Mit Unternehmensbefragungen beleuchten drei Studien Schlüsseltrends und Herausforderungen rund um die Datacenter-Expansion, Digitalisierung und Energiewende. Die Perspektiven des Verbands der Internet-Wirtschaft, globaler Investoren und der IT-Abteilungen deutscher Großunternehmen unterscheiden sich dabei teils deutlich.
Die Schlüsselergebnisse der drei Studien aus Perspektive einer generativen KI.
Drei Studien, die in der zweiten Jahreshälfte 2024 und im Frühjahr 2025 erschienen sind, beleuchten auf Basis von Unternehmensbefragungen Schlüsseltrends rund um Cloud-Migration, KI-Einsatz und Datacenter-Expansion in Verbindung mit der aktuellen Investitionslandschaft sowie den Regulierungsanforderungen und dem akuten Problem der Energieversorgung. Dabei betrachten die drei Studien ähnliche Phänomene, entwickeln aber je nach Studiendesign, Auftraggeber und Respondentengruppen deutlich unterschiedliche Perspektiven.
Die Studie vom Eco - Verband der Internet-Wirtschaft berichtet von Innovations- und Produktivitätssteigerungen durch den Einsatz von Cloud und KI bei befragten Unternehmen und ist ein entschlossenes Plädoyer für mehr Datacenter-Wachstum in Deutschland. Aus Investorenperspektive dekliniert eine von der globalen Rechtsberatung DLA Piper beauftragte Studie die Investitionslandschaft im Datacenter-Bereich aus und bietet eine nüchterne Auflistung von Herausforderungen bei weiterhin global attraktiven Investitionschancen.
48 Prozent deutscher Unternehmen nutzen eine Cloud, 11 Prozent haben Zugriff auf Colocation-Infrastruktur.
(Bild: Eco-Studie 2024 „Spillover-Effekte in Rechenzentren“, S. 26)
Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünedonk & Hossenfelder, das seit 1985 Studien zum IT-Dienstleistungsmarkt veröffentlicht, fokussiert sich in seiner jährlichen IT-Marktstudie 2024 auf das IT-Sourcing aus der Perspektive der IT-Abteilungen großer Unternehmen verschiedener Wirtschaftsbranchen sowie von Sourcing-Beratungen und zeichnet so aus Anwendersicht hohe Erwartungen an Cloud, KI und nachhaltigere Energielösungen, macht aber auch am deutlichsten klar, dass viele Unternehmen davon erst im Ansatz profitieren.
Sind Cloud-Nutzer innovativer?
Der Name der von Eco - Verband der Internet-Wirtschaft beauftragten Studie ist Programm: „Spillover-Effekte von Rechenzentren: Rückgrat der KI-Revolution in Deutschland“. Die von IW Consult ausgeführte Untersuchung präsentiert mithilfe eines statistisch gewichteten Schnitts befragter deutscher Unternehmen empirische Daten, die ein Bild von Rechenzentren als wichtiger Säule der „Zukunftsfähigkeit Deutschlands“ untermauern sollen. „Rechenzentrennutzer“ seien insgesamt „innovativer“ als Unternehmen ohne Datacener-Anbidung.
Den Kreis der Datacenter-Nutzer definiert die Eco-Studie dabei breit. Nutzer von Private Cloud-Angebote gehören ebenso dazu wie Kunden einer Public- oder Hybrid-Cloud sowie von Co-Location-Diensten. Folgt man dieser Definition, besaßen 2024 rund 51 Prozent der befragten Unternehmen eine Anbindung an eine Datacenter-Infrastruktur, 22 Prozent mehr als noch 2022. Von den Nutzern von Cloud-Diensten haben 72,4 Prozent angegeben, dadurch interne Prozesse verbessert zu haben, und 56,7 Prozent, Kundenwünsche besser bedienen zu können.
