Mit den Einflüssen aktueller technologischer Trends, insbesondere KI, auf Bau und Betrieb von Rechenzentren befasste sich eine hochkarätig besetzte Podiumsrunde anlässlich des „Datacenter Strategy Summit 2024“ vergangene Woche in Bad Homburg unter Moderation von DataCenter-insider-Chefredakteurin Ulrike Ostler.
Auf der Bühne trafen sich zur Podiumsdiskussion (v.l.) Ulrike Ostler, Chefredakteurin DataCenter-Insider, Karl Rabe, Wooden Datacenters und im OCP zuständig für MDC, Ralph Hintemann, Borderstep Institut, Donald Badoux, beim Energieversorger und Entsorgungsunternehmen EVo Bereichsleiter Abwärmetechnologien, und Ronald Broch, Vertreter des Eco - Verband der Internetwirtschaft e. V.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)
Wie beeinflussen IT-Trends, etwa Cloud oder KI, Gestaltung und Betrieb von Rechenzentren? Den Rahmen des Themas umriss DataCenter-insider-Chefredakteurin Ulrike Ostler. So mache die KI-Verarbeitung heute nur 15 Prozent der IT aus. Doch verdoppele sich der Energieverbrauch von KI alle 100 Tage.
Und während eine Google-Abfrage zuzeiten heiß diskutierte 0,3 Watt pro Stunde Strom verbrauchte, sind es bei einer ChatGPT-Abfrage 3,9 Wh, mithin etwa zehnmal so viel. Der jährliche weltweite Energieverbrauch der IT soll 2027 etwa dem der Niederlande entsprechen – aber bei den gegenwärtigen Wachstumsraten schon 2030 dem der USA.
Das liegt vor allem an den GPU, heute der marktbeherrschenden physischen Plattform für KI-Berechnungen. Und die Leistungswerte dieser Chips und Platinen steigen weiter – mit ihnen Energieverbrauch und Abwärme. Wie also kommt die IT und mit ihr die Welt aus diesem Teufelskreis heraus, ohne – was ohnehin illusorisch ist – auf die Technologie zu verzichten? Eine Frage, über die die Diskutanten trefflich spekulieren konnten.
Hoffnungsträger OCP
Karl Rabe, Geschäftsführer von Wooden Data Center, setzt große Hoffnungen auf das OCP (Open Compute Project): „In der OCP ist inzwischen Nachhaltigkeit einer der Grundpfeiler.“ Jeder Vortrag auf den OCP-Tagungen ende mit einer Selbstverpflichtung zur Durchführung bestimmter Forschungs-, Entwicklungs- oder Umsetzungsaktivitäten.
Rabe: „Ein Beispiel sind Holz-Serverschränke. Wir haben einen eher als Gag entwickelt. Doch die Idee wird angenommen und jetzt zum Produkt.“
Deutschland stehe in Bezug auf offene Technologie weit vorn. „Hier gilt zum Beispiel das Motto Public Money – Public Code.“ Sprich: Was mit öffentlichen Subventionen entwickelt wird, muss am Ende auch allen zur Verfügung stehen.
Zehnfache Kapazität?
Ralph Hintemann, Gesellschafter und Researcher beim Innovations- und Nachhaltigkeits-Thinktank Borderstep Institut in Berlin, legte beeindruckende Wachstumszahlen zum deutschen Datacenter-Markt auf den Tisch: Derzeit würden 3 Gigawatt (GW) Strom von allen Rechenzentren verbraucht. Doch hantiere derzeit jeder Übertragungsnetzbetreiber mit zweistelligen GW-Raten beim Zubau.
Moderiert von Dataceter-Insider-Chefredakteurin Ulrike Ostler (ganz links) diskutierten (vlnr.) Karl Rabe, CEO Wooden Datacenter, Dr. Raloph Hintemann, Gesellschafter und Researcher, Borderstep Institut, Donald Badoux, Bereichsleiter Abwärmenutzung, EVO, und Ronald Broch, Senior Project Manager Digital Infrastructure , eco-Verband der Internetwirtschaft über den Einfluss neuer Technologietrends auf die Gestaltung des Rechenzentrums.
(Bild: Rüdiger)
„Dann müsste sich die Rechenzentrumskapazität in wenigen Jahren verzehnfachen." Das sei aber wohl zu optimistisch.
