KI beschleunigt die Code-Erstellung und Agenten und versprechen Entlastungen, zeigt eine Gitlab-Umfrage unter Entwicklern. Gleichzeitig macht KI fragmentierte Toolchains, komplexe Unternehmensabläufe und Compliance-Anforderungen kritischer. Diese kosten Entwicklern sieben Stunden pro Woche.
Eine Gitlab-Befragung von IT-Fachkräften weltweit zeigt ein „KI-Paradox“: KI macht Entwickler tatsächlich schneller, ihr Arbeitspensum wächst aber weiter.
(Bild: Midjourney / GPT-Image / KI-generiert)
Der „Gitlab Global DevSecOps Report für 2026“ („Das Zeitalter der intelligenten Software entwicklung“), in einer internationalen und in einer deutschen Fassung veröffentlicht, macht zweierlei deutlich: Einerseits ist KI bei Software-Entwicklung, Sicherheit und Betrieb (DevSecOps) längst ein etabliertes Werkzeug. Andererseits sinkt trotz steigender Produktivität der menschliche Gesamtaufwand gerade nicht.
So nutzen 63 Prozent der Teams bereits KI im Lebenszyklus der Software-Entwicklung, 28 Prozent planen es in den nächsten zwei Jahren zu tun. 88 Prozent der Nutzer sagen, dass KI dabei mindestens 25 Prozent der Beiträge leistet. Im Schnitt haben es die Entwickler bereits heute mit einem Drittel von KI-generiertem Code zu tun. Für 81 Prozent übertrifft das Einführungstempo von KI-Tools ihre Erwartungen.
Auch die Potenziale sind klar. Insbesondere von autonomen KI-Agenten versprechen sich Spezialisten im DevSecOps-Bereich produktive Synergien. 82 Prozent geben an, dass der Einsatz agentischer KI ihre Job-Zufriedenheit steigern könne. Insbesondere administrative und vorbereitende Nebentätigkeiten, die aktuell 18 Prozent des Arbeitsalltages der Befragten ausmachen, könnten KI-Agenten produktiv übernehmen.
Solange Workflows menschlich geprüft sind, trauen 83 Prozent KI-Agenten auch komplexe Aufgaben wie die selbstständige Behebung von Sicherheitslücken zu. Damit gehören Kompetenzen in der Implementierung von KI für Security und Compliance (43 Prozent) sowie für die Code-Erstellung (39 Prozent) zu den meistgenannten Fähigkeiten, die ein Entwickler 2026 mitbringen sollte.
„Künftig wird es eher mehr Entwickler geben“
Trotz Nachrichten über Entlassungswellen sagen so 76 Prozent der Befragten weltweit und in Deutschland, dass zwar „KI die Programmierung vereinfacht“, zugleich aber eher „es mehr Entwickler geben wird“. Grund dafür sind nicht nur neue Möglichkeiten, sondern auch eine steigende Komplexität.
Weltweit nutzen 60 Prozent der Teams mehr als fünf Tools für die Software-Entwicklung, eine knappe Hälfte zudem fünf oder mehr KI-Tools gleichzeitig. Fast 40 Prozent der IT-Spezialisten greifen dabei auf KI-Tools zu, die offiziell nicht von ihrer Organisation freigegeben wurden.
73 Prozent der Befragten sind mit Problemen durch das so genannte Vibe Coding in natürlicher Sprache über KI-Prompts vertraut. Sicherheitslücken, Beschränkungen bei komplexem Code und die Notwendigkeit, KI-Code umzuschreiben, gehören zu den meistgenannten Problemen.
Auch im Einsatz von KI-Agenten gehören Sicherheitsrisiken und mangelnde Qualitätskontrolle zu den Hauptbedenken. 76 Prozent der weltweit befragten meinen, dass der verstärkte Einsatz agentischer KI „beispiellose Sicherheitsanforderungen“ für ihre Unternehmen mit sich bringen wird.
Entwickler teilen Compliance-Bedenken und stolpern im Compliance-Dickicht
Ein weiterer Kontrast zeigt sich weltweit, und besonders stark bei IT-Spezialisten in Deutschland: Fast alle (98 Prozent) nutzen KI für den Lebenszyklus der Software-Entwicklung oder planen es. Fast alle (97 Prozent) haben dabei Datenschutzbedenken. Global sind das je 97 und 94 Prozent. 58 Prozent der Entwickler in Deutschland und 49 Prozent weltweit befürchten, dass KI-Dienstleister Daten ohne klare Richtlinien speichern oder weiternutzen.
So gehen global 48 Prozent der Befragten (Deutschland: 45 Prozent) davon aus, dass vertrauliche Informationen in KI-Antworten für andere Nutzer gelangen könnten. 53 Prozent der Befragten aus Deutschland sehen grundsätzliche Schwierigkeiten bei der Einhaltung von Datenschutzbestimmungen bei dem KI-Einsatz.
Praktisch bedeutet das ein Gemenge an eingesetzten Richtlinien und viel Ad-Hoc-Arbeit bei deren Umsetzung. 76 Prozent der Befragten in Deutschland und weltweit stimmen zu, dass nach der Bereitstellung mehr Compliance-Probleme entdeckt werden als während der Entwicklung.
Mehrere Compliance-Frameworks (der Bericht definiert Compliance breit) kommen dabei in vielen Unternehmen parallel zum Einsatz. Weltweit stützen sich 37 Prozent der Befragten auf die ISO 27001, 33 Prozent auf die europäische DSGVO.
