„Black Box – From Vision to Reality“ lautet das Motto der Technologietage, der SAP-Anwendergruppe DSAG. Auf der Liste der Forderungen an die Walldorfer stehen Business Cases für Künstliche Intelligenz, eine Roadmap für Nachfolgeprodukte auslaufender Anwendungsmodule und End-to-End-Szenarien für „SAP Datasphere“.
Mehr als 3.000 Teilnehmer diskutieren bei den DSAG-Technologietagen in Hamburg über Business Use-Cases für Künstliche Intelligenz sowie die Produkt-Roadmap und die Geschäftsstrategie der SAP.
(Bild: DSAG)
Realitätscheck: Mehr als 3000 Teilnehmer diskutieren bei den DSAG-Technologietagen in Hamburg über die zukünftige Ausrichtung ihrer SAP-Systeme. DSAG-Technologievorstand Sebastian Westphal und SAP-Technologievorstand Jürgen Müller tauschen sich in der Keynote in einem harmonischen Frage- und Antwort-Spiel zu technologischen Fragen sowie zur Produkt-Roadmap und zur Geschäftsstrategie der Walldorfer aus. An oberster Stelle steht wenig verwunderlich das Thema Künstliche Intelligenz.
Nach dem Hype um „ChatGPT“ richtet sich die Aufmerksamkeit vieler Unternehmen darauf, geeignete Anwendungsgebiete für Generative Künstliche Intelligenz (GenAI) zu finden. Die Integration dieser Technologie in bestehende SAP Produkte ist aus DSAG-Sicht sinnvoll.
Zwischen Vision und nutzbarer Software liegen jedoch aktuell noch Welten. Offen bleibt bislang aus Sicht von DSAG-Sicht zudem, was Künstliche Intelligenz in Form von konkreten Anwendungen bedeutet.
SAPs Cloud-Fokus steht in der Kritik
In der Frage des Betriebsmodells für Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz sind sich SAP und die DSAG nicht ganz einig. SAP hatte 2023 angekündigt, künftige Innovationen wie Künstliche Intelligenz ausschließlich als Premium-Angebot für Kunden mit einem „Rise with SAP“-Vertrag anzubieten. Das hat Unternehmen verunsichert, die auf SAP S/4 HANA Private Cloud oder On-Premise setzen.
Die technische Integration von analytischen Modellen im Kontext einer IT-Architektur sollte man sich laut Westphal nicht Betriebsmodell oder vom Vertragskonstrukt eines Anbieters abhängig machen. „Künstliche Intelligenz ausschließlich in einem singulären Cloud-Vertrags- und -Betriebsmodell anzubieten, ist technisch nicht haltbar, denn Large-Language-Modelle lassen sich auch unabhängig hiervon realisieren.“
An einer zentralen Stelle relativiert Westphal allerdings die Kritik aus dem vergangenen Jahr: „SAP wird Künstliche Intelligenz in den Kernprodukten wie „SAP S/4 HANA“, „Ariba“und „Success Factors embedded“ im Rahmen der Subscriptionsverträge anbieten. Darüber hinaus können die Unternehmen nun über die „Business Technology Plattform“ jedes beliebige System an diese Modelle anbinden.
Klärung der Querverbindungen
Damit ist unsere Forderung nach Technologie-Offenheit erfüllt.“ Der „Generative AI-Hub“ erweitert die auf der SAP Business Technology Platform existierenden Services SAP AI Core und SAP AI Launchpad, um externe Large Language Modelle anzusteuern. Für die Abrechnung dieser Services plant SAP ein eigenes Preismodell.
SAPs Technikvorstand Jürgen Müller rechtfertigt den Cloud-Fokus mit der Reaktion der Anwender auf die SAP-Angebote in Sachen Künstlicher Intelligenz: „Wir haben mehr als 24.000 Kunden für intelligente Anwendungen. Weniger als 1 Prozent davon betreiben diese Systeme inhouse. Wir haben daher unsere Strategie am Votum der Anwender ausgerichtet.“
Auch die CO2-Reporting-Software „Green Ledger“ will SAPs ausschließlich für „RISE-with-SAP“-Premium-Kunden bereitstellen. Das wiederum kritisiert die DSAG: „Die einseitige Preispolitik und Einstellung der bisherigen Produkte Sustainability Control Tower und Sustainability Footprint Management bestärken Unternehmen darin, sich nach Alternativlösungen mit langfristigen Einsatzszenarien umzusehen“, kritisiert Sebastian Westphal. „Das ist der falsche Ansatz, um Nachhaltigkeit wirklich zu fördern.“
SAP Joule versteht den Geschäftskontext der Daten
SAPs Fokus auf „Business AI“ wird beim Assistenten „SAP Joule“ deutlich. Dieser sprachgesteuerte Assistent auf Basis generativer Künstlicher Intelligenz versteht den Geschäftskontext und wird künftig in das Cloud-Portfolio für geschäftskritische Prozesse von Anwenderunternehmen integriert. SAP setzt hier verstärkt auf Partner wie OpenAI.
