Anbieter zum Thema
Cloud-Computing mit Stolperfallen
Gleichzeitig sind jedoch auch die Probleme, die eine BPM-Lösung aus der Cloud mit sich bringt, zu beachten. Neben dem – in den letzten Jahren häufig diskutierten – Verlust der Kontrolle über die IT-Systeme liegen diese insbesondere bei der Verfügbarkeit und Sicherheit der eigenen Lösungen und Daten. Gerade bei einer Verlagerung sensibler Unternehmens- und Kundendaten in die Cloud bedarf es einer genauen Prüfung und detaillierten Planung: welche Daten möchte man dort ablegen, vertraut man dem Anbieter, ist dieser ausreichend zertifiziert oder bedarf es der Einwilligung der betroffenen Personen oder Unternehmen.

Die Klärung dieser (und weiterer) Fragen ist von entscheidender Bedeutung, um möglichen Gefahren präventiv zu begegnen. Ansonsten drohen der Verlust wettbewerbsrelevanter Informationen, Reputationsverluste oder sogar gravierende rechtliche Folgen bei der Missachtung von Richtlinien und Gesetzen. Besonders wichtig ist dies zum Beispiel im Gesundheitswesen, bei Rechts- und Finanzdienstleistern oder im öffentlichen Dienst.
Aber auch bei global agierenden Unternehmen, die bei ihrem Wertschöpfungs- und Risiko-Management die Rechtssysteme mehrerer Staaten beachten müssen, ist dies nicht zu unterschätzen. Hinzu kommen weitere Betrachtungen hinsichtlich der Datensicherheit: hier sollten Unternehmen wissen, wie das Backup und vor allem die Wiederherstellung der Daten erfolgen und was passiert, wenn der Anbieter seinen Dienst eventuell sogar einstellt. Und nicht zuletzt setzt die Nutzung einer Cloud-Lösung auch eine stabile und ausreichend dimensionierte Internetanbindung voraus, die außerhalb der großen Ballungszentren nach wie vor noch immer nicht gesichert ist.
Hybrides BPM: Das Beste aus beiden Welten
Einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten hybride Modelle: Sie ermöglichen den Aufbau von unternehmensweiten BPM-Systemen, die die unbestreitbaren Vorteile von Cloud-basierten Lösungen mit der höheren Sicherheit und tiefgreifender Integration von On-Premise-Ansätzen verbinden. Der größte Vorteil eines hybriden BPM liegt darin, dass die BPM-Engine zwar in der Cloud läuft, die Daten aber im Unternehmen bleiben.
Dies kommt nicht nur den gesetzlichen Regelungen oder unternehmensinternen Vorgaben entgegen, die eine Datenspeicherung an bestimmten nationalen Standorten strikt vorschreiben. Hybrid-Lösungen müssen dabei vor allem die zwei Welten des CIO und des Nutzers vereinen: die Komplexität der Architektur, die zur Migration der Daten notwendig ist, sollte sich nicht negativ auf die Benutzerfreundlichkeit auswirken.

Der größte Vorteil solcher und weiterer Hybrid-Anwendungen liegt in ihrer schnellen Anpassungs- bewiehungsweise Vernetzungsfähigkeit mit anderen Datenquellen, etwa von Kunden und Partnern. Hat zum Beispiel ein Zulieferer eine innovative Anwendung zum Monitoring seiner Produktionstaktung in seiner Cloud entwickelt, kann eine Anbindung an das eigene System erst einmal virtuell getestet werden. Das lässt genug Spielraum für die Entscheidung, ob man etwa eine gemeinsame Produktionsumgebung in der Cloud startet und skaliert – oder bei einer On-Premise-Lösung bleibt. So vermeidet man Fehlinvestitionen und erreicht bestmögliche Netzwerkleistung sowie niedrigste Reaktionszeiten zwischen den Anwendungskomponenten.
* Gianluca DeLorenzis ist CEO der FGND Group.
(ID:43316792)