Die Softwareentwicklung auf dem Mac ist ein teurer Spaß, weil Hardware und macOS-Betriebssystem nicht unabhängig voneinander erhältlich sind. Dafür erhalten Software-Entwickler aber ein Werkzeug, das sich für viele Zwecke eignet.
Allein schon die Verwandtschaft zu den populären Apple-Mobilgeräten macht macOS zu einer interessanten Dev-Plattform.
Apples Mac-Ökosystem wird in aller Regel aus zwei Perspektiven betrachtet: So mancher Nutzer verdammt das abgeschottete Betriebssystem samt verklebter Hardware und würden einen Apple-Store nicht einmal mit vorgehaltener Waffe betreten. Die anderen lieben ihren Mac und pflegen eine fast religiöse Beziehung zu Apple, predigen, missionieren und fühlen sich in der abgeschotteten Apple-Welt pudelwohl.
Das liegt wohl auch daran, dass die „Spielereien“ aus Cupertino preislich meist deutlich über der Konkurrenz liegen. Kurzum: der Mac spaltet und distinguiert. Dabei wird aber oft vergessen, dass Apple mit macOS auch eine ausgesprochen interessante Betriebssystem-Alternative bereithält, von der Entwickler profitieren können.
Virtuelle Maschine für alle Systeme
Zumindest mit den aktuellen Macs mit Intel-Prozessoren hat das Apple-System für Entwickler einen enormen Vorteil: Anders als Windows und Linux kann es nämlich über Tools wie Parallels und VirtualBox sämtliche relevanten Betriebssysteme ausführen – inklusive sich selbst. Das können Windows und Linux nicht ohne ebenso fragwürdige wie technisch aufwändige Umwege, hier schiebt Apple einen Riegel vor.
Künftige Macs sollen zudem auch eine integrierte Docker-Funktion besitzen. Das sind zwar Kleinigkeiten, doch die hohe Integration hat auch einen Vorteil: Das Mac-System funktioniert „out of the box“, der Administrationsaufwand hält sich in Grenzen. Und durch die starke Verknüpfung von Hard- und Software ist macOS immer optimal auf seinen Computer abgestimmt.
Wie ein proprietäres Linux
Gleichzeitig liefert der Hersteller mit XCode samt der von Apple entwickelten Programmiersprache Swift einen mächtigen Baukasten für die Entwicklung von Mac- und iOS-Anwendungen, wobei natürlich auch andere gängige Sprachen wie C/C++ und Co. unterstützt werden.
Gerade die iOS-Plattform ist sehr populär und direkt mit macOS verwandt. Für Entwickler, die für diese Plattform entwickeln, ist das natürlich ein Vorteil – auch wenn zum Beispiel Microsoft Visual Studio – das es ebenfalls für macOS gibt – natürlich auch dazu in der Lage sind.
Beide Baukästen fehlen zum Beispiel unter Linux, wodurch sich macOS dank seines BSD-Unix-Unterbaus ein bisschen wie ein „proprietäres Linux“ verhält: Einerseits liefert es die Vorteile von Unix, andererseits ist die Softwareunterstützung zumindest im proprietären Bereich mit Windows vergleichbar.
Unix-Unterbau ermöglicht Nutzung gewohnter Tools
Apple hat es geschafft, dass Anwender von dem zugrundeliegenden Unix-System im Alltag zunächst nicht viel sehen. Trotzdem ist ein vollwertiges Unix-Terminal ab Werk vorhanden und nur wenige Mausklicks entfernt. Dank Paketverwaltungs-Tools wie Fink, Homebrew oder MacPorts können beliebte Open-Source-Programme für Unix-Systeme auch auf dem Mac verwendet werden.
Dadurch ist es möglich, das Mac-System auch in der Kommandozeile komplett an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Und da macOS unixoid ist, bietet es sich natürlich auch für die Kontaktaufnahme mit Webservern per SSH an.
Rund ein Viertel aller Entwickler arbeiten mit dem Mac
Glaubt man den jährlichen Umfragen von Stack Overflow, nutzen 25,6% der befragten Entwickler das Apple-Betriebssystem (Stand 2020), allerdings waren Mehrfachnennungen möglich. Dennoch ist der Anteil von Entwicklern, die macOS nutzen, verglichen mit dem tatsächlichen weltweiten Marktanteil der Plattform (laut Netmarketshare bei aktuell ca. 9,2 Prozent) relativ hoch: Entwickler greifen aufgrund der genannten Vorzüge gerne zum Mac – das allerdings, ohne dabei Windows und Linux links liegen zu lassen.