Über die Hälfte der RZ-Nutzer berichten von einem positiven Einfluss der Cloud-Technologie auf Prozesse und Standards
(Bild: Eco-Studie 2024 „Spillover-Effekte in Rechenzentren“, S. 28)
Datacenter-Nutzer hätten so im Umsatzjahr 2023 rund 18 Prozent ihres Umsatzes mit neuen Produkten und Dienstleistungen erzielen können, während bei Unternehmen ohne Cloud-Nutzung dieser Wert bei lediglich 7,6 Prozent läge. Dabei würden viele Unternehmen „das ganze Spektrum des Ökosystems digitaler Infrastrukturen parallel“ nutzen.
Hybride Cloud und Branchenlösungen
Die „Lünendonk-Studie 2024: Der Markt für IT-Sourcing-Beratung in Deutschland“ geht hier weiter ins Detail. IT-Abteilungen umsatzstarker Unternehmen, primär im Banken- und Versicherungswesen, Industrie und Handel sowie im öffentlichen Sektor, berichten demzufolge von stetig steigenden Ausgaben für die Cloud Transformation. Diese bildeten 2024 den dritthöchsten Investitionsposten nach der Cybersecurity und der allgemeinen IT-Architektur.
Dabei wollen 28 Prozent der befragten Unternehmen ihre Ausgaben im Bereich Cloud Transformation um mehr als fünf Prozent erhöhen – ein größerer Anteil hoher Investitionen im Vergleich zu anderen IT-Posten. Mit der Entwicklung souveräner Cloud-Angebote sei auch der öffentliche Sektor zu einem aktiven Kunden avanciert.
Ein Viertel der befragten Unternehmen, deutlich mehr als im Vorjahr, ist mittlerweile auf ein Cloud-only-Modell umgestiegen. Die Tendenz sei steigend. Die absolute Mehrheit der befragten Unternehmen setzt allerdings auch weiterhin auf eine Mischung aus Cloud- und On-Premises-Ansätzen oder greift primär bei Neuentwicklungen zu Cloud-Lösungen.
Viele Hoffnungen auf planbarere Kosten durch den Cloud-Umstieg wurden dabei deutlich enttäuscht. Während achtzig Prozent der Befragten sich eine bessere Kostenkontrolle von dem Cloud-Einsatz versprachen, hätten 49 Prozent im Ergebnis eine mangelnde Kostenplanbarkeit der Preismodelle verschiedener Cloud-Anbieter beklagt.
Stand: 08.12.2025
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Dennoch steige der Anzahl sowohl von Public-Cloud-Kunden wie von Nutzern hybrider Modelle, während Cloud-On-Premises-Technik wie „AWS Outpost“ bislang nicht die Funktionalität von Public-Cloud-Produkten erreichen konnte und so Marktanteile verlieren würde. Besonders die hybride Nutzung mehrerer On-Premises- und Public-Cloud-Produkte erscheine dabei befragten IT-Sourcing-Beratungen als wichtiger Weg, einen Vendor-Lock-in zu vermeiden und zugleich regulatorische Anforderungen erfüllen zu können.
Die Nachfrage nach Branchen-Cloud-Lösungen steigt bei großen Unternehmen besonders stark.
(Bild: Lünedonk-Studie 2024, „Der Markt für IT-Sourcing-Beratung in Deutschland“, S.21)
Die größte Nutzerzunahme konnten hingegen spezialisierte Branchen-Cloud-Produkte verbuchen, die auf spezielle regulatorische, sicherheitstechnische und operative Branchenbedürfnisse ausgelegt sind. Dies seien etwa Cloud-Lösungen zur Verwaltung elektronischer Gesundheitskarten unter strengen Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen. In der Spezialisierung von Cloud-Diensten bestünden laut der Lünedonk-Studie weiterhin deutliche Wachstumspotentiale - die Nachfrage übertreffe deutlich die Zahl marktreifer Lösungen.
KI als Wachstumstreiber...
Ein weitergehendes Potential für „einen gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssprung“ postuliert die Eco-Studie im Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz (KI) „in der Breite der Unternehmen“. Wo dies größere Public-Cloud-Kapazitäten erfordere, bedeute der Vormarsch generativer KI auch ein Plädoyer für mehr Rechenzentren.
Deutschland lebe „aktuell von seiner Substanz“. KI habe „das Potenzial, das Produktivitätswachstum in der Spitze um rund 1,3 Prozent pro Jahr zu erhöhen“.