Hintemanns Prognose für Frankfurt: „Dort könnte sich die Kapazität in den nächsten sechs bis acht Jahren auf 2 GW verdoppeln.“ Frankfurt sei und bleibe der am schnellsten wachsende Datacenter-Markt. Darin liege auch eine Chance: „Wenn die Abwärme neuer Rechenzentren genutzt wird, unterstützt das massiv die Wärmewende.“
Kooperation statt Konfrontation
An der arbeitet schon sehr aktiv Donald Badoux, Bereichsleiter Abwärmenutzung beim Offenbacher Enregieversorger EVO. Er hat es in Offenbach fertiggebracht, sämtliche Betroffenen für die Abwärmenutzungsplanung von Rechenzentren an einen Tisch zu bekommen.
"Hyperscaler verschlingen enorme Strommengen": Donald Badoux, Bereichsleiter Abwärmenutzung, EVO
(Bild: Datacenter Insider)
Dann wurde gemeinsam und erfolgreich darüber nachgedacht, wo, insbesondere in vorhandenen Industriegebieten der Stadt, Rechenzentren ihre Abwärme an vorhandene Fernwärmenetze abgeben könnten. Solche innovativen Planungsprozesse seien dringend nötig, äußert Badoux; denn Abwärmenutzung sei kein Selbstläufer, sondern kann bei schlechter Planung teuer werden.
Badoux: „Eine Wärmezentrale mit 10 MWh Wärmeleistung kostet 30 Millionen Euro im Bau plus Stromkosten“ Und dies sei, schöpfe man nicht Subventionen oder Kostensenkungspotentiale aus, zu teuer. „Dann sind Fossile billiger.“
Gejammer nutzlos
Roland Broch, Senior Project Manager Digital Infrastructure bei Eco, Verband der Internetwirtschaft e.V., betonte, Gejammer über KI bringe nichts. Sie sei inzwischen so allgegenwärtig wie unentbehrlich. Er fragte: „Haben Sie schon einmal eine KI-Benutzeroberfläche genutzt?“ Und beantwortete diese Frage gleich selbst, indem er sein Snartphone in die Höhe hob.
Damit wurde jedem der Anwesenden deutlich: Auch in den alltäglichsten Digitalprodukten und Endgeräten steckt schon heute oder wird demnächst KI stecken. Auch wenn man sie nicht auf den ersten Block sieht.
Rechenzentren sollen der Stromerzeugung hinterherziehen
Ein grundsätzliches Umdenken regt Rabe, Wooden Datacenter, an: „Wir müssen Rechenzentren von der Energie aus denken.“ Die neuen großen Energielieferanten, sprich: Offshore-Windkraftwerke und große Windparks, entstünden eher im Norden.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Beispiele seien Schleswig-Holstein, das relativ menschenleeren Umland von Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern. Deshalb sei es an der Zeit, auch Rechenzentrumsneubauten dorthin zu verlagern. Immer weiter an den gewohnten Standorten festzuhalten, sei nicht zweckmäßig.
Erste Verlagerungstendenzen
Dem pflichtet auch Hintemann bei. Heute gehe es oft als erstes um die Frage, wo es freie Flächen und Energiepotentiale gebe. Die ersten Verlagerungstendenzen könne man schon feststellen.
So gebe es derzeit in Mecklenburg-Vorpommern Vorplanungen für zwei neue Rechenzentren mit einer Gesamtlast von 200 bis 300 MW Leistung. Dennoch bleibe der Schwerpunkt Frankfurt weiter bestehen.
Stromreserven müssen flexibler gehandhabt werden
Auf eine fatale Geschäftspraxis im Stromhandel mit Hyperscalern weist ebenfalls Badoux hin. „Hyperscaler reservieren und bekommen von den Stromanbietern Kontingente für eine Vollauslastung ihres Rechenzentrums. Diese stehen dann für den Rest der Kunden nicht mehr zur Verfügung, egal, ob sie genutzt werden oder nicht.“
Nicht nur zum Kaffee gab es auf dem „DataCenter Strategy Summit“ Schmankerl. Die Besucher bekamen vor allem Anregungen und Nachdenkensrtes serviert.
