Geschäftskritische Warenwirtschaft geht auf Open Source online Applikations-Infrastruktur-Software ermöglicht Webfähigkeit in acht Stunden

Redakteur: Ulrich Roderer

Der Wiener Buchgroßhändler Mohr Morawa hat seine mit Progress-Technologien erstellte Warenwirtschaft in nur einem Tag ins Web gebracht. In Sekundenschnelle können Buchhändler nun über das Internet ermitteln, ob der Großhändler ein gesuchtes Werk vorrätig hat und wann er liefern kann. Progress liefert ein service-orientiertes Framework für geschäftskritische Anwendungen.

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In einem unscheinbaren Industriegebiet in der Sulzengasse im 23. Wiener Gemeindebezirk befindet sich die Welt der Bücher: Als lang gestreckter Bau präsentiert sich dem Besucher das Firmengebäude von Mohr Morawa, dem führenden Buchgroßhändler Österreichs. Gleich hinter dem Eingang lagern in einer 24.000 Quadratmeter großen Halle weit über 100.000 Titel von 260 Verlagshäusern.

Von der Sulzengasse aus versorgt der Großhändler in ganz Österreich und im angrenzenden Süd-Tirol Buchhändler und andere Geschäfte, die Bücher verkaufen, mit Publikationen. Innerhalb der Wiener Stadtgrenzen erfolgt der Versand mit acht eigenen LKWs, im restlichen Einzugsgebiet liefert der Großhändler per Spedition in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Eingang der Bestellung.

Neben der regelmäßigen Versorgung der Abnehmer mit Verlagsprodukten kommt es natürlich auch immer wieder zu Anfragen zwischendurch: Kunden der Buchhändler haben in einer Tageszeitung, einer Illustrierten oder im Fernsehen die Rezension eines Buches gelesen, das sie gerne kaufen würden. Die nächstgelege Buchhandlung hat jedoch genau dieses Werk nicht vorrätig – vielleicht, weil es zu oft nachgefragt wurde und deshalb gerade im Laden ausverkauft ist oder auch, weil es sich um ein weniger geläufiges Werk handelt. Der nächste logische Schritt war lange Zeit ein Anruf beim Buchgroßhändler Mohr Morawa: „Ist der Titel vorrätig? Kann er innerhalb von 24 Stunden gelie-fert werden? Muss das Buch zunächst beim Verlag – vielleicht bei einem im Ausland – bestellt werden? Mit welchen Lieferfristen ist zu rechnen?“

Um die Fragen beantworten zu können, recherchierten die Mitarbeiter von Mohr Morawa in der Datenbank ihres Warenwirtschafssystems. Auch wenn sich die gesuchten Informationen hier recht schnell finden ließen, ging es dem potenziellen Käufer vielfach nicht rasch genug. „Statt die Antwort abzuwarten hatte der Interessent den Laden schon längst verlassen, ging zum nächsten Buchhändler, in der Hoffnung dort sofort fündig zu werden oder er hatte in der Zwischenzeit seine Meinung geändert und wollte, weil ihm das zu lange dauert, ganz auf das neue Buch verzichten“, berichtet Christian Langer, IT-Leiter bei Mohr Morawa.

Progress OpenEdge als Plattform für Web-Services

In vielen Gesprächen mit Buchhändlern kam daher der Wunsch auf, dass sie statt der telefonischen Anfrage selbst per Internet im Bestand von Mohr Morawa nachforschen wollen. „Als ein Unternehmen, bei dem Kundenservice einen großen Stellenwert einnimmt, haben wir diese Anregung aufgriffen und eine Lösung realisiert“, berichtet Langer. Notwendig waren dazu Maßnahmen an zwei Stellen: Das Warenwirtschaftssystem der Buchhändler musste um eine Webschnittstelle erweitert werden und ebenso musste Mohr Morawa seine eigenen, mit Progress-Technologien erstellten Applikationen entsprechend vorbereiten. Als Erweiterung der anfänglichen Lösung ist es heute auch möglich, dass die Buchhändler alternativ zu ihrer Warenwirtschaft über das Verzeichnis lieferbarer Bücher online im Web bei Mohr Morawa eine Abfrage starten.

Der Buchgroßhändler selbst nutzt seit Jahren bereits eine unternehmenskritische, mit Progress-Technologien erstellte Lösung unter dem Betriebssystem AIX auf IBM-RS/6000-Servern. Die OpenEdge-Plattform von Progress integriert Entwicklungswerkzeuge, einen Applicationserver, Applikationsmanagement Werkzeuge, eine Relationale Datenbank sowie Schnitstellen zu Datenquellen und Anwendungen.

Die Applikation umfasst Funktionen wie Auftragserfassung, Beschaffung und Fulfillment und koordiniert den Warenfluss zwischen Lieferanten, Kunden, dem Lager und der Logistik. „Die gute Nachricht für das Management war: Wir brauchen keine zusätzliche Hardware. Lediglich unser Warenwirtschaftssystem musste Web-fähig gemacht werden“, erinnert sich Langer. Gemeinsam mit einem Progress-Berater entwickelte Langer ein Konzept und setzte den Plan schließlich in nur einem Arbeitstag um.

In einem ersten Schritt installierte ein Mitarbeiter der IT-Abteilung von Mohr Morawa einen Apache-Webserver. Dazu kam Tomcat als Java Servlet Container. Das waren die gesamten Basisanschaffungen, die der Großhändler tätigen musste. Die beiden Open-Source-Produkte Apache und Tomcat laufen auf einem Windows-XP-Rechner und stellen zusammen eine Umgebung zur Ausführung von Java-Code auf Webservern bereit. Ein Modul namens mod-jk sorgt für eine Kommunikation zwischen Apache und Tomcat.

In wenigen Stunden Web-fähig

Als Container innerhalb von Tomcat ist der Progress-Web-Services-Adapter (WSA) zuständig für die Kommunikation mit dem Progress OpenEdge Application Server auf der IBM RS/6000. „Mit diesen überschaubaren Arbeitsschritten konnten wir eine voll funktionsfähige Web-Services-Umgebung in kürzester Zeit realisieren. In wenigen Stunden war eine 4GL-Prozedur mit Input- und Outputparametern erstellt, die die benötigten Informationen aus der Progress-Datenbank ermittelt, die gesamte neue Software installiert, die Web-Services codiert und verteilt und die gesamte Erweiterung erfolgreich getestet“, resümiert Langer.

Um den neuen Service nutzen zu können, mussten die Buchhändler ein neues, Web-fähiges Release ihrer Warenwirtschaft installieren. Der Hersteller der Branchensoftware baute zuvor das dazu benötigte Modul in seine Software ein. Von den 170 Kunden, denen Mohr Morawa elektronische Lieferscheine übermittelt, nutzen nach vier Monaten Betrieb rund 40 den neuen Service; innerhalb von zwölf Monaten will man die Zahl auf 100 steigern, um dann im Endausbau nahezu jeden, der elektronisch Geschäfte mit dem Buchgroßhändler betreibt, erreichen zu können.

Bei dem Wiener Buchgroßhändler selbst ist die Menge der telefonischen Auskünfte bereits in den ersten Monaten nach Verfügbarkeit der Online-Abfrage signifikant zurückgegangen. Langer: „In saisonal schwachen Zeiten waren es mehrere Hundert, in starken Monaten einige Tausend Anrufe. Der Rückgang bei dieser Art der Auskünfte macht sich sofort in sinkenden Telefonaufwendungen bemerkbar. Allein schon deshalb wird sich die Investition innerhalb kurzer Zeit amortisiert haben.“

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