„Azure Stack HCI“ kommt in einer neuen Version. Verbessert haben sich Installationsroutinen und die Service-Auswahl. Dafür ist die Integration mit der Cloud-Variante enger als bisher.
Die neue Version „23H2“ von „Microsoft Azure Stack HCI“ ist enger mit Azure verzahnt und lasst sich komfortabler installlieren.
(Bild: Microsoft)
Wie jedes Jahr bringt Microsoft auch 2023 eine neue Version seiner On-Prem-Variante von Azure, Azure Stack HCI heraus. „Azure Stack HCI 23H2“ kam allerdings so spät im Jahr, dass die Neuerungen erst jetzt, also im Jahr 2024, dem Markt erkläutert wurden.
Das übernahm für den Infrastrukturspezialisten Thomas-Krenn AG Manfred Helber, Microsoft Most Valuable Professional, etwa in einem Webinar. „Microsoft ist dieses Mal ein bisschen zu spät mit der neuen Version“, moniert der Spezialist, der zwar eng mit dem Software- und Cloud-Service-Anbieter verbunden ist, aber nicht selbst für ihn arbeitet.
Etwas Geschichte
Zur Erinnerung: Die ersten Azure-Services wurden 2008 unter dem Codenamen „Red Dog“ angekündigt. Zu den ersten Diensten gehörte ein Mail-Service, der auf dem Service des aufgekauften Mail-Dienstleisters Hotmail basierte.
Services aus der öffentlichen Cloud sind insbesondere aus Datenschutz-, aber auch aus anderen Gründen sind jedoch nicht für jeden als alleinige Infrastrukturbasis interessant. Deshalb bietet Azure seit 2020 mit Azure Stack HCI eine On-Prem-Variante an. Für sie gibt es jedes Jahr eine neue Version.
Hyperkonvergenz ist Trend
Günstig für Microsoft ist dabei, dass Hyperkonvergenz-Architekturmodell im Trend liegt. So zitierte Helber ohne Quelle eine Umfrage, derzufolge 80 Prozent der Anwender, die heute noch On-Prem-Infrastrukturen betreiben, bei der nächsten Infrastrukturerneuerung zu einer HCI wechseln wollen, statt Server, Storage und Netzwerk weiter getrennt zu betreiben.
Anwendern empfiehlt Helber, auf jeden Fall zertifizierte Hardware zu verwenden. Solche haben die Thomas-Krenn AG und eine Reihe anderer Anbieter vielfältig im Programm.
Bekannte Microsoft-Komponenten im Hintergrund
Azure Stack HCI setzt auf drei bereits bekannten Microsoft-Komponenten auf: dem Hypervisor „Hyper-V“, der auch hinter der gesamten Azure Cloud steht, der Speichervirtualisierung „Storage Spaces Direct“ (S2D) und einem softwaredefinierten Netzwerk. S2D gibt es seit der Ankündigung von „Windows Server 2016“ und die SDN-Implementierung speist sich ebenfalls aus einer bereits vorhandenen Lösung.
Die drei Komponenten lassen sich mit „Windows Server 2022“, Datacenter-Version, kombinieren. Oder sie lassen sich als Azure Stack HCI beziehen. Letzteres setzt allerdings eine Verbindung zu MS Azure voraus. Die darf zwar bis zu 30 Tagen ausfallen, ohne dass das System in die Knie geht, muss aber grundsätzlich genutzt werden.
Außerdem stecken in der HCI-Variante keine Nutzungsrechte für virtuelle Windows-Server. Das Management des Servers erfolgt bei Azure Stack HCI 23H2 direkt über das Azure-Portal, was vorher nicht der Fall war.
Azure-Services auf On-Prem-Infrastruktur nutzen
Wer sich die Lösung implementiert, kann nun eine ganze Reihe von Azure-Services direkt auf seiner On-Prem-HCI-Hardware betreiben. Einschränkend ergänzt Helber: „Allerdings stehen aktuell noch nicht alle Azure-Services für die On-Prem-Nutzung zur Verfügung.“ Beispielsweise ist Intune, ein Service zur Verwaltung von Client-Systemen, noch nicht auf Azure Stack HCI möglich, sondern nur direkt aus der Azure-Cloud.
Die On-Prem-Installation von Azure Stack HCI 23H2 erscheint aus der Sicht des Anwenders als eigene, nur für ihn oder sie sichtbare Azure-Region. Daneben sieht man alle allgemein verfügbaren Regionen.
Fehlersicheres Deployment über Azure
Deutlich vereinfacht wurde das Deployment. Bisher musste der Vor-Ort-Server mit dem HCI-Betriebssystem beladen, vollständig konfiguriert und dann für die Registrierung mit der Azure-Cloud verbunden werden.
