Quantencomputing wird zur Industriefrage. Ein aktueller Report der Boston Consulting Group sieht Neutralatome neben supraleitenden Qubits und Ionenfallen als aussichtsreiche Plattform, wenn es um skalierbare Systeme und belastbare Lieferketten geht.
Neutralatome gelten im Quantencomputing als aussichtsreiche Plattform, wenn es um skalierbare Systeme und den Weg in die industrielle Fertigung geht. Planqc setzt auf Neutralatome.
Quantencomputing verschiebt sich weiter aus dem Forschungslabor in Richtung Industriepolitik. Im Mittelpunkt steht dabei längst nicht mehr nur die Frage, welche Hardware im Experiment die besten Werte erreicht. Relevanter wird, welche Plattform sich in belastbare Systeme, stabile Lieferketten und bestehende Rechenumgebungen überführen lässt. Dabei rücken Neutralatome stärker als bisher in den Fokus.
Bis 2030 wird erwartet, dass sich Quantentechnologien zu einem Markt mit erheblicher Größe entwickeln. Ein wesentlicher Teil dieses Marktpotenzials ist für Unternehmen in Deutschland adressierbar.
Detailansicht der Fokustechnologien (nicht erschöpfend); Hinweis: UHV: 1.Ultra-hoch Vakuum, 2. CMOS: Complementary Metal Oxide-Semiconductor, 3. SQUID: Superconducting Quantum Interferenace Device, 5. HPC: High Performance Computing, 6. QKD: Quantum Key Disitribution, 7. QSDC: Quantum Secure Direct Communication, 8. DV und CV: Discrete Variable und Continuous Variable, 9. Post-Quantum-Kryptografie ist inhärent keine Quantentechnologie, sondern klassische Kryptography zum Schutz gegen Quantenangriffe, 10. QPU: Quantum Processing Unit
(Bild: Experteninterviews, BCG Analyse)
Gleichzeitig ordnet der Bericht Neutralatome neben supraleitenden Qubits und Ionenfallen als besonders aussichtsreiche Plattform ein. Für Deutschland leitet sich daraus vor allem eine industriepolitische Frage ab: Wie lässt sich aus Forschung ein skalierbares Geschäfts- und Produktionsmodell entwickeln?
Skalierung wird zum eigentlichen Engpass
Der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Quantencomputing-Industrie entscheidet sich laut den vorliegenden Angaben nicht an einzelnen Laborrekorden. Ausschlaggebend sind vielmehr skalierbare Gesamtsysteme. Dazu zählen verlässliche Komponentenqualität, standardisierte Test- und Kalibrierprozesse, reproduzierbare Fertigung, stabile Betriebsführung und die Integration in vorhandene IT-Umgebungen.
Der Bericht verweist in diesem Zusammenhang auf strukturelle Unterschiede zwischen den großen Technologiestandorten. Für 2024 nennt er für Deutschland etwas mehr als 130.000 neu angemeldete Patente, gegenüber rund 1,8 Millionen in China und etwa 500.000 in den USA.
Auszug aus dem BCG-Unternehmertum-Bericht
Quantentechnologien – das sind Quantencomputing (QC), Quantenkommunikation (QK) und Quantensensorik (QS) – nutzen fundamentale Prinzipien der Quantenmechanik, um neue technologische Ansätze bei Rechenverfahren, technik zu ermöglichen. Diese können perspektivisch bestehende Systeme ergänzen und in ausgewählten Bereichen übertreffen.
Auf EU-Ebene wurden mit dem Quantum Technologies Flagship (1 Milliarde Euro) aus den Programmen „Horizon Europe“ (93,5 Milliarden Euro), „EuroQCI„“ (90 Millionen Euro) und „EuroHPC“ (7 Milliarden EUR) zentrale Rahmenprogramme etabliert, die Forschung, Infrastrukturen und Standardisierung bündeln sollen. Auch in Deutschland existieren zahlreiche Initiativen in einer dynamischen Forschungslandschaft, darunter das „Munich Quantum Valley“ (MQV), das „Quantum Valley Lower Saxony“ (QVLS), das Forschungszentrum Jülich, die „DLR Quantum Computing Initiative“ und „QuNET“.
