Weichenstellung für den Umzug ins IT-Hotel So gelingt der Wechsel ins Co-Location-Rechenzentrum

Ein Gastbeitrag von Gabriele Wagner-Hörterer und Markus Geisler* 7 min Lesedauer

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Energiepreise, IT-Sicherheit, neue Gesetze, Nachhaltigkeit... IT-Abteilungen stehen beim Eigenbetrieb eines Rechenzentrums unter Druck. Und bei Cloud-Angebote wollen Unternehmen aufgrund der neuen geopolitischen Lage zurück zu digitaler Souveränität. Die Lösung für viele: der Schritt ins Co-Location-Rechenzentrum. Das verspricht ausgelagerte IT in einer professionellen, sicheren und zugleich Energie-effizienten Umgebung.

Der Augsburger Co-Location-Anbieter LEW Telnet hat in diesem Jahr sein „LEW Green Data Center“ in Betrieb genommen. (Bild:  LEW Telnet)
Der Augsburger Co-Location-Anbieter LEW Telnet hat in diesem Jahr sein „LEW Green Data Center“ in Betrieb genommen.
(Bild: LEW Telnet)
Unser Leitfaden gibt Orientierung auf dem Weg dorthin: von der Auswahl der Migrations-Strategie über erfolgreiche Projektplanung und Fehlervermeidung bis zu Kostenvorteilen und den „steps to go“.

Gabriele Wagner-Hörterer und Markus Geisler

Wie der Übergang ins Co-Location-Rechenzentrum gestaltet sein sollte, hängt stark von den individuellen Zielen im Unternehmen ab.

  • Soll der Umzug nur die alten Rechenräume ersetzen oder benötigen auch Server und Software ein Update?
  • Steht die Einsparung von Kosten im Fokus oder Klimaschutz und Nachhaltigkeit? Wird mehr Resilienz angestrebt, höhere Ausfallsicherheit durch Georedundanz oder mehr Flexibilität für künftige Anforderungen an Rechenkapazitäten und Datenschutz?

Von der Kombination und Gewichtung der Ziele hängt ab, welche Migrationsstrategie möglich beziehungsweise am besten geeignet ist. In der Praxis haben sich drei Vorgehensweisen etabliert, die jeweils ihre eigenen Vorteile bieten.

Schritt für Schritt: So gelingt der Wechsel
  • 1. Ziele definieren: Wo liegen Ihre Prioritäten? Geht es um Kostenoptimierung, maximale Verfügbarkeit, nachhaltigen Betrieb oder die Ablösung veralteter Technik? Auch die künftige Ausrichtung zählt – reines Rechenzentrum oder hybride Lösung mit Cloud-Anbindung? Eine präzise Zieldefinition legt die Basis für Planung und Partnerwahl.
  • 2. Bestand und Bedarf analysieren: Wie ist der IT- Ist-Zustand – von Architektur, Energiebedarf, Leistungsaufnahme bis zu den Zertifizierungen? Ebenso wichtig ist der Blick nach vorn: Wie viele Racks, wie viel Strom und welche Schnittstellen werden künftig gebraucht?
  • 3. Co-Location-Anbieter wählen: Der Rechenzentrumsbetreiber sollte nicht erst am Ende, sondern möglichst früh Teil des Projekts sein. So lassen sich Anforderungen an Nachhaltigkeit, Konnektivität, Service-Level und Migration gemeinsam abstimmen. Ein guter Anbieter unterstützt aktiv bei Planung, Anbindung, Projekt-Management und Tests.
  • 4. Projektstruktur aufsetzen: Rollen, Zuständigkeiten und Zeitplan sollten von Anfang an definiert sein, idealerweise mit Testphasen für die kritischen Schritte. Ein klarer Ablauf mit festen Ansprechpartnern verhindert Missverständnisse und sorgt dafür, dass alle Beteiligten – intern wie extern – am selben Ziel arbeiten. Gute Vorbereitung ist hier der entscheidende Faktor für einen reibungslosen und sicheren Wechsel auf die Co-Location-Umgebung.

1. Der Stichtagsumzug („Hot Cut“)

Am Wochenende wird die bestehende Hardware abgebaut, ins Co-Location-Rechenzentrum transportiert, installiert und am Montag läuft die Produktion wieder an. Dies ist der klassische Weg zum Beispiel dann, wenn die IT zwar gut funktioniert, aber das Sicherheitsniveau der Serverräume in absehbarer Zeit nicht mehr mit der Entwicklung des Unternehmens mithalten kann oder künftigen gesetzlichen Vorgaben nicht entspricht.

Die Methode ist schnell und ohne Kauf zusätzlicher Hardware möglich, verlangt aber höchste Präzision in der Vorbereitung: Stromlast, Verkabelung, Sicherheitsfreigaben und sämtliche Konfigurationen müssen exakt abgestimmt sein. Dann gelingt ein pünktliches Go-Live.

