Agentforce World Salesforce auf geheimer Mission in Frankfurt

Von Dr. Dietmar Müller 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die „Agentforce World Tour“ von Salesforce hat auch Halt in der Messe Frankfurt gemacht. Sie zeigt vor allem eins: Das Zeitalter der KI-Agenten hat nun auch im Rechenzentrum begonnen – wenngleich aktuell Chatbots das Sagen haben.

Die Veranstaltungsreihe „Agentforce World“ hat vor Kurzem auchin Frankfurt am Main Sation gemacht. Autor Dr. Dietmar Müller ist vor Ort gewesen. (Bild:  dmu)
Die Veranstaltungsreihe „Agentforce World“ hat vor Kurzem auchin Frankfurt am Main Sation gemacht. Autor Dr. Dietmar Müller ist vor Ort gewesen.
(Bild: dmu)

Das vergangenen Herbst ausgebrochene Agentenfieber hat mittlerweile die gesamte Branche infiziert: kein Software-Anbieter mehr, der mehr ohne Agentic AI im Portfolio auftreten mag; denn das Konzept fasziniert viele. Verschiedene Systeme arbeiten zusammen, um komplexe Aufgaben auch im Rechenzentrum zu lösen – und zwar eigenständig (siehe: „Mega-Trend Agentic AI; Agenten im Rechenzentrum zerstören Paradigmen“). Die Technologie hilft Unternehmen generell dabei, Entscheidungen zu treffen, auszuführen und im besten Fall zu optimieren. Im Rechenzentrum sorgt er für optimierte Prozesse. Und in der Logistik und in der Produktentwicklung findet man sie auch immer öfter.

Am häufigsten haben Menschen aber Kontakt, wenn sie sich an den Support eines Unternehmens wenden. Dort begrüßt sie immer öfter ein cleverer Chatbot. Die Künstliche Intelligenz (KI) in Agentenform agiert dabei nicht mehr nur reaktiv, sondern handelt zunehmend vorausschauend. Anwender wie Erzeuger zeigen sich begeistert.

Von dieser Begeisterung hat sich auch der SaaS-Pionier Salesforce anstecken lassen, der sich nach den Worten von Alexander Wallner, Deutschland-Chef und CEO Zentraleuropa bei Salesforce, mittlerweile als KI-Unternehmen versteht. In der Halle 3 der Messe Frankfurt hat nämlich Mitte Mai die Agentforce World Tour einen Stopp eingelegt, um Deutschland von den Vorzügen der neuen Technologie zu überzeugen.

„Ich persönlich habe noch nie eine Technologie erlebt, die in einem solchen Maße durchgestartet ist“, erklärte zur Eröffnung der Head of Marketing Salesforce Central Europe, Martin Grosse. Kein Wunder: Die Analysten von PwC gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 agentische KI bis zu vier Billionen Euro pro Jahr erwirtschaften wird. Da will jeder mit dabei sein.

Verschiedene Arten von Agenten

Noch aber sind wir in den Kindheitstagen der KI-Agenten, Anwender sind noch rar gesät: Einige zeichnete Salesforce noch vor den Keynotes mit so genannten „Agentblazer Awards“ für ihre Entwicklungen auf Basis der Agentforce Plattform aus: Endress+Hauser, ein Anbieter für Mess- und Automatisierungstechnik, etwa hat einen „virtuellen Empfangsschalter“ gebaut, dort erhalten Kunden erste Hilfe. Hey Lou Hotels schickte einen KI-Agenten ins Rennen, der weitgehend eigenständig für die Beantwortung von Gästeanfragen und Sonderwünschen zuständig ist.

Ein weiterer Agent soll für konsistente und personalisierte Gästeerlebnisse sorgen. Der KI-Agent von Karl Storz dient dem Vertrieb des familiengeführten Experten für Medizintechnik, indem er die Informations- und Statussuche sowie Zusammenfassungen über die Angebotserstellung bis hin zu administrativen internen Prozessen übernimmt.

Anhand dieser Beispiele wird klar, dass KI-Agenten zuallererst als Chatbots zum Einsatz kommen, wobei Wallner im Gespräch mit DataCenter-Insider eine Evolution von Chatbot über Copiloten bis hin zum heutigen Agenten ausgemacht haben will. Richtig ist, dass die heutigen Agenten weitaus mehr LLMs als frühere Chatbots nutzten. An ihrer Aufgabe hat sich primär aber nichts geändert.

Sicherlich: Neben der Beantwortung von Anfragen können Agenten jedoch zum Beispiel auch dabei helfen, Arbeitsabläufe zu organisieren, Inhalte zu erstellen oder zu optimieren und interne Wissensdatenbanken zu pflegen. Oder sie unterstützen bei der Recherche und Entscheidungsfindung. „Die Möglichkeiten von KI-Agenten sind grenzenlos“, meinte Deutschland-Chef Wallner.

Fachkräftemangel zwingt zum Einsatz von Agenten

Auf jeden Fall ersetzen sie aktuell reale Personen im Callcenter. „Die neuen Team-Mitglieder im KI-Zeitalter sind die KI-Agenten”, erklärte entsprechend Wallner weiter. „Der kompetente Einsatz und die Integration der KI-Agenten in menschliche Teams kann für Unternehmen zum echten Gamechanger werden: Agentic AI ermöglicht eine nahtlose Skalierung von Ressourcen und unterstützt damit insbesondere den deutschen Mittelstand in Zeiten des Fachkräftemangels – für robustes Wachstum und Erfolg im internationalen Wettbewerb.”

Deutschland-Chef Wallner bei der Eröffnung der Agentforce. (Bild:  dmu)
Deutschland-Chef Wallner bei der Eröffnung der Agentforce.
(Bild: dmu)

Für ihn ist der Fachkräftemangel sowieso der Treiber Nummer 1 für die Weiterentwicklung der KI: Einerseits würde die wirtschaftliche Lage immer herausfordernder, andererseits die Kunden immer anspruchsvoller – eben weil sie aufs Geld schauen müssten. Ein KI-Agent, der als Chatbot beziehungsweise Copilot agiert, könne einen Support-Mitarbeiter ersetzen, koste nach der Entwicklung aber praktisch nichts mehr.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu RZ- und Server-Technik

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Wallner möchte aber nicht nur die Unternehmen fit machen fürs KI-Zeitalter, sondern gleich ganz Deutschland: 750.000 Euro werde Salesforce unter anderem in die Ausbildung von Lehrkräften an den am meisten benachteiligten Schulen in Deutschland stecken, die wiederum ihre Schüler mit der neuen Technologie vertraut machen sollen.

Ohne Cloud kein Agent

Im weiteren Verlauf der Agentforce richtete sich das Augenmerk von den KI-Agenten zunehmend in Richtung auf die sie unterfütternde Data Cloud. Amelie Werner, Manager Solution Engineering bei Salesforce, machte dem Auditorium klar, dass nur ein gepflegter Datenstamm zu korrekten Outputs der Agenten führen könne.

In anderen Worten: Sind die Daten nicht in Ordnung, kommt auch mit dem besten Agenten hinten nichts Vernünftiges raus. Aus diesem Grund wird etwa beim ober erwähnten Medizintechnik-Experten Karl Storz noch mehr auf Korrektheit und Vollständigkeit von Datensätzen geachtet.

„Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass die Bereiche nun eifrig ihre Datenbasis in Ordnung bringen“, erläuterte Marius Sigmund, Senior Director, IT Digital Platforms bei Karl Storz. „Denn wenn der Agent nicht findet, was er sucht, kann er nicht arbeiten.“

(ID:50445717)