Dass das Internet ohne politische, organisatorische und technische Vorkehrungen alles andere als vertrauenswürdig ist, betonte der Karlsruher Informatik-Professor Ali Sunyaev auf der diesjährigen Kundenveranstaltung des Rechenzentrums-Automatisierungsspezialisten Atix.
Die digitale Souveränität, das weltweite Internet und die Cloud-Provider waren das Keynote-Thema bei den Open Source Automation Days 2022 von ATIX
(Bild: Atix AG)
Die „Open Source Automation Days“ (OSAD), die Anfang Oktober zum ersten Mal nach zwei langen Jahren (auch) wieder als Präsenzveranstaltung stattfanden, waren eine gute Mischung aus strategisch ausgerichteten Open-Source-Überlegungen für intelligent aufgebaute - das heißt: weitgehend automatisierte - Rechenzentren und aus entsprechenden technischen Handreichungen im Detail.
Mark Hlawatschek, CEO der Veranstalterfirma Atix AG mit Zentrale in Garching bei München, freute sich in seiner Begrüßungsrede zwar über die Möglichkeit des Gedankenaustauschs in physischer Präsenz, fand aber auch die via „Slido“ partizipierenden Online-Teilnehmer „OSAD-gemäß“; denn eigentlich sei „das Open-Source-Entwicklungsmodell originär ein Remote-Entwicklungsmodell“. 51 Millionen Codezeilen schreibt die weltweite Open-Source-Gemeinde pro Woche neu und jede und jeder bekomme bei diesem Prozess letztlich mehr zurück als er oder sie selbst gebe, meinte Hlawatschek und spielte damit darauf an, dass auch bei Open-Source das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.
Ohne vertrauenswürdige Ökosysteme keine digitale Souveränität
Ebenfalls dem großen Ganzen, sprich: der digitalen Souveränität von uns allen in der Cloud, galt nach den Begrüßungsworten der Einleitungsvortrag von Ali Sunyaev, Informatik-Professor und Direktor am Institut für angewandte Informatik und Formale Beschreibungssprachen (AIFB) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Konkret ging es in Sunyaevs Vortrag um die so genannte „Auditor“-Zertifizierung für alle Cloud-Anbieter weltweit, von den bekannten Hyperscalern bis hin zu mittleren und kleinen nationalen oder lokalen Anbietern. Diese demnächst fertiggestellte EU-Zertifizierung ist „strafbewehrt“. Das heißt: Wer sich als Cloud-Anbieter nicht zertifizieren und akkreditieren lässt und dennoch seine Dienste anbietet, hat hohe Strafen zu erwarten.
Sunyaev ordnete das Ziel der digitalen Souveränität in die derzeitige geopolitische Lage ein, in der es zum einen um die Bewahrung beziehungsweise Wiedererlangung wirtschaftlicher Freiheitsgrade und andererseits um die Durchsetzung individueller und gesellschaftlicher Werte geht. Er skizzierte einen Pfad von der Rohstoffsicherung über Komponentenbeschaffung und IT-Plattformen bis hin zur Software-Technologie und den Werten und Maximen, auf deren Basis die europäische Datenschutz-Richtlinie DSGVO beruht. „Originalton Sunyaev: „Wir benötigen vertrauenswürdige Ökosysteme und das Internet ohne Reglementierung ist alles andere als vertrauenswürdig.“
Die Komponenten der digitalen Souveränität
Elemente einer digitalen Souveränität sind laut Professor Sunyaev zum einen Technologie und Daten, zum anderen Dezentralisierung und zum Dritten Digitalisierung und Innovation. In allen drei Komponenten müsse Europa ein vollwertiger weltweiter Partner sein können und seine Werte verteidigen.
Das heiße nicht, dass man irgendwelche Anbieter, deren Zentrale außerhalb Europas sei, ausschließe oder weitgehende Autarkie anstrebe. „Aber was machen wir in Europa, wenn plötzlich die ´Microsofts, Amazons oder Googles dieser Welt´ aus Gründen, die wir uns im Moment gar nicht vorstellen können, ihre Tätigkeit in Europa einstellen (müssen)“, stellte Sunyaev als Frage in den Versammlungsraum.
Vor einem halben Jahr haben sich vermutlich 80 oder 90 Prozent der Europäer auch nicht vorstellen können, dass sich die Energieströme auf dem Kontinent völlig verändern müssen und gewaltige Kraftakte notwendig sind, diese „energetische Transformation“ halbwegs in den Griff zu bekommen.
„Innovation ohne Exekution ist Halluzination“
An der Ausgestaltung der Digitalen Souveränität in Deutschland und Europa ist das Institut von Professor Sunyaev führend beteiligt, zusammen mit nationalen und EU-weiten politischen, wissenschaftlichen und rechtswissenschaftlichen Koryphäen sowie einer breiten Basis an Industriefirmen, die nicht zuletzt als Testfelder dienen. Ali Sunyaev wies in seinem Vortrag darauf hin, dass es mittlerweile eine umfangreiche Fachliteratur zum Thema Digitale Souveränität im Allgemeinen und Datenschutz-Zertifizierung für Cloud-Dienste im Besonderen gebe und dass beispielsweise der jährliche Cloud-Monitor der Beratungsgesellschaft KPMG dringend dazu rate, dass sich Unternehmen bei der Wahl ihrer Cloud-Anbieter für zertifizierte Cloud-Dienste, die DSGVO-konform sind, entscheiden.
„Innovation ohne Exekution ist Halluzination“, mit diesem Bonmot schloss Sunyaev seinen engagierten Vortrag und gab damit die Richtung vor für die vielen detailreichen Referate auf den Open Source Automation Days 2022 auf dem „innovationsträchtigen“ Gelände des Garchinger Forschungszentrums.
Stand: 08.12.2025
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