2. Die „smarte“ Migration mit Hardware-Refresh

Die zweite Möglichkeit ist eine Kombination aus Umzug und Modernisierung: Neue Hardware wird im Rechenzentrum aufgebaut, getestet und schrittweise in Betrieb genommen. Alte Systeme laufen parallel weiter, bis alle Workloads umgezogen sind. So lassen sich Ausfallzeiten minimieren, und Unternehmen nutzen den Wechsel gleichzeitig für eine technologische Erneuerung.

3. Co-Location als Backup- oder DR-Standort

Viele Unternehmen nutzen Co-Location zunächst oder zusätzlich als Ausweich- oder Backup-Standort. Damit steigt die Ausfallsicherheit, gerade auch in Kombination mit der Migration weiterer Systeme in eine neue Rechenzentrumsumgebung.

Voraussetzung dafür sind stabile, IP-basierte Verbindungen mit ausreichender Bandbreite und geringer Latenz, vor allem dann, wenn produktive Systeme zwischen zwei Standorten synchronisiert werden sollen. Co-Location-Anbieter mit eigener Glasfaserinfrastruktur können hier punkten: Die Rechenzentren von LEW Telnet beispielsweise verbinden regionale Standorte über redundante Layer-2-Verbindungen mit nur wenigen Millisekunden Latenz. Das ist insbesondere für Disaster-Recovery-Szenarien ein entscheidender Faktor.

Projektplanung heißt: Der Erfolg beginnt vor dem Einzug

Ein Wechsel in eine Co-Location-Umgebung ist kein reines Technikprojekt; er ist eine Organisationsaufgabe. Erfolgreiche Projekte zeichnen sich durch klare Zuständigkeiten und saubere Kommunikation aus.

Fehler entstehen oft dort, wo technische und organisatorische Schnittstellen ungeklärt bleiben. Deshalb sollte ein dediziertes Projektteam den gesamten Migrationsprozess begleiten – von der Bedarfsanalyse über die Anbindung bis zur physischen Umsetzung. Beim „LEW Green Data Center“ zum Beispiel sind alle relevanten Fachbereiche von Beginn an eingebunden; bei Bedarf werden Spezialisten aus einem Netzwerk bewährter Partner hinzugezogen. Ein wichtiger Punkt sind etwa die Internet-Anbindungen.

  • Hat der Unternehmenssitz Glasfaser?
  • Sollen auch Niederlassungen oder Partner hochperformant mit der Firmen-IT vernetzt zusammenarbeiten?

Verschiedene Varianten kommen in Betracht. Zum Beispiel können Verbindungen über VPN mit einer zentralen Firewall oder mittels MPLS-Zugängen realisiert werden oder als Layer-2-Direktverbindungen, die wie ein verlängertes Patch-Kabel ins Rechenzentrum funktionieren.

Die Anzahl der Racks und mehr

Im neuen Rechenzentrum ist nicht nur die Anzahl (zukünftig) benötigter Racks entscheidend. Auch der Energiebedarf pro Rack spielt eine gewichtige Rolle, ob die Co-Location-Umgebung überhaupt geeignet ist oder ob zusätzliche Anpassungen durch das Datacenter-Team notwendig sind.

Teils bieten standardisierte Co-Location-Angebote hier nur rund 3 Kilowatt pro Rack. Leistungsfähige Systeme benötigen jedoch oft deutlich mehr Leistung. Sollen mit der Migration auch bestehende Cloud-Systeme zurück auf dedizierte Hardware umziehen, müssen Software-Kompatibilitäten geprüft und Lizenzfragen geklärt sein.

Typische Stolperfallen beim Wechsel ins Co-Location und wie man sie vermeidet

Stolperfalle Beschreibung Empfehlung
   
Storage-Kompatibilität   
   
Alte   Fibre-Channel-Systeme sind oft nicht IP-fähig und lassen sich nur   eingeschränkt koppeln.   
   
Frühzeitig   prüfen, ob Systeme für IP-Anbindung vorbereitet sind.   

Power-Dimensionierung

Moderne Server – besonders GPU-basierte Systeme – benötigen deutlich mehr Anschlussleistung pro Rack.

Leistungsbedarf mit Puffer kalkulieren und sicherstellen, dass der Anbieter diesen auch bereitstellen kann.
   
Latenzzeiten   
   
Bei   verteilten Umgebungen können hohe Round-Trip-Zeiten den Betrieb ausbremsen.   
   
Standortwahl   und Netzkapazität an den Use Case anpassen.   

Zertifikate und Normen

Anforderungen werden immer strenger: Rechenzentren müssen sicher, hochverfügbar und störungsfrei betrieben werden.

Anforderungen am eigenen Risiko- und Compliance-Profil ausrichten. Darauf achten, dass Rechenzentrums- Anbieter ISO 27001 und EN 50600 zertifiziert sind.

Bei regionalen Rechenzentren wie dem LEW Green Data Center lassen sich diese und weitere Stolperfallen vermeiden: Durch redundante Anbindungen, kurze Wege und planbare Erweiterungsoptionen bleibt die Infrastruktur auch für künftige Anforderungen skalierbar, beispielsweise für KI-Workloads.