DSAG begrüßt diese strategische Ausrichtung, verweist aber auf offene kommerzielle, fachliche und technologische Fragen: „Die Anwender brauchen transparente Abrechnungsmodelle und -metriken. Zudem muss sich nachweisen lassen, dass Künstliche Intelligenz bei Prozessentscheidungen geltende Richtlinien einhält.“
Stand: 08.12.2025
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Völlig offen ist bislang die Frage, wie die Unternehmen auf jüngste Anstrengungen aus dem Hause SAP reagieren, Anwender zur Migration ihrer Systemlandschaft in die Cloud zu bewegen. Um die Kosten dieses Umbaus auszugleichen, heben die Walldorfer in der vergangenen letzten Januarwoche SAP eine zeitlich befristete Rabatt-Initiative angekündigt. Bis Ende 2024 erhalten Kunden, die bislang „SAP-ECC“ oder eine ältere Version von S/4 HANA betreiben, beim Umstieg auf die Cloud-Programme Rise with SAP oder „Grow with SAP“ spezielle Gutschriften.
SAP ECC-Anwender bekommen bis zu 45 des jährlichen Vertragswerts gutgeschrieben, wenn sie in eine Private Cloud migrieren und bis zu 100 Prozent, wenn sie in die Public Cloud gehen. Für S/4 HANA-On-Premise-Kunden verspricht SAP 60 respektive ebenfalls 100 Prozent. Die Sorge vor einem Cloud-Zwang durch die Hintertür wiegelt Müller ab: „Wir werden bestehende Inhouse Systeme weiter warten und unterstützen auch künftig Neuimplementierungen in dieser Betriebsvariante.“
Trotz Wartungsende fehlen Nachfolgeproduke
2027 laufen einige SAP-Lösungen aus der Wartung. Wie die zukünftigen Services und Lösungen realisiert werden, steht laut Westphal teilweise noch offen: „Manche Produkte sind noch nicht fertig.“ Wer bislang mit der Identity-Management Anwendung „SAP IDM“ Benutzer und Berechtigungen zentral verwaltet, der muss sich wohl nach einer neuen Lösung umsehen; denn „SAP Cloud Identity Management“ bietet keinen identischen Leistungsumfang und spricht zudem ausschließlich SAP-Landschaften an. Der SAP-Technikvorstand empfiehlt als mögliches Nachfolgeprodukt „Microsoft Entra Verified ID“, ehemals unter „Microsoft Azure Active Directory“ bekannt.
Rundweg positiv bewertet die DSAG das Angebot „SAP Forms Service by Adobe“ als Nachfolgeprodukt des „Adobe Document Service“. Damit werde eine Lücke geschlossen, über die bei den DSAG-Technologietagen im Vorjahr viel diskutiert worden war.
Ein Punkt rund um das Dokumenten-Management bleibt allerdings laut Westphal offen: „Es fehlt ein einheitliches 'Harmonized Document Management' über das komplette SAP-Portfolio hinweg.“ Weiterer Nachholbedarf besteet bei akquirierten SAP-Lösungen wie Ariba, SuccessFactors, aber auch Produkten wie der „Business Technology Platform“ und dem Cloud-Application-Lifecycle-Management.
SAP Datashere bildet noch keine End-to-End-Szenarien ab
Für die im vergangenen Jahr gestartete Strategie SAP Datasphere und die „SAP Analytics Cloud“ ist laut Westphal das Bild der Black-Box besonders anschaulich. „Die Produktvisionen passen. In der Praxis lassen sich damit aber noch keine komplexen, übergreifenden End-to-End-Geschäftsanwendungen abbilden.“ Neben der Live-Connection der SAP Analytics Cloud zu allen SAP-Produkten brauche es auch Verbindungen zu Non-SAP-Quellen.
Bei der Business Technology Platform vermissen die Anwender eine Service-übergreifende Strategie sowie die Konsistenz über alle dazugehörigen Services und deren Zusammenspiel. Nur so lasse sich die Business Technology Platform sowohl mit mehrstufigen Architekturen, als auch mit den zugehörigen Business-Services integrieren.
Bislang sei zudem das Monitoring und Logging der einzelnen Services nicht einheitlich ausgeprägt. „Für das Zusammenspiel der unterschiedlichen Services muss SAP eine einheitliche Strategie erarbeiten, umsetzen und kommunizieren“, fasst Westphal die Forderungen zusammen.
Das Security-Dashboard nimmt Form an
Positiv angetan zeigen sich die Anwendervertreter von den Fortschritten beim Thema SAP Security: „Dass SAP in der Analytics Cloud ein Security-Dashboard parallel zu den Schnittstellen und Partnerlösungen bereitstellt, hilft vor allem mittelständischen Unternehmen sehr“, erläutert Westphal.
Was noch fehle, sei klare Antwort zur Bereitstellung von Security-Tools des „SAP Solution Manager“ über das Jahr 2027 hinaus. Bei der Config-Validation für die Konsistenzprüfung der Systeme und den System-Recommendations gebe es erste Signale von SAP, dass diese Funktionalitäten künftig in „SAP Cloud ALM“ bereitstellen will.