Überblick über das Gesamtmarktpotenzial für Quantentechnologien; Summe aus bedienbarem (SAM, grün) und nichtbedienbarem (grau) Markt ergibt den TAM (Total Addressable Market). SAM umfasst global adressierbare Marktsegmente für deutsche Anbieter. TAM erstreckt sich über alle Regionen und Segmente hinweg, unabhängig von effektiver Erreichbarkeit für deutsche Anbieter.
(Bild: Hyperion Research (2025); Quantum Economic Development Consortium (2025); BCG (2023, 2024a); BCG-Analyse)
Trotz dieser Dynamik in der Forschung mit starken Positionen bei Veröffentlichungen und Ausgründungen (EU global Platz 1) bleibt die kommerzielle Skalierung von Quantentechnologien in der EU im internationalen Vergleich deutlich zurück. Zwar zeigen einzelne industrielle Akteure, insbesondere in Bereichen der neutralatomaren, ion-trapped und supraleitenden Quantencomputer-Plattformen, dass der Aufbau produktionsnaher Systeme grundsätzlich auch aus Deutschland heraus möglich ist.
Die hiesigen Nachteile
Jedoch bestehen im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern hierzulande erhebliche strukturelle Nachteile:
Die Förderlandschaft ist nur begrenzt auf industrielle Skalierung ausgerichtet,
es mangelt an Wachstumskapital.
Zudem existieren kaum industrielle Pilotlinien, die den Übergang von Forschungsergebnissen zu marktfähigen Produkten ermöglichen.
Erschwerend wirken auch zeitaufwendige Förderprozesse, die nicht mit den schnellen Entwicklungszyklen der Technologien Schritt halten.
Andere Technologiestaaten agieren hier deutlich entschlossener: Die USA setzen auf Full-Stack-Ökosysteme rund um große Tech-Konzerne und Start-ups, während China einen staatlich koordinierten Ansatz mit massiven Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfolgt (siehe auch: „IT-Trends aus China. Quanatum, Photonik, KI und eigene Chipproduktion Machtvoll und mit Feuer ist der chinesische Tech-Stack unterwegs“. Umso wichtiger ist es, Deutschlands bestehende Stärken gezielt zu strategischen Positionierungen auszubauen, die im globalen Wettbewerb den größten Hebel für industrielle Wertschöpfung und Souveränität bieten.
Noch deutlicher fällt der Abstand bei der Unternehmensskalierung aus: Die USA kommen demnach auf rund 700 aktive Unicorns, China auf etwa 370, Deutschland auf rund 30. Beim Venture Capital liegt Deutschland mit rund 8 Milliarden Dollar ebenfalls deutlich hinter den USA mit rund 180 Milliarden Dollar und China mit etwa 40 Milliarden Dollar.
Diese Zahlen zielen weniger auf die Forschungsleistung als auf ein strukturelles Problem beim Kapitalzugang und bei der Skalierung.
Neutralatome gelten als aussichtsreicher Technologieansatz
Der Bericht nennt Neutralatome gemeinsam mit supraleitenden Qubits und Ionenfallen als zentrale Hardwarepfade. Gleichzeitig verknüpft er diese Ansätze mit den Technologien, die Quantencomputer erst industriell nutzbar machen.
Im Quantencomputing vollzieht sich ein sichtbarer Übergang von experimentellen Demonstratoren hin zu skalierbaren Architekturen und ersten fehlerkorrigierten Prototypen sichtbar voran. In Deutschland etwa entstehen parallel Hardware-Demonstratoren für supraleitende Qubits, neutrale Atome und Ionenfallen.