Der größte Nachteil von macOS: Apple
Doch obwohl sich der Mac technisch wunderbar für die Softwareentwicklung eignet, gibt es natürlich auch einige handfeste Argumente, die Plattform zugunsten von Windows und Linux links liegen zu lassen. Einerseits sind da natürlich die vergleichsweise hohen Kosten: Zwar ist macOS als Betriebssystem frei von Lizenzkosten – allerdings ist die Hardware vergleichsweise teuer.
Das ist insbesondere deshalb ärgerlich, weil Apple mit jeder der jährlich erscheinenden macOS-Versionen Altbestände aussortiert: Ältere Geräte, die eigentlich noch völlig für eine neue macOS-Version ausreichen würden, werden nicht mehr offiziell unterstützt. Der Zeitraum für die Unterstützung wurde zwar in den letzten Jahren verlängert, trotzdem fallen zum Beispiel mit dem brandneuen macOS „Big Sur“, das im September 2020 erscheint, viele Macs aus den Jahren vor 2015 aus der Unterstützung.
Stand: 08.12.2025
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Hier lässt sich macOS offiziell nicht mehr installieren – obwohl die Geräte durchaus leistungsmäßig noch dazu in der Lage wären. Deshalb ist bei Mac-Infrastrukturen mit vergleichsweise hohen Hardwarekosten zu rechnen, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben – Windows und Linux sind hier deutlich flexibler.
Apple und die alten Zöpfe
Und dann sind da noch die alten Zöpfe, die Apple regelmäßig abschneidet. Das ist grundsätzlich nicht verkehrt, dadurch bleibt das System schlank und zuverlässig. Trotzdem sind manche Entscheidungen in Cupertino für Softwareentwickler äußerst unangenehm: So wurde mit macOS Catalina 2019 die Unterstützung für 32-Bit-Apps eingestampft.
Wer ein älteres, möglicherweise nicht mehr gepflegtes Tool brauchte, musste entweder Umwege wie eine virtuelle macOS-Maschine mit der Vorgängerversion in Kauf nehmen, auf das Upgrade verzichten – oder sich damit abfinden, ein geliebtes Werkzeug nicht mehr benutzen zu können. Und weil Apple auch Samba v1 als unsicher einstufte, wurde das ebenfalls aus dem System entfernt – und mit ihm die Unterstützung für eine Vielzahl älterer Netzwerkgeräte. Und so kann der Kostenfaktor bei Nutzung von Apple-Systemen erheblich sein, auch wenn die Administrationskosten zunächst eher niedrig eingestuft werden können.
Fazit: Der Mac ist eine Art Edel-Linux
Der Einsatz von Macs im professionellen Umfeld ist also immer an ein gewisses Kostenrisiko gebunden. Zwar respektiert Apples Produktpflege gängige Abschreibungszeiträume, trotzdem kann gerade in größeren Unternehmen das Ersetzen eines ganzen Schwungs noch funktionierender Hardware sehr ärgerlich sein. Auf der anderen Seite profitieren Entwickler am Mac von der hohen Flexibilität und Stabilität des Unix-Unterbaus sowie der breiten Unterstützung durch kommerzielle Softwareanbieter wie Adobe, Microsoft und Co.
Dadurch ist macOS für Entwickler in gewisser Hinsicht ein zweischneidiges Schwert: Wer für macOS und iOS entwickelt, kommt kaum am Einsatz eines Mac vorbei. Und wer eine Entwicklerplattform für allgemeine Software- und Webeentwicklung sucht, findet in macOS einen soliden Partner, der auch gleich das Testing erlaubt.
Dem gegenüber stehen die vergleichsweise hohen Hardwarekosten samt möglichem Austausch bewährter Peripherie, die sich natürlich rechnen müssen. Insgesamt kann macOS deshalb aus Entwicklersicht als eine Art „Edel-Linux“ betrachtet werden: Wer es nutzt, erhält eine Reihe von komfortablen Vorzügen – allerdings haben die auch ihren Preis.