Dass sich KI nur bei einem Teil der befragten Unternehmen als Produktivitätstreiber durchgesetzt hat, verkennen auch Autoren auch der Eco-Studie nicht. Ihr Fokus liegt aber auf Potenzialen. Zwischen der knappen Hälfte der befragten Unternehmen ohne Zugriff auf Cloud-Angebote würden erst zehn Prozent KI-Tools einsetzen.
Bei Unternehmen mit Anbindung an eine Datacenter-Infrastruktur steige der Anteil aktiver KI-Nutzer auf 34 Prozent. Dabei hätten Unternehmen, die primär auf Public-Cloud-Anwendungen setzen, den höchsten Produktivitätsanstieg durch KI-Nutzung von 17 Prozent gemeldet.
Dass gerade solche Unternehmen, die technische Innovationen mit größerer Bereitschaft umsetzen, von einer Produktivitätssteigerung durch KI-Einsatz und Datacenter-Anbidung berichten, erscheint dabei wenig überraschend, stellt aber die grundlegende These eines wachsenden Datacenter-Bedarfs durch KI-Nutzung nicht infrage.
Auch die für die DLA Piper-Studie „Navigating Global Growth in Data Centres – Riding the AI Wave“ weltweit befragten Führungskräfte in Investmentfirmen, Beratungen, Datacenter-Betreibern und Telcos stimmen zu 97 Prozent darin überein, dass KI den wichtigsten Wachstumsfaktor für die Rechenzentren-Branche darstellt.
...mit Überzeugungsbedarf
Auf der anderen Seite unterstreicht die Lünendonk-Studie mit einem anderen Fragenkatalog stärker, wie tentativ der KI-Einsatz auch in umsatzstarken Unternehmen bleibt. Die Autoren bestätigen dabei die Ergebnisse einer im Sommer 2024 ebenfalls von Lünendonk durchgeführten Untersuchung zum Einsatz generativer KI.
Die Technologie befinde sich insgesamt „an einem Punkt, an dem die erste Euphorie verflogen ist und sich nun zeigen muss, ob die Entwicklung von GenAI-Lösungen auch wirtschaftlich rentabel ist“. Nur drei Prozent der befragten großen Unternehmen gaben an, bereits fortgeschritten zu sein und „erste GenAI-Anwendungen im Produktivbetrieb“ zu nutzen.
Weit überwiegend schätzten sich Respondenten „ganz am Anfang“ und in einer aktiven Erprobungsphase. Zumindest im Rahmen solcher Proofs of Concepts würde allerdings bereits ein Viertel der Unternehmen KI-Anwendungen im First-Level-Support einsetzen.
Die Mehrheit der befragten Unternehmen seien mit dem KI-Einsatz erst „ganz am Anfang“.
(Bild: Lünedonk-Studie 2024, „Der Markt für IT-Sourcing-Beratung in Deutschland“, S. 28)
Dass viele Unternehmen mit der Integration von KI-Tools noch am Anfang stünden, bedeute so keine anhaltende KI-Skepsis. So würden zwar erst acht Prozent der befragten Unternehmen KI-Tools bei der Auswertung und Vorbereitung von Verträgen nutzen, 39 Prozent planen aber zugleich, zukünftig davon Gebrauch zu machen.
Regulierungsdichte: Herausforderungen und Chancen
Gerade als eine außerhalb der Branche beauftragte Studie wählt Lünedonk 2024 die deutlichste Sprache: „Regulatorik behindert die Cloud-Transformation“. Auf die Frage, „Inwieweit behindern regulatorische Vorschriften (Compliance-Vorgaben) den Einsatz der Cloud in Ihrem Unternehmen?“, hätten 57 Prozent mit „eher stark“ oder „sehr stark“ geantwortet.
Dabei ist allerdings zu beachten, dass der größte Anteil der befragten IT-Abteilungen auf die unter besonders strengen datenschutzrechtlichen Anforderungen operierende Banken- und Versicherungsbranche entfällt. Zugleich investieren 64 Prozent der Befragten verstärkt in die Umsetzung regulatorischer Vorgaben und eine hohe Kompetenz darin ist mittlerweile zu einem der wichtigsten Kriterien bei der Auswahl externer Dienstleister avanciert.