Die Anbieterwahl

Über die Wahl des richtigen Co-Location-Partners sollte nicht der Rack-Preis alleine entscheiden. Denn der sagt wenig über das tatsächliche Leistungsniveau aus.

Zum Angebot von LEW Tenet gehören, anders als bei vielen großen Co-Location-Anbietern, die ganzen Hallen oder gar Gebäude anbieten, auch halbe 19" Serverschrank-Offerings, mit bis zu 22 Höheneinheiten. (Bild:  LEW Telnet)
Zum Angebot von LEW Tenet gehören, anders als bei vielen großen Co-Location-Anbietern, die ganzen Hallen oder gar Gebäude anbieten, auch halbe 19" Serverschrank-Offerings, mit bis zu 22 Höheneinheiten.
(Bild: LEW Telnet)

Entscheidend sind Leistungsumfang, Skalierbarkeit und Servicequalität. Der Anbieter der Wahl sollte sich dadurch auszeichnen, dass er nicht nur Fläche und Strom bereitstellt, sondern auch Konnektivität, Monitoring, Remote-Hands-Services und ein verlässliches Service-Level-Agreement anbietet.

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Darüber hinaus spielt auch Nachhaltigkeit eine wachsende Rolle. Unternehmen achten zunehmend darauf, dass Rechenzentren tatsächlich mit echtem Grünstrom betrieben werden, nicht nur über Zertifikate kompensiert.

In puncto Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit und Energie-Effizienz des Co-Location-Partners zahlen zudem unmittelbar auch auf die Klimabilanz des eigenen Unternehmens ein. Die Vorreiter grüner Colocation-Anbieter setzen konsequent auf Effizienztechnologien mit Wärmerückgewinnung, adiabatischer Kühlung und passiver Gebäudeklimatisierung durch Dach- und Fassadenbegrünung.

Ebenso wichtig: die Region. Kurze Wege und persönliche Ansprechpartner vereinfachen den Betrieb und erhöhen die Reaktionsgeschwindigkeit bei Wartung oder Support. Ein zusätzlicher Vorteil entsteht, wenn Datennetz, Rechenzentrum und nachhaltige, regionale Energieversorgung aus einer Hand kommen – wie bei der LEW Telnet. Hier sorgen der LEW eigene PV-Park und eigene Wasserkraftwerke für den Betrieb mit 100 Prozent umweltfreundlichen Strom.

Wer auf erhöhte Sicherheit setzt, mietet sich einen eingezäunten Bereich, Cage genannt. (Bild:  LEW Telnet)
Wer auf erhöhte Sicherheit setzt, mietet sich einen eingezäunten Bereich, Cage genannt.
(Bild: LEW Telnet)

Der Augsburger Co-Location-Anbieter ist selbst auch Internet-Provider und bietet Hochleistungsanbindungen über das eigene Glasfasernetz. Wo andere Rechenzentrumsbetreiber auf zusätzliche Partner angewiesen sind, nutzen die Co-Location-Kunden Komplettangebote aus einem Unternehmen. Das reduziert Schnittstellen, den Aufwand für Abstimmungen und Vertragsgestaltung und damit letztlich das Risiko.

Die Wirtschaftlichkeit von Co-Location

Klar steht am Ende auch die Kostenfrage im Raum. Erfahrungswerte aus Projekten zeigen, dass Unternehmen, die ein in die Jahre gekommenes Rechenzentrum durch Co-Location ersetzen, nach erfolgter Migration im laufenden Betrieb 20 bis 30 Prozent Kosten einsparen können. Das liegt vor allem an geringeren Energiekosten, entfallener Wartung und weniger internem Aufwand für Zertifizierungen.

Ebenso entfallen neue Investitionen für das eigene Rechenzentrum, die, aufgrund steigender Anforderungen, immer stärker berücksichtigt werden müssen. Auch personell bringt Co-Location Entlastung: Statt ein komplettes Team für den Datacenter-Betrieb vorzuhalten, genügt oft ein zentraler IT-Sicherheitsverantwortlicher, der die Compliance steuert.

*Das Autorenduo
Gabriele Wagner-Hörterer und Markus Geisler arbeiten bei LEW Telnet, die das „LEW Green Data Center„“ betreibt. Ihr Fazit lautet: Ein Umzug ins Colocation-Rechenzentrum ist eine strategische Investition in die Zukunftsfähigkeit der IT. Wer strukturiert vorgeht, klare Verantwortlichkeiten schafft und die richtigen Partner auswählt, profitiert gleich mehrfach: von stabileren Prozessen, planbaren Kosten, nachweislicher Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, höherer Sicherheit und einem messbaren Nachhaltigkeitseffekt.

Das LEW Green Data Center beispielsweise verbindet Energie-Effizienz, Regionalität und Datensouveränität – zu einer zukunftsfähigen, skalierbaren IT-Lösung, die ökologische und wirtschaftliche Ziele gleichermaßen unterstützt.
Colocation ist damit nicht der Rückzug aus der Verantwortung, sondern ein Schritt hin zu einer resilienten, anpassungsfähigen und nachhaltigen IT-Landschaft.

Bildquelle: LEW Tenet

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