Außerhalb der Großstädte und ihrer direkten Umgebung wird vielerorts Bandbreite schnell zum raren Gut. So auch im Siegerland, wo nun ein neues Rechenzentrum mit sehr breitbandiger Anbindung zum zentralen Internet-Austauschpunkt DE-CIX in Frankfurt entsteht.
Ein kombiniertes SaaS- und Co-Location-Rechenzentrum baut Dinfra in Siegen.
(Bild: Dinfra)
Jonas Volprecht, Vertriebschef des Betreibers Dinfra, betont hinsichtlich der neuen Anlage: „Wir haben eine Anbindung von 100 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) an den DE-CIX. Das gibt es im Umkreis von etwa einhundert Kilometern nicht nochmal.“ Sie soll bereits in einigen Monaten in Betrieb gehen.
Zusammenschluss mehrerer Unternehmen
Die Dinfra gibt es seit mittlerweile zwei Jahren. Der Dienstleister ist ein Zusammenschluss dreier in der Gegend ansässiger Firmen: des auf IT und Sicherheitsthemen spezialisierten Systemhauses Effexx ITS, der Uponu GmbH und der DeRZ GmbH. Uponu entwickelt Software für den automatisierten Betrieb und die Verwaltung von Service-Rechenzentren, die DeRZ plant, baut und wartet Rechenzentren.
Gemeinsam hat das Trio inzwischen drei Standorte, ein weiterer beim Frankfurter Co-Location-Anbieter Digital Realty soll dazukommen. Das Rechenzentrum verfolgt das Konzept, seinen Kunden alles anzubieten, was sie für eine hybride IT-Landschaft brauchen: Räume für das Co-Location, in die sie ihre eigene IT stellen können, Infrastrukturservices, Softwareservices und Beratung.
Breites Servicepaket
Bei den Infrastrukturservices ist vorläufig geplant, sich auf allgemein benötigte Dienste zu beschränken. Dazu gehören Services wie E-Mail samt ihrer Verschlüsselung und Archivierung, Datensicherheit für „MS 365“, eine Cloud-Telefonanlage sowie Disaster Recovery mitsamt der Möglichkeit, Applikationen im Dinfra-Rechenzentrum hochzufahren, und Backup.
Die Dinfra-Rechner werden primär mit Luft gekühlt. Das Unternehmen beabsichtigt, Abwärme an benachbarte Firmen abzugeben.
(Bild: Dinfra)
Der vierte Baustein, Beratung, soll den Kunden zur individuell passenden Infrastruktur verhelfen. „Mit unseren Beratungsleistungen wollen wir die Kunden dabei unterstützen, genau die Infrastruktur zu bauen, die für sie am besten passt“, sagt Volprecht. Das könne die Verbindung eines On-Premises-Teils mit Softwarediensten oder deren Kombination mit einer Co-Location-Infrastruktur bei Dinfra sein.
Platz für 120 Racks
Das Rechenzentrum bietet Platz für 120 Racks. Davon beansprucht Dinfra für die eigene SaaS-Infrastruktur eine Suite mit 12 Racks, also etwa ein Zehntel.
Der Raum für die restlichen 110 Racks steht Kunden zur Verfügung und wird schrittweise ausgestattet. „Sie können bei uns vom gesicherten Schrank bis zu einer oder mehreren abgeschlossenen Suiten mit jeweils zwölf Schränken genau das wählen, was sie brauchen.“
Zielgruppen
Dinfra wendet sich explizit sowohl an IT-Leiter als auch an Geschäftsführer und Inhaber. Das lässt den Schluss zu, dass mittelständische Kunden eine wichtige Zielgruppe sind. Außerdem entspricht das der wirtschaftlichen Struktur der Region.
Jonas Volprecht, Vertriebsleiter bei Dinfra: "Wir wollen unseren Kunden wirklich alles anbieten, was sie brauchen."
(Bild: Dinfra)
Das Unternehmen legt großen Wert darauf, seinen Kunden Datensouveränität zu bieten: Alle Leistungen werden unabhängig von einzelnen Herstellern oder Providern erbracht und das soll, so die Website, auch zukünftig so bleiben. Die Datenspeicherung findet grundsätzlich in den Grenzen des durch die DSGVO Erlaubten in Deutschland oder Europa statt.
Zwei Umspannwerke in der Nachbarschaft
Angestrebt wird eine Zertifizierung entsprechend EN 50600 und Tier III, der für kommerzielle Rechenzentren üblichen Sicherheitsstufe. Hinsichtlich der Stromversorgung hat Dinfra günstige Bedingungen: Das Rechenzentrum steht in dem Industriepark IHW, das seinerseits über zwei getrennte Stromversorger verfügt. Jeder betreibt ein Umspannwerk auf dem Areal.
Über die beiden ringförmig verbundenen Umspannanlagen werden das Rechenzentrum und alle anderen Firmen auf dem Gelände versorgt. Das heißt: Eine doppelte Anbindung ans Stromnetz ließ sich ohne großen Aufwand herstellen.
Hinsichtlich der Energie-Effizienz plant die Dinfra laut Volprecht mit einer PUE (Power Usage Effectiveness) von etwas über 1,2 mit Luft nach unten. Die Rack-Leistung soll bei etwa 10 Kilowatt liegen. Das erfordert noch keine Wasserkühlung.
Abwärmenutzung eingeplant
„Wir nutzen eine klassische Kalt-/Warmgang-Einhausung mit einem Primär-Kühlkreis auf Luftbasis“, erklärt Volprecht. Die Wärme der Luft aus den Schränken wird dann über ein Wärmetauschersystem von Vertex an einen sekundären, auf Wasser basierenden Kühlkreislauf übergeben.
Das Dinfra-Rechenzentrum von oben
(Bild: Dinfra)
Ziel ist dabei, die Abwärme an benachbarte Firmen oder auch ein öffentliches Fernwärmenetz abzugeben, wie das die neuen Energie-Effizienzvorschriften des EnEfG vorsehen. Volprecht: „Wir verhandeln bereits mit benachbarten Unternehmen, die sind sehr interessiert.“ Darüber, wer die nötigen Leitungen bezahlt, werde man sich schon einig werden, genauso über eventuell erforderliche Wärmepumpen.
Stand: 08.12.2025
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