Komplexe Microservices-Architekturen erschweren die Fehlersuche erheblich. Mit automatischer Instrumentierung und KI-gestützten Ursachenanalysen lassen sich Probleme jedoch in Sekunden zumindest eingrenzen.
Eine Root-Cause-Analyse in Microservices ist wie eine Gefangenschaft in einem „Wimmelbid“ von Ali Mitgutsch.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
In den vergangenen Jahren ist der Betrieb verteilter Anwendungen mit Microservices-Architektur immer komplexer geworden. Zwar bieten sie Unternehmen Flexibilität und Skalierbarkeit, führen aber zu hochdynamischen IT-Landschaften mit Hunderten von Services und APIs.
Tritt ein Fehler auf, ist die Ursache selten sofort erkennbar. Häufig wird der Container automatisch beendet, wenn es zu einem Problem kommt. So fällt die Ursachenforschung schwer. Zum Beispiel kann ein Performance-Abfall im Frontend seine eigentliche Ursache tief in einer API-Kette oder in einem fehlkonfigurierten Hintergrunddienst haben.
Klassische Debugging-Methoden stoßen hier an Grenzen. Sie basieren auf isolierten Logs, Metriken und Traces, die nur schwer zu überblicken sind. Zudem lösen herkömmliche Monitoring-Werkzeuge eine Flut von Alarmen aus, die auch erfahrene IT-Teams schnell überfordern. So vergeht wertvolle Zeit, bis ein Vorfall verstanden und eingegrenzt ist.
Automatische Instrumentierung schafft Transparenz
Mehr Überblick entsteht durch eine automatische Service-Instrumentierung mit agentenbasierten Verfahren. Sie erfassen Abhängigkeiten kontinuierlich, auch wenn sich die Systemumgebung ständig verändert.
Eine zentrale Rolle spielt dabei eine Plattform, die durch agentenbasierte Full-Stack-Instrumentierung automatisch sämtliche Abhängigkeiten erfassen kann – unabhängig von Skalierung, Dynamik oder Architekturtyp. Darüber hinaus helfen offene Standards wie OpenTelemetry dabei, Telemetriedaten aus allen Quellen zusammenzuführen und in Echtzeit auszuwerten und zu visualisieren.
Dadurch wird die Kommunikation zwischen Services, dem Backend und externen Schnittstellen nachvollziehbar. Diese Informationen sind die Grundlage für die Visualisierung mit Service Maps und Entity Graphs. Während Service Maps Verbindungen zwischen internen und externen Komponenten darstellen, zeigen Entity Graphs die zeitlichen Abhängigkeiten. Sie demonstrieren, wo ein Problem erstmals in Erscheinung tritt und auf welche Weise es sich im System verbreitet. So werden Symptome von Ursachen getrennt.
Mithilfe AI-basierter Tool kann sich die Fehlersuche nicht mehr auf ein Wimmelbild aus Fehlerquellen und Alerts konzentrieren, sondern direkt auf die Komponente, die den Vorfall auslöst.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Für IT-Teams bedeutet das: Der Blick richtet sich nicht mehr auf ein Wimmelbild aus Fehlerquellen und Alerts, sondern direkt auf die Komponente, die den Vorfall auslöst. Zudem dienen die beiden Darstellungsformen auch als Wissensbasis für zukünftige Analysen. Je mehr Vorfälle untersucht werden, desto präziser und schneller können neue Anomalien bewertet werden.
KI als Basis für eine Ursachenanalyse
An dieser Stelle hat Künstliche Intelligenz ihren Auftritt. Eine KI-gestützte Ursachenanalyse geht über die reine Korrelation hinaus. Sie verknüpft Logs, Metriken und Traces über Services hinweg und erkennt kausale Zusammenhänge.
Anstatt Symptome isoliert zu betrachten, analysiert die KI, wie ein Problem durch die Architektur wandert und welche Komponente die eigentliche Ursache darstellt. Bei Dynatrace im Zentrum steht „Davis AI“, eine hypermodale KI-Engine, die nicht nur korreliert, sondern echte Kausalzusammenhänge erkennt und damit in Sekunden die primäre Ursache identifiziert.
So lässt sich innerhalb von Sekunden feststellen, ob eine Datenbank, ein API-Aufruf oder ein fehlerhafter Codeabschnitt den Ausfall verursacht hat. Dabei werden nicht nur technische Details, sondern auch die Auswirkungen auf die Nutzererfahrung und geschäftskritische Kennzahlen berücksichtigt.
