Studien von TCS und Nutanix Bis 2026 verachtfacht sich hierzulande hybride Multicloud-Nutzung

Von Ulrike Ostler 6 min Lesedauer

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Hat im vergangenen Jahr noch die Modernisierung des eigenen Rechenzentrums in Richtung private Cloud im Vordergrund gestanden, machen die Unternehmen in Deutschland inzwischen ihre IT-Umgebungen fit für die hybride Multicloud. Das besagt zumindest der fünfte „Enterprise Cloud Index“ von Nutanix. Frei von Herausforderungen ist das nicht.

Studien von Tata Consultancy Services (TCS) und Nutanix zeigen Veränderungen im Umgang mit Cloud-Angeboten auf, weisen aber auch auf aktuelle Herausforderungen hin. (Bild:  frei lizenziert: JESHOOTS-com /  Pixabay)
Studien von Tata Consultancy Services (TCS) und Nutanix zeigen Veränderungen im Umgang mit Cloud-Angeboten auf, weisen aber auch auf aktuelle Herausforderungen hin.
(Bild: frei lizenziert: JESHOOTS-com / Pixabay)

Der Anteil hybrider Multicloud soll in Deutschland von heute 6 Prozent bis 2026 auf 50 Prozent steigen. das ist mehr als eine Verachtfachung in nur drei Jahren! Die Aussage lässt sich aus der aktuellen Ausgabe der Studie „Enterprise Cloud Index“ ableiten, die das Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne das fünfte Jahr in Folge für Nutanix erstellt hat.

Weltweit haben die Marktforscher im Dezember 2022 und Januar 2023 rund 1.450 IT-Entscheider, darunter 100 aus Deutschland, befragt. Die Teilnehmer der Umfrage kamen aus Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größe aus Nord- und Südamerika, Europa, dem Nahen Osten sowie Afrika (EMEA) sowie dem Mittleren Osten und aus dem asiatisch-pazifischen Raum einschließlich Japan (APJ).

Laut Untersuchung liegen in Deutschland die zentralen Herausforderungen in den Bereichen Management und Daten auf dem Weg zu einem integrierten und zentral gemanagten Miteinander von Infrastrukturen im eigenen Rechenzentrum und bei verschiedenen Public-Cloud-Anbietern. Peter Goldbrunner, Vice President und General Manager Central Europe bei Nutanix, kommentiert mit einem Blick zurück auf die Studienergebnisse des vergangenen Jahres: „Das Fazit aus dem vierten ECI-Bericht, dass die Strategie der Unternehmen in Deutschland, erst die technischen Voraussetzungen für die Integration von privaten und öffentlichen Cloud-Umgebungen zu schaffen, schon bald Früchte tragen wird, hat sich angesichts der Ergebnisse der diesjährigen Studie absolut bewahrheitet.“

Genutzte und geplante IT-Modelle (Aufgrund von Rundungen können die Summen der ausschließlich genutzten/geplanten Flächen nicht 100 Prozent ergeben)(Bild:  Nutanix)
Genutzte und geplante IT-Modelle (Aufgrund von Rundungen können die Summen der ausschließlich genutzten/geplanten Flächen nicht 100 Prozent ergeben)
(Bild: Nutanix)

Und mit Blick in die Zukunft setzt er hinzu: „Während aktuell der Anteil derer, die allein auf eine On-Premises-Infrastruktur setzen, noch bei 22 Prozent liegt und die hybride Multicloud erst bei 6 Prozent der Unternehmen in Deutschland Einzug gehalten hat, werden sich die Verhältnisse in den kommenden drei Jahren grundlegend wandeln. Zwar werden auch dann noch 18 Prozent der Unternehmen ihrem eigenen Rechenzentrum den Vorzug geben oder aus bestimmten Gründen geben müssen, aber die hybride Multicloud wird zum Goldstandard in Sachen Infrastruktur!“