Über die Hälfte der befragten Unternehmen berichtet, dass „regulatorische Vorschriften“ den Cloud-Einsatz „stark“ oder „sehr stark“ behindern.
(Bild: Lünedonk-Studie 2024, „Der Markt für IT-Sourcing-Beratung in Deutschland“, S.23)
Die Eco-Studie ist hier kryptischer. Deutschland gelte zwar weiterhin als „sehr innovationsfähig“, „die Rahmenbedingungen stützen jedoch aktuell aus Sicht der Unternehmen diese Innovationsfähigkeit nicht ausreichend“. Ob es dabei um die explizit in der Studie angekreidete Fiskal- und Innovationspolitik oder auch um die überraschend kaum thematisierten Datenschutz- und Energie-Effizienz-Vorgaben geht, wird aus dem Statement nicht klar.
Die Autoren berufen sich aber auf einen Pressebeitrag Michael Grömlings, des Leiters des Clusters Makro-Ökonomie und Konjunktur beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Grömling wird konkreter und politischer. Neben „hohen Steuern“ seien auch „die hohen Kosten der Regulierungen“ für einen pessimistischen Ausblick vieler deutscher Unternehmer verantwortlich und seien ein „zentrales Investitionshemmnis für den Standort“.
Nur zum Teil pflichtet dem die DLA Piper-Studie bei. Nick Rock, ein Partner bei DLA Piper, betont zwar „zunehmend komplexe Verpflichtungen“ beim Erfassen wie bei der Publikation ESG-relevanter Daten (ESG: Environmental, Social und Governance). Dies verlange von europäischen Unternehmen, „innezuhalten und zu reflektieren, wie ihr ESG-Ansatz im Vergleich zu ihren Mitbewerbern wahrgenommen wird“. Bei Energie-Effizienz-Vorschriften als wichtigem „limitierenden Faktor“ böte aber der „starke Datacenter-Markt in Deutschland“ laut Lars Reubekeul, ebenfalls Partner bei DLA Piper, „eine günstige neue Gelegenheit für viele Investoren“.
Die höchsten erwarteten Investitionsanstiege für neue Datacenter in globaler Perspektive.
(Bild: DLA Piper-Studie „Navigating Global Growth in Data Centres – Riding the AI Wave” 2025, S. 57)
Zusammen mit dem Vereinigten Königreich bleibe Deutschland ein führendes Investitionsziel in Europa. Durchaus wachse der Datacenter-Markt in Europa „generell langsamer“ als in den USA, dies sei aber zugleich „Europas Fokus auf Nachhaltigkeit und Energie-Effizienz“ und „Konsumentenforderungen nach umweltfreundlichen Lösungen“ geschuldet.
Am anderen Ende der Welt würden etwa Australiens neue Vorgaben zur Sicherung von Datensouveränität gerade stärkere Investitionen in die lokale Datacenter-Infrastruktur fördern. Insgesamt böte so die weltweit zunehmende staatliche Regulierung „sowohl Chancen wie Herausforderungen“ für Investoren.
Das akute Problem: zu wenig Strom, zu wenig grün
Folgt man den Ergebnissen der DLA Piper-Studie, ist das wichtigste Investitionshemmnis viel materieller. Hatten in einer 2022 durchgeführten Befragung noch die meisten Führungskräfte bei Investmentfirmen und Datacenter-Betreibern technologische Risikofaktoren als wichtigstes Investitionshemmnis benannt, läge 2024 die Sorge um mangelnde Energieversorgung auf dem ersten Platz. Goldman Sachs Research rechnet aktuell mit einem Bedarfsanstieg von 160 Prozent bis 2030.
Die Hälfte der befragten Branchen-Insider erwartete von effizienteren Rechenzentren und Kollaborationen mit Energieversorgern die größte Linderung des Strommangels.
(Bild: DLA Piper-Studie „Navigating Global Growth in Data Centres – Riding the AI Wave” 2025, S. 33.)
