Strom aus dem Netz. Für CyrusOne steht zunächst jedoch die Standardisierung des Netzanschlusses im Mittelpunkt. FRA6 soll dafür als Blaupause dienen.

Über den Gesprächspartner:
Als Director, Power & Energy bei CyrusOne entwickelt Andreas Rathmann strategische Stromversorgungslösungen, um neue Energiequellen für das europäische Rechenzentrumsportfolio zu erschließen.

Er arbeitet eng mit Energieversorgern und globalen Energieunternehmen zusammen, um Partnerschaften aufzubauen, die die Energiebranche für die digitale Infrastruktur neu gestalten.

Bildquelle: CyrusOne

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