Das gibt es noch: Die Entwicklung eines (neuen) Linux-basierten Betriebssystems. Das „Ctrlx OS“ von Bosch Rexroth gibt es zwar schon, aber jetzt virtualisiert und in drei Anpassungsvarianten, in einem neuen Long Term Support (LTS) Release. Es geht um Automatisierung und nahtlose Integration zwischen Operational Technology (OT) und IT.
Das Linux-basierte Betriebssystem „Ctrlx OS“ von Bosch Rexroth gibt es nun virtualisiert und in drei Anpassungsstufen.
(Bild: Bosch Rexroth AG)
Insbesondere die virtualisierte Version von Ctrlx OS soll die Grenzen zwischen OT und IT aufheben. Notwendig dafür sind auch Security-by-Design, TÜV-Zertifizierung und die Vorbereitung auf den Cyber Resilience Act (CRA).
Das Betriebssystem Ctrlx OS ist nach Herstellerangaben Hardware-unabhängig konzipiert und dazu geeignet, eine durchgängige Softwarebasis für Automatisierungslösungen aller Art zu schaffen. Somit läuft das Linux-basierte Betriebssystem auf einer Vielzahl von Geräten, von der Feldebene bis zur Cloud.
Mit der App-Technologie lassen sich, so Bosch Rexroth, nach dem Smartphone-Prinzip und standardisierten Schnittstellen Automatisierungsanwendungen flexibel gestalten und schnell anpassen, ohne Abhängigkeit von proprietären Systemen. Über den „Ctrlx OS Store„“ können Anwendungen einfach ergänzt werden. Bosch Rexroth und Partner aus der 'Ctrlx World' stellen hier zahlreiche Apps für unterschiedlichste Automatisierungsherausforderungen bereit: von Motion und Kommunikation über Datenanalyse bis hin zu IT- und OT-Security.
Virtualisierung hebt Grenzen zwischen IT und OT auf
Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth, erläutert: „Die Verbreitung von Ctrlx OS im Markt wächst. Immer mehr OEMs integrieren das offene Betriebssystem in ihre Hardware, um innovative Lösungen für ihre Märkte zu realisieren. Gleichzeitig entwickelt sich das Partnernetzwerk Ctrlx World stetig weiter.“
Neben der Flexibilität bei der Geräteauswahl gewinnt auch die Standortfrage an Bedeutung: Anwendungen sollen heute dort laufen, wo es strategisch und technisch optimal ist, ob auf einer Steuerung, einem Edge-Gerät oder in der Cloud. Ctrlx OS steht nun auch als virtuelle Maschine zur Verfügung. Kunden können diese auf ihrer eigenen Serverinfrastruktur hosten. Schnittstellen, Datenmodelle und Apps bleiben identisch zur physischen Version. Unternehmen profitieren von den vollumfänglichen Leistungen bei effizienterer Ressourcennutzung, flexibler Skalierbarkeit und vereinfachter Verwaltung durch etablierte IT-Prozesse.
Winkler dazu: „Mit der Virtualisierung von ctrlX OS sprengen wir die letzten Silos zwischen der Maschinensteuerung und der IT. Wir bieten eine nahtlose Durchgängigkeit.“ Kunden könnten ihre Applikationen nun völlig flexibel dort betreiben, wo es am sinnvollsten ist – bei harten Echtzeitanforderungen auf der Steuerung, und bei nicht-echtzeit kritischen Anforderungen auf dem Edge-Gerät oder dem Server. „Das ist ein entscheidender Schritt in Richtung der vollständig vernetzten und Software-getriebenen Fabrik.“
Drei Ctrlx OS Varianten für individuelle Anforderungen
Bosch Rexroth bietet das Betriebssystem nun in drei Ausführungen an. Diese sollen jeweils unterschiedliche Anforderungen erfüllen: von einer sofort einsetzbaren Software bis hin zu maßgeschneiderten Angeboten. Doch bei allen Varianten bleiben vom offenen Ansatz und dem Zugang zum Ökosystem mit offenen Schnittstellen bis zu einem frei verfügbarem Software Development Kit (SDK), der Community und dem zentralen Device Management gleich.
Die Standard-Version richtet sich an alle, die sofort startklar sein wollen: Sie bietet ein fertiges System-Image für Standard-x86/64-Hardware mit direktem Zugriff auf das Ökosystem.
Die Customized-Version bietet Kunden die Möglichkeit zur tiefen technischen Anpassung auf Kernel-Ebene, was beispielsweise die Integration von spezifischen Hardwaretreibern ermöglicht. Unternehmen können somit ihre bestehende Hardware weiter nutzen, den Aufwand für Wartung reduzieren und die Sicherheit erhöhen.
Die Premium-Version erlaubt tiefgehende Anpassungen im gesamten Betriebssystem und der dahinterliegenden digitalen Infrastruktur, bis hin zu Branding und individueller Benutzerführung für umfassende Produktintegrationen. Diese Variante ist ideal für Partner, die das Betriebssystem als Kern ihrer eigenen Produkte etablieren wollen.
LTS 3.6: Verbesserungen auf Systemebene
Um die langfristige Stabilität und Wartungsfähigkeit sicherzustellen, veröffentlicht Bosch Rexroth regelmäßig LTS-Versionen mit gezielten Erweiterungen. Das neue LTS-Release Ctrlx OS 3.6 ermöglicht unter anderem die Einbindung von Netzlaufwerken, um Speicherorte anderer Computer oder Server zu integrieren sowie einen einfachen Zugriff auf externe Medien wie USB-Sticks oder SD-Karten.
Ein neuer Partition Manager bietet eine effizientere Möglichkeit der Speicherverwaltung. Neu sind außerdem die Unterstützung von Redundanzprotokollen zur Gewährleistung hochverfügbarer Netzwerke und die detaillierte Analyse des Netzwerkdatenverkehrs auf Ebene des Transmission Control Protocols.
Sicherheit auf allen Ebenen
Sicherheit ist in der Automatisierung aufgrund zunehmender Vernetzung zur elementaren Voraussetzung geworden. Das unterstreichen auch neue gesetzliche Richtlinien wie der Cyber Resilience Act (CRA). ctrlX OS ist unter den Prizipien Secure-by-Design und Secure-by-Default entwickelt und erfüllt die Anforderungen der IEC 62443-4-2 Security Level 2 mit Zertifizierung durch den TÜV Rheinland.
Stand: 08.12.2025
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Winkler sagt: „Mit Ctrlx OS ist Bosch Rexroth bereits heute auf die Richtlinien des CRA vorbereitet. Bis Ende 2027 werden alle Produkte aus der Welt unseres Automatisierungsbaukastens 'Ctrlx Automation' auf die Kriterien ausgerichtet sein.“
Über Bosch Rexroth
Bosch Rexroth bietet Antriebs- und Steuerungstechnik für die Bewegung in Maschinen und Anlagen jeder Art und Größenordnung, in den Marktsegmenten Mobile und Industrie-Anwendungen sowie Fabrikautomation. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Hydraulik, Elektrische Antriebs- und Steuerungstechnik, Getriebetechnik sowie Linear- und Montagetechnik einschließlich Software und Schnittstellen ins Internet der Dinge. Mit einer Präsenz in mehr als 80 Ländern erwirtschafteten rund 32.600 Mitarbeitende 2024 einen Umsatz von 6,5 Milliarden Euro.