Mehr Zahlen

  • 50 Prozent Verbreitung der hybriden Multi-Cloud in Deutschland bis 2026 ist ein deutlich höherer Zuwachs als im weltweiten Durchschnitt von zwölf auf 38 Prozent. Die ausschließliche Nutzung gehosteter Infrastrukturen von aktuell 18 Prozent wird laut Studie 2026 in Deutschland Geschichte sein.
  • Auch das Nebeneinander von gehosteten und On-Premises-Infrastrukturen werde im selben Zeitraum stark sinken, von aktuell 26 Prozent auf sechs Prozent. Ähnlich deutlich werde der Rückgang bei hybriden Cloud-Umgebungen, also einer Kombination von On-Premises-Infrastrukturen mit einem einzigen Public-Cloud-Angebot, von aktuell 25 Prozent auf neun Prozent ausfallen.
  • Zuwächse verzeichnen neben der hybriden Multi-Cloud nur die Nutzung eines einzigen Public-Cloud-Anbieters von drei auch acht Prozent und mehrerer, aber ausschließlich öffentlicher Cloud-Anbieter von heute null auf acht Prozent 2026.

Im aktuellen ECI-Bericht geben 100 Prozent der Umfrageteilnehmer aus Deutschland (ein Jahr zuvor waren es 97 Prozent) an, in den zurückliegenden zwölf Monaten eine oder mehr Anwendungen in eine andere IT-Umgebung verschoben zu haben – Ausdruck der flächendeckenden Modernisierung der IT-Infrastrukturen hierzulande. Die drei wichtigsten Beweggründe dafür seien Verbesserungen in Sachen Sicherheit und Compliance (52 Prozent), schnellerer Datenzugriff (46 Prozent) und eine bessere Anwendungskontrolle (40 Prozent).

Europa- und weltweit rangierten diese Gründe zwar gleichermaßen ganz oben auf der Prioritätenliste, allerdings lägen die dort erhobenen Werte in der Regel niedriger als in Deutschland: 44 und 46 Prozent (Sicherheit und Compliance), 42 und 41 Prozent (Datenzugriff) sowie 37 und 40 Prozent (Applikationskontrolle).

Herausforderungen in Sachen Daten: Kosten und Technik

Nach Studienangaben hat die Migration von Arbeitslasten in modernisierten und zunehmend hybriden Umgebungen jedoch zahlreiche Herausforderungen zutage gefördert, die vor allem das Thema Daten betreffen: Dazu zähle zuoberst die Datensynchronisierung, also die Fähigkeit, Datensätze über alle verschiedenen Umgebungen hinweg konsistent und frei von Fehlern zu halten, gefolgt von Datenanalyse und -orchestrierung, die 44 Prozent der Studienteilnehmer aus Deutschland offenbar Probleme bereiten.

Angesichts der Tatsache, dass weniger als die Hälfte der IT-Verantwortlichen in Deutschland, nämlich 46 Prozent (in EMEA sind es 44 Prozent und weltweit 40 Prozent) vollumfänglich wissen, wo ihre Daten liegen, überraschten diese Herausforderungen nicht, so die Studie. Dass 94 Prozent der Befragten aus Deutschland, ebenso viele wie in EMEA und weltweit, zentrale Plattformen für das umgebungsübergreifende Management von Anwendungen und Daten für die ideale Lösung halten, lege den Schluss nahe, dass vielen Unternehmen hierzulande wie in Europa und weltweit die technischen Mittel fehlen, die genannten Herausforderungen zu meistern (siehe auch: Kasten).

Die wachsende Bedeutung der Daten zeige sich auch beim Thema Kosten. So bezeichnen 84 Prozent der Unternehmen aus Deutschland (81 Prozent in EMEA und 85 Prozent weltweit) die Fähigkeit, ihre Kosten in der Cloud kontrollieren zu können, als Herausforderung und ein Drittel von ihnen sogar als signifikante Herausforderung. Offenbar sind dabei jedoch die Kosten, die bei der Migration von Anwendungen anfallen, nicht gemeint.

Die Herausforderungen bezüglich der Daten und deren Managment im Mix and Match hybrider Multiclouds weltweit(Bild:  Nutanix)
Die Herausforderungen bezüglich der Daten und deren Managment im Mix and Match hybrider Multiclouds weltweit
(Bild: Nutanix)

Denn diese sinken in der Rangfolge der Beweggründe für diese Migration immer weiter nach unten. Rangierten sie im vierten ECI-Bericht noch an vierter Stelle, landen sie in der aktuellen Studie in Deutschland mit 18 Prozent (19 Prozent in EMEA und 21 Prozent weltweit) auf Platz 11 und damit wie in Europa und weltweit an letzter Stelle.