So geben auch 82 Prozent der befragten Führungskräfte an, Bedenken über Stromversorgung seien ein akutes Problem bei der Investment-Planung, umso mehr bei den 57 Prozent, die auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen setzen. Gleichzeitig erhofft sich die Hälfte der Befragten eine Linderung der akuten Versorgungsprobleme durch steigende Datacenter-Effizienz.
Zugleich würden Investitionen von Datacenter-Betreibern in Stromerzeugung und Infrastruktur sowie in die Eigenproduktion signifikant zunehmen, während in globaler Perspektive die Bedeutung der Atomenergie weiter entscheidend bleibe. Gleichzeitig böten die nordischen Länder mit geothermaler Energie und Wasserkraft sowie viele Standorte in Afrika mit Sonnen- und Windenergie die deutlichsten Potentiale für nachhaltige neue Datacenter-Standorte.
Aus der Perspektive von befragten IT-Abteilungen großer Unternehmen jenseits der Tech-Branche belegt die Lünedonk-Studie hingegen zwar eine zunehmende Nachfrage nach Lösungen im Bereich Dekarbonisierung und Sustainable IT. Nachhaltigkeit sei aber insgesamt „noch kein Top-Thema“. Eine nachhaltige Transformation sei „für viele Unternehmen eine Herkulesaufgabe, die noch viele Jahre andauern wird“.
Die Investitionslandschaft für Datacenter: Forderungen und anhaltende Attraktivität
Das weiterhin schnellere Wachstum der Datacenter-Branche in den USA erscheint den Autoren der Eco-Studie vor allem als Beleg für den „Nachholbedarf in Deutschland und Europa“. Dabei stelle die Investitionsbereitschaft US-amerikanischer Unternehmen in den Aufbau von Datacenter-Kapazitäten in Deutschland kein Hindernis, sondern eine entscheidende Gelegenheit dar. Aus Sicht von Eco gehe es bei geopolitischen Bedenken „rein um den Standort der Rechenzentren und nicht um den Betreiber per se“.
So wird auch klar, dass politische Akteure deutlich zu den anvisierten Adressaten der Eco-Studie gehören. Diese betont, dass „Staaten wie die USA und China [...] stark in den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur“ investieren, und zugleich, dass in Europa Irlands „attraktive Steuermodelle“ in Verbindung mit günstigen Strompreisen wegweisend seien. So formuliert die Eco-Studie auch einen umfangreichen Katalog von „Handlungsempfehlungen“.
Es gelte dabei, das gesamte „Mindset in den Verwaltungen“ und „bei Teilen der Entscheidungsträger“ neu auszurichten. Knapp zusammenfassen könnte man das gewünschte Mindset schlicht mit: mehr Rechenzentren.
Das stetige Wachstum Frankfurts zum „zentrale[n] Ort für die Rechenzentrums-Infrastruktur“ sei ein bedeutender „Standortvorteil“, doch würde dieser „kaum ausreichen, um der strategischen Bedeutung von Rechenzentren für die wirtschaftliche Entwicklung gerecht zu werden und die Datensouveränität Deutschlands zu gewährleisten“. Die Handlungsempfehlungen der Eco-Studie rufen nach einer „neuen Flächen- und Genehmigungspolitik, die in diesen Prozess nicht hindernd, sondern unterstützend hineinwirkt“.
Beschleunigter Ausbau digitaler Infrastruktur: die erste Handlungsempfehlung der Eco-Studie.
(Bild: Eco-Studie 2024 „Spillover-Effekte in Rechenzentren“, S. 36)
Wo im Westen Deutschlands Industrieflächen mangeln würden, müsse eine „Balance zwischen neuen Industrieflächen und neuen Naturschutzgebieten“ gefunden werden. Entscheidend seien auch „Erleichterungen für private Investitionen“ sowie die „von der Politik angekündigte, aber nicht umgesetzte Superabschreibung von Investitionen“. Auch die Aufgaben, „Unternehmen weiter über die Vorteile“ der Cloud aufzuklären und mit KI-Hubs „KI in die Breite“ zu bringen, positioniert die Studie als politische Handlungsempfehlungen.