Stand: 08.12.2025
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Gleichzeitig zu regulatorischen Normen kommen auch acht weitere Standards und Frameworks in circa 20 Prozent der befragten Unternehmen für Compliance-Zwecke Einsatz, darunter das Regelwerk der Kartenzahlungsindustrie PCI-DSS (24 Prozent) oder das Cybersecurity-Framework des U. S. National Institute of Standards and Technology (23 Prozent). Insbesondere die Einhaltung der Vorgaben aus ISO 27001 und der DSGVO sehen viele Befragte (33 respektive 31 Prozent) als Herausforderung für die nächsten 18 Monate. Deutschland folgt diesem Trend weitgehend.
Methodik der Studie
Das Markt- und Meinungsforschungsunternehmen The Harris Poll befragte im Auftrag von Gitlab zwischen 31. Juli und 15. August 2025 3266 IT-Spezialisten, die Mehrheit auf Manager- oder Geschäftsführer-Ebene. Sie teilen sich insgesamt genau zu einem Drittel und in Deutschland annähernd gleichmäßig auf die Bereiche Softwareentwicklung (36 %), IT-Sicherheit (34 %) und IT-Operations (29 %) auf.
Fast zwei Drittel der Befragten stammen aus Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitenden. Ein Drittel arbeitet in den USA, je acht Prozent (je 251 Befragte) in dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Australien, Indien, Japan und Singapur.
Auswahlkriterien und Antwortraten wurden nicht veröffentlicht, The Harris Poll habe aber Panel-Stichproben eingesetzt und von einem „proprietäre[n] Zugriff auf Listen, Panels und Datenbanken für hochwertige Antworten“ profitiert.
Ein KI-Paradox
Die Befragten verbringen so im Schnitt 13 Stunden pro Monat mit Compliance-Aufgaben, ihre Teams sind an durchschnittlich 9 Audits pro Jahr beteiligt. 72 Prozent der Befragten weltweit und 69 Prozent in Deutschland beklagen, dass die Behebung von Sicherheitslücken durch bürokratische Hürden im Unternehmen verzögert wird. Zugleich erwarten 82 Prozent für die Zukunft, dass Compliance-Anforderungen schon bis 2027 fest im Code integriert und automatisch angewendet sein sollen.
André Braun, DACH-Verantwortlicher bei Gitlab, sieht hier im Zusammenspiel mit organisatorischen Ineffizienzen ein „KI-Paradox“: „Fragmentierte Toolchains haben Effizienzverluste für Entwicklungsteams geschaffen, wobei KI-Agenten dieses Problem zusätzlich verstärken“. Wohl auch mit Blick auf die mit dem Bericht beworbene „Gitlab Duo Agent Platform“ betont Braun die Notwendigkeit integrierter Frameworks, die „eine intelligente Orchestrierung über den gesamten Lebenszyklus der Softwareentwicklung“ ermöglichen und „die eng miteinander verknüpften Anforderungen an KI-Orchestrierung, Governance und Compliance abdecken“.
KI verändert den Entwicklungsalltag, doch wie?
„KI wird meine Rolle in den nächsten fünf Jahren signifikant verändern“, sagen 83 Prozent der Befragten weltweit. Sie sind sich weniger darin einig, wie diese Transformation aussehen wird. 40 Prozent denken, dass KI schnellere Karrierewege für Junior-Entwickler eröffnet; 35 Prozent meinen zugleich, dass die Zahl von Junior-Entwicklern insgesamt abnehmen wird.
Je 40 Prozent prognostizieren, dass Entwickler primär als Prompt-Ingenieure und Code Reviewer beziehungsweise als Verwalter von KI-Agenten tätig sein werden. Zugleich gehen 39 Prozent davon aus, dass branchenspezifisches Wissen an Wert gewinnen wird, während 37 Prozent eine steigende Kompetenz für Geschäftsauswirkungen als entscheidend sehen.
Genauso uneins sind die Software-Verantwortlichen in ihrem Idealbild einer perfekten Arbeitsaufteilung zwischen Menschen und KI. 27 Prozent würden der KI drei Viertel der Aufgaben delegieren, 23 Prozent drei Viertel der Aufgaben in menschlicher Hand präferieren (in Deutschland sogar 35 Prozent), während 43 Prozent eine 50/50-Aufgabenteilung vorziehen.
Mangelnde Kommunikation und Weiterbildungsmöglichkeiten bleiben Dauerthemen
Andere Klagen von Entwicklern bleiben unabhängig von der KI-Transformation beständig. So betonen zwar 88 Prozent, dass der Erwerb neuer Kompetenzen entscheidend für ihre Job-Zufriedenheit ist, zugleich beklagen 68 Prozent, dass ihr Unternehmen ihnen nicht entsprechend Zeit oder Ressourcen bereitstellt (71 Prozent in Deutschland).
Antworten der Befragten verweisen zudem auf langfristige und prävalente Kommunikationsmängel und Ineffizienzen, welche durch den (agentischen) KI-Einsatz weiter verstärkt werden können. DevSecOps-Spezialisten beklagen primär fehlende Kommunikation zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen (32 %), mangelnden Wissensaustausch (31 Prozent), eine Vielzahl an verschiedenen Tools bei verschiedenen Teams (30 Prozent), organisatorische Silos (27 Prozent), veraltete Dokumentation (27 Prozent) und allgemein ineffiziente und unklare Arbeitsprozesse (28 Prozent).
Also: Das neue „Zeitalter der intelligenten Software-Entwicklung“ übernimmt damit vielerlei aus dem Heute und Gestern der Entwickler.