Die Stammdaten sind die zentrale Informationen eines Unternehmens und Eckpfeiler seiner Geschäftsprozesse. Sie kommen seit einigen Jahren immer häufiger in Interaktion mit zahlreicheren Informationsquellen. Trotzdem ihre Qualität hoch zu halten macht ihr Management vielfältiger.
(Bild: Forrester)
Im Prinzip sind Stammdaten, englisch: Master Data, die Wissensbasis für das Geschäft eines Unternehmens: Verlässliche Informationen über Anlagegüter, Produkte, Personal, Kunden, Lieferanten und Konten zu haben ist essentiell. Allerdings sind verschiedene Unternehmensabteilungen bis hin zu Tochtergesellschaften Autoren solchen Informationen, die sich teilweise überschneiden. Master Data Management war ursprünglich dazu da, Duplikate auszuräumen und eine einheitliche Informationsbasis zu sichern.
Stammdaten sind fehlerhaft, unsauber und in Silos verteilt
Jahrelang bestand das Problem vor allem darin, dass Unternehmensbereiche ihre eigenen Stammdaten schufen, Stammdatensilos entstanden. Das wurde noch dadurch verschärft, dass jede Abteilung eine eigene Vorstellung davon hat, welche Daten wichtig sind. Solche Silos torpedieren die Absicht, firmenweit Daten zu analysieren, um aus ihnen beispielsweise Trends ablesen zu können. Und sie erhöhen die Gefahr, dass Regeln für die Datenerfassung nicht einheitlich eingehalten, schlimmstenfalls Börsenvorschriften oder gesetzliche Vorgaben verletzt werden.
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In jüngster Zeit ist das Problem durch die rapide Zunahme der Datenbestände noch einmal vergrößert worden. Social Media und Big Data reichen als Hinwiese auf diesen Trend. Eine größere Datenmenge bringt eine „Verschmutzung“ der Informationen mit sich und führt zu weitreichenderen sowie unscharfen Definitionen, was zu den Stammdaten gehört. Erst recht stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln man am besten aus diesem Informationsberg relevante Informationen filtern und vereinheitlichen kann.
Die Nachfrage bleibt auf hohem Niveau
Forrester hat die aktuellen Entwicklungen und Produkte am MDM-Markt untersucht. Nach einer weltweiten Umfrage unter 737 Firmen haben fast zwei Drittel (62 %) der befragten Firmen eine MDM-Lösung. 21 Prozent planen, ihre jetzige MDM-Lösung auszubauen oder zu modernisieren. 23 Prozent wollen innerhalb eines Jahres erstmals eine einführen. Nur bei 15 Prozent gab es keine Intentionen in Richtung MDM.
Für alle Anwender, die an neue Systeme denken weist Forrester auf zunehmende Cloud-Lösungen für MDM hin. Allerdings führt die Forrester-Analystin Michele Goetz keine Zahlen über das Interesse in dieser Richtung an.
Etwas mehr als ein Drittel der MDM-erfahrenen Anwender wollen ihre Lösung nicht intensiver nutzen. 39 Prozent gehen von einer stärkeren Nutzung um fünf bis zehn Prozent aus. 17 Prozent erwarten einen noch höheren Nutzungsgrad. Mehr als die Hälfte der Anwender rewartet also eine intensivere Nutzung.
Kontextabhängige und analytische Lösungen sind en vogue
Das hat nach Forrester-Einschätzung damit zu tun, dass heutzutage nicht mehr ein paar hundert Datenelemente in Betracht kommen, sondern tausende – und zwar pro Domain. Außerdem sind die Datenmodelle mehrdimensional, und die Ebenen reichen tiefer. Die Anwender wollen heute mehr als die klassischen Prozesse Extract, Tranform, Load (ETL) zur Befütterung eines Data Warehouses. Am Markt dominieren noch solche integrativen sowie die logischen Modelle. Sie präferieren inzwischen kontextabhängige und analytische MDM-Lösungen.
Forrester hat am MDM-Markt 21 Lösungen festgestellt, die mehr als eine regionale Bedeutung haben. Diese haben die Analysten nach 31 Kriterien burteilt, die sich in drei Hauptgruppen gliedern: das Angebot nach seinen funktionalen Features, die strategische Ausrichtung der Hersteller und die Stärke ihrer Präsenz am Markt. Dabei gab es eine gewichtete Bewertung nach Punkten von 0 bis fünf (für stark). In die Schlussbewertung kamen zwölf Unternehmen
Informatica, Reltio, SAP und IBM an der Spitze
Im Ergebnis liegen Informatica (mit Informatica MDM) und Reltio (Reltio Cloud) an der Spitze. Sie sind nach der Stärke ihres Angebots gleichauf. Allerdings erhält Reltio etwas bessere Noten in puncto Strategie, während Informatica die stärkere Marktpräsenz genießt. Platz drei teilen sich praktisch SAP (mit SAP Master Data Governence) und IBM (mit InfoSphere MDM). Hier hat SAP etwas Vorteile in Sachen Angebots- und Marktstärke.
Der Rest hat auf diese Spitzengruppe schon ziemlichen Abstand, wobei allerdings Pitney Bowes (mit Spectrum) in Sachen Strategie vorne mitmischt. Ein Sonderfall ist Talend (mit Taled MDM). Dies ist der einzige Open-Source-Anbieter im Kreis, und er nahm offiziell gar nicht an der Bewertung teil. Was heißen dürfte: zahlte nicht, aber wurde von Anwendern so oft genannt, dass es keinen Weg daran vorbei gab.
Ein Sonderfall: Open-Source-Anbieter Talend
Talend findet sich immerhin auf der Stufe von „Contenders“ zu „Strong Performers“. Das Unternehmen ist allerdings himmelweit von seinem alten Anspruch entfernt, es einmal mit Informatica aufzunehmen. Forrester räumt dem Open-Source-Ansatz ein, er gebe den Anwendern „significant deployment flexibility and the advantage of getting modern capabilities faster than non-open-source tools“.
Stand: 08.12.2025
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Sämtliche zwölf bewerteten Produkte und Anbieter beurteilt die Studie „The Forrester Wave: Data Management, Q1 2016 – The 12 MDM Providers That Matter Most And How They Stack Up“ etwas ausführlicher. Interessierten stellt sie Informatica zum kostenlosenDownload ohne Registrierung bereit.
* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.