Die wichtigsten Investitionsanreize für neue Datacenter aus der Perspektive befragter Branchen-Insider.
(Bild: DLA Piper-Studie „Navigating Global Growth in Data Centres – Riding the AI Wave” 2025, S. 48)
Als Verband der Internet-Wirtschaft setzt Eco die Studienergebnisse auch als praktisches politisches Argument gegen Forderungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes ein. Dieser hatte vor kurzem zwar bekräftigt, dass „Ansiedlung von Rechenzentren in der Region [Rhein-Main] wichtig“ sei, neue Rechenzentren aber primär jenseits von Frankfurts Stadtgebiet entstehen sollten.
Eco argumentiert in Antwort mit den Studienergebnissen zur „Schaffung von Arbeitsplätzen“ und der „Rolle von Rechenzentren als Motor [...] im KI-Bereich“, um für den Datacenter-Ausbau gerade auch im „Digitalhub Frankfurt“ zu plädieren.
Aus deskriptiver und globaler Perspektive erscheinen die Schlüsse der DLA Piper-Studie ein Stück gelassener. Wo ihre Autoren Deutschland und das Vereinigte Königreich weiterhin als „führend bei Investitionen und Entwicklung“ innerhalb eines im Vergleich zu den USA langsameren wie nachhaltigeren europäischen Marktes sehen, belegen die Studienergebnisse auch global eine weiterhin hohe Investitionsbereitschaft in die Datacenter-Expansion.
Methoden
Für die Lünedonk-Studie 2024 führten die Autoren mit IT-Verantwortlichen in 122 Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 100 Millionen strukturierte Telefoninterviews. Zu den Respondenten gehörten primär Leiter von IT-Abteilungen in Banken und Versicherungen, Industrie- und Handelsunternehmen sowie dem öffentlichen Sektor, gefolgt von der Chemie- und Pharmabranche sowie Transportunternehmen. Zusätzlich wurden 28 in Deutschland tätige Beratungsunternehmen befragt, die IT-Sourcing-Leistungen anbieten.
TMT Finance befragte für DLA Piper weltweit 176 Top-Manager hauptsächlich von Investment-Unternehmen (43 Prozent der Befragten), aber auch von Beratungsfirmen (34 %), Rechenzentren-Betreibern und Telcos (23 % inklusive „andere“). Ihre Auswahlkriterien spezifizierten die Autoren nicht.
Die von Eco - Verband für Internetwirtschaft beauftragte und von IW Consult durchgeführte Studie befragte einen breiten Schnitt deutscher Unternehmen und ist die einzige, die die Auswahlkriterien offenlegt. Durch eine zufällige Stichprobe wurden 499 Unternehmen in Deutschland für strukturierte Telefoninterviews ausgewählt. Um statistisch relevante Ergebnisse auch für größere Unternehmen zu ermitteln, wurden diese für die Stichprobe überproportional berücksichtigt, ihre Antworten dann aber wieder ihrem Gesamtanteil folgend gewichtet.
Befragungen für die Lünedonk-Studie wurden im März und April 2024, für die Eco-Studie im August 2024 und für die DLA Piper-Studie im dritten Quartal 2024 durchgeführt. Keine Studie veröffentlichte Response-Raten.
Der anhaltende Bedarf, vergleichsweise hohe Rendite und die empfundene Zukunftssicherheit der Branche zählten so zu den wichtigsten Faktoren für Investoren. Auch Bedenken über Datensouveränität und geopolitische Faktoren sehen 32 Prozent der Befragten eher als Wachstumsfaktor für die Branche. Demgegenüber stünden allerdings Investitionen hemmende Faktoren – vor allem Energieversorgungsprobleme, aber auch ein schärferer Wettbewerb in Verbindung mit hohen Investitionskosten.
Befürchtungen, dass so eine gefährliche Platzblase entstehen könnte, haben dabei zwar 18 Prozent der befragten Führungskräfte geäußert. Diese Bedenken sind aber im Vergleich zu 2022 leicht gesunken (von 20 zu 18 Prozent), während die Hälfte der 2024 Befragten keine Gefahr einer Preisblase sieht.