Anscheinend treten die Herausforderungen, die in gemischten Infrastrukturen vor dem Hintergrund eines sich weiter beschleunigenden Datenwachstums und der Zunahme Cloud-nativer Anwendungen für die Unternehmen entstehen, immer offener zutage. Dazu Goldbrunner: „Public-Cloud-Angebote, ihre Preismodelle und Gebühren ändern sich ständig. Das macht es schwer für die Unternehmen, die in gemischten Infrastrukturen anfallenden Gesamtbetriebskosten realistisch einzuschätzen und in ihren Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen, bevor sie Anwendungen und insbesondere große Datenmengen verlagern.“

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TCS-Studie: EU-Konzerne investieren nur zögerlich in die Cloud

Nahezu zeitgleich ist eine Studie von Tata Consultancy Services (TCS) mit ähnlichem Fokus erschienen. Demnach erkennen 63 Prozent der EU-Großunternehmen in der Cloud-Nutzung Potenzial, haben aber Aufholbedarf gegenüber anderen Weltregionen. TCS erkennt als größte Hindernisse Nachhaltigkeitsaspekte, Sicherheitsbedenken und Verantwortlichkeiten.

21 Prozent der europäischen Großunternehmen räumen ein, in den vergangenen drei Jahren zu wenig in die Cloud-Technologie investiert zu haben. (Bild:  TCS)
21 Prozent der europäischen Großunternehmen räumen ein, in den vergangenen drei Jahren zu wenig in die Cloud-Technologie investiert zu haben.
(Bild: TCS)

Das indische IT-Beratungsunternehmen hat für die Studie „Connected Future: How cloud drives business innovation“ weltweit rund 1.000 Führungskräfte unterschiedlicher Unternehmen aus Branchen wie Versicherung, Finanzen, Life Science, Logistik und Energie befragt.

Hemmnisse bei Cloud-Investitionen

21 Prozent der europäischen Großunternehmen (gegenüber 9 Prozent in Nordamerika, 11 Prozent in Großbritannien und Nordirland, 12 Prozent in APAC) räumen ein, in den vergangenen drei Jahren zu wenig in diese Technologie investiert zu haben. Die größten Hürden für Cloud-Investitionen sehen sie unter anderem in der Intransparenz der CO2-Bilanz der Cloud-Service-Anbieter (EU: 40 Prozent, DACH: 36 Prozent), der Sorge vor Störungen und ungeplanten Ausfallzeiten (EU: 37 Prozent, DACH: 34 Prozent), der Migration von vollständig optimierten IT/ERP-Altsystemen (EU: 36 Prozent, DACH: 36 Prozent), in den hohen Kosten (EU: 23 Prozent, DACH: 25 Prozent) sowie bei Sicherheitsbedenken (EU: 22 Prozent, DACH: 29 Prozent). Des Weiteren dürfen auch Faktoren wie die Inflation und die widersprüchlichen Vorschriften bei der Datenresidenz, also darüber, wo die Daten physisch und geografisch gehostet werden, nicht außer Acht gelassen werden.

Bhuwan Agrawal, Vice President & Head, Central Europe TCS, interpretiert das wie folgt: „Die Diskussion um den Return on Investment der Cloud spiegelt ein hohes Maß an Sensibilität mit Blick auf Aspekte wie Transparenz, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Datenschutz wider. Es ist wichtig, diese Debatte offen zu führen und alle Beteiligten mitzunehmen. Nur dann kann das volle Potential der Cloud auch genutzt werden.“

Cloud als Treiber von Zukunftstechnologien

KI und maschinelles Lernen sind die Bereiche, die für europäische Unternehmen das größte Zukunftspotenzial haben. Fast drei Viertel (72 Prozent) der Befragten in Europa sowie der DACH-Region gaben an, dass sie in den kommenden ein bis zwei Jahren darin investieren wollen. Im globalen Vergleich hinken sie dennoch hinterher: In Großbritannien und Irland planen 78 Prozent der Unternehmen Investitionen, in Nordamerika 80 Prozent und in der APAC-Region sind es sogar 83 Prozent.

Agrawal sieht die Cloud-Nutzung unmittelbar damit verbunden: „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Investitionen in die Cloud für europäische Unternehmen unerlässlich,” sagt er. „Die Cloud ist heute Treiber der Unternehmenstransformation und ein Katalysator für Innovationen.“ Daher müsse sie auch als tragende Säule in der Geschäftsstrategie verankert werden.

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