(Bild: Vogel It-Medien GmbH)
Erfahrungsgemäß lasteten Hyperscaler ihre Rechenzentren aber nur zu 70 Prozent aus, von den durch sie georderten Strommengen liege also rund ein Drittel brach und tue gar nichts. Zudem steige die Auslastung von Eröffnung des Datacenter über einen Zeitraum graduell an, was ebenfalls Strom ungenutzt lässt.
„Hier muss der Gesetzgeber dringend nachbessern“, forderte Badoux. „Strom, den die Hyperscaler nicht verwenden, muss für andere Kunden des Stromlieferanten bereitgestellt werden können, um den Ausbaudruck zu lindern und die Balance im Stromnetz zu verbessern.“ Immerhin verschlingt der Ausbau von Hoch- oder Mittelspannungsnetzen schnell einmal dreistellige Millionenbeträge.
Mittelfristig positive EnEfG-Auswirkungen
Auch Broch (eco) kann der Regulierung und Gesetzesinitiativen mittelfristig durchaus Gutes abgewinnen. Zwar habe das Energie-Effizienzgesetz (EnEfG) in der Datacenter-Branche Unruhe ausgelöst. Viele fragten sich derzeit, wie sie die Vorgaben erfüllen sollen.
„Das Energie-Effizienzgesetz hat unter Datacenter-Betreibern für Unruhe gesorgt“, sagt Roland Broch, Senior Project Manager Digital Infrastructure beim Eco-Verband der Internetwirtschaft e.V..
(Bild: Eco - Verband der Internetwirtschaft)
Andererseits entpuppe sich das Gesetz als Innovationstreiber, das dazu dränge, noch offene Fragen schleunig zu lösen, wozu es gute Ansätze gebe. Ein Beispiel sei die Abwärmenutzung. Sie könne schon bald manches Blockheizkraftwerk überflüssig machen. Und. „In fünf Jahren haben wir weniger RZ-Altbestand, der Probleme hat, die neuen Normen zu erfüllen.“
Kongruente Vision nötig
Hintemann forderte für Deutschland eine Vision, wie man insgesamt mit Rechenzentren umgehen wolle und wie man sie sehe: Als Chance? Als Objekte, die man lieber außer Landes sähe?
Das sei für eine Politik aus einem Guss nötig. Bisher erkenne man die nicht so recht. So müssten viele Bestandsrechenzentren abgeschrieben werden, sobald die PUE-Werte von 1,3 verbindlich würden. Allerdings hoffe er bis dahin auf Einsicht beim Gesetzgeber und damit auf Änderungen am EnEfG.
Rabe kann sich als neue, Datacenter-freundliche Vision vorstellen, Rechenzentren nicht als Datenburg zu imaginieren, sondern als integrierten Teil der Energie-, Daten- und Wärmeinfrastruktur.
Neue Ideen gefragt
Dazu könnten auch neue Ideen wie das Clustering von Rechenzentren gehören. Das könne wiederum die Chance eröffnen, Rechenzentren auch als Kälte-Abnehmer zu etablieren.
Hintemann ergänzt, auch Batterie-Anlagen zur Speicherung regenerativen Stroms müssten mit Rechenzentren zusammen gedacht werden. Sie könnten einerseits die Abschaltung von regenerativen Stromerzeugern bei Überkapazität im Netz zu verhindern und gleichzeitig nahegelegene Rechenzent mit Notstrom versorgen. Zudem müsse auch die IT selbst effizienter werden statt ständig die Verbrauchswerte ihrer Chips zu steigern.
Überrollt die Technologie heutige Datacenter-Visionen?
Doch das kann im Extremfall nach hinten losgehen, zumindest was ehrgeizige Pläne zur Abwärmenutzung angeht. Einige Beispiele dafür, wie das geschehen könnte, nannte Ostler zum Abschluss: Neuromorphe Computer und Chips wie „Hala Point“ und „Loihi“ von Intel steigern ihre Leistungsfähigkeit rasant. Hala Point ist hundertmal effizienter als digitales Rechnen, dabei nur so groß wie eine Mikrowelle. Ein Gramm DNA kann 215 Petabyte Information speichern – das Äquivalent zu knapp 27 Millionen 2-Stunden-Videos. Und das ganz ohne Kühlung.