Schrauben an der Developer Experience Die nächste Investitionschance für Telkos

Von Marco Caronna* 4 min Lesedauer

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Für Telekommunikationsunternehmen hat sich das einstige hohe Innovationstempo deutlich verlangsamt. Nachdem sie im vergangenen Jahrzehnt Milliarden in globale 5G-Infrastrukturen investiert haben, stehen Telkos heute an einem Wendepunkt: Die Produktinnovation ist ins Stocken geraten, und die Fachkräfte, die die nächste Generation von Telko-Services vorantreiben könnten, sind schwer zu finden.

'Delevoper Experience' verbessern heißt nicht Incentives und Wohlfühlatmosphäre am Pool.... (Bild:  Midjourney / KI-generiert)
'Delevoper Experience' verbessern heißt nicht Incentives und Wohlfühlatmosphäre am Pool....
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Dunkle Ahnungen: Laut einer PwC-Umfrage von 2024 glauben 46 Prozent der Telko-Beschäftigten, dass ihr Unternehmen in zehn Jahren nicht mehr existieren wird, im Vergleich zu 31 Prozent in anderen Branchen.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, braucht es ein grundlegendes Umdenken: eine innovationsfreundliche Kultur, unterstützt durch Investitionen in die Developer Experience. Der Schlüssel dazu liegt in einer agileren Herangehensweise an die Produktentwicklung. So können Teams schneller iterieren und gleichzeitig die Netzwerkintegrität wahren, die für ihre Kundinnen und Kunden unverzichtbar ist. Der Moment dafür könnte günstiger kaum sein, denn neue KI-Technologien unterstützen diese neuen Prozesse, ohne dabei die Sicherheit oder Stabilität der Infrastruktur zu gefährden.

Damit dieser Anspruch Realität wird, braucht es aber praxisnahe, konkret umsetzbare Frameworks. Hierbei können drei Ansätze Telekommunikationsunternehmen helfen, skalierbare Strukturen aufzubauen, die Agilität fördern und Anpassungsfähigkeit ermöglichen, damit Entwicklerinnen und Entwickler Innovationen vorantreiben und somit gezielt zum Unternehmenserfolg beitragen können.

Agile Development für höheres Innovationstempo

Tools sollten Entwicklungsteams unterstützen, nicht ausbremsen. Die Deutsche Telekom hat ihre Developer-Kultur aus diesem Grund auf agile Methoden umgestellt. Das Ergebnis: Die Release-Zeiten für neue Produkte sanken von 18 auf drei Monate, die Time-to-Market wurde um den Faktor sechs verkürzt. Diese Transformation erforderte nicht nur neue Workflows, sondern eine vollständige Neugestaltung des gesamten Entwicklungsökosystems.

Die Deutsche Telekom ist hierbei kein Einzelfall. Auch Radio France stand vor grundlegenden Herausforderungen bei der Software-Entwicklung. Die dortigenTeams mussten ständig zwischen unterschiedlichen Plattformen für Source-Code-Management und Production Builds hin und her wechseln, was zu Reibungsverlusten führte. Durch die Konsolidierung auf eine einheitliche Plattform für Code-Management und CI/CD konnte Radio France die Deployment-Zeit um 82 Prozent und die Kosten für die CI/CD-Infrastruktur um 70 Prozent senken.

Idealerweise sind Tools genauso dynamisch wie die zugrundeliegenden Workflows. Denn reaktionsschnelle Tools im Zusammenspiel mit schnellen Workflows ermöglichen eine zügigere Iteration. So entsteht eine positive Dynamik, die Entwicklerinnen und Entwicklern effizienteres Arbeiten ermöglicht und kontinuierliche Innovation fördert.

Entwicklungs-Workflows gehören gezielt vereinfacht

Bevor die Grundlagen für einen effizienteren Entwicklungs-Workflow geschaffen werden, sollte zunächst sorgfältig geprüft werden, ob dieser zusätzliche Workflow überhaupt notwendig ist. Diese Abwägung ist gar nicht so einfach; denn viele Workflows entstehen natürlich aus guter Absicht. Doch nicht selten entstehen auch Blockaden oder Ineffizienzen, die am Ende den ursprünglichen Nutzen überwiegen.

Der herkömmliche Entwicklungsansatz in der Telekommunikationsbranche mit vielen Compliance-Prüfungen, Freigabeschleifen und Dokumentationspflichten stammt aus einer Zeit, in der sich Netzwerke selten veränderten. Heute ist all das eher ein Nachteil.

