EuroHPC wird für europäisches KI- und Quanten-Ökosystem verantwortlich Rechts- und Finanzrahmen für europäische KI-Gigafabriken beschlossen

Von Daniel Schrader 3 min Lesedauer

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Der EU-Rat erweitert das Mandat der Supercomputing-Initiative „EuroHPC JU“. Diese wird Ausschreibung, Bau und Betrieb von „KI-Gigafabriken“ (Gigafactories) koordinieren. Ausschreibungen starten im ersten Quartal 2026. Zugleich soll EuroHPC auch dem Quantencomputing in Europa „vom Labor in die Fabrik“ helfen.

Der EU-Rat schafft einen Rechts- und Finanzrahmen für die Koordinierung von Ausschreibung, Bau und Betrieb von „KI-Gigafabriken“, aber auch die Förderung des Quanten-Ökosystems durch die Initiative EuroHPC. (Bild:  GPT-Image / KI-generiert)
Der EU-Rat schafft einen Rechts- und Finanzrahmen für die Koordinierung von Ausschreibung, Bau und Betrieb von „KI-Gigafabriken“, aber auch die Förderung des Quanten-Ökosystems durch die Initiative EuroHPC.
(Bild: GPT-Image / KI-generiert)

Der Rat der Europäischen Union hat eine Erweiterung der europäischen Supercomputing-Initiative „EuroHPC JU“ beschlossen. Die am 20. Januar 2026 in Kraft getretene Änderungsverordnung ermöglicht die Koordination von Entwicklung und Betrieb der KI-Gigafabriken durch EuroHPC. Damit wird eine gesetzliche Basis für die 2025 angekündigten bis zu fünf „AI Gigafactories“ geschaffen, welche in Kooperation mit Mitgliedsstaaten und der Privatwirtschaft entstehen sollen.

EuroHPC ist bereits seit einer Kompetenzerweiterung im Jahr 2024 für „KI-Fabriken“ jenseits des Giga-Maßstabs verantwortlich, welche an Forschungseinrichtungen in Europa angesiedelt sind. In Deutschland sind es die Jupiter AI Factory am Forschungszentrum Jülich und das vom Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart koordinierte „Hammer HAI“. Das ursprüngliche, auf Hochleistungsrechnung fokussierte Mandat von EuroHPC wurde 2021 beschlossen.

Die am 16. Januar 2026 verabschiedete Änderungsverordnung schreibt nun konkret fest, dass die neu entstehenden „Großanlagen“ mit drei- bis viermal so vielen Beschleunigern wie aktuelle KI-Fabriken an den Start gehen sollen. Die Gigafabriken sollen auch explizit der „Entwicklung der nächsten Generation hochmoderner KI-Modelle“ dienen. Ziel ist es, neben Forschungseinrichtungen insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen, Start-ups und Scale-ups einen Zugang zu europäischen KI-Kapazitäten zu eröffnen. Gleichzeitig sollen bestehende KI-Fabriken und neue Großanlagen ein nahtloses europäisches KI-Ökosystem unter Koordination durch EuroHPC bilden.

Während EuroHPC bei den kleineren KI-Fabriken eigenständig für „Entwicklung und Betrieb“ zuständig ist, geht es bei den Großprojekten um Kooperationen mit den jeweils aufnehmenden Staaten und Bewerber-Konsortien aus Infrastrukturentwicklern- und Lieferanten, konkret um „Unterstützung der Gründung von KI-Gigafabriken und des Zugangs zu ihnen und ihren Diensten“. Das Bewerbungsverfahren für KI-Gigafabriken wird EuroHPC gemeinsam mit den jeweils aufnehmenden EU-Staaten steuern. Auch über mehrere Mitgliedsstaaten verteilte KI-Rechenzentren sollen möglich sein. Die Ausschreibung für Konsortien soll im ersten Quartal 2026 starten.

Finanzierungsrahmen der KI-Gigafabriken expliziert

Zudem schafft die Verordnung einen klaren Rahmen für die Finanzierung und Förderung der KI-Gigafabriken. Insgesamt erweitert der Rat die Finanzierung des gesamten EuroHPC-Programms um weitere 1,04 Milliarden auf 4,12 Milliarden Euro. Aus diesen Mitteln soll die Europäische Union maximal 17 Prozent der Investitionskosten (Capex) jeder KI-Gigafabrik übernehmen, begleitet von mindestens dem gleichen Beitrag seitens eines oder mehrerer aufnehmender Mitgliedstaaten.

Zusätzliche EU-Mittel sollen ebenfalls in die einzelnen Großrechenzentren fließen können, solange die Heimatstaaten jedes Projektes die gleiche Summe zusteuern. Damit entsteht auch ein möglicher Umsetzungsrahmen für das bereits zugesagte Investitionspaket von 20 Milliarden Euro aus privaten, staatlichen und EU-Mitteln. Die restlichen Ausgaben sowie die Betriebskosten werden vom jeweils Bewerberkonsortium getragen. Entsprechend den geleisteten finanziellen Beiträgen werden dann anteilsmäßig Zugriffszeiten für die EU und die beteiligten Mitgliedstaaten in der jeweiligen Gigafabrik gesichert.

EuroHPC soll europäisches Quantenökosystem fördern

Zudem gehört mit der neuen Verordnung auch das „gesamte Quantenökosystem“ zum Verantwortungsbereich von EuroHPC. Das gemeinsame Unternehmen soll insbesondere dabei helfen, Quantentechnologien „vom Labor in die Fabrik“ zu bringen, „Fortschritte in allen Quantenbereichen in reale Anwendungen“ zu münzen und „Leitmärkte“ aufzubauen. Neben Unterstützung für die Entwicklung fehlertoleranter Quantencomputer und einer europäischen Lieferkette für diese gehören auch Quantenkommunikation, -Sensorik und -Metrologie zu den Schwerpunkten. Zudem soll EuroHPC aktiv die Talententwicklung sowie internationale Kooperationen fördern. Für diese Aufgaben stellt die EU aus der erweiterten Finanzierung 160 Millionen Euro zur Verfügung.

Sechs Quantencomputer sind bereits Teil der Initiative, die zudem zwei weitere Projekte mitfinanziert hat. EuroHPC hat angekündigt, für den neuen Auftrag in den nächsten Monaten ein Beratungsgremium für Quantentechnologien als Teil seines wissenschaftlichen und technischen Beirats aufzubauen.

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