Somit kann ein Vorfall noch vor der Eskalation eingedämmt werden. Ein Beispiel: Ein E-Commerce-Anbieter hat regelmäßig Lastspitzen mit steigenden Ladezeiten des Shops. Auf den ersten Blick weist vieles auf den Checkout-Service hin. Doch eine KI-gestützte Analyse zeigt, dass ein Konfigurationsfehler in einem tief verschachtelten Hintergrunddienst die Ursache ist.
Eine KI-gestützte Ursachenanalyse korreliert nicht nur; sie verknüpft Logs, Metriken und Traces über Services hinweg und erkennt kausale Zusammenhänge.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Ursachenanalysen mit Künstlicher Intelligenz erkennen solche Muster sofort und leiten unmittelbar gezielte Maßnahmen ein. Das spart Zeit in Situationen, in denen jede Minute zählt. Denn schon kleine Verzögerungen oder kurze Ausfälle können wirtschaftliche Folgen haben.
Incident Response
Durch die KI-gestützte Ursachenanalyse verwandeln sich isolierte Datenpunkte in verwertbare Handlungsempfehlungen. Dabei entsteht ein tiefes Systemverständnis, die Grundlage für präzise, automatisierte Reaktionen im Ernstfall. Besonders in Multicloud-Umgebungen, in denen Services aus unterschiedlichen Plattformen interagieren, zeigt sich die Stärke dieses Ansatzes.
Stand: 08.12.2025
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Die Veränderungen in der Incident Response sind erheblich. Statt Log-Dateien mühsam manuell zu durchsuchen, liefert die KI quasi sofort den relevanten Kontext. Alarmmeldungen erreichen schnell das zuständige Team und enthalten Details zu Ursache, Auswirkungen und betroffenen Nutzern.
Für den Betrieb größerer Infrastrukturen hat das positive Folgen. Die mittlere Reparaturzeit (Mean Time to Resolution, MTTR) sinkt von Stunden auf Minuten. In vielen Fällen bemerken die Anwender gar nicht, dass ein kritischer Vorfall aufgetreten ist. Er wurde im Hintergrund bereits identifiziert und behoben.
Eskalationen sind seltener
In der Praxis sinkt die Zahl unnötiger Eskalationen deutlich, da KI-Routinen zielgerichtet die richtigen Stellen informieren. Kunden berichten von einer Reduktion der Debugging-Zeiten um bis zu 95 Prozent . Das ist ein Beweis für die unmittelbare Wirkung intelligenter Automatisierung auf komplexe Produktionsumgebungen.
Ein weiterer Vorteil: KI-Systeme verbessern sich durch historische Daten und das Feedback der Teams kontinuierlich. Jede analysierte Störung trägt dazu bei, wiederkehrende Muster schneller zu erkennen. Dies ermöglicht es, potenzielle Probleme proaktiv zu vermeiden. So können Architekturen gezielt optimiert und Fehlerquellen systematisch eliminiert werden.
Vom reaktiven zum proaktiven IT-Betrieb
Analysen auf der Basis von KI bewirken einen Paradigmenwechsel bei Betrieb und Wartung von IT-Systemen. Aus dem rein reaktiven Prozess der Fehlersuche wird ein proaktiver, der potenzielle Probleme frühzeitig erkennt. Die gesamte IT-Infrastruktur gewinnt dadurch an Stabilität, Ausfallzeiten sinken.
Letztlich zahlt dies auf die Service Level Agreements ein. Die Anwender sind deutlich zufriedener, weil die IT-Systeme zuverlässiger arbeiten. Die intelligente Ursachenanalyse ist deshalb ein strategischer Erfolgsfaktor. Sie gibt Unternehmen die Kontrolle über die hochdynamischen Microservices-Architekturen zurück und macht Resilienz zu einem sicheren Alleinstellungsmerkmal.
Dabei wird die technische Entwicklung sicher nicht stehen bleiben, der nächste Schritt ist bereits absehbar: autonome Fehlerbehebung. Denn auch Gegenmaßnahmen lassen sich standardisieren und damit automatisieren. Damit sind selbstheilende Systeme möglich, die nur noch einen vergleichsweise geringen Aufwand beim Betrieb und Wartung machen.
*Der Autor Roman Spitzbart ist VP EMEA Solutions Engineering bei Dynatrace. Er sagt: Wenn ein Unternehmen auf diese Technologien setzt, verschafft es sich technische Vorteile und stärkt sein Geschäftsmodell. Denn Ausfälle müssen nicht mehr tagelang analysiert werden, sie lassen sich heute in Minuten eingrenzen und oft im laufenden Betrieb beheben.