Zugleich schaffen KI-Technologien die Grundlage für agilere Methoden, einschließlich automatisierter Empfehlungen dessen, was noch angepasst und was schon bereitgestellt werden sollte. So können Telko-Engineering-Teams mithilfe von Daten und KI die Problemlösung beschleunigen und aktiv dazu beitragen, Fehler frühzeitig zu vermeiden. Außerdem bleibt auf diese Weise das notwendige Maß an Sicherheit erhalten, selbst wenn sich Unternehmen von etablierten Abläufen zur Einhaltung von Compliance- und Sicherheitsvorgaben lösen.

Ein Beispiel: Die KI-gestützte Code-Analyse kann potenzielle Sicherheitslücken automatisch erkennen, noch bevor der Code in die Produktion gelangt. Manuelle Sicherheitsprüfungen, die bislang Tage in Anspruch nahmen, werden so durch automatisierte Prüfmechanismen ersetzt, die nur wenige Minuten benötigen.

Wie beim Code selbst gilt auch für Entwicklungs-Workflows: Sie sollten möglichst schlank sein und im Team kontinuierlich weiterentwickelt werden. Diese Entwicklungsprinzipien befähigen Entwicklungsteams dazu, schnell eine minimal funktionsfähige Änderung (Minimal Viable Change) umzusetzen und sie anhand von Feedback gezielt zu verbessern.

Messen, was wirklich zählt

Entwicklungsteams sollten ihre Arbeit nicht nur anhand technischer Metriken wie Codezeilen, Commits oder Task-Fortschritt messen, sondern auch an Geschäftszielen ausrichten. Die KPIs können von Unternehmen zu Unternehmen variieren, entscheidend ist aber, dass sie echten Mehrwert bringen, etwa in Form von höherem Umsatz, Nutzerbindung oder Kundenzufriedenheit.

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Das Thema Entwicklerproduktivität ist dabei vielschichtig. Es umfasst mehr als Zeit- und Aufgabenmanagement, sondern auch die Teamdynamik, Problemlösungskompetenz und vieles mehr. Um wirklich zu verstehen, welchen Beitrag Entwickler:innen zum Unternehmenserfolg leisten, braucht es einen holistischen Blick auf quantitative und qualitative Faktoren.

Das wiederum hilft, die Kommunikation zwischen Entwicklungsteams und Management zu verbessern. Denn Entwicklungsaktivitäten werden so in geschäftsrelevante Ziele übersetzt, die auf strategischen Entscheidungen beruhen.

Kulturwandel in der Telko-Branche?

Mit einer innovationsfreundlichen, agilen Unternehmenskultur können Telekommunikationsunternehmen ihre Time-to-Market verkürzen, schneller neue Produkte launchen und besser auf Marktveränderungen reagieren. Gleichzeitig machen sie ihre Software- und Produktentwicklungs-Abteilungen für Fachkräfte attraktiver, die sonst zu anderen Tech-Unternehmen wechseln würden.

Der zunehmende Wettbewerb macht diesen Wandel notwendig. Führungskräfte in Telko-Unternehmen müssen mehr Risikobereitschaft zeigen, ihre Organisationen auf agilere Deployment- und Onboarding-Prozesse umstellen und dabei die Developer Experience stärker ins Zentrum rücken.

Dieser Wandel erfordert Mut und Entschlossenheit und die Bereitschaft, bestehende Gewohnheiten zu hinterfragen, um künftig agiler handeln zu können. Telkos, die die Developer Experience neu denken, werden mehr sein als reine Infrastrukturanbieter. Sie werden zu Innovationstreibern, die ganz neue Servicekategorien schaffen und dabei ihre einzigartige Marktposition an der Schnittstelle von Konnektivität und digitalem Nutzungserlebnis gezielt ausschöpfen.

*Der Autor
Marco Caronna ist Field CTO bei Gitlab: Bevor er zu Gitlab kam, war er über zehn Jahre bei Google tätig, wo er große europäische Enterprise-Kunden bei ihrer Cloud-Transformation unterstützt hat. Er hält regelmäßig Vorträge zu Themen wie DevSecOps, KI und Entwicklerproduktivität, insbesondere in stark regulierten Branchen.

Bildquelle: Gitlab

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