Mit der Version 23H2 installiert man auf den lokalen Knoten lediglich das Betriebssystem. Schon dann wird die Registrierung in Azure angestoßen.
Der neue Cluster wird dort registriert, und die weitere Konfiguration erfolgt gesteuert durch Azure. Das, so Helber, standardisiere den Vorgang und beseitige viele Fehlerquellen.
Powershell-Deployment ist nicht mehr
Dafür funktioniert das Deployment mit Hilfe der Oberfläche „Powershell“ nicht mehr. Die Bereitstellung muss über Azure erfolgen.
Stand: 08.12.2025
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Das betrifft auch die „Zeugen“-Komponente, die bei Cluster-Umgebungen erforderlich ist. Sie muss zunächst auf Azure bereitgestellt werden. Später kann man sie auf ein lokales Laufwerk verlegen.
Die drei Komponenten „S2D“, „Hyper-V“ und „SDN“ stecken in „Azure Stack HCI“.
(Bild: Microsoft/Thomas-Krenn AG)
Auch die Implementierung von Updates und das Management virtueller Maschinen vor Ort oder in der Cloud wurden vereinheitlicht. Beides erfolgt nun über dasselbe Tool aus der Azure-Cloud heraus.
Das „Defender“-Sicherheits-Management lässt sich über Azure aktivieren. „Secure Boot“ ist jetzt standardmäßig aktiviert. Das erfordert allerdings, dass die eingesetzten Maschinen ein „Trusted Platform Module, Version 2“ (TPM2) haben. Dies ist bei allen zertifizierten Plattformen der Fall.
„Azure Trusted Launch“ VMs kommen direkt abgesichert. In Azure verfügbare Sicherheitsfunktionen lassen sich nach der Aktivierung in virtuelle Maschinen vor Ort hineinstellen.
Lizenzen: Aktive Kerne zählen
Bei der Lizenzierung bemisst sich der Preis für Azure Stack HCI 23H2 nach der Zahl der aktiven Prozessorkerne. Wer die Lösung nutzt, braucht keine Betriebssystemlizenz.
Bei der Aktivierung verbindet sich das System mit Azure, das automatisch die Zahl der aktiven Kerne zählt. Nicht aktive Kerne bleiben außen vor.
Azure fragt täglich nach, wie viele Kerne aktiv sind und rechnet entsprechend ab. Wer im Lauf des Tages Kerne aktiviert oder deaktiviert, kann dies auch manuell melden, dann erfolgt die Abrechnung stundengenau.
„Azure Stack HCI 23H2“ lässt sich nur mit „Azure“-Verbindung betreiben - vorübergehend, also bis 30 Tage hintereinander, darf diese aber ausfallen.
(Bild: Microsoft/Thomas-Krenn AG)
Fällt die Verbindung aus, berechnet Azure weiterhin die bis zu dem Ausfall aktiven Kerne. Geändert wird ihre Anzahl, sobald die Verbindung wieder steht und die nächste Abfrage eine veränderte Kernzahl ergibt.
Kunden zahlen eine Pauschale von 10 Dollar pro Kern und Monat, beim Betrieb virtueller Windows-Server weitere 23,30 Dollar pro Monat und Kern, also insgesamt 33,30 Dollar pro Kern und Monat. Die ersten 60 Tage sind frei.
Alternatives Lizenzmodell: OEM-Serverlizenz
Wer seine Server bei der Thomas-Krenn AG kauft, kann vom so genannten Azure-Hybridvorteil profitieren. Der erschließt sich Kunden, die dort eine Windows-Server-OEM-Lizenz für ihre Server sowie ein Software-Assurance-Agreement für drei Jahre erwerben. Die Lizenz muss mindestens 16 verbaute Kerne umfassen. In diesem Fall entfallen sämtliche weiteren Gebühren für Azure Stack HCI 23H2, die oben dargestellt wurden.
Die dritte Möglichkeit besteht darin, bei dem niederbayerischen Computerbauer lediglich die Server-OEM-Lizenz zu erwerben, aber nicht die Software Assurance. Dann ist an Azure nur die Basis-Dienstgebühr von 10 Dollar pro Monat und aktivem Kern zu entrichten.
Was am Ende besser ist, müssen Anwender ausrechnen. Für kleine Implementierungen mit wenigen Kernen wird öfter die On-Demand-Variante günstiger sein, für größere mit vielen Kernen möglicherweise die OEM-Serverlizenz von der Thomas-Krenn AG.