Der Fokus verschiebt sich dabei zunehmend von der technischen Realisierung einzelner Qubits hin zu zentralen Skalierungsthemen: längere Kohärenzzeiten, stabilere Steuerungs- und Kontrollsysteme sowie fehlerkorrigierte Architekturen, die den Betrieb größerer Qubit-Register ermöglichen. Auf der Softwareseite tragen Fehlerkorrekturverfahren, kompakte domänenspezifische Algorithmen und integrierte Toolchains vermehrt dazu bei, die Brücke zwischen Anwendergruppen und Hardware-Entwicklung zu schließen.
Deutschland im internationen Vergleich: starker wissenschaftliche und industrielle Basis, aber begrenzte Skalierungsdynamik durch strukturelle Kapitalmarktengpässe. Hinweise: 1. Die zugrundeliegenden Daten für China basieren primär auf nationalen Statistiken. 2. EU-27 inkludiert auch Deutschland, somit Doppelzählungen. 3. Zahlen können sich auf über 100 Prozent summieren, da mehrere Forschungseinrichtungen am selben Paper beteiligt sein können. 4. IQM mit Hauptsitz in Finnland und Standort in Deutschland.
(Bild: BCG-Analyse et al)
International wurden in jüngster Vergangenheit mehrere wegweisende experimentelle Durchbrüche erzielt.Google Quantum AI demonstrierte auf ihrem supraleitenden Quantenprozessor „Willow“ Fortschritte in der Quantenfehlerkorrektur, einer der wichtigsten Herausforderungen auf dem Weg zu skalierbaren, praxistauglichen Quantencomputern. IonQ etwa zeigte, dass ihre Ionenfallen-Quantenprozessoren mehr als tausend elementare Rechenschritte hintereinander mit sehr geringer Fehlerwahrscheinlichkeit ausführen können. Dies bildet eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Quantenalgorithmen praktisch nutzbar werden, und verhindert, dass Fehler das Ergebnis dominieren.
Besonders groß war 2025 der Fortschritt der Neutralatom-Plattform: Mehrere Forschungsgruppen und Industrieakteure weltweit zeigten, dass sich die architekturellen Vorteile neutraler Atome, insbesondere ihre hohe Regelmäßigkeit und Skalierbarkeit, gezielt in Richtung fehlerkorrigierter Systeme weiterentwickeln lassen. Demonstrationen aus Harvard von Quera, Atom Computing und Princeton unterstreichen, dass diese Hardwareplattform inzwischen als einer der aussichtsreicheren Ansätze für skalierbare Quantencomputer gilt. Aufbauend auf früheren Arbeiten aus dem Umfeld des Munich Quantum Valley, gelang es erstmals, den experimentell stabilen und kohärenten Betrieb größerer atomarer Register über längere Zeiträume nachzuweisen.
Diese Ergebnisse markieren einen wichtigen Schritt von zeitlich begrenzten Einzelexperimenten hin zu dauerhaft stabilen Quantenoperationen, wie sie für skalierbare und fehlerkorrigierte Systeme erforderlich sind. Die laufenden Aktivitäten bei Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), Max-Planck-Institut für Quantenoptik (MPQ) und Planqc können vor diesem Hintergrund als international wettbewerbsfähig eingeordnet werden. Sie positionieren Deutschland sichtbar in der Spitzengruppe der Neutralatom-Entwicklung.
Stand: 08.12.2025
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Dazu zählen Photonik, also optische Signalverarbeitung, Hochleistungsoptik, Lasersysteme, Ultra-Hochvakuum- und Kryotechnik, Präzisionsmechanik sowie Steuer- und Auslese-Elektronik. Gerade in diesen Bereichen liegt ein Teil der industriellen Stärke Deutschlands. Der Hebel liegt damit in der Fähigkeit, die nötigen Enabler, Standards und Lieferketten bereitzustellen.
Damit verschiebt sich die Perspektive: Nicht die einzelne Plattformentscheidung allein steht im Vordergrund, sondern der Aufbau eines belastbaren „QC-Stacks“, also des gesamten Technologie- und Integrationsstapels aus Hardware, Schnittstellen, Software und Fertigung.